Andreas Föhr – Totensonntag

Roman: “Totensonntag” von Andreas Föhr, ein Krimi, der am Tegernsee spielt

Die Kommissare Wallner und Kreuthner sind wieder da. Wieder mit einer Geschichte, die rund um den Tegernsee spielt, aber diesmal ist doch einiges anders. Die bisherigen Bücher spielten jeweils in der Gegenwart, nun geht es zurück zu den Anfängen des Kommissarenduos. Unter ihrem Vorgesetzten Lukas ermitteln die beiden im Jahr 1992.

Doch der Fall reicht noch viele Jahre weiter zurück, bis in die letzten Kriegstage im Mai 1945. Wie das gesamte Tegernseer Tal erwarten auch die Menschen im Dorf Dürnbach die Ankunft der amerikanischen Armee, die von Bad Tölz aus auf das Tal vorrückt. Für die meisten Bewohner des Ortes ist es das Warten auf die Befreiung, vor allem aber für die Gefangenen, die auf ihrem Todesmarsch in einer Scheune eingesperrt sind. Die Schergen des untergehenden Reiches fürchten die Rache der anderen.

Und es ist vielleicht die letzte Gelegenheit für persönliche Abrechnungen innerhalb der Dorfgemeinschaft. Möglicherweise auch eine Gelegenheit, sich möglicher Konkurrenten um das Erbe eines Bauernhofes zu entledigen.

Die Kommissare Wallner und Kreuthner erfahren von den Ereignissen im Mai 1945 auf dem Hirschberghaus. Eigentlich sind sie zum “Austrinken” auf den Hirschberg gewandert, einem Gelage, bevor die Hütte renoviert wird. Dann geraten sie aber in eine Geiselnahme, in deren Verlauf der Geiselnehmer stirbt. Kurz zuvor gibt er den Polizisten noch Hinweise auf einen geheimnisvollen Sarg.

Durch den Kunstgriff, zu den Anfängen des Kommissarduos Wallner und Kreuthner ins Jahr 1992 zu wechseln, wird die Geschichte möglich. Die Protagonisten aus dem Jahr 1945 sind nun mit etwa 70 Jahren im Rentenalter und bilden die Besetzung des Dürnbacher Stammtisches. Wie zu erwarten ist, haben sie kein Interesse, den jungen Polizisten zu helfen und schweigen.

Wie üblich bei den Wallner/Kreuthner Krimis von Andreas Föhr gibt es eine Menge Lokalkolorit. Wer die Gegend um den Tegernsee etwas oder auch sehr gut kennt, wird viele Orte der Handlung wiedererkennen. Natürlich gibt es auch wieder komische Szenen, besonders der anarchische und wenig gesetzestreue Kreuthner sorgt für haarsträubende Szenen, die aber immer zur Handlung gehören.

In diesem Buch wird auch erklärt, warum Clemens Wallner immer friert, das Verhältnis zu seinen Eltern wird beschrieben und wir lernen auch seine Großmutter kennen, die in den vorherigen Büchern nie erschienen ist.

Und obwohl das Thema des Buches ernst und schwierig ist, lässt sich die Geschichte gut lesen. Auch der Wechsel zwischen dem ernsten Kriegsthema und dem schrägen Humor des Polizisten Kreuthner funktioniert, da die beiden Themenbereiche zeitlich und durch die Kapitelunterteilung eindeutig voneinander getrennt sind.

Spannend ist es sowieso, die Krimis von Andreas Föhr sind echte Kriminalromane, keine leichten und schlichten Heimatbücher. Daher kann ich auch dieses Buch, ebenso wie die anderen der Reihe, wirklich empfehlen. Es ist spannend geschrieben, ohne Längen, hat eine gute und stimmige Geschichte, eine passende Menge Humor und darum habe ich es in wenigen Tagen durchgelesen.

Totensonntag
Andreas Föhr
400 Seiten
Taschenbuch, broschiert
20,4 x 12,4 x 3,4 cm
Knaur HC Verlag
ISBN: 978-3-4262-1361-2

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