Ein Wochenende am Kronplatz im Pustertal

Ein Besuch in Bruneck in Südtirol und im Hotel Windschar in Gais im Ahrntal

“Der Kronplatz ist genau nicht meine Welt”. Dieses Zitat von Reinhold Messner lese ich in der Süddeutschen Zeitung. Wenige Tage, bevor ich genau dorthin fahre. Für ein Wochenende will ich nach Bruneck im Pustertal in Südtirol. Dann lese ich noch, dass die Eröffnung des sechsten Messner-Mountain-Museums, das auf dem Gipfel des Kronplatz errichtet wird, verschoben wird. Dort wollte ich hin, aber statt zu seinem Geburtstag im September wird es jetzt erst im Dezember eröffnet.

Bruneck im Pustertal, an der Rienz

Bruneck im Pustertal, an der Rienz

Also kein Bericht darüber, keine Fotos von mir. Ich, der Nicht-Skifahrer, besuche eine Region, die nach einem Skiberg benannt ist. Im Sommer. Kurz vorher werde ich noch krank, werde ich überhaupt fahren können? Doch, ich kann fahren und nehme mir vor, den ersten Tag sehr relaxt zu gestalten. Und schließlich geht es auf die Alpensüdseite, auf die Sonnenseite. Sonne hilft ja bekanntlich bei der Genesung.

Mit dem Zug nach Bruneck

Direkt hinter dem Grenzbahnhof am Brenner, wo die Züge auch ohne Grenzkontrollen immer noch einen längeren Aufenthalt haben, kommt der Tunnel. Danach ist man auf der Südseite der Alpen, wo das Wetter besser ist. Normalerweise. Gerade habe ich in Innsbruck ein Nordkettenpanorama erlebt, wie ich es noch nicht gesehen habe: Strahlend blauer Himmel und kein bisschen Dunst. Und jetzt fahre ich auf die Alpensüdseite und der Himmel ist komplett grau bedeckt.

Na, das kann ja was werden, denke ich mir. Auch noch schlechtes Wetter, neben Krankheit und ausgefallener Museumseröffnung. Aber, das nehme ich mal vorweg: Es wird ein tolles Wochenende werden. In einer schönen Stadt in großartiger Umgebung, mit einem interessanten Museum, dem genialen Pursteinwand-Klettersteig und mit zwei kleineren Wanderungen. Als Stützpunkt ein tolles Hotel, das für meine Zwecke ideal liegt.

Ich fahre mit dem Zug, mit einem großen Reiserucksack und meinem kleinen Rucksack für die Touren. Von München Hauptbahnhof und München Ost fährt der Zug Richtung Verona Porta Nuova. Über Rosenheim und dan Inntal geht es nach Kufstein und Innsbruck mit dem tollen Panorama. Weiter dann über die Brennerstrecke bis Franzensfeste.

Sehr schick, die Züge der Pustertalbahn

Sehr schick, die Züge der Pustertalbahn

Unweit der riesigen, flachen Festungsanlage, die erst 1833-38 errichtet wurde, steige ich in den mordernen Regionalzug der Pustertalbahn um und bin eine dreiviertel Stunde später in Bruneck. Mein Hotel liegt in Gais, einem kleinen Ort nördlich von Bruneck, im Ahrntal. Mit dem Bus geht es schnell und günstig dorthin.

Die Stadt Bruneck

Aber zunächst sehe ich mir Bruneck an. Die Stadt hat gut 15.000 Einwohner, das ist noch recht übersichtlich. Alles im Zentrum ist in Fußwegentfernung. Vom Bahnhof und Busbahnhof sind es nur wenige Minuten zum moderen Rathaus mit dem großen Rathausplatz. Direkt gegenüber gehe ich über den langgestreckten Wochenmarkt am Graben. Die Häuser hier gehören schon zur Altstadt.

Das moderne Rathaus von bruneck

Das moderne Rathaus von bruneck

Die Hauptstraße der Altstadt ist die Stadtgasse oder Via Centrale. Wie üblich in Südtirol sind auch in Bruneck oder Brunico die Straßen zweisprachig bezeichnet. Und wie üblich habe ich auch hier das Gefühl, dass sich im Laufe der Jahre die Bewohner hier das Beste aus beiden Kulturen herausgesucht haben. Eine gute Mischung aus Tiroler Tradition und italienischem Lebensgefühl. Sogar die Sonne ist inzwischen zurückgekehrt, was das leicht italienische Flair noch verstärkt.

In der Stadtgasse von Bruneck, der Hauptstraße der Altstadt

In der Stadtgasse von Bruneck, der Hauptstraße der Altstadt

In der Stadtgasse reihen sich die Geschäfte aneinander. Neben Bekleidungsgeschäften und Juwelieren gibt es eine Reihe von Outdoorgeschäften, Sporthändler und Markengeschäfte. Dazu eine ganze Reihe von Restaurants und Café-Bars. Und ein Speckmuseum gibt es hier auch, natürlich mit einem umfangreichem Verkaufsangebot.

Nettes Detail: Eine Luft-Tankstelle für Radler in der Stadtgasse in Bruneck

Nettes Detail: Eine Luft-Tankstelle für Radler in der Stadtgasse in Bruneck

Auf meinem Weg durch Bruneck, der mich später noch zum Messner Mountain Museum RIPA auf Schloss Bruneck führen soll, komme ich noch auf der Rückseite des Rathauses vorbei.

Schloss Bruneck, in dem sich das Messner Mountain Museum RIPA befindet

Schloss Bruneck, in dem sich das Messner Mountain Museum RIPA befindet

Hier, gegenüber der Raiffeisenkasse, steht ein großes, von der Seite aus messingfarbenes Tor. Riesig. Und darunter, ein altes Gebäude, das Pulvertürmchen. Darin finde ich dann noch ein kleines Museum, das Messner Mountain Museum Biography. Es ist ganz klein und frei zugänglich. Gewidmet ist es bekannten Bergsteigern Südtirols. Eine schöne Museumsidee, klein, aber mitten im Zentrum der Stadt.

Das Pulvertürmchen in Bruneck, mit dem kleinen Messner Museum

Das Pulvertürmchen in Bruneck, mit dem kleinen Messner Museum

Nach Gais ins Hotel Windschar

Ebenso wie die Zugverbindung ist auch die Busverbindung sehr gut. Halbstündlich (am Wochenende stündlich) fährt der Bus von Bruneck ins Ahrntal. In Gais, wo ich hin will, hält er vor und hinter der Brücke. Vom der Haltestelle hinter der Brücke bin ich in zwei Minuten am Wellnesshotel Windschar, meinem Basislager für dieses Wochenende.

Das Hotel Windschar in Gais

Das Hotel Windschar in Gais

Das Hotel Windschar ist ein Vier-Sterne Ferien- und Wellness Hotel mit über 100jähriger Tradition, zentral in Gais gelegen. Der Name ist übrigens nicht der der Betreiberfamilie, sondern stammt vom gleichnamigen Berg “Große Windschar”, der bei Gais liegt. Das Hotel umfasst gleich mehrere Häuser, die teils unterirdisch, miteinander verbunden sind. Ich war im Haupthaus und hatte den Blick nach Süden. Wenn nicht einige große Bäume dazwichen gestanden hätten, hätte ich direkt auf den Kronplatz gesehen.

Vier Sterne, das spricht natürlich für eine gewisse Gediegenheit, so ist die Einrichtung auch alpenländisch. Viel Holz, was ich sehr mag, blumige Muster und viel Tiroler Atmosphäre, alles modern und gut gemacht. An den Wänden hängen einige Fotos aus der Frühzeit des Hotels. Und Fotos der Mitarbeiter.

Vom Speiseraum geht es direkt in den großen Garten des Hotels, in dem man prächtig relaxen kann, was ich dann auch am Nachmittag nach meiner Klettersteig-Tour ausführlich gemacht habe. Für den Pool war es schon etwas kühl, aber in der Sonne sitzen ist auch sehr entspannend.

Im Garten des Hotel Windschar

Im Garten des Hotel Windschar

Überhaupt das Essen: Das war sehr gut und sehr lecker. Ein großes Frühstücksbuffet als Grundlage für den Tag, abends drei mehrgängige Gerichte zur Auswahl, darunter auch ein fleischloses Wellnessgericht. Auch gluten- oder laktosefrei kann man nach Absprache essen. Und wem das gar nicht zusgt, kann auch Klassiker wie Wiener Schnitzel bekommen. Zwischendurch gibt’s noch das Nachmittagbuffet mit Kuchen, herzhaftem Essen, Salat oder Suppe. Ideal für einen kleinen Happen nach der Wandertour!

Ihr seht, ich habe mich dort wohl gefühlt. Und weil sich das Hotel Windschar auch “Wellnesshotel” nennt, gibt es auch in diesem Bereich einige Angebote, von denen ich aber eigentlich nur den Whirlpool genutzt habe.

Im Nebenhaus ist die Wellnessabteilung mit Pool, Whirlpool, Sauna und Liegelandschaft, alles Indoor. Durch einen Tunnel unter der Straße kommt man dorthin, was besonders im Winter vorteilhaft ist. Sehr genial, nach einer Klettersteigtour dort zu entspannen! Nebenan gibt es noch eine Beauty-Farm. die hab ich aber nicht getestet, ist nicht notwendig 😉 Dazu gibt es einen Sport- und Fitnessraum.

Und wenn mal schlechtes Wetter ist oder man sonst etwas Zerstreuung braucht, gibt es noch einen Billartisch, Tischtennis, einen Kicker und sogar einen Kinder-Spielsalon mit Automatenspielen.

Wer draussen aktiv werden möchte, kann Fahrräder und Kindertragen (Kraxen) kostenlos ausleihen. Eine Attraktion für Kinder sind die Hausschafe Hansi und Greti, die im Garten wohnen.

Blick vom Waalweg auf Gais und Burg Neuhaus

Blick vom Waalweg auf Gais und Burg Neuhaus

Wandern und Radfahren: An allen Orten im Ahrntal, die ich gesehen habe, ist mir die gute Beschilderung der Wander- und Radwege aufgefallen. Auch direkt am Hotel und an anderen Orten in Gais stehen Wegweiser zu unterschiedlichen Wandertouren, von sehr kurzen Wanderungen in der näheren Umgebung des Ortes bis hin zu langen Tagestouren und Höhenwegen. Eine Radroute durch das Tal ist ausgeschildert, zum Teil gibt es eigene Fahrradstraßen.

Und mit dem Bus kommt man, mit der Ausnahme des späten Abends, schnell und günstig nach Bruneck und weiter nach Norden, nach Sand in Taufers und weitere Orte. Mit der zentralen Lage im Ort und der schnellen Verbindung nach Bruneck und ins Tal ist das Hotel Windschar sehr gut gelegen. In Gais selbst geht es eher beschaulich zu, vor allem Abends wird es ruhig im Ort.

Für mein Wochenende war das Hotel Windschar ideal, ich habe mich dort sehr wohlgefühlt, vor allem auch durch die herzliche und immer sehr freundliche Atmosphäre im Haus. Ein kleines Highlight, das ich Euch nicht vorenthalten möchte: Ich habe am Abreisetag nachgefragt, ob ich meinen großen Rucksack an der Rezeption unterstellen kann. Ein kurzer Blick in den Computer: Das Zimmer wurde erst am nächsten Tag wieder belegt, so konnte ich ihn noch auf dem Zimmer lassen und zwischen der Wanderung und der Abreise noch duschen. Ein toller Service, vielen Dank!

Der Kronplatz

Jetzt habe ich noch gar nicht über den Kronplatz (Italienisch: Plan de Corones) geschrieben, der der Urlaubsregion seinen Namen gibt. Und immerhin wurde ich vom Tourismusverband Kronplatz zu dieser Reise eingeladen. Aber bei drei Tagen Aufenthalt muss man Kompromisse machen, da kann man nicht alles sehen. Und auf dem Kronplatz selbst war ich nicht. Für das neue Museum wäre ich hinaufgefahren, aber einfach so? Da erschienen mir andere Ziele interessanter.

So soll es einmal aussehen, das mmmcorones. Grafik: Kronplatz, Zaha Hadid

So soll es einmal aussehen, das mmmcorones. Grafik: Kronplatz, Zaha Hadid

Nur soviel zum Kronplatz: Brunecks Hausberg ist das Sksportzentrum von Bruneck und den umgebenden Orten, mit mehreren Bahnen erschlossen und sehr schnell aus der Stadt zu erreichen. Im Gegensatz zu den anderen Bergen in der Umgebung ist er nicht besonders spektakulär. Er ist gerade einmal 2275 Meter hoch, das ist nicht viel im Vergleich zu den schroffen Dolomitengipfeln oder den Bergen der Zillertaler Alpen, die ich von Gais aus sehen konnte.

Der Kronplatz hat, zumindest von Bruneck aus gesehen, eine gleichmässig rundliche Gestalt und ist bewaldet, der weitläufige Gipfelbereich besteht aus Wiesenflächen. Gut zu sehen sind die Skipisten, die sich durch den Wald ziehen. Auch die verschiedenen Bauten im Gipfelbreich des Kronplatz sind aus dem Tal gut zu sehen. Verständlich, dass Reinhold Messner diesem Berg etwas reserviert gegenübersteht. Trotzdem hätte ich sein neues Museum dort oben gerne gesehen. Aber das kann ja noch werden.

Und die Ferienregion Kronplatz umfasst ja nicht nur den Berg, sondern das gesamte Gebiet mit Pustertal und dem Ahrntal, in dem hauptsächlich war und ein richtig tolles Wochenende verbracht habe.

Vielen Dank an den Tourismusverband Kronplatz, die Agentur Maro und Partner und das Wellnesshotel Windschar (Pustertal – Südtirol) für die Einladung zu dieser Reise!

Kurzer Hinweis: Weitere Artikel zum Messner Mountain Museum RIPA, zum Klettersteig an der Pursteinwand und zu meinen Wanderungen folgen noch.

Links:
Kronplatz
Hotel Windschar
Webcams auf der Site des Hotels Windschar
Bruneck bei Pustertal.org
Bruneck bei suedtirol.com
Messner Mountain Musuem
Messner Mountain Museum Corones/Kronplatz
Pustertal-Bahn

Buchtipps und Wanderkarte:

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