Schwefelquellen, die Jamaica-Strandbar und ein einsamer Weg um Sirmione herum

Sirmione: Riesige Eisbecher, heiße Schwefelquellen und ein einsamer Weg, der bis zum Jamaica Beach führt

Sirmione ist ein wundersames Städtchen am Südufer des Gardasees. Es liegt auf einer langen, schmalen Halbinsel, die weit in den Gardasee hineinragt. Wer den eigentlich sehr schönen, aber extrem touristischen Ortskern hinter sich lässt, fidnet eine völlig andere und meist sehr einsame Naturlandschaft vor. Auf kleinster Fläche gibt es hier einiges zu entdecken. Und obwohl ich schon ein paar Mal in Sirmione war, habe ich auch diesmal einiges Neues gefunden.

Der Steinplattenstrand Jamaica Beach von Sirmione.

Der Steinplattenstrand Jamaica Beach von Sirmione.

Zusammen mit Ulli, der Fernauslöserin, und dem Bruder Leichtfuss Timo habe ich Sirmione und seine Küste wieder einmal entdeckt, während Madlen von Puriy einige Meter über uns die Grotten des Catull besucht hat.

Am Eingang zur Burg von Sirmione

Am Eingang zur Burg von Sirmione

Wer nicht mit dem Navigarda-Boot anreist, betritt den alten Ortskern durch das mächtige Burgtor. Hier befinden wir uns gleich mitten im touristischen Gewusel. Unter der alten Brücke zum Burgtor fahren Motorboote hindurch, die Passagiere winken hinauf, wir hinab. Durch das Tor hindurch kann man gleich rechts in die Burg hineingehen und hat von oben sicher einen guten Blick über den ganzen Ort. Wie üblich, habe ich es auch dieses Mal nicht geschafft.

Uns hat es gleich weiter in den Ort gezogen. In gefühlt jedem zweiten Haus befindet sich eine große Gelateria. Und große heißt hier, dass teilweise bis zu acht Eisverkäuferinnen gleichzeitig an der langen Eistheke stehen und aus den kunstvoll dekorierten Eistöpfen riesige Portionen auf die Eiswaffel, den “Cono” spachteln. Das Eis ist auch ganz hervorragend, das sollte man sich nicht entgehen lassen. Ein besonders großes Eis gibt es im Blog von Jana zu bestaunen, und natürlich noch einige weitere tolle Sirmione-Fotos.

In der gesamten Atstadt wechseln sich Nippesläden mit Galerien, Juwelieren und Boutiquen ab. Auch wenn sich im Herbst nicht ganz so viele Leute durch die Straßen, Durchgänge und Gassen drängen, voll ist es im Ort immer noch. Dazu kommen einige Autos, die mit einer Sondergenehmigung zu den weiter hinten gelegenen Hotels fahren dürfen.

Das vermutlich meistfotografierte Haus von Sirmione

Das vermutlich meistfotografierte Haus von Sirmione

Wir gehen geradeaus durch die Altstadt, lassen die letzten Geschäfte hinter uns und gelangen schnell in eine andere, völlig ruhige Welt. An einem kleinen Platz liegt der Eingang zur Therme von Sirmione, die für ihre heißen Schwefelquellen bekannt ist. Hier starten auch kleine Züge, mit denen man direkt zum Eingang der Grotten des Catull, den Ruinen einer weitläufigen römischen Villenanlage, fahren kann.

Art no Limits - der Beginn der Kunstausstellung im Park

Art no Limits – der Beginn der Kunstausstellung im Park

Wir gehen nach rechts, am Park eines großen Palast-Hotels entlang, durch den “Parco Maria Callas”. Dieser liegt direkt der Villa gegenüber, in der die Opernsängerin fast zehn Jahre lang lebte. Im Park werden wechselnde Open-Air Kunstausstellungen gezeigt. Aktuell, im Herbst 2013, ist es unter dem Motto “Cavellini 1914 -2014” eine Ausstellung mit dem Namen “Arte Senza Limiti“, zu der man über Facebook selbst beitragen kann.

Arte senza limiti

Arte senza limiti

Bergab wandern wir in Richtung Strand, immer an den Ausstellungsstücken, die einfach an Bauzäune gehängt sind, entlang. Unten am Strand gehen wir zunächst aber nicht nach links, den langen Lido entlang, sondern kurz nach rechts.

Ein zerbrochenes Rohr kommt unter der Straße hervor und endet am Kiesstrand. Vor dem Ausfluss des Rohres hat sich das Gestein gelblich gefärbt. Was nach einer Umweltsünde aussieht, ist jedoch der Ausfluss der heiße Schwefelquellen von Sirmione.

Das Wasser der Schwefelquelle von Sirmione fließt hier 69 Grad heiß in den Gardasee

Das Wasser der Schwefelquelle von Sirmione fließt hier 69 Grad heiß in den Gardasee

Das schwefelige Wasser läuft hier 69 Grad heiß in den See. Ich war richtig erschrocken, wie heiß es ist, als ich meine Hand ins Wasser gehalten habe. Der See wird hier an der Stelle so weit aufgeheizt, dass man auch im Herbst noch angenehm im warmen Wasser sitzen kann.

Das heiße Wasser der Schwefelquelle wärmt das Gardaseewasser rund um den Ausfluss

Das heiße Wasser der Schwefelquelle wärmt das Gardaseewasser rund um den Ausfluss

Wir gehen nun aber weiter in Richtung Norden, vorbei an den Olivenhainen mit ihren knorrigen, uralten Bäumen. Hier ist es sogar im Hochsommer sehr angenehm. Die meisten Touristen, die sich durch die Altstadtgassen drängen, kommen nicht bis hier hin.

Auch die einfache Strandbar hier am Lido delle Bionde, die einen tollen Blick über den See bietet, habe ich noch nicht voll erlebt, heute sind nur noch die Besitzer hier und räumen auf.

Ein Leichtfuss auf dem Steg in den Gardasee

Ein Leichtfuss auf dem Steg in den Gardasee

Die Saison ist hier vorüber. Jetzt im Herbst sind die Tretboote zum großen Teil schon winterfest gemacht, auf dem langen Steg in den Gardasee liegen keine Sonnenanbeter mehr auf ihren Badetüchern. Es ist fast völlig still hier, bis wir von einer Gruppe italienischer Schüler überholt werden, die am Strand entlang nach Norden gehen. Kurz darauf kommen die Mädchen im gleichen Alter, die denselben Weg haben.

Die letzten Tretboote am Lido delle Bionde

Die letzten Tretboote am Lido delle Bionde

Hier am Lido beginnen auch die großen, flachen Steinplatten, die sich bis zur Nordspitze der Halbinsel ziehen. Über diese Platten kann man gut laufen oder man benutzt sie als persönliche Mini-Insel und betonharten Strandersatz.

Am Strand von Sirmione

Am Strand von Sirmione

Hier merkt man auch, dass der Gardasee einen durchaus wechselnden Wasserspiegel hat. Bei unserem letzten Besuch konnten wir nur ein kurzes Stück trockenen Fusses nach Norden gehen. Jetzt im Herbst war der Wasserstand des Gardasees recht niedrig, so dass wir durch das Seegras, die Büsche und über die Steinplatten einen Weg nach Norden fanden.

Achtung Steinschlag. Oben die Grotten des Catull, unten wir auf unserem Strandweg

Achtung Steinschlag. Oben die Grotten des Catull, unten wir auf unserem Strandweg

Das Steinschlag-Schild an der Steilküste kann uns nicht abhalten, wir wandern weiter nach Norden. Einige Meter über uns befinden sich die Grotten des Catull, die Madlen gerade besichtigt. Wir gehen am Fuß der Felskante am Ufer entlang.

Durch das Seegras Richtung Norden zur Spitze der Halbinsel Sirmione

Durch das Seegras Richtung Norden zur Spitze der Halbinsel Sirmione

Ganz an der Nordspitze von Sirmione haben die Platten eine riesige Ausdehnung. Hier sehen wir auch die Schülergruppen wieder, die jetzt zusammen auf den Steinplatten den sonnigen Nachmittag geniessen. Vereinzelte andere Badegäste nutzen die Steinplatten ebenfalls als Strand, manche trauen sich auch noch, im See zu schwimmen. Wir geniessen den Blick ins Nichts. Durch den Dunst, der die Seeufer im Osten und Westen völlig verschluckt, sieht es so aus, als würden wir am Meer stehen.

Am Jamaica Beach - ein Blick wie über das Meer

Am Jamaica Beach – ein Blick wie über das Meer

Unser Weg führt weiter am Fels oder an dichten Sträuchern entlang. Ein Zaun trennt uns vom Gelände der Grotten des Catull. Einige besonders imposante Teile der Ruinen ragen hinter uns auf. So bekommen wir zumindest einen kleinen Blick auf die römische Anlage.

Römische Ruinen der Grotta di Catullo

Römische Ruinen der Grotta di Catullo

Mehrfach haben wir den Eindruck, dass wir gleich vor einem Zaun stehen oder der Weg so zugewachsen ist, dass wir umkehren müssen. Doch irgendwo findet sich immer noch ein Durchschlupf durch das Gebüsch oder ein Weg, wo wir von Steinplatte zu Steinplatte springen können. Notfalls hätten wir auch durch das seichte Wasser waten können.

Irgendwo findet sich immer ein Weg

Irgendwo findet sich immer ein Weg

Immer wieder raschelt es im Gebüsch, meistens werden es Echsen sein, die hier unter den grünen Blättern entlanglaufen. Solange sie durch das Gebüsch laufen, hat man aber kaum eine Chance, sie zu sehen. Manchmal haben wir Glück und eine kleine Echse quert unseren Weg. Meistnes sind sie aber zu schnell wieder verschwunden. Nur eine hält lange genug ruhig, um sich fotografieren zu lassen.

Diese Eidechse wollte gerne fotografiert werden

Diese Eidechse wollte gerne fotografiert werden

Im einem kleinen Wäldchen stehen wir plötzlich vor einem Wellblechdach, das von ein paar dünnen Pfosten gestützt wird. Sofort entsteht im Kopfkino das Bild einer tropischen Strandbar. Kein Wunder, dass dieser Strandabschnitt Jamaica-Beach genannt wird.

Eine alte Strandbar, nicht auf Jamaica, aber am Jamaica Beach

Eine alte Strandbar, nicht auf Jamaica, aber am Jamaica Beach

Allerdings, wir sind außerhalb der Saison hier, ist die Strandbar verwaist, keine Drinks, keine Musik, außer uns ist niemand hier. Die Hütte und alte Umkleidekabinen, die voller Grümpel sind, deuten darauf hin, dass es hier vor nicht allzu langer Zeit wilder zugegangen sein muss.

Neben der alten Strandbar, alte Umkleidekabinen

Neben der alten Strandbar, alte Umkleidekabinen

Jetzt geht unser Strandweg auch schon fast zu Ende, letzte verwinkelte Pfade durch dichtes Gebüsch, die letzten Seegras-Flecken und Steinplatten haben wir noch vor uns, dann geht der wilde Weg in eine asphaltierte Straße über. Diese führt uns an einigen Hotels entlang wieder zum Platz, an dem die kleinen Züge auf Kunden warten.

Der Nordstrand Jamaica Beach von Sirmione

Der Nordstrand Jamaica Beach von Sirmione

Jetzt müssen wir nur noch durch den Ort zurück. Gerade einmal eine Stunde hat der Ausflug gedauert, aber wir waren in einer völlig anderen Welt. Gut, dass es im Ort inzwischen auch etwas ruhiger geworden ist, sonst wäre der Schock über die Wuseligkeit und die Menschenmengen dort umso größer gewesen. So finden wir auch schnell Madlen und unsere Reisebegleiter von Gardaconcierge wieder, auf deren Einladung wir das lange Wochenende am Gardasee verbringen.

Abendstimmung am Gardasee bei Sirmione

Abendstimmung am Gardasee bei Sirmione

Obwohl ich schon mehrmals in Sirmione und sogar am Lido delle Bionde war, habe ich doch wieder etwas neues kennengelernt. Nicht nur die neue Ausstellung im Park, sondern auch die Schwefelquellen, denen ich schon ganz nah war, die ich aber noch nicht gesehen hatte. Und wir haben einen neuen, Weg “entdeckt”, den ich jedem nur empfehlen kann. Ein Stück Natur in Sirmione, dass man so kaum erwarten würde, wenn man durch das Burgtor tritt.

Nur der Wasserstand des Sees muss passen, sonst gibt es den Weg nicht. Solltet Ihr also einmal nach Sirmione kommen, probiert es aus, ob Ihr die Halbinsel umrunden könnt. Es lohnt sich!

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ach, hätte ich doch mehr Zeit gehabt, wäre ich gern noch einmal unten mit Euch herum gelaufen. Aber so kann ich mir zumindest eine Vorstellung davon machen, was ich verpasst habe, während ich von oben den Blick über das Wasser genoss. LG, Madlen

  2. Hallo! Ich bin gerade durch Google Analytics auf deine Verlinkung zu meinem Blog aufmerksam geworden! Vielen Dank dafür! Tolle Bilder hast du da am Gardasee gemacht!!! Da bekommt man direkt Lust mal wieder hinzufahren!!!

    Viele Grüße, Jana

  3. Danke für die schöne Schilderung.
    Wir sind gerade hier und werden den Weg heute suchen.
    Gleich müssen wir los, das Boot wartet nicht!

    Viele Grüße, Irene

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