Niemand mag Werbung

Niemand mag Werbung. Ich auch nicht. Im Web erst recht nicht. Obwohl ich damit auch Geld verdiene. Aber jetzt reicht es mir (teilweise) und ich werde was anderes testen.

Niemand mag Werbung – Warum fehlt hier ein n?

Niemand mag Werbung – Warum fehlt hier ein n?

Werbung nervt

Ja, viele Marketingmenschen werden jetzt aufstöhnen. Schon wieder so einer.

Ja, die Cannes-Rolle lief damals im Kino, die Zuschauer haben Geld dafür bezahlt, um mit Werbung beschallt zu werden. Nicht nur vor dem Film mit „Like Ice in the Sunshine“, dem Rum-Feeling und den Stoffkamelen, für die vorher jemand meilenweit gelaufen ist. Sie haben Geld dafür bezahlt, Werbung zu sehen. Aber eben in Cannes ausgezeichnete Werbung, nicht der Durchschnittskram mit Clementine und Herrn Kaiser.

Aber davon sind wir heute und im Web weit entfernt: Die allgegenwärtigen IQ-Tests, die völlig bekloppte „Markus Lanz verhaftet“-Werbung, Abnehmpillen, Partnersuche, Glücksspiele und wasweißichnoch. Und dank generativer KI geht Werbung jetzt immer schneller, blöder, billiger.

Kein Wunder, dass jeder, der weiß, wie man eine Browser-Erweiterung installiert, einen Werbeblocker nutzt. Ich auch, es ist nicht böse gemeint, es ist Notwehr. Versucht mal, die Website einer Tageszeitung ohne Werbeblocker zu lesen, es ist einfach nicht mehr möglich.

Aber Du hast doch auch Werbung auf dem Blog!

Ja, habe ich, seit vielen Jahren. Hauptsächlich Google Adsense, etwas Amazon1, ein paar fest eingebundene Werbebanner wie Bergfreunde2. Und manchmal auch Kooperationen wie mit Reeloq.

Amazon und Bergfreunde Ads sind per Hand eingebaut und sollen Euch und mir Zusatznutzen bringen. Wenn Ihr über den Link auf den Partner geht und dort kauft, bekomme ich eine kleine Provision, das ist bequem für Euch und schön für mich.

Der größte Umsatzbringer war lange Zeit Google Adsense. Viel besser als die anderen Kanäle. Bevor hier falsche Vorstellungen aufkommen: Es geht um einen netten, kleinen Zuverdienst, nicht um Lebensunterhalt oder gar Reichtum. Aber jetzt reicht es mir.

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Es muss sich was ändern

Es ist schon ziemlich dissonant, einerseits auf dem eigenen Blog Adsense einzubinden, auf der anderen Seite einen Adblocker zu nutzen. Sogar, wenn man die eigene Website besucht. Regelmässige Einnahmen helfen eine Zeit lang über dieses schlechte Gefühl hinweg. Money makes the World go round, wir sind alle käuflich, Ihr kennt es.

Aber irgendwann hat es angefangen, mich immer stärker zu nerven. Gleichzeitig sind die Einnahmen gesunken und die ist Werbung noch agressiver geworden. Google sind immer neue Werbeformen eingefallen, die Ads wurden mehr und immer größer, die Steuerungsmöglichkeiten geringer.

In Adsense kann man bestimmte Produktgruppen („Sensible Kategorien“) und bestimmte URLs ausschließen. Das habe ich gemacht. Immer wieder, wenn mir was aufgefallen ist. Aber dagegen kommt man nicht an, man schuftet wie Sisyphos (mehr Bergcontent gibt’s in diesem Text nicht!), schägt wie Herakles einen Kopf der Werbehydra ab, nur um zwei neue aufploppen zu sehen. Also muss sich was ändern:

Ich entferne Google Adsense von meinen Seiten.

Was ich mir erhoffe

Natürlich ist es schade um die Einnahmen, aber ich fühle mich besser damit.

Gleichzeitig hoffe ich, mindestens mittelfristig, auf andere Effekte: In der Nutzerzufriedenheit, technisch, in erhöhter Nutzung und vielleicht auch für bessere Werbepartner.

Nutzerzufriedenheit: Niemand mag Werbung. Ohne Werbebanner, ohne Interstitials, lädt die Seite schneller, fällt der Lesefluß leichter, ist man weniger genervt und verbringt man hoffentlich mehr Zeit auf der Seite und mit den eigentlichen Inhalten. Und klickt nicht gleich wieder weg, weil man zuerst die Unterbrecherwerbung sieht. Zufriedene Nutzer kommen gerne wieder zurück. Das ist meine Hoffnung.

Technische Effekte: Wenn man Google Adsense einbindet, muss die Seite die Werbebanner und die dazugehörigen Sripte laden. Da kommt einiges an Daten zusammen. Das macht die Seite langsamer und das Pagespeed-Tool von Google meckert die Google-Werbung an. Oh, that irony! Und jeder unzufriedene Nutzer, der wieder zur Suchergebnisseite zurückklickt ist ein „Bounce“, kein gutes Signal für Google.

Mehr Seitenaufrufe: Wenn es gut läuft, macht sich eine gestiegene Nutzerzufriedenheit in höhren Seitenaufrufen bemerkbar. Das könnte dazu führen, dass die wegfallenden Adsense-Einnahmen zumindest teilweise durch höhere Einnahmen aus der VG Wort kompensiert werden.

Wenn Ihr die VG Wort nicht kennt: Ähnlich wie die GEMA für Musik ist die VG Wort eine Vertretung der Urheber, aber für Texte, ob gedruckt oder im Internet. Über einen Zählpixel wird ermittelt, wie oft ein Text im Web aufgerufen wird, dieser wird dann vergütet. Ganz ohne Werbebanner.

Bessere Werbepartner: Ja, diesen Artikel könnt Ihr auch als Aufruf sehen, wenn Ihr im Bereich Tourismus, Bergsport, Outdoor unterwegs seid und nach passenden Kooperationen Ausschau haltet: Für Werbung, die mir, dem Partner und den Lesern und Leserinnen des Blogs sinnvoll ist, bin ich sehr aufgeschlossen.

Ob feste Banner für Kategorien, gesponsorte Artikel oder Produkttests: nehmt gerne Kontakt auf und wir finden eine Lösung, die für alle gut passt. Solange alles transparent gekennzeichnet wird.

Echt jetzt? Adsense ist raus?

Ja. Ob für immer, weiß ich jetzt nicht, es ist ein Test. Erst einmal für mindestens ein halbes Jahr. Aber aktuell habe ich das Gefühl, dass es richtig ist.

Addendum: Digitale Souveränität

Das Jahr 2025 hat es gezeigt, dass wir Europäer mehr auf unsere digitale Souveränität achten und uns aus der völligen Abhängigkeit von außereuropäischen Techkonzernen lösen sollten. Ihr wisst sicher, wen ich meine.

Die Europaflagge an der Pflerscher Tribulaunhütte, die an der Grenze von Tirol und Südtirol liegt

Die Europaflagge an der Pflerscher Tribulaunhütte, die an der Grenze von Tirol und Südtirol liegt

Deshalb werden mit der Zeit auch immer mehr Links zu Amazon wegfallen. Ich werde sie durch Links zu Hugendubel3 ersetzen, dem Buchhändler aus München mit Filialen in ganz Deutschland.

Den letzten Anstoß hat mir die Initiative di.day gegeben, die ich Euch ans Herz lege. Am 4. Januar 2026 ist der erste Digitale Independence Day.

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Site European Alternatives. Wenn Ihr als Nutzer nach EU-Alternativen für Euren E-Mail-Dienst, Suchmaschine, Webbrowser, Office-Paket oder Navi sucht, findet Ihr hier viele Möglichkeiten. Auch wer technischer im Web unterwegs ist, kann hier Alternativen zu den Big Playern aus Übersee finden.

Es ist ein Experiment, aber auch ein Gefühl, dass wir etwas ändern müssen. Jeder von uns. Nicht umsonst findet Ihr im Fuß jeder Seite dieses Blogs eine kleine Europa-Flagge. In nächster Zeit werde ich zu diesen Themen sicher noch weitere Änderungen vornehmen und Artikel veröffentlichen.

Hinweise:
1 = Amazon-Affiliate-Link
2 = Bergfreunde-Affiliate-Link
3 = Hugendubel-Affiliate-Link

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