Andreas Föhr – Schwarze Piste

Dieser Krimi spielt rund um Wallberg und Tegernsee: Andreas Föhr – Schwarze Piste

Regionalkrimis finde ich häufig recht zwiespältig. Man nehme einen Kommissar, der irgendeine lustige Schrulle hat, lasse die Personen Dialekt sprechen und skurrile Dinge erleben, dann ist es schon fast egal, ob die Geschichte logisch ist. Weil Regionalkrimis gerade Trend sind, wird’s schon klappen. Darum habe ich auch echte Sorgen gehabt, als ich den Klappentext des über 400 Seiten starken Kriminalromans “Schwarze Piste” von Andreas Föhr gelesen habe.

Andreas Föhr: Schwarze Piste – Coverfoto: Knaur-Verlag

Andreas Föhr: Schwarze Piste – Coverfoto: Knaur-Verlag

Der Klappentext verspricht genau diese skurrilen Momente: Onkel Simon ist tot. Um seinen letzten Wunsch zu erfüllen, verstreut Polizeiobermeister Kreuthner die Asche des Onkels auf dem verschneiten Wallberg. Versehentlich weht die Asche einer Skifahrerin ins Gesicht. So weit, so erwartbar.

Als Keuthner, vom schlechten Gewissen der Frau Gegenüber geplagt, mit ihr durch den inzwischen dunklen Wald abfährt, verfahren sie sich zunächst. Beim Versuch, den richtigen Weg zu finden, stoßen sie dann auf eine gefrorene Leiche.

Die Geschichte beginnt jedoch mit einer Rückblende: Ein Autofahrer wird im Wald hinter Miesbach in eine Falle gelockt und entführt. Bei einer Polizeikontrolle fällt der Entführte im Kofferraum aber nicht auf. Polizeiobermeister Kreuthner nutzt die Gelegenheit aber, um an das Geld zu gelangen, das er zur Begleichung seiner Spielschulden benötigt.

Der weitere Verlauf des Romans beginnt drei Jahre später mit dem Tag des Leichenfundes.
Jetzt wird aber die Erzählung auch deutlich ernsthafter, die lustigen Begebenheiten rücken zugunsten einer echten Krimihandlung in den Hintergrund.

Nun werden in “Schwarze Piste” Themen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, langsam miteinander verknüpft: Zwei Schwestern, die einen Gnadenhof für Tiere im Tegernseer Land betreiben. Eine ehemalige studentische Wohngemeinschaft aus dem Umfeld der RAF, deren Mitglieder in der Gegenwart wieder aufeinander treffen. Und Figuren aus der Wasserburger Halbwelt. Gibt’s in Wasserburg eine Halbwelt? Man lernt nie aus.

Ermittelt wird von der Miesbacher Polizei. Die Hauptfiguren hier sind Polizeiobermeister Kreuthner und Kommissar Wallner. Kreuthner kennt die Ganoven rund um Miesbach ein wenig zu gut und bewegt sich gleichermassen gut auf beiden Seiten des Gesetzes. Hiermit bringt er einerseits die Ermittlungen durch sein unkonventionelles Vorgehen voran, bringt sich aber auch selbst in Gefahr. Und seinen Vorgesetzten Wallner in Erklärungsnot, weil Keuthner hinter seinem Rücken wieder eigenmächtig gehandelt hat und er ihn decken muss.

In “Schwarze Piste” gibt es gleich mehrere Tote, dazu einen Hauptgegner, der teilweise brutal, aber intelligent berechnend vorgeht. Er ist auf keinen Fall sympathisch: Sein planvolles Vorgehen, gepaart mit seiner Skrupellosigkeit, hält die Spannung in der Geschichte aber bis zum Schluss aufrecht.

Der Tegernsee, vom Wallberg aus gesehen. Die Geschichte des Buches spielt allerdings im Winter

Der Tegernsee, vom Wallberg aus gesehen. Die Geschichte des Buches spielt allerdings im Winter

Die gesamte Handlung spielt im Voralpenland südlich von München, hauptsächlich rund um den Tegernsee und den Landkreis Miesbach. Wer sich also in der Gegend rund um den Wallberg ein wenig auskennt, wird viele Orte der Handlung wiedererkennen.

Die titelgebende schwarze Piste bezieht sich auf die Skiabfahrt am Wallberg. Aber auch die Dörfer und Gemeinden, in denen die Geschichte spielt, sind einem mindestens vom Weg zum Tegernsee, Schliersee oder in die dortigen Berge bekannt.

Der Autor des Buches, Andreas Föhr ist gelernter Jurist und hat als Anwalt gearbeitet. Danach hat er Drehbücher für Fernsehserien verfasst, unter anderem für “Ein Fall für Zwei”, “Soko 5113” oder auch den “Bullen von Tölz”.

Das Buch ist sehr gut zu lesen, so dass ich die über 400 Seiten lange Geschichte an einem Wochenende durchgelesen hatte. Meine anfängliche Sorge, mich durch das dicke Buch quälen zu müssen, war also gänzlich unbegründet. Im Gegenteil: Wer gut geschriebene Krimis mit regionalem Einschlag mag, hat an diesem Buch bestimmt seine Freude. Es gibt die skurrilen Momente, aber sie treten hinter der eigentlichen Krimihandlung sehr schnell zurück.

“Schwarze Piste”, das ich direkt vom Knaur Verlag erhalten habe, ist bereits das vierte Buch von Andreas Föhr mit dem Duo Keuthner/Wallner. Im Buch “Schafkopf” geht es an den Riederstein, das werde ich dann als nächstes lesen. Die weiteren Romane sind “Karwoche” und “Der Prinzessinnenmörder”, in dem die Leiche im Spitzingsee gefunden wird.

Schwarze Piste
Andreas Föhr
432 Seiten
Taschenbuch, broschiert
20 x 12,6 x 3,6 cm
Knaur HC Verlag
ISBN: 978-3-4262-1353-7

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