Was sind Grödel?

Winterausrüstung: Grödel – Halbsteigeisen für Winterwanderungen

Wer oder was ist “Grödel”? Es handelt sich weder um einen beliebten Ort in Südtirol, noch um eine leckere, kugelförmige Spezialität der alpenländischen Küche. Grödel kommen unter die Schuhe, sie sind eine einfache Form der Steigeisen. Daher werden sie auch als Halbsteigeisen, gelegentlich auch als Leichtsteigeisen, bezeichnet. Sie dienen zum sicheren Gehen im Schnee, zum Überqueren von Altschneefeldern und vereisten Wegstücken. Großer Vorteil der Grödel ist, dass sie relativ leicht und günstig sind und dass sie auch mit nicht steigeisenfesten Schuhen getragen werden können.

Grödel - Von der Seite sieht man gut die großen Zacken

Grödel – Von der Seite sieht man gut die großen Zacken

Nachteile sind vor allem, dass sie nicht so stabil sitzen wie echte Steigeisen und keine Frontalzacken besitzen. Grödel haben üblicherweise vier oder sechs Zacken und werden mittig unter die Schuhsohle geschnallt. Echte Leichtsteigeisen oder Steigeisen aus Aluminium oder Stahl haben 10 oder 12 Zacken und Frontalzacken. Sie werden immer in Verbindung mit steigeisenfesten Bergschuhen getragen.

Wer echte Hochtouren oder Gletschertouren unternehmen will, kommt um “richtige” Steigeisen nicht herum, Grödel würden hier nicht ausreichen. Aber für normale Bergwanderer wie uns sind sie auf Wanderungen, bei denen wir mit Schnee auf der Wegstrecke rechnen, sehr gut geeignet. Daher gehören sie für mich auf Winter- und Frühjahrstouren genauso zur Sicherheitsausrüstung wie die Stirnlampe und der Biwaksack.

Von unten gesehen: Grödel von Edelrid (links) und Salewa (rechts)

Von unten gesehen: Grödel von Edelrid (links) und Salewa (rechts)

Die Grödel werden mit Riemen an den Wanderschuhen befestigt. Die grundsätzliche Anpassung der Grödel an den Schuh sollte man schon zu Hause vornehmen. Auch sollte man ein paar Trockenübungen machen, bevor man die erste Winterwanderung mit Grödeln unternimmt, um die passende Schnürung sicher zu beherrschen.

Die Grödel sollen nicht zu locker sitzen, weil sie sich sonst unter der Sohle verrutschen können, was durchaus gefährlich werden kann. Zu fest darf man sie aber auch nicht schnüren, da sonst die Blutzirkulation im Fuß behindert werden kann. Ganz hilfreich ist die Fersenhalterung der Edelrid-Grödel aus weichem Kunststoff. Sie ist formstabiler als ein Riemen und erleichtert damit das Anziehen.

Die Grödel werden mit langen Riemen am Wanderschuh befestigt

Die Grödel werden mit langen Riemen am Wanderschuh befestigt

Richtig getragen und eingesetzt sind Grödel ein echtes Sicherheitsplus auf Winterwanderungen oder zum Überqueren von Schneefeldern. Auf Stein und Fels haben die Schuhe mit Grödeln keinen guten Halt und das Gehen wird sehr unangenehm. Die Zacken der Grödel werden auf solchen Untergründen entsprechend schnell stumpf. Daher sollte man es vermeiden, mit Grödeln längere Strecken auf steinigem oder felsigem Untergrund zu gehen.

Die zwei Grundtypen sind die Vierzack-Grödel und die Sechszack-Grödel. Die Vierzacker haben eine sehr kleine Grundfläche und werden sehr mittig am Fuß getragen, üblicherweise direkt vor dem Absatz der Schuhe, der dann auch gleich zum stabilen Sitz beiträgt.

Die sechszackigen Grödel sind deutlich länger und sehen schon mehr nach Steigeisen aus. Sie haben einen rechteckigen Rahmen mit je drei Zacken an der linken und rechten Sohlenseite. Je nach Schuhgröße decken sie etwa die Hälfte oder mehr der gesamten Schuhfläche ab.

Links ein Grödel mit dem langen Befestigungsriemen, rechts unter dem Wanderschuh

Links ein Grödel mit dem langen Befestigungsriemen, rechts unter dem Wanderschuh

Grundsätzlich passen Grödel für die meisten Schuhgrößen. Besonders bei sehr großen oder sehr kleinen Schuhgrößen (z.B. bei Kinderschuhen) lohnt es sich aber, die Grödel an den Wanderschuhen im Fachgeschäft anzuprobieren.

Die beiden Hälften des Rahmens sind durch zwei Schrauben verbunden, so dass sich die Breite auf die der Schuhsohle anpassen lässt. Bei den Salewa Grödeln muss man einen Schraubenschlüssel oder einen Steckschlüssel für die Einstellung benutzen, andere, z.B. die Edelrid oder Vaude, lassen sich notfalls mit einer Münze verstellen. Mit einem passenden Schraubendreher zur Einstellung funktioniert es allerdings auch bei den beiden Modellen besser.

Sechszack-Grödel von Edelrid. Gut zu sehen: Die Anti-Stoll-Platte

Sechszack-Grödel von Edelrid. Gut zu sehen: Die Anti-Stoll-Platte

Um ein Festpappen des Schnees zwischen Grödel und Schuhsohle, das sogenannte “Stollen” zu verhindern, haben einige Modelle, zum Beispiel die hier abgebildeten von Edelrid, eine Anti-Stollplatte. Das ist eine glatte Kunststoff-Platte, die an der Unterseite des Eisenrahmens befestigt ist.

Grödel gibt es für etwa 30 bis 80 Euro in Sportgeschäften mit Wanderabteilung und bei Internet-Outdoor-Händlern wie Bergfreunde.de*.

* = Bergfreunde Affiliate Link

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bin ganz Deiner Meinung, Grödel gehören unbedingt dazu, gerade wenns im Winter/Frühling gerne mal rutschig oder vereist ist. Bin kürzlich damit einen vereisten Forstweg sicher und zügig runtergelaufen, meine Mitwanderer rutschten und purzelten trotz Stöcken und Winterwanderschuhen. Ich benutze übrigens die abgebildeten Sechs-Zacker von Edelrid mit Anti-Stollplatte und bin superzufrieden, 1a Preis-Leistungsverhältnis 🙂

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  4. Was bei der Beschreibung der Grödel hier völlig ausgelassen wird, ist die Begehung von feuchten, leicht geneigten Grashängen im Sommer, eine häufig unterschätzte Gefahrenquelle! Wer dort einmal ausrutscht für den gibt es kein Halten mehr und es geht abwärts. Die Grödel helfen hier für einen sicheren Tritt, sind aber kein Allheilmittel !!! Eine vorher überlegte Richtungsfestlegung ist immer oberstes Gebot.

  5. Hallo Klaus,

    vielen Dank für die Ergänzung! Ja, feuchte Grashänge können ganz ähnlich wirken wie ein Schneefeld.
    In der Tat habe ich Grödel bisher auch ausschließlich im Winter auf Schnee und Eis eingesetzt.

    Viele Grüße
    Uli

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