Die Felsenkirche Madonna della Corona

Wanderung oder Ausflug: Brentino – Madonna della Corona – Spiazzi

Die ganze Zeit starre ich aus dem Beifahrerfenster, immer die senkrechten Felswände des Monte Baldo im Blick. Irgendwo muss sie doch sein, fast ganz oben. Wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autostrada A22. Seit “Rovereto Sud / Lago di Garda Nord” blicke ich auf den Fels und in die Täler hinein. Wie haben “Ala-Avio” passiert und ich denke, dass ich sie verpasst habe. Doch plötzlich steht sie da, hoch oben über dem Etschtal, wie ein Schwalbennest an die Felswand des Monte Baldo gepresst: Die Wallfahrtskirche Madonna della Corona, 773m über dem Meeresspiegel. Und schon ist sie wieder aus dem Blickfeld verschwunden. Ganz klar: Da muss ich hin.

Die Wallfahrtskirche Madonna della Corona

Die Wallfahrtskirche Madonna della Corona

Mehrere Jahre lang hatte ich mir schon vorgenommen, diese besondere Wallfahrtkirche an der Ostflanke des Monte Baldo zu besuchen, jetzt hat es geklappt.

Die Madonna della Corona, die höchstgelegene Wallfahrtskirche Italiens, kann man sowohl als Ausflug als auch als Wanderung besuchen. Wir hatten das Glück, beides miteinander verbinden zu können: Von Brentino im Etschtal führt ein leichter, aber stufenreicher Weg hinauf zur Kirche. Weiter hinauf nach Spiazzi führt dann ein leichter Weg in wenigen Minuten hinauf.

Die Madonna della Corona als Ausflug

Vom Ort Spiazzi, der auf dem Monte Baldo liegt, führt eine kurze Serpentinenstraße mit einem Kreuzweg hinab zur Kirche. Diese Straße ist für Autos gesperrt, man parkt also etwa 100 Meter oberhalb der Felskirche auf einem der zwei Parkplätze von Spiazzi. Über die Straße geht man dann, vorbei an den Kreuzwegstationen mit lebensgroßen Bronzefiguren, hinab zur Kirche.

Eine der Kreuzwegsstationen auf dem Weg von Spazzi zur Wallfahrtskirche

Eine der Kreuzwegsstationen auf dem Weg von Spazzi zur Wallfahrtskirche

Auf dem Weg passiert man auch eine in den Fels gehauene Höhle, in der das Jesusgrab mitsamt dem aufgebahrten Gottessohn, nachgebildet ist. Was auf uns eher etwas befremdlich wirkt, war für die Menschen in Zeiten ohne Fotografie, Fernsehen und Internet sicher eine dankbar angenomme Darstellung.

Der Dorfplatz von Spiazzi. Hier beginnt der Weg zur Kirche

Der Dorfplatz von Spiazzi. Hier beginnt der Weg zur Kirche

Wer nicht gut zu Fuß ist, kann auch direkt vom Hauptplatz in Spiazzi, neben dem der Parkplatz liegt, mit dem Bus bis fast zur Kirche fahren. Von der unteren Bushaltestelle aus sind es nur noch wenige Meter bis zum Fußgängertunnel, durch den man zum Gelände des Santuario gelangt.

Wanderung von Brentino zur Madonna della Corona

Vom Etschtal aus erreicht man die Wallfahrtskirche Madonna della Corona über eine etwa zweistündige Wanderung, die im Ort Brentino beginnt. Etwa 600 Höhenmeter sind es, die man, überwiegend über Stufen, zum Santauario aufsteigt. Der Weg ist eigentlich leicht und unschwierig zu gehen, aber stark der Sonne ausgesetzt, obwohl er meistens durch Wald führt.

Der Beginn der Wanderung in Brentino

Der Beginn der Wanderung in Brentino

Los geht es mitten im kleinen Ort Brentino. Der Parkplatz am Beginn des Wanderwegs zum Santaurio ist winzig und liegt mitten im Ort. Die Via Santuario führt bergauf zu einem Brunnen, der aus drei großen Becken besteht.

Der Brunnen in Brentino, direkt am Beginn des Treppenwegs

Der Brunnen in Brentino, direkt am Beginn des Treppenwegs

Links davon beginnen die Stufen. Die ersten Höhenmeter legen wir noch auf einer Steintreppe, die zwischen Mauern verläuft, zurück.

Die erste der vielen Treppen auf dem Pilgerweg hoch zur Wallfahrtskirche

Die erste der vielen Treppen auf dem Pilgerweg hoch zur Wallfahrtskirche

Dann führt der gut angelegte und gut zu gehende Weg in den recht lichten Wald. Schnell kommen wir an einem Kreuz vorbei.

Das Kreuz im Wald

Das Kreuz im Wald

Man merkt schnell, dieser Wanderweg ist ein Pilgerweg. Wir passieren auf der gesamte Strecke schlichte, in ein Kreuz gefasste Tafeln, die von verschiedenee “Misteri” künden. Auf mehrere Tafeln zum “Mistero Gaudioso” folgen Tafeln zum “Mistero della Luce” und zum “Mistero Doloroso”. Das Geheimnis der Schmerzen wird dann zum Ende des Weges vom “Mistero Glorioso” abgelöst. Es nimmt also ein gutes Ende.

Einfach gestaltete Tafeln am Wegesrand künden von den Misteri

Einfach gestaltete Tafeln am Wegesrand künden von den Misteri

Fast der gesamte Höhengewinn auf dieser Wanderung erfolgt über Stufen. So steigen wir immer weiter aus dem Etschtal hinauf auf den Monte Baldo.

Auf den vielen Treppen des Wanderwegs

Auf den vielen Treppen des Wanderwegs

Immer wieder haben wir tolle Blicke auf das Etschtal und in das eingeschnittene Tal, das der Rio Bissole in das Monte Baldo Massiv gegraben hat. Nur das Ziel der Wanderung, das Santuario Madonna della Corona, zeigt sich nicht.

Ein Blick ins Etschlal. Gut zu sehen sind die geschwungene Etsch und die Autobahn

Ein Blick ins Etschlal. Gut zu sehen sind die geschwungene Etsch und die Autobahn

An einer Stelle führt der Weg ein paar Dutzend Meter direkt parallel zum Abhang. Wäre der Weg schmaler, könnte man die Stelle ausgesetzt nennen. Aber der Weg ist hier so breit, dass die hier gespannte Seilsicherung wohl eher als psychologische Sicherheit für weniger bergerfahrene Pilger dient.

Auch an der seilversicherten Stelle ist der Weg noch relativ breit

Auch an der seilversicherten Stelle ist der Weg noch relativ breit

Kurz nach einer “Flora & Fauna” Infotafel, neben der auch eine Bank steht, wird aus dem Weg mit vielen Stufen ein Treppenweg. Auch hier sind bergseitig wieder Seile gespannt, dazu gibt es an der Talseite aber noch eine breite, aber flache Steinbrüstung.

Weitere Treppen hnauf

Weitere Treppen hnauf

Eine Kehre ist als eine Art Mariengrotte gestaltet.

Mariengrotte auf einem Absatz der Treppen

Mariengrotte auf einem Absatz der Treppen

Zum Abschluß des Aufstiegs gehen wir noch ein Stück durch den Wald. Zwischen den Bäumen haben wir dann, nur wenige Minuten vor dem Ende der Wanderung, tatsächlich den ersten Blick auf die Kirche und die ganze Anlage der Madonna della Corona.

Der erste Blick auf die Kirche Madonna della Corona

Der erste Blick auf die Kirche Madonna della Corona

Unter einer alten Steinbrücke hindurch und dann über weitere Stufen auf die Brücke gehen wir auf den Eingang des Wallfahrtsortes zu. Und schon stehen wir vor, nunja, weiteren Treppen.

Auf der Brücke die zur Eingangspforte des Wallfahrtsortes führt

Auf der Brücke die zur Eingangspforte des Wallfahrtsortes führt

Diese führen aber nun wirklich in den Bereich der Wallfahrtskirche, der aus mehreren Gebäuden und natürlich der Kirche besteht. Diese erreichen wir über, Ihr ahnt es, eine breite Treppe.

Die Madonna della Corona

Die heutige Kirche geht auf eine Eremitage zurück, die schon im 12. Jahrhundert existierte. Das gesamte Gebäudeensemble der “Madonna della Corona” steht auf einem Felsbalkon, der die über 500 Meter hohe, senkrechte Felswand unterbricht. Oberhalb der Kirche ist die Wand noch etwa 100 Meter hoch, nach unten fällt der Fels 350 Meter senkrecht ab.

Die Kirche ist direkt an die Felswand gebaut

Die Kirche ist direkt an die Felswand gebaut

Im Jahr 1436 wurde die Anlage vom Malteserorden übernommen. Auch heute kann mam an den Gebäuden noch das Malteserkreuz sehen. Die Malteser errichteten die erste Kirche am Felshang und schafften das Standbild der Schmerzensmutter von Malta aus in die Kirche.

In der Kirche. Nordwand hinter dem Altar und de Westwand der Kirche bestehen aus Fels

In der Kirche. Nordwand hinter dem Altar und de Westwand der Kirche bestehen aus Fels

Eine Besonderheit der Kirche ist, dass die Westwand und die Nordwand hinter dem Altar aus Felswänden bestehen. In den Jahren 1974-1978 wurde die gesamte Anlage restauriert.

Maria und Jesus

Maria und Jesus

Das Kirchenportal mit dem Malteserkreuz

Das Kirchenportal mit dem Malteserkreuz

Auf dem Kreuzweg

Auf dem Kreuzweg

In früheren Zeiten gab es übrigens auch einen “Aufzug” über ein Windensystem, mit dem Materialien und auch Menschen von oben zum Heiligtum abgeseilt wurden. Ausreichendes Gottvertrauen kann man bei den Passigieren wohl voraussetzen, die sich die Felswand hinunter abseilen liessen. Da haben wir es heute doch bedeutend einfacher, diesen wirklich besonderen Ort zu besuchen.

Dauer und Schwierigkeit:
Der Weg von Brentino zur Madonna della Corona ist ein einfacher, teilweise etwas steiniger, Wanderweg. Auch die zuvor geschilderten seilversicherten Stellen sind nicht schwierig und der Weg ist auch dort recht breit. Einstellen muss man sich auf viele Stufen und Treppen sowie auf die Hitze. Obwohl der Weg über weite Strecken durch Wald verläuft, ist er durch seine Lage am Osthang schon früh der Sonne ausgesetzt.

Im Wanderführer wird die Zahl der Stufen hinauf mit 450 angegeben. Das ist schon angesichts der Tatsache, dass man fast nur über Stufen die 600 Höhenmeter bewältigt, etwas erstaunlich, wäre doch dann jede Stufe mehr als einen Meter hoch. Wahrscheinlicher, wenn auch mathematisch nicht ganz korrekt, erscheint mir diese handschriftliche Ergänzung auf der “Flora & Fauna” Tafel: “Fino qui 1037 Scalini poi + 724 = 1781”.

Glaubwürdige Angane über die Anzahl der Stufen auf dem Weg

Glaubwürdige Angane über die Anzahl der Stufen auf dem Weg

Von oben, von Spiazzi, ist es ein etwa 20 Minuten langer Spaziergang auf einer breiten, für den Autoverkehr gesperrten Straße. Wer den Bus von Spiazzi nimmt, fährt bis auf drei Minuten Fußweg an den Wallfahrtsort heran. Von der Bushaltestelle aus hat man übrigens eine hervorragende Fotoposition auf die Kirche.

Wie aufgereiht stehen die Gebäude und die Kirche an der Felswand

Wie aufgereiht stehen die Gebäude und die Kirche an der Felswand

Höhenangaben:
Brentino: 187 Meter
Madonna della Corona: 773 Meter
Spiazzi: 864 Meter

Essen und Trinken:
Auf dem Weg gibt es keine Verpflegungsmöglichkeit. Zum Gebäudekomplex der Madonna della Corona gehört auch eine kleine Bar mit Terrasse, in der man einfache Speisen wie Panini und Backwaren, Getränke und Eis bekommt. In Spiazzi empfehle ich Euch die Lasagne im Hotel Ristorante Serena. Von der Terrasse aus habt Ihr einen schönen Blick über die Berge.

Die kleine Bar an der Madonna della Corona. Auch hier ist das Malteserkreuz gut zu sehen

Die kleine Bar an der Madonna della Corona. Auch hier ist das Malteserkreuz gut zu sehen

Wo muss ich besonders aufpassen:
Auf dem seilversicherten Stück und anderen kurzen Passagen geht es steil bergab, generell ist aber normale Vorsicht ausreichend. Festes Schuhwerk und genügend Getränke sollte man auf jeden Fall dabei haben.

Letzte Trinkmöglichkeit für Hunde im Brunnen von Brentino

Letzte Trinkmöglichkeit für Hunde im Brunnen von Brentino

Wandern mit Hund:
Auch für Hunde gibt es auf dem Weg keine Trinkmöglichkeit. Am oberen Ortsende von Brentino und in Spiazzi gibt es Brunnen. Nehmt also auch für den Hund genügend Wasser mit. In den zentralen Bereich des Wallfahrtsortes mit der Kirche dürfen Hunde nicht mitgenommen werden. Im vorderen Teil und auf der Terrasse bei der Bar sind sie erlaubt.

Erster! Für Hunde, die gerne Stufen laufen, ist der Wanderweg hervorragend geeignet

Erster! Für Hunde, die gerne Stufen laufen, ist der Wanderweg hervorragend geeignet

Wie komme ich hin?
Mit dem Auto: Von Riva aus lässt sich Brentino leicht erreichen: Man fährt in Richtung der Autobahnauffahrt “Rovereto Sud” der A22. Nach dem Tunnel kurz vor der Auffahrt biegt man an der Ausfahrt Mori ab und fährt Richtung Avio. Die Straße verläuft parallel zur A22. Ein Stück hinter dem Ort Rivalta biegt man rechts ab nach Brentino. Geradeaus in den Dorfkern, dort befindet sich der kleine Parkplatz.
Spiazzi lässt sich leicht von Garda aus erreichen. Über Costermano, Caprino Veronese und Pazzon fährt man nach Spiazzi.
Von Brentino nach Spiazzi fährt man in einer knappen halben Stunde über Zovo und Pazzon.
Mit dem Bus: Von Garda aus sind sowohl Brentino als auch Spiazzi mit dem Bus erreichbar. Allerdings muss man mit mindestens zwei Stunden Fahrzeit rechnen. Lasst Euch am Hotel eingehend beraten, wenn Ihr die Tour mit dem Bus machen möchtet.

Das Heiligtum ist immer den ganzen Tag lang geöffnet

Das Heiligtum ist immer den ganzen Tag lang geöffnet

Links:
Deutschsprachige Seiten auf madonnadellacorona.it
Madonna della Corona bei torridelbenaco.de
Madonna della Corona auf weltspuren.com
Artikel auf gardaseede.com
Toursimus Verona: Zwischen Glauben und Natur

Buchtipps und Wanderkarte:

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