Winterwanderung vom Tatzelwurm zum Brünnsteinhaus

Winterwanderung: Gasthaus Tatzelwurm – Waldparkplatz – Brünnsteinhaus – Seelachenalm – Waldparkplatz – Gasthaus Tatzelwurm

Mal wieder auf das Brünnsteinhaus. Vor einigen Jahren bi ich schon einmal dorthin gewandert, allerdings im Sommer. Jetzt soll es also dieselbe Strecke im Winter werden, ein Rundweg über Forstwege, schmale Steige und weite Almflächen. Dass der Winter 2013/2014 bisher extrem schneearm geblieben ist, war für diese Wanderung sehr gut. Und wieder einmal gab es einen tollen Blick auf das Kaisergebirge.

Eine wilde Wurzel auf dem Steig, kurz vor dem Brünnsteinhaus

Eine wilde Wurzel auf dem Steig, kurz vor dem Brünnsteinhaus

Eines war schon vor dem Aufstieg klar: Den Klettersteig auf den Brünnstein-Gipfel werde ich auslassen. Auch auf den normalen Gipfelweg werde ich aus Zeitgründen verzichten, es ist Winter und somit nicht lange genug hell.

So fahre ich nun hinter Bayrischzell die Sudelfeldstraße hinauf. An einer Serpentine eine kurze Fotopause: Genauso hatte ich mir das gedacht, strahlender Sonnenschein statt der Nebeldecke zu Hause auf 500 Metern Höhe.

Vorzeige-Winterausblick auf der Sudelfeldstrasse

Vorzeige-Winterausblick auf der Sudelfeldstrasse

Doch der Weg zum Tatzelwurm führt noch einmal bergab, in den Nebel hinein. Ich parke direkt am Tatzelwurm. Ein paar Meter höher wäre der deutlich größere Waldparkplatz eine Alternative gewesen, aber bei diesem Wetter ist hier auch genug Platz.

Der “Tatzelwurm”, das ist ein bayerischen Wirtshaus mit langer Tradition und das “Hotelresort und Spa Feuriger Tatzlwurm”, sieht ganz gediegen aus. Bekannt ist es aber vor allem auch durch die Tatzelwurm-Wasserfälle. Mitten zwischen den Häusern hindurch für der Weg dorthin.

Der Tatzelwurm-Wasserfal, leider nicht gefroren

Der Tatzelwurm-Wasserfal, leider nicht gefroren

Nach maximal drei Minuten “Wanderung” erreicht man die Wasserfälle. Eigentlich sollten sie um diese Jahreszeit gefroren sein, sicher ein sehr fotogener Anblick. Das Einzige, was bei meinem Besuch hier vereist ist, ist jedoch der Spazierweg hinauf. Die Wasserfälle strömen wie im Sommer hinunter.

Lebensgefahr - Oberhalb des Wasserfalls sollte man sich vom Ufer fernhalten

Lebensgefahr – Oberhalb des Wasserfalls sollte man sich vom Ufer fernhalten

Direkt oberhalb des Wasserfalls liegt dann auch der große Waldparkplatz, an dem sich auch eine Tafel mit den Aufstiegswegen und weiteren Informationen zum Brünnsteinhaus befindet. Daneben begint der Aufstiegsweg. Zunächst geht es steil den Forstweg hinauf, dann durch den Wald, und schließlich wieder auf die Forststraße. Diese führt über eine Almfläche, von der allerdings durch den Nebel nicht besonders viel zu sehen ist.

Höchststrafe: Langweilige Forststraße, vereist, Nebel, keine Aussicht

Höchststrafe: Langweilige Forststraße, vereist, Nebel, keine Aussicht

Der Nebel und der eisglatte Aufstiegsweg frustrieren. Ich überlege, ob es sinnvoll ist, umzudrehen und zum Spitzingsee zu fahren. Dort könnte ich gemütlich auf den Brecherspitz gehen. Aber schließlich wandere ich doch, etwas missmutig, weiter in Richtung Brünnsteinhaus, immer durch den Nebel.

Der Pavillon am gleichnamigen Abzweig. Kaum zu sehen im dichten Nebel.

Der Pavillon am gleichnamigen Abzweig. Kaum zu sehen im dichten Nebel.

Dass der Weg über die breite Forststraße führt, macht es nicht besser, auch wenn das Eis nun verschwunden ist. Eine dreiviertel Stunde nach dem Wasserfall erreiche ich den “Pavillon”, einen Abzweig, an dem die Forststraße eine schrfe Kurve macht. Mich führt der Weg aber geradeaus weiter. Langsam wird er nun auch interessanter. Und nur fünf Minuten später sehe ich zum ersten Mal leicht bläuliches Licht am Himmel!

Ich sehe blau! Welch Freude nach dem bisherigen Aufstieg!

Ich sehe blau! Welch Freude nach dem bisherigen Aufstieg!

Und wiederum nur wenige Minuten später, kurz nach einer Brücke, führt der Weg scharf rechts in den Wald hinein, auf einen Bergsteig. Dieser ist erst noch relativ breit, wird er schon wenige Meter nur noch fußbreit.

Auf dem Steig im Wald

Auf dem Steig im Wald

Steil geht es hinauf und am Ende gibt es sogar ein seilversichertes Stück über Felsen. Das ist mal ein schöner Weg. Ich bin nur froh, dass hier so gut wie kein Schnee liegt.

Das letzte Stück des Steigs ist seilversichert

Das letzte Stück des Steigs ist seilversichert

Und oben führt der Weg dann zum ersten Mal ins “Winter-Wonderland”. Auf der Groß-Alm liegt Schnee, keine Wiese ist mehr zu sehen, auch der Weg besteht nur noch aus Trittspuren. Und ich stehe oberhalb des Nebels! Ich sehe Berge! Und bin froh, nicht umgekehrt zu sein.

Oberhalb des Nebels! Zum ersten Mal Bergblick!

Oberhalb des Nebels! Zum ersten Mal Bergblick!

Auf der Almwiese liegt richtig viel Schnee, die Trittspuren sind ziemlich tief eingesunken. Aber so macht das natürlich Spaß, dann aber führt der Weg auch schon wieder in den Wald hinein.Wieder auf einen schmalen Steig, der scharf am Hang über Wurzeln und Steine führt. Eine Stelle an einer Schneise ist etwas verzwickt, hier geht es steil bergab.

Bergblick aus dem Wald heraus

Bergblick aus dem Wald heraus

Gut, dass nicht mehr Schnee liegt. Ab und zu gibt es auch wieder einen schönen Ausblick auf die Berge und ins bayerische Voralpenland. Und dann stehe ich vor einem Wegkreuz im Wald.

Ein Wegkreuz im Wald, kurz vor dem Brünnsteinhaus

Ein Wegkreuz im Wald, kurz vor dem Brünnsteinhaus

Jetzt wird der Weg noch mal richtig schön. Ein schmaler, sonnenbeschienener Pfad, mit Ausblick auf den zahmen Kaiser, wilde Wurzeln, so könnte es länger bleiben.

Der Pfad zum Brünnsteinhaus wird auf den letzten Metern sonnig und führt an einem wilden Berghang entlang

Der Pfad zum Brünnsteinhaus wird auf den letzten Metern sonnig und führt an einem wilden Berghang entlang

Als kleiner Höhepunkt noch ein Gittersteig am Abhang entlang. Es sind nur knappe zehn Meter, mit einem Seil gesichert, aber es sieht schon leicht spektakulär aus.

Ein Gittersteg über dem Abhang, kurz vor dem Brünnsteinhaus

Ein Gittersteg über dem Abhang, kurz vor dem Brünnsteinhaus

Kurz darauf stehe ich vor dem Brünnsteinhaus. Es ist an den Südhang des Brünnstein geklebt, nur das Haus und eine schmale Terrasse haben Platz.

Von der aus hat man einen tollen Blick auf das Kaisergebirge direkt gegenüber und die ganzen Tiroler Alpen im Hintergrund. Draussen gibt es also nur recht beschränkte Sitzmöglichkeiten, nur eine Reihe Bierbänke hat Platz. Man tut also gut daran, früh an der Hütte zu sein!

Am Brünsteinhaus angekommen

Am Brünsteinhaus angekommen

Jetzt habe ich mir aber auch ein Essen und einen “Hütten-Rußn” verdient. Das tut gut und ich kann in Ruhe das Panorama geniessen.

Der Blick vom Brünnsteinhaus auf das Kaisergebirge

Der Blick vom Brünnsteinhaus auf das Kaisergebirge

Direkt neben dem Brünnstein-Haus führt der Dr.-Julius-Mayr-Weg, ein Klettersteig, auf den Gipfel des Brünnstein. Er gilt als recht leichter Klettersteig (siehe z.B. hier bei Via Ferrata – Dr.-Julius-Mayr-Weg). Auch im Buch “Klettersteige in den Ostalpen für Familien” ist er als relativ leichter Steig aufgelistet.

Zur Zeit (Januar 2014) ist der Kletterseig jedoch aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Aktuell gesperrt: Der Dr.-Julius-Mayr-Klettersteig auf den Brünnstein

Aktuell gesperrt: Der Dr.-Julius-Mayr-Klettersteig auf den Brünnstein

Für den Rückweg will ich nicht den Hinweg nehmen, sondern über die Himmelmoosalm und die Seelachenalm zurück zum Tatzelwurm wandern. Die Himmelmoosalm liegt fast direkt neben dem Brünnsteinhaus.

Nicht besonders viel Schnee auf der Himmelmoos-Alm

Nicht besonders viel Schnee auf der Himmelmoos-Alm

Nur ein kurzer Steig durch den Wald liegen zwischen der Hütte und der Alm. Teilweise ist die Alm so tief schneebedeckt, dass ich bis zum Knie einsinke, an anderen Stellen sieht man mehr Wiese als Schnee.

Blick zurück auf den Kaiser von der Himmelmoos-Alm aus

Blick zurück auf den Kaiser von der Himmelmoos-Alm aus

Auf den Wegweisern richtet man sich nach den Schildern “Waldparkplatz Tatzelwurm über Seelachen Alm”. Es gibt noch einen zweiten Weg, der über die Rosengasse führt und etwas länger ist.

Die Zeitangaben auf den Schildern sind übrigens wild durcheinander, da darf man sich nicht verwirren lassen. Steht direkt am Brünnsteinhaus noch 2 3/4 Stunden Gehzeit, sind es 20 Minuten später auf der Himmelmoosalm schon 3 1/4 Stunden. Nur um 10 Minuten später 1 1/4 Stunde anzuzeigen.

Dafür gibt mir das nächste Schild 2 Stunden Gehzeit an, eine Viertelstunde später am “Durchstieg” sind es dann schon wieder 2 1/4 Stunden. Sowas hab ich auch noch nicht gesehen. Also nicht verwirren lassen! Gut hingegen ist, dass es wirklich viele Schilder gibt, so dass man seinen Weg auf jeden Fall finden sollte.

Ein schöner alter Wegweiser auf der Himmelmoos-Alm

Ein schöner alter Wegweiser auf der Himmelmoos-Alm

Die Himmelmoosalm liegt etwas tiefer als das Brünnsteinhaus, direkt dahinter geht es durch den Schnee ein Stück bergauf.

Am Seeon-Alm-Abzweig teilen sich die Wege. Geradeaus geht es weiter Richtung Rosengasse, ich gehe aber nach rechts zur Seelachen-Alm, durch eine Senke, dann weiter bergauf. Der erwähnte Durchstieg ist dann auch der höchste Punkt der Wanderung, danach geht es bis zum Tatzelwurm nur noch bergab.

Zunächst über die Seelachen-Alm, da habe ich bei meiner Tour vor ein paar Jahren Pferde auf der Weide gesehen. Jetzt gibt es hier nur Schnee und einige Schneeschuh-Spuren.

Ein schöner Blick auf den Wendelstein. Auch dort liegt deutlich zu wenig Schnee für Anfang Januar

Ein schöner Blick auf den Wendelstein. Auch dort liegt deutlich zu wenig Schnee für Anfang Januar

Dann führt der Weg recht gleichmässig auf einem Fahrweg bergab. Eigentlich recht langweilig, aber ich bin ganz froh, da ich den Tatzelwurm vor Einbruch der Dämmerung wieder erreichen will. Aufgelockert wird der Abstiegsweg noch durch einen wirklich sehr schönen Blick auf den Wendelstein.

Zwischendurch zweigt noch ein Pfad ab, der ebenfalls zum Tatzelwurm zurückführt. Ich bleibe aber diesmal auf der Straße und erreiche kurz darauf wieder den Pavillon, der jetzt nebelfrei ist. Auf dem Hinweg geht es nun wieder zurück zum Waldparkplatz und zum Tatzelwurm.

Insgesamt war es eine schöne Winterwanderung, die so aber vor allem durch die geringen Schneemengen möglich war. Als Winteraufstiegsweg wird vom Brünnsteinhaus der Aufstieg über den Winterwanderweg von Oberaudorf ab Dörfl empfohlen.

Dauer und Schwierigkeit:
Für den Aufstieg habe ich, inklusive kurzer Pausen, genau die angegebenen zweieinhalb Stunden benötigt. Den Rückweg gebe ich mal detaillierter an, da die Zeitangaben auf den Wegweisern zu verwirrend waren. Vom Brünnsteinhaus bis zum alten Wegweiser auf der Himmelmoosalm 30 Minuten. Zum Seeon-Alm-Abzweig 15 Minuten und 10 Minuten später am “Durchstieg”. Von dort 20 Minuten zur Seelachen-Alm und 40 Minuten später wieder am Pavillon. Von dort ist es noch eine halbe Stunde zum Waldparkplatz und zum Tatzelwurm. Alles insgesamt also etwa zweieinhalb Stunden für den Rückweg, genauso lang wie für den kürzeren Aufstiegsweg.

Der Weg ist meist relativ einfach. Schwierige stellen gibt es vor allem auf dem Hinweg. Der schmale Steig mit der seilversicherten Stelle, sowie kurze Stücke auf der Strecke oberhalb der Groß-Alm. Sollte mehr Schnee liegen, sollte man sich eher für den empfohlenen Winterwanderweg von Oberaudorf aus entscheiden.

Höhenangaben:
Tatzelwurm: 784 Meter
Pavillon: 1020 Meter
Groß-Alm: 1200 Meter
Brünnsteinhaus: 1360 Meter
Gipfel Brünnstein: 1634 Meter
Himmelmoosalm: 1326 Meter
Seeon-Alm-Abzweig: 1415 Meter
Durchstieg: 1440 Meter
Seelachen-Alm: 1300 Meter

Essen und Trinken:
Am Beginn der Wanderung steht das Gasthaus “Feuriger Tatzelwurm”, das man sich aber besser als Abschluss der Tour aufhebt. Dann natürlich das Brünnsteinhaus, wo es hüttentypische Kost mit Alpenblick gibt. Zwischendurch gibt es keine weitere Einkehrmöglichkeit.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Sämtliche Steige und seilversicherten Stellen sollte man ernst nehmen. Dort ist der Weg etwas ausgesetzt und führt an recht steil abfallenden Hängen entlang. Für Anfänger oder bei schlechten Bodenverhältnissen sind diese Stellen möglicherweise heikel.

Wie komme ich hin?
Mit der Bahn: Im Winter leider nicht. Im Sommer kann man mit der BOB bis zur Talstation der Wendelsteinbahn fahren, von dort aus fahren die Busse der Wendelstein-Ringlinie bis zum Tatzelwurm. Vorher unbedingt auf den Fahrplan achten, es gibt nur wenige Fahrten pro Tag.
Mit dem Auto: Von München aus über die A8 bis Weyarn, dann über Miesbach und Schliersse bis Bayrischzell, von dort aus über die Sudelfeldstraße bis zum Waldparkplatz oder zum Tatzelwurm. Alternativ auf der A8 bis zum Inntaldreieck, dann auf der A93 bis zur Ausfahrt Reischenhart und von dort über die Sudelfeldstraße zum Tatzelwurm fahren. Bei dieser Alternative fallen Mautgebühren auf der Sudelfeldstraße an.

Links:
Brünnsteinhaus
Hotel Tatzlwurm
Wendelstein-Ringlinie (kein Betrieb im Winter)

Buchtipps und Wanderkarte:

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hey,

    gut zu wissen, dass der Mini-Klettersteig gesperrt ist; hatte schon überlegt, ihn im Winter mal zu besuchen. Bei der “Höchststrafe” hast du absolut Recht!

    Gruß

    Rebecca

  2. Eine schöne Tour…kann ich nur bestätigen.
    War mit Freunden an einem der letzten schönen Herbsttage oben.
    Was mir besonders gefallen hat war die abwechslungsreiche Landschaft oder auch Beschaffenheit der Wege. Mal gemütlich, mal was steiles und zum Gipfel gut was zum klettern ;)!

    Was leider negativ auffiel, war die teils verwirrende Beschilderung, da die Zeitangaben mal weniger und dann auf einmal wieder mehr wurden als zuvor angeschrieben…fand ich etwas komisch ;)!

    In diesem Sinne…besten Dank für den kleine Erinnerung und Gruß,
    Stef

  3. Wow, ich bin sprachlos darüber, wie toll die Bilder geworden sind. Die Wanderung scheint, trotz der Sperrung, gelungen zu sein und jetzt im Frühling kann es von der Winter- zur Frühlings- und Sommerwanderung gehen 🙂

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