Winterwanderung durch die Breitachklamm

Winterwanderung: Tiefenbach bei Oberstadorf – Breitachklamm – Alpe Dornach – Tiefenbach

Eine der großen Klammen in Baywern ist die Breitachklamm bei Oberstdorf. Da wir zum Jahreswechsel in Oberstdorf waren, haben wir uns die Klamm natürlich nicht entgehen lassen und eine Winterwanderung gemacht, allerdings vor dem ersten richtigen Schneefall, so dass die Tour eher eine herbstliche Wanderung bei Frost war. Die Kälte hat dann auch schon einige schöne Eiszapfen und vereiste Wasserfälle erzeugt.

Auf dem Weg durch die Breitachklamm. Wie ist der Baumstamm da hingekommen?

Auf dem Weg durch die Breitachklamm. Wie ist der Baumstamm da hingekommen?

Direkt am großen Parkplatz der Breitachklamm liegen das Gasthaus Breitachklamm und der moderne Kassenbereich. Wieder aus dem Kassenhaus heraus führt der Weg zunächst zwischen Wiesen hindurch direkt auf die Breitach zu.

Ab jetzt wandern wir im Schatten und werden auf dem Weg durch die Klamm kein direktes Sonnenlicht mehr sehen. Am Breitachufer biegen wir nach rechts ab und wandern nun entgegen der Fließrichtung.

Auf dem Weg zum Klammeingang

Auf dem Weg zum Klammeingang

Links von uns fließt die Breitach in einem breiten Bett, links und rechts von Bachbett und Weg ragen die Hänge steil bergauf. So richtig aufregend nach Klamm sieht es hier allerdings noch nicht aus. Der Herbst war sehr regenarm, also führt die Breitach nicht viel Wasser. Zwischen Felsen hindurch fließt sie eher langsam und die typische Enge einer Klamm ist hier nicht zu spüren.

Zu Beginn fließt die Breitach noch durch ein breites Bett

Zu Beginn fließt die Breitach noch durch ein breites Bett

Sollte das alles sein, was die Breitachklamm zu bieten hat? Natürlich nicht, es wird noch spektakulär werden. Also müssen wir uns noch etwas gedulden und nehmen den ersten Teil als leichtes Eingehen auf dem gut begehbaren Pfad, der zum Bach hin durch ein Geländer gesichert ist.

Der Eingang zur Breitachklamm

Der Eingang zur Breitachklamm

Dann stehen wir vor einer geöffneten Stahltür, hinter der sich ein kurzer Tunnel verbirgt. Über der Tür erinnert eine Tafel an Johann Schiebel, den Erschließer der Klamm, wie wir auf der Tafel lesen. Hier ist auch der Meldepunkt „1“ der Klamm. Der Weg vorher war also nur der Zugang zur eigentlichen Klamm.

Noch fließt die Breitach durch ein großzügiges Bachbett

Noch fließt die Breitach durch ein großzügiges Bachbett

Und tatsächlich, nach dem Tunnel rücken die Felswände etwas näher zusammen. Die Breitach fließt aber dennoch eher gemächlich durch ihr Bett. Der Weg führt einige Meter oberhalb des Wasserspiegels entlang und noch sind die mit Eis überzogenen Felswände eindrucksvoller als die Klamm an sich. Wir finden ins Eis eingeschlossene Blätter und Zweige, freuen uns über große Eiszapfen und einen gefrorenen Wasserfall am gegenüberliegenden Hang.

Blätter, im Eis an der Wand tiefgefroren

Blätter, im Eis an der Wand tiefgefroren

Doch plötzlich ändert sich die Klamm vollständig. Jetzt gibt es nur noch Fels, Eis und den Weg, der vor über hundert Jahren in die Felsen gesprengt wurde. Die hohen Felswände rücken bis auf ein, zwei, drei Meter zusammen, häufig können wir den Himmel nicht mehr sehen. Wenn doch, dann nur als schmalen, hellen Schlitz weit oben. Fast hundert Meter hoch sind die Felswände hier.

Eiszapfen in der winterlichen Breitachklamm

Eiszapfen in der winterlichen Breitachklamm

Mit dem Eintreten in die enge Felsklamm ist auch der Bach nicht mehr wenige Meter unter uns, sondern tief unten in dem schmalen Felseinschnitt. Immer wieder ändert er seine Richtung, fließt um scharfe Kurven. Wir sehen ausgewaschene Felstöpfe und wandern unter einem großen Eisvorhang hindurch.

Durch die enge Breitachklamm

Durch die enge Breitachklamm

Besonders eindrucksvoll ist eine kurze Brücke über den Bach. Die Brücke selbst ist nur zwei Meter lang, obwohl sie schräng auf die gegenüberliegende Seite führt. So eng stehen die Felswände hier zusammen.

Die kurze Brücke, daneben die Messlatte mit den Flutmarken

Die kurze Brücke, daneben die Messlatte mit den Flutmarken

Wenn wir von der Brücke hinunter sehen, können wir den Bach mehr erahnen als wirklich sehen. Tief unter uns fließt er entlang. Neben der Brücke hängt ein Schild, dass die Hochwasserstände anzeigt. Mal stand das Wasser zwei oder drei Meter oberhalb der Brücke, zweimal waren es über vier Meter.

Am 23.08.2005 wurde mit 6,60 Metern oberhalb der Brücke der höchste Wasserstand gemeseen. Kaum zu glauben, dass der gesamte Weg, über den wir gerade gehen, meterhoch unter Wasser stand.

Eine weitere Brücke, kurz vor dem Klammausgang

Eine weitere Brücke, kurz vor dem Klammausgang

Kurz nach der Brücke steigt der Weg steiler an und wir sehen wieder Licht. Der Weg wechselt noch einmal die Seite, die Felswände rücken wieder etwas weiter auseinander und langsam sehen wir wieder mehr von der Breitach. Ganz grün wirkt sie dort, wo die Sonnenstrahlen bis auf den Boden reichen. Wieder sehen wir, wie sich das Wasser irgendwann in Strudeln gedreht haben muss und den Fels rund ausgewaschen hat.

Wir kommen zu einem Schild, dass auf einen Felssturz an dieser Stelle hinweist. 1995 stürzten Fels und Geröll in die Schlucht und stauten das Wasser 30 Meter hoch auf. Genau ein halbes Jahr später brach der Damm, verwüstete die gesamte Schlucht und richtete einen Schaden von 300.000 DM an.

Das Schild, das über den Felssturz und den Dammbruch informiert

Das Schild, das über den Felssturz und den Dammbruch informiert

Hier erlebt man die Kraft der Natur wirklich hautnah. Haben wir eben noch gesehen, wie sich der Bach über Jahrtausende in den Fels gefressen hat und die Klamm hat entstehen lassen, können wir uns nun vorstellen, wie ein Felssturz und das spätere Brechen der Barriere für plötzliche lokale Katastrophen sorgen.

Der Klammweg ist hier zu Ende. Über eine grob in den Fels geschlagene Treppe gehen wir bergauf zu einem zweiten Kassenhäuschen. Wir können nun weiter zur Walserschanz im Kleinwalsertal gehen oder, ohne erneut zu zahlen, durch due Kasse zur Brücke gehen.

Nach der Breitachklamm führt der Weg über Treppen bergauf

Nach der Breitachklamm führt der Weg über Treppen bergauf

Weiter gehen wir über steinerne Terppenstufen bergauf. Oben angekommen zweigt ein weiterer Weg ab zur Walserschanz, der Grenze zwischen Deutschland und dem österreichischen Kleinwalsertal. Bis zum Zollanschluss mit Deutschland im Jahr 1891 war die Walserschanz Grenzstation.

Seitdem zählt das österreichische Tal, das nur über Deutschland aus erreichbar ist, zum deutschen Zollgebiet, was das tägliche Leben der Einwohner sehr erleichtert hat. Sicher hat diese Besonderheit auch zur Bekanntheit des Tales beigetragen. 2016 wurde im Kleinwalsertal das Jubiläum „125 Jahre Zollanschluss“ begangen.

Dieser Weg zur Walserschanz ist aber wegen Wintersperre geschlossen. Auch wenn der Weg ohne Schnee sicher gut passierbar gewesen wäre, halten wir uns an die Sperre und verzichten auf die Besichtigung der Walserschanz.

Die Brücke am Abzweig zur Walserschanz

Die Brücke am Abzweig zur Walserschanz

Eine Brücke quert die Breitachklamm und wir können noch einmal tief in die Schlucht blicken. Weit unten sehen wir den Holzbohlenweg des Klammwegs, noch viel tiefer fließt die Breitach. Es ist der letzte Blick auf die Klamm, denn nun wandern wir in Serpentinen durch den Wald bergauf. Und langsam kommt auch die Sonne wieder.

Doch kurz nachdem wir die höchte Stelle passiert haben, sind wir auch schon wieder im Schatten und gehen nun geradewegs auf die Alpe Dornach zu.

Die Aussischt auf das Nebelhorn von der Alpe Dornach

Die Aussischt auf das Nebelhorn von der Alpe Dornach

Auf der Alpe gönnen wir uns erst einmal eine warme Suppe und einen Kaffee. Die Wanderung durch die Klamm bei fast 10 Grad unter Null steckt uns in den Knochen, da tut ein heißer Kaffee gut. Und wir können von der Alpe den Blick über Oberstdorf in die Allgäuer Alpen genießen. Direkt gegenüber liegt das Nebelhorn, auf dem wir am Vortag waren.

Der Rückweg zum Parkplatz führt nun kurz über die Zufahrtsstraße zur Alpe Dornach, dann geht es nach rechts auf einen kleineren Weg, der zwischen den Wiesen hindurch führt. Auch hier steht ein Schild mit einer Wintersperre, das wir bei den guten Wegverhältnissen ohne Schnee und Eis aber übersehen.

Kurz nach einem Bauernhof wissen wir, warum der Weg eigentlich gesperrt ist, denn nun fürht der Weg steil bergab. Bei Schnne und Glatteis wäre das kein Spaß, aber so ist er gut begehbar.

An der Kapelle treffen wir wieder auf die Zufahrtsstraße, auf der es nun nur noch zweihundert Meter zurück zum Parkplatz bei der Breitachklamm sind.

Die Tour durch die Breitachklamm ist eine sehr spektakuläre Wanderung, die man sich auf jeden Fall gönnen sollte, wenn man in der Gegend um Sonthofen, Oberstdorf und dem Kleinwalsertal ist. Die Dimensionen sind wirklich atemberaubend und wir werden sicher auch mal im Sommer wiederkommen.

Dauer und Schwierigkeit:
Für dem Weg durch die Klamm bis hoch zur Brücke kann man etwa eine Stunde einplanen. Weiter zur Alpe Dornach gute zwanzig Minuten, von dort zurück zum Ausgangspunkt sind es weitere zwanzig Minuten. Großzügig gerechnet zwei Stunden, zuzüglich Fotopausen, Brotzeit während des Aufstiegs im Wald (dort stehen mehrere Bänke) und dem Aufenthalt auf der Alpe Dornach. Technisch ist die Wanderung leicht, auf dem letzten Stück geht es recht steil bergab.

Höhenangaben:
Breitachklamm: ca. 900-950 Meter
Alpe Dornach: 1000 Meter

Essen und Trinken:
Im Gasthaus Breitachklamm, direkt am Haupteingang und dem Parkplatz sowie auf der Alpe Dornach. Beide mit Resturant- und Café-Betrieb.

Wandern mit Hund:
In der Klamm waren einige Familien mit Hund unterwegs, teilwiese haben die Hunde Angst gehabt, auch unser Mikki hat keinen Spaß an der Wanderung durch die Klamm gehabt. Im oberen Abschnitt durch den Wald und zur Alpe Dornach hat er dann auch wieder Spaß gehabt.

Die Alpe Dornach

Die Alpe Dornach

Wo muss ich besonders aufpassen:
In Klammen muss man immer eine gewisse Vorsicht walten lassen, besonders, wenn man mit Kindern oder Hunden unterwegs ist. Die Breite des Klammweges kann man an den Fotos abschätzen. Die durchgehende Geländersicherung könnt Ihr dort ebenfalls sehen.

Wie komme ich hin?
Mit dem Zug: Mit der DB kann man bis Oberstdorf fahren. Am Bahnhof ist der Busbahnhof, von dort fahren Busse zur Breitachklamm und auch Richtung Kleinwalsertal zur Walserschanz.
Mit dem Auto: In Richtung Oberstdorf fahren, bzw. von Oberstdorf aus auf der B19 nach Norden. Direkt an der Brücke, über die man die Breitach kreuzt, am Mäckes-Restaurant abbiegen und entlang der Breitach Richtung Tiefenbach fahren. An der nächsten Abzweigung nach links abbiegen, dann fährt man direkt auf den Parkplatz zu.

Links:
Die Breitachklamm bei allgaeu-ausfluege.de. Ein Bericht mit vielen Fotos: Teil 1, Teil 2, Teil 3
Breitachklamm.com
https://www.breitachklamm.de/
Gasthaus Breitachklamm
Alpe Dornach

Buchtipps und Wanderkarte:

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