Wanderung zum Hochgernhaus und auf den Hochgern

Wanderung: Marquartstein – Agersgschwendt-Alm – Moaralm – Enzianhütte – Hochgernhaus – Gipfel Hochgern

Für eine der ersten Wanderungen der Saison ist die Tour auf den Hochgern schon recht anspruchsvoll. Technisch schwierig ist sie nicht, aber der Weg hoch zum Hochgernhaus zieht sich und nagt an der Kondition, dazu brennt die Frühlingssonne schon recht kräftig. Und wenn man erst einmal auf der Terrasse Platz genommen hat, etwas gegessen und getrunken hat, dann kostet es schon etwas Überwindung, noch den letzten Rest hinauf zum Gipfel in Angriff zu nehmen. Aber es lohnt sich!

Das Hochgernhaus, knapp 300 Meter unterhalb des Gipfels

Das Hochgernhaus, knapp 300 Meter unterhalb des Gipfels

Der Wanderparkplatz von Marquartstein liegt etwas oberhalb des Ortes im Wald. Wie praktisch, das Auto steht im Schatten. Und das sogar kostenlos. Schilder zeigen an, dass Enzianhütte und Hochgernhaus geöffnet sind. Man könnte nun gleich auf dem Fahrweg hoch zu den Hütten wandern, aber schöner ist es auf den schmalen Waldwegen. Die Wegweiser sind hier aus Holz und zeigen keine Gehzeiten an, aber mein Buch hatte drei Stunden eingeplant. Mal sehen, ob das klappt.

Los geht's, zu vier Almen und Hütten und auf den Hochgern

Los geht’s, zu vier Almen und Hütten und auf den Hochgern

Der schöne, steinige Waldweg hält aber leider nicht lange an, schon bald geht er in den breiten Fahrweg über. Eine richtige Waldautobahn, so breit ist der Weg, aber glücklicherweise kaum befahren, da es keine öffentliche Straße ist, sondern nur der Versorgung der Hütten dient.

Am Marienbild beginnt ein schöner Steig

Am Marienbild beginnt ein schöner Steig

Der Weg zieht sich mit gleichbleibender Steigung bergauf, ab und stehen Bänke am Wegrand, manche bieten auch schöne Ausblicke auf Marquartstein und Unterwössen, die schon bald recht deutlich unterhalb liegen. Das ist alles aber eher unspektakulär. Gut, dass es ein paar Möglichkeiten gibt, von der Straße in den Wald zu wechseln. Einfach auf die Abzweigungen mit den roten Punkten achten.

Den breiten Fahrweg kann man oft über schöne Bergsteige verlassen

Den breiten Fahrweg kann man oft über schöne Bergsteige verlassen

Hier im Wald ist es viel schöner zu wandern. Schmale Steige führen über Wurzeln und kleinere Felsen. Irgendwann aber landet man doch wieder auf der Straße, die aber vor dem ersten Teilziel, der Agersgschwendt-Alm, schmaler wird.

Die letzten Meter zur Agergschwendtalm

Die letzten Meter zur Agergschwendtalm

Plötzlich bin ich links und rechts von Almwiesen voller Blumen umgeben. Direkt vor mir steht die Agersgschwendt-Alm, klein und sehr einladend. Auf Bierbänken sitzend lässt man sich das erste Getränk schmecken, vielleicht noch eine Wurst dazu oder doch einen Kuchen? Besser noch nicht, schließlich sind es noch einige Höhenmeter bis zum Hochgernhaus.

Für die Mountainbiker ist hier offiziell Schluss, das sagt zumindest das Schild am Wegrand. Inoffiziell gilt wohl eher, dass man gegenseitig Rücksicht nimmt, das klappt auch ganz gut.

Ein Marterl auf einem schön bemoosten Felsen im Wald

Ein Marterl auf einem schön bemoosten Felsen im Wald

Kurz führt der Weg noch entlang der Wiesen, dann geht es wieder in den Wald. Schon deutlich schmaler als in Talnähe, aber immer noch für die Hüttenwirte mit dem Auto befahrbar. Entlang des Weges stehen mehrere Kreuze. Ein besonders großes wurde für einen hier verunglückten Waldarbeiter aufgestellt. Kurze Zeit später zeigt ein Kreuz eindringlich in Bild und Inschrift die Gefahren des Blitzeinschlags.

Gedenktafel für einen vom Blitzschlag Getroffenen

Gedenktafel für einen vom Blitzschlag Getroffenen

Weiter geht es bergauf, zunächst weiter durch den Wald, kurz hinter der Bergwachthütte führt der Weg dann über weite Almwiesen. Langsam mache ich mir Gedanken, wie weit es wohl noch ist, denn vor dem Hochgernhaus sollen ja noch die Moaralm und die Enzianhütte kommen.

Die kleine Moar-Alm, oben sieht man schon die Enzianhütte. Vorne Berghund Mikki

Die kleine Moar-Alm, oben sieht man schon die Enzianhütte. Vorne Berghund Mikki

Aber dieses Rätsel löst sich schnell, denn Moaralm und Enzianhütte liegen direkt nebeneinander und auch das Hochgernhaus ist schon zu sehen. Es ist nur noch etwa fünf Minuten entfernt. Hier gilt es zunächst einmal das Panorama zu bewundern. Leider ist es ziemlich diesig, so dass ich zwar die Felsgipfel der nahen Kampenwand und den Geigelstein gut sehen kann, die Berge der Hohen Tauern, die auf einer Panoramakarte erklärt werden, verschwinden aber im Dunst.

Blick vom Hochgernhaus auf Moar-Alm, Enzianhütte und ins Tal

Blick vom Hochgernhaus auf Moar-Alm, Enzianhütte und ins Tal

Macht aber nix, der Blick ins Tal ist schön und später will ich ja noch zum Gipfel wandern. Oder doch nicht? Faul oder sportlich?

I muss auffi, nicht auf den Watzmann, aber zum Hochgern-Gipfel

I muss auffi, nicht auf den Watzmann, aber zum Hochgern-Gipfel

Sportlich. Weiter geht es bergauf, teils recht steil, aber überwiegend moderat zieht sich der Weg durch die Wiesen. Plötzlich liegt tief unter mir der Chiemsee mit seinen Inseln. Dann wird der schmale Pfad glitschig. Die letzten Schneeflecken verlieren den Kampf mit der Sonne und ziehen sich, den Almboden in Matsch verwandelnd, zurück. Danach wird es noch einmal knackig steil.

Auf dem Weg zum Gipfel liegen die letzten Schneeflecken. Und viel Matsch

Auf dem Weg zum Gipfel liegen die letzten Schneeflecken. Und viel Matsch

Auf einer Wiese stehend teilt sich der Weg, man sieht, dass es die letzten Meter zum Gipfel sind. Ich empfehle, den Weg nach rechts zu nehmen, dann hat man die kleinen Felsstufen im Aufstieg. So gelange ich zum Gipfelkreuz und geniesse den Rundumblick, der leider weiterhin dunstig bleibt.

Kurz vorm Gipfel. Hier rechtsabbiegen, dann hat man den felsigen Weg im Aufstieg

Kurz vorm Gipfel. Hier rechtsabbiegen, dann hat man den felsigen Weg im Aufstieg

Wenige Meter entfernt steht eine Kapelle auf dem Fels. Zwei Wanderer beugen sich zu ihr hinunter. Was machen sie, spielen meine Augen verrückt? Die zwei Wanderer neben der Kapelle sind viel zu groß. Ach nein, die Kapelle ist viel zu klein! Richtig, der Kirchturm ist gerade mal eineinhalb Meter groß, im Kirchenraum verbirgt sich das Hochgern-Gipfelbuch.

Größenvergleich: Kleine Kapelle oder riesiger Rucksack?

Größenvergleich: Kleine Kapelle oder riesiger Rucksack?

Der Blick auf den Chiemsee ist großartig, der Rundumblick eigentlich auch, der Hochgern gilt als hervorragender Aussichtsberg. Aber heute habe ich Pech, also geht es nun wieder bergab. Auf dem Aufstiegsweg. Die Variante über die Staudacher Alm und die Schnappenkirche soll schwieriger sein, weil einige rutschige Stellen warten. Das spare ich mir heute.

Der Blick vom Gipfel des Hochgern hinunter auf den Chiemsee

Der Blick vom Gipfel des Hochgern hinunter auf den Chiemsee

Also geht es auf dem Aufstiegsweg zurück, vorbei am Hochgernhaus, der Enzianhütte, deren Tische noch gut besetzt sind und der inzwischen geschlossenen Moaralm. An der Bergwachthütte vorbei zur Agersgschwendt-Alm. Hier sitzen die Mountainbiker vor der letzten Abfahrt, dazu einige Wanderer, die ich oben schon gesehen habe. Eine schöne, leichte Abendstimmung, die ich auch noch ein halbes Stündchen lang geniesse. Am Berg kann man es sich gutgehen lassen.

Auf der Agersgschwendtalm kann man vor dem letzten Teil des Abstiegs den Nachmittag langsam ausklingen lassen

Auf der Agersgschwendtalm kann man vor dem letzten Teil des Abstiegs den Nachmittag langsam ausklingen lassen

Aber dann geht es doch wieder bergab, auf die letzten Meter, wieder über die lange “Bergautobahn” zum Parkplatz. Insgesamt ist es eine schöne Tour, vom Weg her unten unspektakulär, oben schöner. Für die Bayerischen Alpen ist die Wanderung relative lang, das sollte man nicht unterschätzen. Und mit gleich vier gemütlichen Hütten und Almen auf jeden Fall eine tolle Tour. Fazit: Auf den Hochgern geh ich gern hoch.

Dauer und Schwierigkeit:
Vom Parkplatz aus etwa 1:15 bis zur Agersgschwendt-Alm. Weitere 1:15 bis zur Moaralm und Enzianhütte. Etwa zehn Minuten später ist dann das Hochgernhaus erreicht. Insgesamt bin ich damit etwas unter den veranschlagten drei Stunden geblieben. Vom Hochgernhaus zum Gipfelkreuz war es noch eine weitere Stunde. Bergab dann 45 Minuten zum Hochgernhaus, eine weitere Stunde zur Agersgschwendt-Alm und dann 50 Minuten zum Parkplatz. Insgesamt: 3:40 zum Gipfel und 2:35. Schwierig war’s nicht, nur lang. Lediglich auf dem Weg zum Gipfel war es recht steil und durch den Matsch der Schneeschmelze etwas rutschig.

Höhenangaben:
Marquartstein: 620 Meter
Agersgschwendt-Alm: 1040 Meter
Moaralm: 1400 Meter
Enzianhütte: 1400 Meter
Hochgernhaus: 1460 Meter
Gipfel Hochgern: 1748 Meter

Essen und Trinken:
Diese Wanderung bietet gleich vier verschiedene Einkehrmöglichkeiten. Alle bieten Brotzeiten und eher kleinere Gerichte, aber die Auswahl fällt schwer, wo man sich niederlässt. Moaralm und Enzianhütte sind klein und gemütlich, das Hochgernhaus im Vergleich dazu riesig. Die Agersgschwendt-Alm bietet sich als Zwischenstopp im Auf- und Abstieg an.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Wenn es überhaupt Schweirigkeiten auf der Wanderung gibt, dann im direkten Gipfelbereich. Sonst ist es eher die Länge der Tour, die man nicht unterschätzen sollte. Und im oberen Bereich ist man stark der Sonne ausgesetzt.

Wie komme ich hin?
Mit der Bahn: Mit dem Meridian von München bis Prien am Chiemsee, von dort aus mit dem Bus 9505 bis Marquartstein Rathaus. Insgesamt dauert die Fahrt gute anderthalb Stunden.
Mit dem Auto: Von München aus auf der A8 bis zur Ausfahrt Bernau oder Übersee. Richtung Grassau fahren, weiter nach Marquartstein. Hinter der Linkskurve am Rathaus nach links dem Wegweiser zum Waldparkplatz folgen. Weiter auf die Wegweiser zum Waldparkplatz achten. Die Straße dorthin wird sehr schmal und steil.

Links:
Hochgernhaus

Buchtipps und Wanderkarte:

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Grüß Gott,
    die Wanderung vom Wanderparkplatz Marquartstein über die Agergschwendt-Alm -Enzianhütte- Hochgernhaus zum Doppelgipfel des Hochgern kann ich nur empfehlen,ich habe sie selbst 3 mal unternommen.
    Das erste mal allein ,dann mit der Familie, die Kinder waren 13 und 11 Jahre.
    Bis auf den Gipfelaufbau wo etwas Vorsicht geboten ist, ist die Wanderung ideal für Familien.
    Unterwegs sind viele Bänke zum rasten und 3 vorzügliche Einkehrmöglichkeiten.
    Es gibt immer wieder schöne Ausblicke ins Achental mit dem imposanten Geigelstein und zum Wilden Kaiser .Der Weg ist etwas lang ,aber durch die vielen Ausblicke abwechslungsreich .

    Lutz Franke

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