Schneeschuhwandern in Südtirol: Ein Wochenende im Jägerhof Walten

Ein Schneeschuh-Wochenende im Jägerhof in Walten

Schneeschuhwandern in Südtirol, das ist etwas, was ich schon sehr lange machen wollte. Vor vielen Jahren war ich im Winter in Südtirol, ich weiß gar nicht mehr, wo genau. Seit ich dort aber die wirklich beeindruckenden Schneemengen gesehen habe, die sogar im Tal mehrere Meter neben den Straßen aufragten, wollte ich wieder hin. Und nun war es soweit. Auf Einladung von Siegi Hofscheller habe ich den Jägerhof in Walten, oberhalb von St. Leonhard in Passeier, besucht. Vorweg: Die Schneesituation war diesmal anders als bei meinem ersten Winteraufenthalt in Südtirol. Die Täler ware komplett schneefrei, aber auf den Bergen gab es genug Schnee für ausgedehnte Schneeschuhtouren.

Das Hotel Jägerhof in Walten im Passeiertal - Foto: Thomas Rathay

Das Hotel Jägerhof in Walten im Passeiertal – Foto: Thomas Rathay

Das Hotel Jägerhof nennt sich „Geniesser- und Wanderhotel“ und ist ein von der Familie Augscheller geführtes Drei-Sterne-Superior (***s) Hotel. Geniessen und Wandern, das klingt nach einer guten Kombination. Besonders in Südtirol, das sowohl als Wanderregion als auch für seine Weine und Spezialitäten einen sehr guten Namen hat.

Walten im Passeiertal

Wo liegt Walten? Walten (italienisch Valtrina) ist ein Ortsteil (Fraktion) der Gemeinde St. Leonhard in Passeier und liegt im Passeiertal im nördlichen Südtirol und hat etwas über 300 Einwohner. Während der Hauptort aber im Tal auf 689 Meter Höhe liegt, ist Walten mit 1270 Metern Höhe deutlich höher gelegen. Walten liegt an der Jaufenpass-Straße, die von St. Leonhard hinauf zum Jaufenpass auf 2049 Metern Höhe führt und dann wieder bergab nach Sterzing.

Das Hotel

Das Hotel Jägerhof ist ein eher kleines Familienhotel. Es hat nur zwanzig Zimmer, zu voll kann es also dort nicht werden. Mein Zimmer war ein Einzelzimmer der „Löwenzahn“ Kategorie. Im alpin-zweckmässigen Stil, würde ich sagen. Alles da, was man braucht, sauber, gut und mit einem schönen Ausblick auf Nörderspitze und Tagewalder gleich gegenüber.

Ein Doppelzimmer der Kategorie Holunder - Foto: Thomas Rathay

Ein Doppelzimmer der Kategorie Holunder – Foto: Thomas Rathay

Insgesamt gibt es im Jägerhof sechs verschiedene Zimmerkategorien vom Einzelzimmer bis zum 45qm Panoramastudio. Die Zimmer sind im alpinen Stil mit viel unbehandeltem Fichtenholz aus dem Passeiertal gestaltet. Die regionale Verbundenheit zeigt sich auch in kleineren Details: Auf dem Tisch steht keine Mineralwasserflasche, sondern eine Karaffe des lokalen Quellwassers.

Geniessen: Wein und Essen

Der Hotelier Siegi Augscheller ist gleichzeitig der Koch des Hauses. Soweit wie möglich setzt er auf regionale Zutaten. Ob Fleisch, Fisch, Eier; Gemüse oder Kräuter, je näher, desto besser. Auf der Homepage könnt Ihr eine Liste der Lieferanten aus der Umgebung einsehen. Kräuter kommen bevorzugt aus dem eigenen Garten.

Der Hai-Fisch, ein Saibling im Heu-Bett stammt aus einem Bach im Passeieral - Foto: Thomas Rathay

Der Hai-Fisch, ein Saibling im Heu-Bett stammt aus einem Bach im Passeieral – Foto: Thomas Rathay

Für seine regionale Küche ist er schon mehrfach ausgezeichnet worden. Als eines von wenigen Restaurants in Südtirol hat das Hotel Jägerhof die Auszeichnung „La Chiocciola“ (die Schnecke) von Slow Food Italia erhalten. Dazu kommen Auszeichnungen vonm Guide Michelin (2 Gabeln und Bib Gourmand), Gambero Rosso (1 Gabel) und dem Land Südtirol. Dieses hat den Jägerhof, als einzigen Betrieb im Passeiertal, mit der Plakette „Südtirol: Einheimisch genießen“ ausgezeichnet.

Und ich kann wirklich sagen: Es schmeckt ganz ausgezeichnet. An einem Abend hatten wir ein 7-Gänge Menü, unter anderem mit Graukäse. An den habe ich mich, als wenig-Käse-Esser, kaum getraut, aber sogar der hat mir geschmeckt. Ebenso der „Hai-Fisch“, ein Bachsaibling aus dem Passeiertal, der im Heubett serviert wird. Vom Fleisch, ob Kalb oder Hirsch, gar nicht erst zu reden.

Irmgard und Siegi Augscheller im Kräutergarten des Hotels - Foto: Thomas Rathay

Irmgard und Siegi Augscheller im Kräutergarten des Hotels – Foto: Thomas Rathay

Es ist wirklich erstunlich, was Siegi in seiner Küche alleine oder mit Unterstützung nur einer Hilfe, an Abendessen zaubert. Eine große Empfehlung. Die Auszeichnungen hat er völlig zu recht erhalten!

An einem Nachmittag, nach unserer Schneeschuhtour, haben wir an „Siegis Topfgucker–Kochkurs“ teilgenommen. Dabei konnten wir zusehen, in welcher Geschwindigkeit er Südtiroler Speckknödel, selbstgemachte Nudeln, Kaiserschmarrn, ein Chutney und anderes zubereitet. Das waren interessante Einblicke in die Küche und viele Tipps und Tricks, die ich kaum behalten konnte.

Unsere Schneeschuh-Touren

Das Hotel Jägerhof hat sich auf Wanderungen und Schneeschuhwanderungen spezialisiert. Mit dem einheimischen Bergführer Michl haben wir an dem Wochenende zwei Schneeschuhtouren in die Umgebung unternommen. Einmal sind wir auf Schneeschuhen auf das Hahnl gewandert, einen knapp 2000 Meter hohen Berg im Naturpark Texelgruppe. Zu dieser Wanderung hat uns Michl mit dem Minibus vom Hotel abgeholt.

Schneeschuhtour auf das Hahnl im Nationalpark Texel-Gruppe

Schneeschuhtour auf das Hahnl im Nationalpark Texel-Gruppe

Die zweite Tour, eine Schneeschuhwanderung über drei Almen startete direkt vom Hotel aus. Eigentlich wollten wir auf den Jaufenpass, da hat uns das strenge Winterwetter dort oben aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. So haben wir auf der Tour durch die angrenzenden Täler einige Höhenmeter und ordentlich Strecke gemacht, bevor wir in einer super-urigen Alm eingekehrt sind.

Zur Stärkung für die Schneeschuhtouren gibt es vom Hotel immer kräftige Brote und selbstgemachte Müslischnitten.

Richtung Gipfel, aber doch nicht ganz hoch: Kurz hinter der Seeberg Alm auf der Schneeschuhtour durchs Passeiertal

Richtung Gipfel, aber doch nicht ganz hoch: Kurz hinter der Seeberg Alm auf der Schneeschuhtour durchs Passeiertal

Weitere Sportangebote

Im Winter steht das Schneeschuhwandern im Mittelpunkt der sportlichen Aktivitäten, während der anderen Jahreszeiten das Wandern. Für Alpin-Skifahrer ist das Skigebiet Ratschings/Jaufen in der Nähe. Mit dem Skibus des Hotels kann man bequem hinfahren. Skitourengehen und Langlaufen ist ebenfalls möglich, da kann ich als nicht-Skifahrer aber gar nichts zu sagen. Im Hotel selbst kann man im Wellnessbereich in die Sauna gehen, ein Heubad nehmen oder einfach in den Liegen entspannen.

Das Heubad im Wellnessbereich des Hotels Jägerhof - Foto: Thomas Rathay

Das Heubad im Wellnessbereich des Hotels Jägerhof – Foto: Thomas Rathay

WLAN

Für Bogger besonders wichtig: Wie ist die Versorgung mit WLAN? Zunächst einmal: Kostenlos, der WLAN-Zugang ist für alle Hotelgäste inbegriffen. Durch die relativ abgelegene Lage des Hotels ist die Bandbreite nicht allzu hoch, aber es fuktioniert stabil und für sie typischen Blogger-Aktivitäten wie Instagram-Fotos hochladen, Facebook, Twitter und Blogposts ist es völlig in Ordnung. Mein Lieblingsplatz: Der Tisch an der Bibliothek, gegenüber der Rezeption. Alle Fachliteratur (Karten, Wanderführer, naturkundliche Bücher und regionale Literatur) sind griffbereit und der Router steht auch gleich nebenan.

Die Anfahrt zum Jägerhof

In den meisten Fällen wird man von Deutschland aus per Auto oder Bahn nach Südtirol reisen. Autofahrer werden meist auf der Brennerautobahn bis Sterzing fahren und dann über den 2094 Meter hoch gelegenen Jaufenpass nach Walten fahren. Im Winter ist dieser über Nacht von 18-8 Uhr gesperrt. Alternativ kann man über Bozen, Meran und St. Leonhard anreisen, auch um winterliche Verhältnisse (Schneeketten nicht vergessen!) am Pass zu umfahren. Aktuelle Informationen zu den Passstraßen findet man auf suedtirol.com.

Ich habe mich für die umweltfreundliche Anreise per Bahn entschieden. Von München aus geht es mit dem Eurocity Richtung Bologna über Rosenheim, Kufstein, innsbruck und den Brenner in knapp vier Stunden bis Bozen. Dort stigt man in den Nahverkehrszug nach Meran, von wo es dann per Bus weitergeht. Zunächst nach St. Leonhard in Passeier, von dort aus Richtung Jaufenpass nach Walten. Direkt an der Zufahrt zum Hotel befindet sich die Bushaltestelle.

Der abendliche Blick vom Balkon meines Zimmers

Der abendliche Blick vom Balkon meines Zimmers

Sehr gut: Die Anschlüsse sind jeweils so gut getaktet, dass ich jeweils etwa zehn Minuten hatte, um den Anschlußzug oder -bus erreichen. Das ist vollkommen ausreichend, auch mit Gepäck. Aufpassen muss man nur in St. Leonhard. Dort gibt es drei Anschlussbusse, alle mit derselben Liniennummer, die aber in unterschiedliche Seitentäler fahren. Aber nach kurzer Nachfrage bei anderen Passagieren und den Busfahrern bin ich im richtigen Bus gelandet.

Preislich war für mich als Einzelperson die Fahrt von München mit der Bahn etwa gleich teuer, als wenn ich mit dem Auto gefahren wäre. Zeitlich eher länger. Der Vergleich hängt natürlich von der Stausituation auf der Autobahn und, man muss es leider inzwischen wieder sagen, der Wartezeit an den Grenzen ab. Aber wesentlich entspannter ist es auf jeden Fall, mit dem Zug zu fahren. Einziger Wermutstropfen: Die Gepäckaufbewahrung am Bahnhof Meran ist im Winter geschlossen. Dort wollte ich mein Gepäck auf der Rückfahrt aufgeben, um noch einen halben Tag in Meran zu verbringen. So musste ich es mitschleppen.

Mein Fazit

Das war ein rundum gelungenes Wochenende! Für Schneeschuhwanderer ist dieser Teil von Südtirol eine tolle Region. Wir haben auch mit anderen Hotelgästen gesprochen, die die ganze Woche Touren unternommen hatten und sehr begeistert waren. Das Hotel ist klein und gemütlich, überhaupt nicht abgehoben und bietet eine wunderbare regionale Spezialitätenküche, bei der ich einige völlig neue Gerichte kennengelernt habe. Irmgard und Siegi Augscheller sind ganz ruhige, angenehme Gastgeber, bei denen ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe.

Eindrücke vom Hotel Jägerhof

Die Fotos

Wie Ihr sicher schon gemerkt habt, habe ich den Artikel diesmal überwiegend mit Fotos von Thomas Rathey bebildert, die mir das Hotel zur Verfügung gestellt hat. Ebenso ist der Film vom Hotel Jägerhof erstellt. Der Grund ist einfach: Tagsüber, bei gutem Fotolicht, waren wir unterwegs auf unseren Schneeschuhtouren. Und die Essensfotos sind deutlich schöner als die, die ich machen könnte.

Links

Homepage des Hotel Jägerhof: http://www.jagerhof.net. Hier findet Ihr alle Informationen zu den Zimmern, Preisen, den Sport- und Kulinarikangeboten. Im „Landlust-Online-Magazin“ gibt es dazu Rezepte der Südtiroler Küche, Kräuterkunde und weitere interessante Inhalte rund um den Urlaub im Passeiertal.
Aktuelle Informationen zu den Passstraßen auf suedtirol.com

Karten und Wanderbücher

Hinweis: Zu dem Wochenende im Passeiertal hat mich das Geniesser- und Wanderhotel Jägerhof eingeladen, das auch unseren Bergführer Michl gestellt hat.

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Bericht.
    Ehrlich und mit Herz geschrieben, vielen Dank dafür 🙂

    Wir werden uns sehr bemühen dass alle Leser die uns besuchen mit der selben Begeisterung nach Hause fahren.

    Liebe Grüße aus dem Passeiertal

    Siegi & Irmgard

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