Kreuzzug – Marc Ritter

Ein Krimi an und auf der Zugspitze: Marc Ritter: Kreuzzug

Ein Bergbuch der ganz anderen Art. “Kreuzzug” von Marc Ritter ist ein Thriller, der rund um die Zugspitze spielt. Die Geschichte: Am 6. Januar 2012 befinden sich über 5000 Menschen auf der Zugspitze. Da der Dreikönigstag in Bayern ein Feiertag ist und herrliches Skiwetter herrscht, zieht es die Skifahrer auf Deutschlands höchsten Berg.

Marc Ritter: Kreuzzug - Ein Thriller, der an der Zugspitze spielt

Marc Ritter: Kreuzzug – Ein Thriller, der an der Zugspitze spielt

Ein Zug der Bayerischen Zugspitzbahn, vollbesetzt mit Skifahrern, wird durch einen Felssturz vor dem Zug im Berg gestoppt. Direkt darauf ein zweiter Felssturz, diesmal hinter dem Zug. 200 Skifahrer sitzen in der Falle. Und schnell zeigt sich, dass es kein Unglück ist, denn plötzlich sind schwerbewaffnete Terroristen im Zug und nehmen die Fahrgäste als Geiseln.

Die Zugspitzbahn im Bahnhof Eibsee

Die Zugspitzbahn im Bahnhof Eibsee

Während sich die Mitarbeiter der Zugspitzbahn, die Rettungskräfte des Landkreises und die Gebirgsjäger auf die Bergung der Verschütteten vorbereiten, zu denen es keine Verbindung mehr gibt, wird auch außen klar, dass es sich nicht um ein Unglück handelt, sondern um einen Terrorakt. Die amerikanische und die deutsche Regierung werden erpresst. Auch die über 5000 Wintersportler auf der Zugspitze sind nun Geiseln.

Ein Krisenstab wird im Eibsee-Hotel, direkt unterhalb der Zugspitze eingerichtet. Während sich Bundes- und Landespolitiker mit Hilfe des Fernsehens ins rechte Licht zu rücken versuchen, tobt ein Kompetenzgerangel zwischen Polizei, Bundeswehr, Geheimdiensten und der Ministerialbürokratie an der Zugspitze und in Berlin. Die Bundeskanzlerin erwägt, den Verteidigungsfall auszurufen. Und Thien Hung Baumgartner, ein Bergfotograf aus Partenkirchen mit vietnamesischen Wurzeln, sitzt in der eingeschlossenen Bahn und überlegt, wie er wieder herauskommen und möglicherweise der strahlende Held werden kann.

Das Eibsee-Hotel mit dem zugefrorenen See im Vordergrund

Das Eibsee-Hotel mit dem zugefrorenen See im Vordergrund

In der Ruine eines ehemaligen Hotels oben am Berg sitzt währenddessen versteckt ein CIA Agent vor seinen Überwachungsmonitoren. Er weiß, dass hier eine Aktion völlig aus dem Ruder gelaufen ist und fürchtet nun selbst um sein Leben. Dann werden die Träger der österreichischen Zugspitz-Seilbahn geprengt, über die die Skifahrer vom Gipfel evakuiert werden sollten …

In mehr als 100 Kapiteln, die meistens nur zwei bis fünf Seiten lang sind, werden die Stunden der Geiselnahme an verschiedenen Schauplätzen beschrieben. Im eingeschlossenen Zug, an mehreren Orten auf der Zugspitze, in Höhlensystemen innerhalb des Berges, in dem zum Krisenlagezentrum umfunktionierten Eibsee-Hotel, im Bundeskanzleramt in Berlin, in der CIA-Zentrale in Langley in den USA und weiteren Orten spielt die Geschichte.

Die Sprache des Buches ist knapp, präzise und sachlich, teilweise eher wie ein Tatsachenbericht als ein Roman. Entsprechend bekommen die Figuren auch wenig Tiefe. Auch Thien Hung Baumgartner und seine Exfreundin Sandra, die sich ebenfalls auf den Berg aufmacht, bleiben als Charaktere recht flach und eignen sich wenig als Sympathieträger zum mitfiebern. Aber das passt hier auch, denn die Handlung wird durch schnell und spannend vorangetrieben, teilweise überschlagen sich die Ereignisse fast.

Neben der eigentlichen Geschichte gibt es viele Seitenhiebe auf die die Politik und die Medien. Besonders einige Politiker werden sehr auf Wiedererkennbarkeit angelegt. Bei der nie mit Namen genannten Kanzlerin ist völlig klar, wer gemeint ist. Auch die etwas schrille Fraktionsvorsitzende der Grünen in Berlin erkennt man gut wieder.

Geradezu bildlich kann man sich das Gerangel zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten und dem jungen, adeligen Bundesverteidigungsminister vorstellen. Beiden geht es vornehmlich darum, sich mit Hilfe des Privatfernsehens gegenüber dem jeweils anderen als der bessere Krisenmanager zu inszenieren. Auch den Moderator, zu dem der Verteidigungsminister ein besonderes Verhältnis pflegt, wird man wiedererkennen.

Das zeigt allerdings auch ein Problem des Buches: Es lehnt sich stark an tatsächlich existierende Personen an, auch wenn eine Anmerkung am Ende das Gegenteil behauptet. Ein Witz des Autors oder wurde es von der besorgten Rechtsabteilung des Verlages gefordert? Der hier so eindeutig erkennbare Verteidigungsminister war zum Erscheinen des Buches aber schon ein Jahr lang nicht mehr im Amt.

Die leicht skurrilen, aber auch erschreckend nachvollziehbaren Politiker-Ränkespiele und Eitelkeiten beschränken sich vornehmlich auf den ersten Teil des Buches, danach wird es bitterernst.

Was mich beim Lesen ein wenig gestört hat, waren die eingestreuten Kapitel in Südamerika. Sie sind zum Verständnis der Motive der Täter notwendig, reißen aber etwas aus dem Lesefluß, da sie räumlich und zeitlich einen starken Sprung darstellen. Auch das Ende des Buches kommt etwas abrupt und kurzatmig, was aber nichts daran ändert, dass das Buch wirklich sehr spannend und gut zu lesen ist.

Der Ort des Geschehens: Die Zugspitze, vom Eibsee aus gesehen

Der Ort des Geschehens: Die Zugspitze, vom Eibsee aus gesehen

Man merkt, dass der Autor Marc Ritter sich tief in die Materie eingearbeitet hat, während des Lesens erscheinen die Details sehr stimmig und gut nachvollziehbar. Er stammt aus Garmisch-Partenkirchen und hat damit schon eine profunde Ortskenntnis, die er bei den Recherchen zum Buch noch vertieft hat, wie man auch anhand der umfangreichen Literaturliste und des Glossars am Ende des Buches sehen kann.

Auch für den Leser ist es sicher vorteilhaft, wenn man die Gegend um die Zugspitze schon kennt oder sogar vor dem Lesen des Buches schon mal oben war. Zum Einen, weil es immer Spaß macht, über Orte zu lesen, die man selbst kennt. Zum Anderen, weil man sich, nachdem man das Buch gelesen hat, möglicherweise nicht mehr unbefangen in die Zugspitzbahn setzen mag …. Und wer noch nicht da war, kann sich anhand der Karte in den Klappen des Buches und des Glossars informieren, um einen ersten Überblick zu erhalten.

Insgesamt bekommt man mit dem Buch eine sehr spannende, gut geschriebene Geschichte, die einige Wendungen beinhaltet. Dazu gibt es aktuelle Bezüge, Politikkritik und einen guten Schuss Verschwörungstheorien. Eine spannende Geschichte, die ich jedem empfehlen kann, der sich für Thriller interessiert und die Zugspitze mag.

Kreuzzug
Marc Ritter
560 Seiten
21 x 13,4 x 6 cm
Droemer Verlag
ISBN: 978-3-4262-2618-6
16,99 € (Buch)
14,99 € (Kindle)
24,99 € (Hörbuch)

Links:
Homepage von Marc Ritter
“Kreuzzug” bei Droemer-Knaur mit Leseprobe

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