Im Tal der Papiermühlen am Gardasee

Wanderung: Toscolano-Maderno – Valle delle Cartiere (Tal der Papiermühlen) – Gaino – Pulciano – Toscolano-Maderno

Eine Wanderung in ein Tal mit einem Wildbach, vielen Ruinen und einem Industriemuseum. Dazu Geschichten über Reichtum, Gefahr und die Pest. Und das alles in einer wunderschönen Landschaft. Ganz schön viel für eine kleine Wanderung, die auch noch kindgerecht ist. Das alles gibt es im Tal der Papiermühlen, dem Valle delle Cartiere am Gardasee. Und wir reisen ganz entspannt mit dem Schiff an.

Im Tal der Papiermühlen am Museo della Carta

Im Tal der Papiermühlen am Museo della Carta

Bei meiner Wanderung über den Passo Guil nach Limone am Gardasee habe ich Euch ja schon davon vorgeschwärmt, wie schön es ist, eine Wanderung mit einer Schifffahrt zu verbinden. Diesmal haben wir es wieder so gemacht. Von Malcesine am nördlichen Ostufer des Gardasees sind wir mit dem Schiff nach Maderno im Südosten gefahren.

Schon auf der Hinfahrt sehen wir den Monte Pizzocolo, der mit 1581 Metern der höchste Berg am südwestlichen Gardasee ist. Direkt unterhalb liegt das Tal der Papiermühlen, unser heutiges Ziel. Während wir mit dem Schiff am Ort entlangfahren sehen wir in dem grünen Naturwall, der wie eine Schutzmauer zwischen dem Ort und den Bergen liegt, eine große Einkerbung. Das ist der Durchfluß des Baches aus dem Valle delle Cartiere, unserem heutigen Ziel.

Hier sieht man gut den Taleinschnitt zwischen Maderno und Toscolano, durch den wir ins Tal gehen

Hier sieht man gut den Taleinschnitt zwischen Maderno und Toscolano, durch den wir ins Tal gehen

Vom Hafen aus folgen wir der Gardesana, der nicht zu verfehlenden Hauptstraße, in Richtung Ortsmitte. Dieser Teil der Wanderung ist nicht so schön, wir wären besser durch die Altstadtgassen gegangen. Der Vorteil ist allerdings, dass man den Weg nicht verfehlen kann. Zunächst kommen wir am Supermarkt vorbei, wo wir uns noch schnell mit frischem Proviant und Wasser eindecken, dann führt der Weg an diversen Gartenmärkten vorbei bis zur Brücke über den Bach.

Die Brücke im Zentrum von Toscolano-Maderno

Die Brücke im Zentrum von Toscolano-Maderno

Vor der Brücke biegen wir nach links ab, nutzen die Fußgängerbrücke über den Bach und biegen gleich noch einmal nach links ab. Nun sind wir schon auf dem gut ausgeschilderten Weg ins Valle delle Cartiere.

Der Weg zum Valle delle Cartiere, dem Papiermühlental, ist gut ausgeschildert.

Der Weg zum Valle delle Cartiere, dem Papiermühlental, ist gut ausgeschildert.

Immer am Bach entlang führt die Straße nun ins Tal. Schon nach wenigen Metern sehen wir die erste Industrieruine. Weiß getünchte Wände eines ehemlaigen Wasserkraftwerks, die inzwischen schon wild von Pflanzen überwachsen werden. Hier beginnen auch schon die dreisprachigen Infotafeln, die auf italienisch, deutsch und englisch von der Geschichte des Tales und der Papiermühlen berichten.

Die Ruine dses Wasserkraftwerks

Die Ruine dses Wasserkraftwerks

Durch gleich drei kurze Tunnel führt die Straße. Wir wundern uns über den regen Autoverkehr, immer wieder müssen wir auf der schmalen Straße etwas zur Seite treten, einmal kommt sogar einer dieser kleinen Touristenzüge pfeifend angefahren. Ich habe leichte Befürchtungen, in einer Art Disneyland zu landen, aber so wird es zum Glück nicht. Ganz im Gegenteil wurde das Tal sehr behutsam, aber informativ zugänglich gemacht.

Direkt nach dem dritten Tunnel ist ein Parkplatz, hier beginnt dann der eigentliche Weg durch das Tal der Papiermühlen. Auf den Infotafeln erfahren wir, dass im Tal seit mindestens 1381 Papier hergestellt wurde. Die Kraft des Wildbachs Toscolano wurde hierbeigenutzt. Zum einen zum Einweichen der Lumpen, aus denen das Papier hergestllt wurde, zum Anderen zum Antrieb von Maschinen, später zur Stromerzeugung.

Diese Eidechse hat lange genug stillgehalten. Glück gehabt!

Diese Eidechse hat lange genug stillgehalten. Glück gehabt!

Aufgrund der hohen Qualität des hergestellten Papiers wurde das Tal zum Zentrum der Papierherstellung der Repubik Venedig. Etwa 60 Papierfabriken soll es im Tal gegeben haben. Um das Jahr 1630 brach auch im Tal die Pest aus, viele der Bewohner starben und die Papierhesrstellung kam zum Stillstand und konnte sich nur langsam erholen.

Mit der einsetzenden Industrialisierung verlor das Tal seine Bedeutung, auch weil die Mehrzahl der Fabrikbesitzer an der handwerklichen Fertigung festhielt und so nicht mit der industriellen Fertigung konkurrieren konnte. Wer die neuen Maschinen einsetzte, konnte noch länger bestehen. Im Jahr 1962 schloß aber auch die letzte Papierfabrik im Valle delle Cartiere.

Wir gehen weiter ins Tal, ein genütlicher, nur sanft ansteigender Weg, der sich entlang des Toscolano Bachs durch das meist enge Tal zieht. Früher war der Bach reissender, seit dem Bau des Stausees Lago di Valvestino in den Bergen hat der Bach aber viel von seiner ehemaligen Kraft verloren.

Auf dem Weg zum Museo della Carta, dem Papiermuseum

Auf dem Weg zum Museo della Carta, dem Papiermuseum

Nach weniger als zehn Minuten Gehzeit gelangen wir schon an das Museo della Carta, das Papiermuseum im Tal. Als wir dort ankommen, ist gerade eine italienische Schulklasse im Garten des Museums bei der Brotzeit. Sonst sind nicht viele Besucher da, so dass wir das Museum bei unserem Rundgang fast ganz für uns alleine haben.

Beeindruckende Papiermaschine im Garten des Museo della Carta

Beeindruckende Papiermaschine im Garten des Museo della Carta

Obwohl der Eintritt nicht ganz billig ist, lohnt sich der Besuch des Museums auf jeden Fall. Es ist im Gebäude einer ehemaligen Papierfabrik eingerichtet, mit originalen und nachgebauten Maschinen zur Papierherstellung, Fotos, Videos und einigen Schutafeln. Man bekommt einen kleinen Eindruck von den Bedingungen, die in den Fabriken geherrscht haben müssen. Unweigerlich stellen wir uns vor, welch Hitze, Lärm und Gestank dort geherrscht haben müssen.

Am Museo della Carta mit seinem schönen Garten

Am Museo della Carta mit seinem schönen Garten

Gleichzeitig sehen wir, wie viel Arbeitsschritte notwendig sind, um ein Blatt des wertvollen Büttenpapiers herzustellen. Und wir bestaunen das fertige Papier mit den feinen Wasserzeichen der verschiedenen Fabriken. Auch wir Essen nun im Garten des Museums unsere mitgebrachte Brotzeit. Der Garten ist schön angelgt, man kann alte Maschinen bewundern, der Bach plätschert, sehr schön, hier kann man es aushalten. An das Museum angeschlossen ist auch eine kleine Bar. Sie sieht nett aus, aber wir haben uns ja schon im Supermarkt versorgt.

Die Villa Maffizzoli

Die Villa Maffizzoli

Wir wandern weiter ins Tal hinein. Schon hinter der nächsten Biegung steht die Villa Maffizzoli, einem repräsentativen Wohnsitz eines der Unternehmer im Tal. Leider ist auch dieses schöne Haus ziemlich heruntergekommen. Es ist zu hoffen, dass es in nächster Zeit renoviert werden kann, damit sie erhalten bleibt.

Die ehemalige Papierfabrik Maina Superiore

Die ehemalige Papierfabrik Maina Superiore

Nur wenige Meter entfernt stehen die Reste der Gewölbe der Fabrik Maina Superiore, die der Familie Maffizzoli gehörte. Daneben die Grundmauern eines weiteren Fabrikgebäudes. Mittlerweile hat sich die Natur dieses Gebäude wieder geholt, die Mauern stehen inmitten einer wilden Blumenwiese.

In der Papierfabrik Maina Superiore

In der Papierfabrik Maina Superiore

Wir überqueren eine alte Steinbrücke und stellen fest, dass wir mittlerweile doch recht hoch über dem Bach sind. Kurz hinter der Brücke sehen wir schon wieder Ruinen einer weiteren Papierfabrik. Die standen hier wirklich dicht an dicht im Tal. Von dieser Fabrik stehen nur noch Mauerreste aus dicken Feldsteinen, sie erinnert mehr an eine antike Ausgrabungsstätte als an eine alte Fabrik. Duch die Reste der Fabrik kommen wir auch direkt an den Bach. Ein wenig Abkühlung tut ganz gut.

Nur noch die Aussenmauern stehen von dieser Fabrik

Nur noch die Aussenmauern stehen von dieser Fabrik

Wenig später sehen wir, dass wir das auch einfacher hätten haben können. Die nächste große ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Unter einer geöffneten Schranke hindurch, am “Privato” Schild vorbei, führt der Weg nun direkt an den Bach. Der weitere Weg führt in eine Sackgasse, das wissen wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Ein Rundbogen einer Ruine

Ein Rundbogen einer Ruine

Eine geländerlose Steinbrücke führt nur 20 Zentimeter über den Bach, kurz dahinter biegt der Weg nach links ab. Über eine kleine Brücke und dann nach rechts gehenn wir in Richtung Talschluss. Der Weg teilt sich nun: Nach links oben endet er an einem großen, mit einem Vorhängeschloß verschlossenen Gitter. Dahinter führt ein Bohlenweg an der Felskante entlang. Schade, der sieht interessant aus.

Der Eingang zum kleinen Tunnel. Nehmt eine Stirnlampe mit!

Der Eingang zum kleinen Tunnel. Nehmt eine Stirnlampe mit!

Der Weg nach unten sieht noch interessanter aus. Denn er führt durch einen schmalen Tunnel. Aber auch dieser endet nach etwa 20-30 Metern. Auf einem kleinen Felsvorsprung ist Schluß. Zwei Meter unter uns liegt ein kleiner, leuchtend grüner See zwischen den Felsen. Ein schöner Platz, wir beobachten ein paar Fische in ihrer fast tropisch anmutenden Umgebung.

Der kleine See am Talschluß

Der kleine See am Talschluß

Aber leider ist hier eben auch das Ende des Weges, anders als es unsere Beschreibung im Web angezeigt hat. Vermutlich war früher der obere Weg nicht verschlossen und begehbar. So gehen wir wieder zurück bis zur Brücke, die wegen Bauarbeiten gesperrt ist.

Der Wegweiser nach Gaino

Der Wegweiser nach Gaino

Wer es bei einer gemütlichen Spaziergang-Wanderung belassen will, geht nun wieder auf dem Hinweg durch das Tal der Papiermühlen zurück nach Toscolano-Maderno. Wir haben uns entschlossen, den Weg als Rundtour zu gehen und nach Gaino hochzuwandern. Im Nachhinein würde ich den direkten Rückweg empfehlen, den fand ich interessanter als den Rundweg.

Aufstieg nach Gaino

Aufstieg nach Gaino

Wir folgen also dem Wegweiser hoch nach Gaino. In ein paar Serpentinen geht es nun steil hoch. Das Papiermühlen-Tal ist von ziemlich steil aufragenden Wänden umgeben. Über grobe Steinwege gehen wir durch den lichten Wald und erreichen das etwa 200 Meter höher gelegene Gaino. Die Wegmarkierungen führen uns nun noch über eine Straße, von der aus wir nach links noch einmal einen schönen Blick auf den Talschluß und die Berge haben, über hunderte Olivenbäume hinweg. Rechts ist nur eine lange Mauer.

Ein letzter Blick ins Tal der Papiermühlen

Ein letzter Blick ins Tal der Papiermühlen

Und nachdem wir nach rechts abgebogen sind, stehen wir plötzlich mitten auf einer kleinen Piazza in Gaino. Ein verschlafenes Bergdörfchen, wie man es sich italienischer nicht vorstellen kann. Aber alle Geschäfte, Bars und Trattorias sind geschlossen, nur ein kleiner Trinkbrunnen spendet Wasser.

Wir könnten jetzt noch zur etwas ausserhalb des Ortes auf einem Felsvorsprung gelegenen Kirche wandern, aber das lassen wir jetzt. Entlang der Straße Via Pulciano Gaino gehen wir in weiten Serpentinen wieder bergab. Sehr unspektakulär, aber teilweise mit einem tollen Blick über den Gardasee. Im Dunst erkennen wir die kleine Halbinsel Punta San Vigilio und weit im Süden die äusserste Landspitze von Sirmione. Unter uns liegt Toscolano-Maderno, wie ein gemalter Stadtplan.

Der Blick über Toscolano-Maderno und der Gardasee in Richtung Garda

Der Blick über Toscolano-Maderno und der Gardasee in Richtung Garda

Noch ein paar letzte Serpentinen, einen Weg zwischen hohen Mauern hindurch und plötzlich stehen wir fast wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung, nur wenige Meter von der Brücke im Zentrum von Toscolano-Maderno entfernt. Eine schöne und sehr interessante Wanderung war das, die ich Euch sehr empfehlen kann, besonders auch, wenn Ihr mit Kindern unterwegs seid. Aber, wie schon gesagt: Beim nächsten Mal gehen wir einfach nur durch das Tal hin und wieder zurück.

Dauer und Schwierigkeit:
Durch den Ort bis zum Fluss sind es höchstens zwanzig Minuten, noch einmal zwanzig Minuten haben wir bis zum Parkplatz gebraucht, da waren aber schon einige Fotopausen dabei. In zehn Minuten zum Museum. Von dort bis zum Talschluß haben wir ziemlich genau eine Stunde gebraucht, wovon aber nur vielleicht 30 Minuten Gehzeit waren. In einer guten halben Stunde hoch nach Gaino und dann in einer Dreiviertel Stunde wieder nach Toscolano. Und noch einmal zwanzig Minuten (inklusive Eisdielenbesuch) bis zum Hafen. Insgesamt waren wir fünfeinhalb Stunden unterwegs, davon aber nur die Hälfte Gehzeit. Noch einmal schneller wird es, wenn man durch das Tal wieder zurückgeht. Dann hat die Wanderung eher Spazierweg-Charakter. Der einzig etwas anstrengendere Teil war der Weg hoch nach Gaino. Technisch schwierig wird es nirgendwo.

Höhenangaben:
Toscolano-Maderno: 86 Meter
Gaino: 315 Meter

Die großeSteinbrücke im Papiermühlental

Die großeSteinbrücke im Papiermühlental

Essen und Trinken:
In Toscolano Maderno (Eisdielen-Empfehlung: An der Hauptstraße, direkt gegenüber vom Hafen. Am Museo della Carta gibt es eine kleine Bar. Bei unserem Besuch waren alle Geschäfte und Bars in Gaino wegen Mittagspause geschlossen.

Wo muss ich besonders aufpassen?
Normale Vorsicht sollte auf dieser Wanderung vollkommen ausreichend sein. Entlang des Baches stehen einige Hinweisschilder, dass man aufgrund möglicher Schwallwellen nicht im Bach baden soll.

Wie komme ich hin?
Am schönsten mit dem Schiff der Navigarda. Von den größeren Orten am Gardasee, wie Riva, Torbole, Malcesine, Limone, Garda oder Sirmione bestehen Schiffsverbindungen nach Maderno. Mit öffentlichen Linienbussen kommt man leicht ins Zentrum von Toscolano-Maderno. Mit dem Auto auf der Gardesana Occidentale, der westlichen Uferstraße, nach Toscolano-Maderno fahren. Entweder im Ort parken oder bis zum kostenpflichtigen Parkplatz nach den Tunneln parken. Im Ort den braunen Schildern zum “Valle delle Cartiere” und zum “Museo della Carta” folgen.

Ein Blick zurück vom Schiff auf Toscolano-Maderno

Ein Blick zurück vom Schiff auf Toscolano-Maderno

Links:
Valle delle Cartiere bei gardasee.de
valledellecartiere.it (nur italienisch)

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Jetzt war ich schon so oft an allen erdenklichen Ecken und Enden des Gardasees, aber das mit den Papiermühlen ist mir in dieser Form noch nie aufgefallen.

    Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal dann die Augen ein Stück weiter öffnen.

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