Berg 2015 – Das Alpenvereinsjahrbuch

Das Jahrbuch des Alpenvereins mit dem Schwerpunkt Zillertaler Alpen

Jedes Jahr im Herbst erscheint das neue Alpenvereins-Jahrbuch, von den Alpenvereinen DAV, OeAV und AVS gemeinsam herausgeben. Warum stelle ich dieses Buch jetzt im Outdoor-Blogger Adventskalender vor, wo fast alle andern über Winterthemen schreiben und zumindest der virtuelle Schnee schon über die Blogs rieselt?

Das Alpenvereinsjahrbuch Berg 2015 - Cover: Tyrolia Verlag

Das Alpenvereinsjahrbuch Berg 2015 – Cover: Tyrolia Verlag

Dieses Buch gehört für mich seit einigen Jahren zum Winter und zur Adventszeit dazu. Wenn man nicht gerade im Vorweihnachtsstress ist, Geschenke sucht, sich mit anderen Bloggern zum Glühwein trifft oder Vorträge besucht, hat der Herbst viele lange Abende und lange, graue Wochenenden. An denen möchte man auch als Outdoor-Freund nicht raus und ist froh, wenn man mit Decke und Kaffee auf dem Sofa hocken kann und ein gutes Buch lesen kann. Zumindest geht es mir so. Und genau dafür ist das Alpenvereinsjahrbuch ideal!

Auch wenn Ihr noch keines der Jahrbücher besitzt, habt Ihr es möglicherweise schon einmal auf einer Hütte gesehen. Auf vielen Alpenvereinshütten steht eine ganze Regalreihe voll mit den gesammelten Ausgaben, mal mehr, mal weniger abgegriffen. Da lassen sich manche alte Schätze finden, vor allem, wenn man noch Ausgaben aus den Siebzigern oder Achtzigern findet.

Nun also Band 139, so lange gibt es das Alpenvereinsjahrbuch schon, ein echtes Standardwerk der Alpinliteratur. Die Ausganbe 2015 ist 256 Seiten stark und wie die Vorgänger im mittelgroßen, sofatauglichen gebundenen Format erschienen. Es vereint aktuelle Berichte aus dem vergangenen Bergjahr mit zeitlosen Artikeln oder historischen Artikeln, die häufig runde Jahrestage als Anknüpfungspunkt haben.

Die jeweils mehrseitigen Artikel sind durchweg von hoher Qualität und hervorragend bebildert. Journalisten und Bergbuchautoren finden sich in der Autorenliste, bekannte Bergfotografen in den Fotoverweisen. Beeindruckende aktuelle Alpinfotografie und historische Aufnahmen finden sich durchgehend, teilweise als Ganzseite oder Doppelseite. Ein Buch, dass ich Euch wirklich empfehlen möchte, zumal ich auch den Preis wirklich günstig finde: Nur 18,90 Euro zahlt man für das Buch. Und wer als Alpenvereinsmitglied direkt beim Alpenverein kauft (hier: DAV-Shop), bekommt sogar die neu aufgelegte Alpenvereinskarte „Zillertaler Alpen Mitte“ dazu.

Das reicht auf jeden Fall für vier Adventssonntagnachmittage. Und bestimmt auch noch für die Weihnachtsfeiertage. Wobei ich ja hoffe, dass wir dann doch raus in den Schnee können. Aber was erwartet uns in der aktuellen Ausgabe Berg 2015? Hier ein kurzer Überblick:

Berg 2015

Die aktuelle Ausgabe des Alpenvereinsjahrbuchs hat die BergWelten im Zillertal zum Schwerpunkt, was mich besonders freut. Ich war schon ein paar mal im hinteren Zillertal, darunter auch auf dem Berliner Höhenweg. Und auch auf einem legendär verregneten Bloggerwochenende. Das Zillertal ist eine der geschichtsträchtigsten Regionen der Alpingeschichte. Im hinteren Zillertal der Naturpark Zillertal, eine beeindruckende hochalpine Welt voller Fels und Eis, mit Höhenwanderwegen, Hochtourenzielen, unzähligen Kletterrouten, traditionsreichen Hütten und einem Hüttenneubau. Aber es ist auch ein Gebiet der intensiven Nutzung der Wasserkraft mit mehreren Speicherseen.

Wildbach in den Zillertaler Alpen - Foto: Horst Ender

Wildbach in den Zillertaler Alpen – Foto: Horst Ender

Das vordere Zillertal ist gekennzeichnet durch intensiven Tourismus, Verkehr und Industrie. Vorne der Massenbetrieb, hinten der einsame Teil. Zwei Seiten eines Tals, die man sich gegensätzlicher kaum vorstellen kann. Einer der Artikel handelt von der Berliner Hütte, die erste Alpenvereinshütte, die unter Denkmalschutz gestellt wurde. Eine ganz großartige Hütte, die man auf jeden Fall einmal besucht haben sollte!

Die Berliner Hütte im Zemmgrund - Foto: Luc Roger, Sektion GOC

Die Berliner Hütte im Zemmgrund – Foto: Luc Roger, Sektion GOC

Der BergFokus handelt vom Ferntourismus und Expeditionen. Eine Kulturgeschichte des Reisens und ein Artikel über die Reisen der Gebrüder Schlagintweit ins Indien des 19. Jahrhunderts führen ebenso in die Historie wie die Geschichte des Expeditionsbergsteigens. Dazu wird die Bedeutung der Berge als Wirtschaftsfaktor gezeigt.

BergSteigen widmet sich den aktuellen Akteuren des Bergsports. Nicht zu Unrecht trägt die Chronik der Bergsteigersaison 2013/2014 den Titel „Alpinismus im Rampenlicht / Alpinismus im Zwielicht“. Eine vielzahl wichtiger Besteigungen, Kletterwettbewerbe und Auszeichunungen werden hier in einem langen Artikel zusammengefasst. Aber auch die Notwendigkeit, mittlerweile Erfolge möglichst umfassend dokumentieren und beweisen zu müssen, wird angesprochen. Die Unsicherheit, ob der Gipfel wirklich erreicht wurde oder nicht, inzwischen ist sie fester Bestandteil des Bergsteigergeschäfts.

Bergsteigen in Alaska, ein Portrait von bei uns völlig unbekannten Spitzenbergsteigern aus den Anden und der Great Himalaya Trail sind ebenfalls Bestandteil des BergSteigen Kapitels. Dazu ein langer Artikel über das Klettern im Elbsandsteingebirge. Wie viel Moderne darf in das traditionelle Klettern eindringen, ohne dass die Tradition verloren geht?

Deutlich zurückgenommener und ruhiger wird es im „BergMenschen“ Kapitel. Wie ist das Leben im Navistal, einem stillen Seitental unweit der Brennerautobahn in Tirol? Ein langer Artikel über die Bewohner, die sich noch viel ihrer Tradition bewahren konnten und nicht vollständig vom Tourismus ahängig sind.
Weitere Artikel handeln ebenfalls von BergMenschen, die sonst nicht im Fokus der Bergsportmagazine stehen: Ein Interview mit dem schottischen Bergführer Sandy Allen, der mit fast 57 Jahren den Mazenagrat am Nanga Parbat Erstbegangen ist. Barbara Hirschbichler, die im Karakorum hierzulande unbekannte Berge besteigt und sich für die Einheimischen engagiert. Andy Parkin, der sowohl Bergsteiger als auch Künstler ist und beide Welten miteinander verbindet. Und an Julius von Payer, der sich um die Erschließung von Adamello und Ortler verdient gemacht hat, erinnert das Buch. anlässlich seines 100. Todestages.

Turnerkamp, Hornkees und der Große Möseler spiegeln sich im Schwarzsee - Foto: Horst Ender

Turnerkamp, Hornkees und der Große Möseler spiegeln sich im Schwarzsee – Foto: Horst Ender

Zurück in die Gegenwart von GPS, Klimawandel und Hirnforschung fürhrt das BergWissen Kapitel. Ausführlich wird das Alpenvereinsportal alpenvereinaktiv.com vorgestellt, das, wie das Buch, ein Gemeinschaftsprojekt der drei Alpenvereine aus Deutschland, Österrreich und Südtirol ist. Von der Alpenvereinskarte auf dem Smartphone geht es gleich über zur den Karten früherer Zeiten: 150 Jahre Alpenvereinskartographie, sehr interessant. Mit aktuellen und künftigen Entwicklungen und Problemen befassen sich die nächsten Artikel, wenn auch in ganz unterschiedlichen Bergregionen. Die, mir zuvor völlig unbekannte, EU-Strategie für den Alpenraum, EUSALP, wird detailliert vorgestellt. Der andere Artikel, „Eisdrama am dritten Pol?“, beschreibt, welchen Einfluss die Gletscher des Himalaya auf die dort lebende Bevölkerung haben. Damitnatürlich auch, mögliche Auswirkungen der Klimawandel auf die Bewohner dort haben kann. Zu einem völlig anderen Thema: „Reine Kopfsache“ befasst sich mit den Wirkungen von Bergsteigen, Klettern und anderen Alpinsportarten und das Gehirn. Spannend.

Das Kapitel BergKultur steht diesmal ganz im Zeichen einer Zeit, die vom völligen Kulturverluts geprägt war. Dem Gebirgskrieg in den Alpen, der vor 100 Jahren ausgebrochen ist. Bergsteigen und Skifahren waren plötzlich keine Sport- und Freizeitvergnügen mehr, sondern kriegswichtige Fähigkeiten. Tagebücher und Feldpostbriefe eines österreichischen Soldaten zeigen ein Bild der Gefühlslage der einfachen Soldaten. Die Kriegsberichterstatterin Alice Schalek wird vorgestellt, die ebenfalls aus dem ersten Weltkrieg berichtete. Der erste Beitrag des Kaitels handelt vond er Rolle des Alpenvereins im Verlauf des ersten Weltkriegs. Zuletzt wird noch die Kriegssammlung des Alpinen Museums in München vorgestellt. Nur der letzte Artikel des Kapitels „BergKultur“ führt zurück in die Gegenwart, schon erkennbar daran, dass es zum Schluß wieder Farbfotos gibt: Die Ötscherregion, das „Ötscherreich“ wird vorgestellt.

Insgesamt ist Berg 2015 wieder ein Buch, dass ich, wie die Vorgängerbücher sehr gern gelesen habe und immer noch lese. Eine große Empfehlung für alle, die gerne in die Berge gehen oder noch ein passendes Weihnachtsgeschenk suchen.

Links:

Buchvorstellung Berg 2015 beim Alpenverein
Leseprobe „Der Hausmeister im Tal“ über Gerhard Hörhager und Sportklettern im Zillertal als PDF
Leseprobe „Die Hütte als Schaustück“ über die Berliner Hütte als PDF

Alpenvereinsjahrbuch Berg 2015
Herausgeber: Deutscher Alpenverein, Österreichischer Alpenverein , Alpenverein Südtirol
256 Seiten
Tyrolia-Verlag
ISBN: 978-3-7022-3410-2
18,90 €

Buch und Karte:

Der Outdoor Blogger Adventskalender #OutdoorAdvent

Der Outdoor Blogger Adventskalender ist eine Gemeinschaftsaktion von vielen Outdoor-Bloggern, die sich Sven von aufundab.eu ausgedacht hat. Jeden Tag ein anderer Blogger, jeden Tag eine andere Outdoor-Geschichte. Mehr zur Aktion könnt Ihr direkt bei aufundab.eu lesen. Bisher haben schon Aufundab, St. Bergweh, Wohlgeraten, Kulturnatur und Klimbingkorns ihre Türchen mit einer Geschichte geöffnet. Die nächste Geschichte könnt Ihr am 8. Dezember bei Jens im Hiking-Blog lesen.

Das Outdoor-Blogger-Advent Logo stammt übrigens von Torben, der das Wandervideoblog betreibt.

Vielen Dank an den Tyrolia-Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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