Monte Baldo Überschreitung – die Tour delle Cime

Wanderung: Malcesine – Funivia Monte Baldo – Tratto Spino – Cima Pozzete – Cima di Longino – Cima Valdritta – Cima Telegrafo – Rifugio Telegrafo – Rifugio Chierego – Seilbahn Prada

Bei dieser großartigen Wanderung entlang des Monte Baldo Hauptkamms bekommt man wirklich viel geboten: Einen anspruchsvollen, langen und sehr interessanten Weg in grandioser Landschaft der uns gleich auf mehrere Gipfel über 2000 Meter Höhe führt. Dazu unvergessliche Tiefblicke auf den Gardasee, zwei ganz unterschiedliche Berghütten und am Ende sogar noch eine ungewöhnliche Seilbahnfahrt.

Auf der Tour delle Cime am Monte Baldo

Auf der Tour delle Cime am Monte Baldo

Allerdings zählt diese Wanderung nicht mehr zu den leichten Touren, auch mag ich sie nicht für Kinder empfehlen. Daher wird der Artikel auch wieder eher eine Fotogalerie. Der Monte Baldo kann auch tückisch sein, besonders die schnell aufziehenden Nebel können die Orientierung erheblich behindern. Wie man an den Fotos sieht, hatten wir allerdings am Tag unserer Tour durchgehend hervorragendes Sommerwetter, ohne jeden Nebel. Der Weg ist durchaus weit und geplante oder ungeplante Abstiege zum Gardasee ziehen sich über 2000 Höhenmeter.

So sah es am Monte Baldo wenige Tage vorher aus, auf der Tour delle Cime hatten wir aber keinen Nebel

So sah es am Monte Baldo wenige Tage vorher aus, auf der Tour delle Cime hatten wir aber keinen Nebel

Ich habe an einer geführten Tour teilgenommen, die von unserem Führer Beppe, Bergführer des italienischen Alpenvereins CAI, geleitet wurde. Insgesamt waren wir nur fünf Teilnehmer, vier aus Deutschland und eine Teilnehmerin aus Italien.

Die Tour beginnt auf etwa 100 Meter Höhe an der Talstation der Funivia Monte Baldo in Malcesine. Hier ist unser Treffpunkt. Dann bringt uns die Bahn zur Bergstation Tratto Spino auf 1760 Meter Höhe. Ab hier wandern wir immer in Richtung Süden, wobei wir dem Wanderweg 651 folgen. Zunächst ist es derselbe Weg wie bei der Wanderung auf die Cima delle Pozzette, die damit auch heute unser erstes Gipfelziel ist.

Steinmandl auf dem Weg zur Cima Pozzette

Steinmandl auf dem Weg zur Cima Pozzette

Wieder geht es vorbei an der Bergstation des Sessellifts mit dem Punkt “Bel Vedere” und an der Steinmännchen-Wiese auf den Gipfel der Cima Pozzette mit dem ungewöhnlichen Gipfelkreuz.

Danach wird der Weg deutlich anspruchsvoller. Zunächst geht es hinunter zum Rand eines Kars, des Valle D’Angual, das wir an seiner Ostkante in einem Halbbogen passieren. Hier ist der Weg schmal, steinig und zumindest für manche Wanderer ausgesetzt, nicht zum letzten Mal heute.

Immer südwärts führt der Wanderweg 651

Immer südwärts führt der Wanderweg 651

Nachdem wir das Valle D’Angual passiert haben, wandern wir östlich an der Cima di Longino vorbei. Auf diesen Gipfel werden wir nicht steigen. Schon geht es weiter am zweiten Kar, dem Val Finestra, das zwischen der Cima di Longino und der Cima Valdritta liegt.

Der Monte Baldo zeigt seine unwirtliche Seite

Der Monte Baldo zeigt seine unwirtliche Seite

Den Gipfel der Cima Valdritta besteigen wir ebenfalls. Es ist die einzige Abzweigung vom Weg 651, die wir nehmen. In einigen Kehren zieht sich der Weg durch das steinige Gelände hoch. Bevor wir den Gipfel erreichen, machen wir noch einen kleinen Abstecher zu einer schmalen Höhle, die am Ende einen Durchbruch hat. Durch diesen blickt man direkt zurück ins Val Finestra.

Der Weg 651 führt uns über die Gipfel des Monte Baldo

Der Weg 651 führt uns über die Gipfel des Monte Baldo

Nun aber zurück und auf den Gipfel der Cima Valdritta. Hier am großen Gipfelkreuz kann man erstmal eine Rast einlegen und die Landschaft auf sich wirken lassen. Dieser Gipfel ist der höchste Punkt unserer Wanderung und auch der höchste Punkt des gesamten Monte Baldo Massivs. Auf dem Rückweg, der steiler, aber kürzer als der Aufsteigsweg ist, kommen wir an einer kleinen Madonna im Felsen vorbei.

Nun geht es weiter zum bekannten Punta Telegrafo, unserem letzten Gipfel. Der Weg zieht sich, jetzt recht leicht zu gehen, auf der dem Gardasee abgewandten Seite entlang. Ohne große Höhenunterschiede wandern wir durch die beeindruckenden Bergflanken. Nach einem kleineren Aufstieg ist dann das Rifugio Telegrafo erreicht, die erste Berghütte auf unserem Weg seit der Bergstation der Seilbahn. Doch bevor wir unseren verdienten Caffé genießen, geht es direkt hinter der Hütte noch schnell die wenigen Höhenmeter zum Gipfel der Punta Telegrafo hinauf.

Das Gipfelkreuz der Cima Telegrafo

Das Gipfelkreuz der Cima Telegrafo

Das Rifugio Telegrafo ist recht groß, aber schlicht eingerichtet. Aber der Caffé und kalte Getränke schmecken auch im großen, kargen Gastraum hervorragend. Besonders im späterenVErgelich zum zweiten Rifugio des Tages erscheint das Rifugio Telegrafo sehr viel mehr nach Hochgebirgsherberge.

Die letzte Wanderstrecke führt nun zum zweiten Rifugio, dem Rifugio Chierego. Nach einem ersten felsigen Stück wird der Weg wieder leichter, wie auf dem Stück zwischen der Cima Valdritta und dem Rifugio Telegrafo. Wir passieren den Beginn der “Ferrata delle Taccole”, dann, an einer Wegbiegung, einen einzelnen, steil aufragenden Felszacken.

Kurze Zeit später wandelt sich der Weg vollkommen. Statt über einen gerölligen Weg am Fels entlang, wandern wir nun durch Almwiesen, auf einem Weg, der sogar etwas an eine alte Römerstraße erinnert. Zumindest im direkten Vergleich mit den Bergwegen, die wir die Stunden zuvor gegangen sind.

An der Weggabelung vor dem grünen Wiesenberg muss man sich entscheiden: Den breiten Weg nach rechts gehen oder den schmalen Steig links? Unser Bergführer Beppe rät zu dem schmalen Steig, da der andere Weg deutlich länger sei und später auch steiler wird. Also links. Der Steig führt, wenige Fuß breit an der Grasflanke des Bergs entlang und nach kurzer Wanderung stehen wir plötzlich vor dem Rifugio Chierego.

Felszack am Weg

Felszack am Weg

Hier ist nun etwas dolce vita angesagt. Aus dem Rifugio dringt eine Mischung aus Rock und Disco, entsprechend jung ist die Thekenmannschaft, die eine erstaunliche Getränkeauswahl bereithält. Mit Caffé und Kaltgetränken ausgestattet lassen wir uns in die Liegestühle fallen und genießen das Panorama. Ein idealer Schlusspunkt für eine, durch die Länge in der Sommerhitze, durchaus anstrengende Wanderung.

Ganz beendet ist die Wanderung noch nicht. Vom Rifugio Chierego aus geht es noch einmal fünf Minuten am Weidezaum entlang steil bergab zur Bergstation des Sessellifts hinunter nach Pra. Und dieser Lift hält noch eine Überraschung bereit. Von der Bergstation zur Mittelstation fährt ein normaler Einer-Sessellift. Soweit kennt man das ja.

Ein Blick nach Nordosten ins Monte Baldo Hochtal

Ein Blick nach Nordosten ins Monte Baldo Hochtal

Aber von der Mittelstation zur Talstation fährt man in einem Zwei-Personen-Stehlift. Und das geht so: Auf den Boden sind zwei Punkt gemalt. Von hinten kommt die Gondel angefahren, die aus einem Riffelblechboden mit Metall-Balkongeländer besteht. Man spurtet und steigt von hinten ein. Dann schnell nach vorne gehen, den schon sprintet der andere Passagier vom zweiten Punkt aus los. Sind beide eingestiegen, schließt der Liftwart die Tür und man fährt langsam der Talstation entgegen.

Dieser Stehlift ist dabei kein Relikt aus uralten Tagen, sondern durchaus modern. Warum ein solch ungewöhnlicher Lift gewählt wurde, weiß ich jedoch nicht. Vielleicht, weil man damit auch gut Sportgeräte, wie z.B. Mountainbikes, transportieren kann? Aber warum ist dann im oberen Teil wieder ein Sessellift? Ich weiß es nicht.

Ein wichtiger Grund, warum es sich lohnt, an der geführten Wanderung teilzunehmen, ist, dass der Rücktransport per Extrabus im Preis inbegriffen ist. Von einer Bar direkt gegenüber der Talstation, die immer noch deutlich oberhalb des Gardasees liegt, werden wir abgeholt und bis zum jeweiligen Hotel zurückgefahren. Neben dem Sicherheitsaspekt, mit einem erfahrenen Bergführer mit Ortskenntnissen zu wandern, der auch Wissenswertes zur Umgebung mitteilen kann, ist der gesicherte Rücktransfer ein guter Grund, dieses Angebot wahrzunehmen.

Die Wanderung wird unter dem Namen “Tour Delle Cime” von der Hoteliersvereinigung von Malcesine organisiert und wird (so war es im Sommer 2011) an zwei Tagen angeboten: Donnerstags mit, Sonntags ohne Bergführer. Beide Touren kosten 34 Euro, darin enthalten sind die Kosten für die Bergbahnen (Auffahrt Funivia Monte Baldo und Abfahrt mit der Bergbahn nach Pra), sowie der Rücktransfer nach Malcesine. Informationen und ein Faltblatt gibt es in Hotels in Malcesine oder in der Touristeninfo an der Bushaltestelle in Malcesine.

Die Wanderung dauert etwa acht Stunden, darunter sechseinhalb bis sieben Stunden reine Gehzeit. Dazu kommen noch die Auf-und Abfahrt mit der Monte-Baldo Seilbahn und der Seilbahn hinunter nach Prada sowie der Rücktransfer mit dem Bus nach Malcesine.

Aktueller Hinweis: Die Seilbahn Prada ist zur Zeit geschlossen. Im Sommer 2017 soll sie als Kabinenbahn wiedereröffnet werden.

Links:
Ferrata delle Taccole
Rifugio Telegrafo bei hoehenrausch.de
Funivia Monte Baldo (deutsch)

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11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schöner Bericht. Nächsten Sommer steht bei uns auch die Tour zum Rifugio Telegrafo an, da habe ich jetzt schon die Info-Quellen bekommen dafür. Danke!

  2. Super Fotos. Haben im Sommer auch die Punta Telegrafo erwandert, leider bot das Wetter kaum Gelegenheit einen Blick ins Tal zu werfen.
    Viele Grüße aus dem Süden Südtirols von Sandra

  3. Hallo Sandra,

    ja, wir haben wirklich Glück gehabt mit dem Wetter. Ich habe auf dem Monte Baldo schon mehrfach schlechtes Wetter gehabt, bei meiner ersten Tour auf die Cima Pozzette und etwas weiter habe ich auch eine dreiviertel Stunde auf dem Gipfel gewartet, dass sich der Nebel verzieht. Die Zeit hat mir dann später gefehlt.
    Der Abstiegsweg Eurer Wanderung ( http://www.diewanderer.it/wandern-am-gardasee/ ) sieht wirklich übel aus. Aber solche Wege gibt es am Gardasee öfter mal. Keine Freude für’s Knie!

    Viele Grüße,
    Uli

  4. Hi Jeeper,

    die Tour lohnt sich auf jeden Fall. Und in der Gruppe mit Führer war es sehr angenehm, hängt natürlich von den Mitgehern ab. Der Rücktransport dabei ist auch ein echter Pluspunkt. Viel Spaß auf dem Weg!
    Uli

  5. Sieht nach einem Hammerausflug aus. Da kriegt man richtig Fernweh, hier im doch recht unspektakulären Deutschland 🙁 Schön dass ihr Glück mit dem Wetter hattet, war bei meiner letzten Tour leider nicht der Fall 😉

  6. Das habe ich mir gerade mal ausgedruckt- die Tour ist für Samstag geplant, auch wenn es wohl nicht die 25 Grad werden, auf die ich gehofft hatte…

  7. Pingback: Wandern am Gardasee: Monte Baldo, Monte Brione | Gipfelglück Wandern am Gardasee: Monte Baldo, Monte Brione | Was mit Bergen

  8. Schöne Tour, bin ich auch öfters gewandert. Von Punta Telegrafo zurück zum Cima Valdritta und dort durch’s Kar nach Malcesine.

    Von Prada aus hat’s mir am besten gefallen. Morgens früh gleich aufsteigenm, dann kann man die Schäfer und einige Murmeltiere beim Aufstieg anschauen. Dort gibt es einige Blumen, die nur auf der Hochebene des Monte Baldo’s wachsen.

  9. Hallo Wanderer 2014,
    Vorsicht, der Sesselift am Ende der Tour ist 2014 geschlossen und soll 2015 als Kabinenbahn wieder eröffnet werden.
    Also muss man wohl oder übel zusätzlich noch runter laufen oder rechtzeitig umkehren und mit der Monte Baldo Seilbahn nach unten.

  10. Hallo Susanne,

    vielen Dank für den wichtigen Hinweis!
    Wenn man zu Fuß absteigen muss, verlängert das den Weg natürlich noch einmal deutlich.
    Ich habe die Information in den Artikel aufgenommen.

    Viele Grüße,
    Uli

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