Der Tod so kalt

Südtirol-Krimi: Luca D’Andrea – Der Tod so kalt

Jeremiah Salinger sitzt in seinem Haus in Siebenhoch, einem kleinen Dorf in den Bergen Südtirols, und versucht, sein Trauma zu verarbeiten. Er hat an einem Dokumentarfilm über “die Helden der Berge”, den Bergrettungsdienst Dolomiten, gearbeitet. In der Gletscherspalte stehend musste er miterleben, wie die Bergretter, die ihn mit der Winde aus der Spalte ziehen wollten, verunglückten.

Der Tod so kalt. Von Luca D’Andrea

Der Tod so kalt. Von Luca D’Andrea

Salinger, der Filmemacher aus Amerika, hat nach Südtirol geheiratet und lebt nun im Heimatdorf seiner Frau, einer kleinen Gemeinschaft in den Bergen, wo jeder jeden kennt. Auf dieser Gemeinschaft lastet ein dunkles Geheimnis. Dreißig Jahre zuvor wurden in der wilden Bletterbachschlucht unweit von Siebenhoch während eines Unwetters drei junge Einwohner des Ortes brutal ermordet: Evi, Kurt und Markus.

Salingers Schwiegervater Werner hat damals, zusammen mit andern Bergrettern aus dem Ort, die grausam zugerichteten Leichen gefunden. Immer tiefer verbeisst sich Salinger in den Fall. Stammt der brutale Mörder aus dem Ort und warum mussten die drei jungen Leute in der Unwetternacht in der Schlucht sterben?

Ein Mann aus dem Dorf ist mit dem Bau eines Besucherzentrums zur Bletterbachschlucht reich geworden. Die Karriere eines Wissenschaftlers aus Innsbruck, der Universität, an der Evi studierte, wurde zerstört. Salinger will den alten Kriminalfall, über den im Dorf geschwiegen wird, lösen. Aber wer wird ihm, dem Auswärtigen, dem Zugezogenen, helfen? An seiner Besessenheit, den Mörder zu fnden, droht sogar seine Ehe zu zerbrechen.

Auf mehr als 450 Seiten hat Luca D’Andrea seine Geschichte Der Tod so kalt* erzählt. Das Buch ist sehr spannend, enthält einige unerwartete Wendungen und beschreibt gut eine dörfliche Welt in den Südtiroler Alpen, die man als Außenstehender für eine heile Bergwelt mit ihren uralten Traditionen und Lebensweisen halten kann.

Doch diese scheinbar heile, in sich geaschlossene Welt mitten in den Dolomiten steckt voller Abgründe aus Gewalt, Alkoholsucht, gegenseitigen Abhängigkeiten und dem Geheimnis um das Verbrechen in der Bletterbachschlucht, das auf der Dorfgemeinschaft lastet.

Bericht in BR Capriccio über das Buch “Der Tod so kalt”

Das Fazit des BR Magazins Capriccio: “Ein perfekt gebauter Thriller, übergroß, operettenhaft und mit Sog bis zum Ende.”

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive. Das Buch ist gut und leicht zu lesen und ich habe es, als ich erst einmal in der Geschichte drin war, sehr schnell durchgelesen. Dabei ist es keiner der typischen Regionalkrimis geworden, in denen schrullige Figuren mit viel Humor Kriminalfälle lösen, sondern ein echter Thriller mit einer schweren Grundstimmung.

Aber der Einstieg ins Buch ist mir etwas schwergefallen, was an zwei stilistischen Einfällen des Autors liegt, die mich beim Lesen gestört haben.

In den ersten Kapiteln tritt Jeremiah Salinger in seiner Eigenschaft als amerikanischer Filmemacher auf. In der Ich-Perspektive spricht er den Leser mehrfach direkt an. Das und die Beschreibungen des Filmbusiness lesen sich teilweise wie direkt aus US-Actionfilmen der Achtziger übernommene Dialoge. Das mag sogar so gewollt sein, aber über 450 Seiten wäre es doch eine Last gewesen. Nach den Anfangskapiteln, wenn das Buch in Südtirol spielt, verliert sich dieses aber und das Buch wird wesentlich besser zu lesen.

Der zweite etwas merkwürdige Einfall des Autors ist, dass Salinger und seine fünfjährige Tochter die Angewohnheit haben, zu verschiedensten Wörtern jeweils die Anzahl der Buchstaben zu nennen, was ich mit der Zeit etwas nervig fand, vor allem auch, weil es für die Geschichte selbst keine Bedeutung hat.

Tortz dieser kleinen Einschränkungen kann ich “Der Tod so kalt” aber sehr empfehlen. Ein sehr spannender Krimi, der in den Südtiroler Bergen spielt. Der dem Leser immer wieder mögliche Täter und Motive präsentiert, die logisch erscheinen, dann aber doch nicht die Lösung sind. Oder vielleicht doch?

Übrigens: Die Bletterbachschlucht gibt es wirklich, die ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Dolomiten. Wenn Ihr sie mal besuchen wollt: Auf www.bletterbach.info findet Ihr alle Informationen.

Der Autor: Luca D’Andrea

Luca D’Andrea stammt aus Bozen, der Hauptstadt Südtirols. “Der Tod so kalt” ist sein erster Roman. Das Buch ist in Italien schon ein Bestseller, jetzt ist es auf Deutsch erhältlich. Wie auch sein Protagonist Jeremiah Salinger hat Luca D’Andrea als Dokumentarfilmer gearbeitet und hat mit “Mountain Heroes” einen Film über die Bergrettung gedreht, der im italienischen Fernsehen gezeigt wurde.

Der Tod so kalt

480 Seiten
Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN: 978-3-4210-4759-5
14,99
Bei amazon.de*: Luca D’Andrea – Der Tod so kalt

Eine Leseprobe findet Ihr auf Randomhouse.de.

Hinweise: Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten.
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