Warum man Hüttenwochenenden machen sollte

#outdooradvent 2016

Weil es einen Riesenspaß macht, mit Freunden ein langes Wochenende in den Bergen zu verbringen. Das ist die kurze Antwort, aber als Blogbeitrag, noch dazu als mein Beitrag zum gemeinsamen #outdooradvent der Outdoorblogger, ist es vielleicht doch ein wenig arg kurz. Denn es gibt einige gute Gründe, ein paar Male im Jahr am Berg zu übernachten. Ein paar davon werden Euch bestimmt schnell einfallen, aber ich möchte auch zwei Aspekte herausheben, an die man vielleicht nicht sofort denkt.

Die Mödlinger Hütte im Gesäuse. Ausgangspunkt für viele Wanderungen

Die Mödlinger Hütte im Gesäuse. Ausgangspunkt für viele Wanderungen

Die Hüttenatmosphäre

In einer kleinen oder größeren Gruppe nach einem Bergtag abends auf der Hütte zu sitzen, idealerweise an einem warmen Sommerabend auf der Hüttenterrasse, ist schon etwas ganz Besonderes. Die Atmosphäre auf einer Berghütte ist von Hütte zu Hütte unterschiedlich, aber es gibt doch immer diese spezielle Berghütten-Grundstimmung. Man muss es erleben, das gibt’s im Tal nicht.

Abends am Furtschaglhaus in den Zillertaler Alpen

Abends am Furtschaglhaus in den Zillertaler Alpen

Und es ist nicht nur der Abend im gut gefüllte Gastraum, der von altem, dunklem Holz, schweren Tischen und Berggesprächen dominiert wird. Viellicht gibt es auf der Hütte nur kaltes Wasser? Zum Zähneputzen und für zwei Handvoll Wasser ins Gesicht wird es reichen. Man muss nicht jeden Tag Duschen. Keine Privatsphäre im 20er Lager? Hauptsache, man hat zwei Alpenvereinsdecken, die schön warm halten.

Eine schöne Hütte, toll für Kinder: Die Friedrichshafener Hütte oberhalb von Galtür

Eine schöne Hütte, toll für Kinder: Die Friedrichshafener Hütte oberhalb von Galtür

Auch, dass man am Berg deutlich früher und deutlich müder als üblich ins Bett geht, gehört dazu. Eine gute Erfahrung. Und vorher den Sonnenuntergang in den Bergen zu erleben, das ist wirklich unbezahlbar.

Im Millionen-Sterne Hotel

Hier muss ich ja leider sagen, dass ich überwiegend bedeckten Himmel hatte, wenn ich in den Bergen übernachtet habe. Aber wenn der Himmel klar ist: Dann sieht man die Milchstraße, Millionen Sterne, wann kann man das sonst bei uns sonst noch erleben? Einige besonders schöne Beispiele von unserer diesjährigen Wandertour im Gesäuse findet Ihr auf der Website von Günter Zöhrer.

Sonnenaufgang am Gosaukamm

Sonnenaufgang am Gosaukamm

In der großen Stadt oder, wörtlich genommen, in ihrem Dunstkreis, wird man sie nie so deutlich sehen. Aber auf einer Hütte hat man wirklich eine gute Chance. Und weil man früh ins Bett gegangen ist, kann man auch um fünf Uhr morgens aufstehen, um den Sonnenaufgang zu fotografieren.

Das Verhältnis von Anfahrt und Bergerlebnis

Wenn man wie ich im Raum München lebt, sollte man sich nicht beklagen, die Alpen liegen quasi in Griffweite. Schnell ins Auto oder den Zug gesprungen und kurze Zeit später ist man im Chiemgau, an der Zugspitze oder im Kaisergebirge. Aber eine bis zwei Stunden dauert die Anfahrt dann schon. Und die Rückfahrt auch.

Abends im Liegestuhl in den Bergen sitzen: Unbezahlbar

Abends im Liegestuhl in den Bergen sitzen: Unbezahlbar

Wenn man aber gleich am Berg übernachtet, wird das Verhältnis von Reisezeit zu Wander- und Bergzeit gleich viel besser. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie erholsam es ist, mit einer Halben in der Hand im grünen Alpenvereins-Liegestuhl zu liegen, auf das Bergpanorama zu blicken und daran zu denken, dass die Tagesausflügler gerade im Rückreisestau am Inntaldreieck stehen. Auch wenn man tief im Inneren weiß, dass man am Sonntagabend genauso im Stau stehen wird.

Größere und ruhigere Touren

Natürlich bietet ein Bergwochenende auch völlig andere Tourenmöglichkeiten, bei denen man Regionen näher kennenlernt, die dem Tageswanderer verschlossen bleiben. Sei es, weil die Anfahrt zu weit wäre oder weil die Strecke an einem Tag nicht zu schaffen ist. Und wer auf einer Tageswanderung vom Alltag abschalten kann, wird ein langes Wochenende in den Alpen umso mehr geniessen können.

Auch für Wanderungen, die als Tagestouren geeignet sind, hat man einen Vorteil: Man ist schon vor allen Tagestouristen am Startpunkt und hat so einen großen Vorsprung. So kann man auch überfüllte Bergziele noch relativ einsam erleben und trifft die große Masse der Wanderer vielleicht erst im Abstieg.

Blick zurück zum Ingolstädter Haus im Steinernen Meer

Blick zurück zum Ingolstädter Haus im Steinernen Meer

Nun aber zu den Dingen, an die man vielleicht nicht sofort denkt, die aber ein Hüttenwochenende zu einer ganz besonderen Erfahrung machen. Vor allem, wenn man noch ein oder zwei Urlaubstage dazu nimmt und damit das Wochenende verlängert.

Reduktion

Die meisten von uns neigen dazu, lieber etwas mehr als notwendig mitzunehmen. Der halbe Hausrat fliegt in den Kofferraum, selbst wenn man nur von Tegernsee auf die Neureuth wandern will (anderthalb Stunden, 530 Höhenmeter). Mehrere Jacken, bei 30 Grad, man weiß ja nie. Die drei Liter Trinkblase ist prall gefüllt, Müsliriegel, Wurstbrot, Salami und mehrere Äpfel verschwinden neben den drei Objektiven und dem Stativ im 35+10 Liter Rucksack.

Alles, was man braucht im Rucksack. Und trotzdem noch viel zu viel mitgenommen für drei Tage

Alles, was man braucht im Rucksack. Und trotzdem noch viel zu viel mitgenommen für drei Tage

Wenn man aber drei Tage Wanderung vor sich hat, mit täglich über 1000 Höhenmetern und mehreren Stunden Wanderung, dann reduziert sich das Gewicht des Rucksacks auf wundersame Weise wieder. Man überlegt doppelt und dreifach, was denn wirklich mitmuss.

Alles was man braucht, trägt man auf dem Rücken mit sich. Ein gutes Gefühl, dass man zumindest ein paar Tage wirklich mit so wenig auskommen kann, wie in einen Rucksack passt.

Schon zehn Liter weniger, bei einem Wandertag mehr. Rucksäcke warten am Ostbahnhof auf den Zug nach Jenbach

Schon zehn Liter weniger, bei einem Wandertag mehr. Rucksäcke warten am Ostbahnhof auf den Zug nach Jenbach

Kurze Anmerkung: Das stimmt in meinem Fall natürlich nur halb, da ich ja auf Hüttentouren unterwegs bin. Ich muss also schon einige Dinge nicht tragen, da am Abend die Zivilisation in Form der Berghütte wartet. Der dicke Schlafsack auf dem Rücken bleibt mir ebenso erspart wie Isomatte, Zelt, Gaskocher und Trockennahrungs-Rationen.

Umso mehr wächst der Respekt vor denen, die wirklich große Touren machen und das alles dabei mitschleppen müssen. Hier empfehle ich Euch gerne die Artikel von Kathrin bei Fräulein Draußen, die unter anderem durch ganz England gewandert ist und dabei im Zelt übernachtet hat. Alle, die sich für Ultralight Trekking interessieren, sollten mal bei Carstens Blog fastpacking.de vorbeischauen.

Das Wetter und der innere Schweinehund

Wenn man nur auf Tagestouren geht, macht man sich vom Wetter abhängig. Schon oft habe ich am Freitag den Wetterbericht angesehen und mich dafür entschieden, am Samstag doch lieber auszuschlafen, weil schlechtes Wetter angesagt war. Ich denke mal, dass das vielen von Euch auch so geht.

Wer geht schon gerne im Regen wandern, wenn alles grau in grau ist, die Kleidung feucht und klamm wird und man lieber drinnen als draußen ist? Hand hoch, wer dann trotzdem am Samstagmorgen um fünf oder sechs Uhr aufsteht, um auf einen Berg zu steigen. Da lacht der innere Schweinehund. Und der Besitzer des Schweinehunds dreht sich im Bett nochmal auf die andere Seite.

Wolkenverhangene Berge im Gesäuse

Wolkenverhangene Berge im Gesäuse

Und ich kann Euch sagen, an einem verregneten Sonntag über Forstfahrwege zum Bodenscheid-Haus zu wandern, ist wirklich nicht der Himmel des Bergwanderns. Aber genau das habe ich nun schon zweimal als Einstimmung auf eine Hüttentour gemacht. Warum im Regen? Weil ich das dringende Gefühl hatte, vor der Hüttentour noch ein paar Höhenmeter machen zu müssen, egal, wie das Wetter ist.

Wenn man aber nie bei schlechtem Wetter auf interessanten Wegen wandert, verpasst man eine ganze Menge. Nicht nur Bergtage, die dann doch richtig gut werden, weil man zum Beispiel nur über die Wolkendecke wandern muss und dann von oben, in der Sonne sitzend, auf die Wolken im Tal schaut.

Wir nennen es Testwetter. Völlig verregnetes Bloggerwochenende im Zillertal

Wir nennen es Testwetter. Völlig verregnetes Bloggerwochenende im Zillertal

Aber wenn man schon Wochen oder Monate im Voraus eine Tour mit mehreren Freunden geplant hat, macht man so schnell keinen Rückzieher, nur weil Regenfälle angesagt sind oder es morgens noch nebelgrau ist. Dann muss man eben mit den Gegebenheiten umgehen und fährt trotzdem in die Berge.

Einige meiner eindrücklichsten Bergtouren habe ich bei schlechtem Wetter gemacht. So habe ich mit Freunden, mit denen ich jedes Jahr ein Hüttenwochenende mache, vor einigen Jahren das Steinerne Meer in den Berchtesgadener Alpen durchquert.

Im Nebel im Steinernen Meer

Im Nebel im Steinernen Meer

Vormittags im strömenden Regen vom Kärlingerhaus zum Riemannhaus, nachmittags in Regen und Nebel zum Ingolstädter Haus. Es war eine Wanderung durch eine beeindruckende Landschaft, die ich immer noch als eine meiner Lieblingstouren ansehe.

Auch im Gesäuse und auf dem Berliner Höhenweg haben wir teilweise richtig schlechtes Wetter gehabt. Das gehört dann aber auch dazu und hinterher erinnere ich mich trotzdem gerne an diese Touren. Und am nächsten Tag kann schon wieder die Sonne scheinen. Und dann ist man schon mitten im Gebirge.

Der spaßige Spruch “Bei schönem Wetter kann’s jeder” hat auch einen wahren Kern, denn gerade bei schlechtem Wetter muss man seine Tourenziele hinterfragen und auch mal spontan ändern. Dann muss man sich den Gegebenheiten anpassen, eine Alternativroute wählen oder sein Pläne auch komplett ändern und umkehren.

Auf dem Berliner Höhenweg. Manchmal muss man auch Umkehren

Auf dem Berliner Höhenweg. Manchmal muss man auch Umkehren

Oder auch mal einen ungeplanten Ruhetag auf der Berghütte einlegen. Wenn man dann ohne Fernseher und ohne Mobilfunknetz dasitzt, ist das eine Erfahrung, die man kaum noch gewohnt ist. Mit so viel Entschleunigung muss man auch erstmal zurechtkommen.

Es gibt aber natürlich auch positive Überraschungen: Vor wenigen Wochen haben wir ein Bloggerwochende am Spitzingsee gemacht, ein Revival unseres #wirsinddraussen SchneeschuhWochenendes im Allgäu. Das Wetter in München war grau in grau, wahrscheinlich wäre ich nicht für eine Tagestour an den Spitzingsee gefahren. Aber wenn man sich mit den anderen verabredet hat, will man ja doch hin. Und wir sind in dieser fantastischen, tief verschneiten Winterlandschaft gelandet.

Rotwandblick im Tiefschnee beim Bloggerwochenende am Spitzingsee

Rotwandblick im Tiefschnee beim Bloggerwochenende am Spitzingsee

Übrigens …

Es müssen nicht immer die Alpen sein. Eines meiner ersten Bloggerwochenenden fand im deutschen Mittelgebirge statt, rund um die Enzianhütte in der Rhön. Es war, wie es sich gehört, von Regen und Nebel geprägt, rustikal und einfach, aber eine tolle Erfahrung, bei der ich einige Outdoorblogger zum ersten Mal getroffen habe.

In Herbstnebel und Regen durch die Rhön. Ein Bloggerwochenende vor vier Jahren

In Herbstnebel und Regen durch die Rhön. Ein Bloggerwochenende vor vier Jahren

Und wir hatten eine Menge Spaß, trotz Regen, Kälte und Nebel. Und obwohl unser Basecamp nicht den allerschicksten Eindruck gemacht hat. Mehr hierzu könnt Ihr hier und in den Blogs Hiking-Blog, Gipfel-Glück, Jeepermtj, Outdoorspirit, Uptothetop und WandernBonn lesen.

Unser Basislager in der Rhön: Das Biwak der Enzianhütte. Sieht einladend aus, oder?

Unser Basislager in der Rhön: Das Biwak der Enzianhütte. Sieht einladend aus, oder?

Es gibt also viele Gründe, mal ein verlängertes Bergwochenende zu machen. Ob man nun von Hütte zu Hütte wandert oder eine Hütte als Basecamp nimmt, um von dort Tagestouren zu unternehmen.

Der Planungs- und Vorbereitungsaufwand ist überschaubar, zusätzliche Ausrüstung zur ohnehin vorhandenen Wanderausrüstung braucht man kaum. Ein Hüttenschlafsack und vielleicht ein größerer Rucksack reichen schon aus. Hier findet Ihr noch ein paar weitere Tipps zu Hüttenübernachtungen.

Am wichtigsten finde ich aber, dass man völlig neue Bergerlebnisse, Erfahrungen, Spaß und auch Erholung findet, wenn man ein Hüttenwochenende mit Freunden oder der Familie macht. Welche Gründe fallen Euch noch ein, warum man unbedingt mal ein Hüttenwochenende machen sollte?

Dieser Artikel ist mein Beitrag zum Adventskalender der Outdoor-Blogger 2016. Eine Übersicht über alle Artikel des Outdoor-Blogger-Adventskalenders findet Ihr bei aufundab.eu. Auf Twitter könnt Ihr dem Hashtag #outdooradvent folgen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Gestern hat Markus beschrieben, wie man Tierleidfrei durch die Weihnachtszeit kommt. Morgen wird Torben auf dem Wandervideoblog einen weihnachtlichen Youtube-Stummfilm zeigen.

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ohja, zwei sehr schöne Wochenenden…egal ob Nebel in der Rhön oder Regen im Zillertal

    Beide Male war es echt genial!

    Viele Grüße aus Bad Reichenhall

  2. Hi Steve,
    ja, völlig verschiedene, aber sehr geniale Wochenenden. Beim nächsten Mal könnte dann aber doch die Sonne scheinen, zur Abwechslung 🙂
    Viele Grüße, Uli

  3. Tja was soll ich sagen, du hast alle Gründe aufgezählt :-). Es ist einfach ein schönes Erlebnis in der Natur in zu sein – in geselliger Runde – nach einer super Tour – abends gemütlich den Tag ausklingen lassen.
    Viele Grüße
    Conny

  4. Pingback: Outdooradvent: Wie die Krettenburg zum Weihnachtsbaum kam

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