David Lama: High

David Lama: High – Genial unterwegs am Berg und Fels

Eine Autobiografie, die eigentlich schon veraltet ist. Von einem gerade einmal Zwanzigjährigen. Der aber mittlerweile schon Mitte Zwanzig ist. Die ich im Buchkaufhaus auf dem Grabbeltisch gefunden haben, mit einem orangen Preisreduzierungsaufkleber, daneben ein roter Aufkleber mit dem Hinweis, dass an der Kasse noch einmal 75% abgezogen werden. Somit habe ich eine Kletter-Biografie mit über 200 Seiten für 1,75 Euro bekommen. Könnt ihr verstehen, dass meine Erwartungen an dieses Buch nicht allzu hoch waren?

Endlich einmal ein Symbolbild: Hallenklettern. Damit hat David Lamas Karriere begonnen

Endlich einmal ein Symbolbild: Hallenklettern. Damit hat David Lamas Karriere begonnen

Aber dennoch konnte ich ein Bergbuch über einen der bekanntesten und besten Kletterer unserer Zeit zum Fast-Geschenkt-Preis nicht einfach liegenlassen. Aber die ersten Seiten schienen meine Befürchtungen zu bestätigen. Ist das jetzt authentisch oder schreibt er betont auf jugendlich getrimmt? Und wenn das mit der Nennung von Produkt-, Hersteller- und Sponsorennamen so weitergeht, sollte eigentlich „Dauerwerbebuch“ über jeder Seite stehen.

Aber das legt sich schnell. Das Produkt-Namedropping hört auf und an die lockere Sprache gewöhne ich mich auch nach wenigen Seiten. Auch wenn die Umstellung schon extrem ist, wenn man vorher ein Buch von Reinhold Messner gelesen hat. Der Schreibstil der beiden ist schon sehr unterschiedlich. Verständlicherweise, bei 45 Jahren Altersunterschied und einem Vorsprung von mehreren Dutzend Büchern, den Reinhold Messner hat.

Aber was erfährt man in dem Buch? Es handelt von der Kindheit und Jugend des David Lama, einem der aktuell besten Kletterer der Welt. Sein Vater stammt aus Nepal, seine Mutter aus Tirol, wo er auch aufgewachsen ist und das Klettern gelernt hat. Natürlich lernt er als kleines Kind auch seine Familie in Nepal kennen, somit erhalten auch wir Leser einen Einblick in die Welt, aus der sein Vater stammt.

Das Buch erzählt von dem Jungen, dessen Klettertalent früh erkannt wird und der immer der Kleinste ist. On in der Klettergruppe oder bei verschiedenen Jugendmeisterschaften, für die er teilweise noch zu jung ist. Aber sobald er teilnehmen darf, gewinnt er viele Wettkämpfe. Diese Hallenkletter-Wettbewerbe werden ausführlich geschildert, aber auch das Training und das Interesse der ersten Sponsoren am jungen David. Diese ermöglichen ihm die Teilnahme an weiteren Kletterevents.

Die Kletterwettkämpfe und Trainingsevents mit den Sponsoren führen ihn in die ganze Welt, er macht sich einen Namen in der Kletterszene. Als Jugendlicher zu Hause in Innsbruck muss er sich aber zwischen Schule und Leistungssport entscheiden. Er beendet das Gymnasium vorzeitig, um sich ganz dem Klettern zu widmen.

Einige Reisen werden ausführlich geschildert, nach Thailand, Malaysia, in die USA, nach England und nach Kirgistan. Und er klettert mit Freunden, ob auf Borneo oder im heimischen Zillertal. Dabei schildert David Lama auch die Niederlagen, die er erlebt, missglückte Versuche und auch Gefahren, in die er sich aus Unwissenheit oder Übermut begeben hat.

Aber er beschreibt auch den Wandel, den das Wettkampfklettern in der Hallen genommen hat, die zunehmende Profesionalisierung, die die Szene verändert hat. Diese hat ihn letztlich mit dazu gebracht, sich anderen Zielen zuzuwenden und verstärkt am Fels zu klettern.

Insgesamt fand ich das Buch interessant und leicht zu lesen, was natürlich auch mit dem eher einfachen, aber zum Teil auch schön humorvollen Schreibstil zusammenhängt. Man kann das Buch gut als „Pendel-Lektüre“ auf dem Weg zur Arbeit lesen. Die leichte Schreibweise führt aber auch dazu, dass sich die Begeisterung und Faszination für das Klettern auf den Leser überträgt und man in die Geschichten gezogen wird und so gerne weiterliest. Dabei erklärt David Lama auch viele Kletter-Fachbegriffe, so dass das Buch auch für nicht-Kletterer gut lesbar bleibt.

Das Buch beginnt in Patagonien und eines der letzten Kapitel findet ebenfalls in Patagonien statt. Da war doch was? David Lama wollte den Cerro Torre auf der berühmten Kompressor-Route im freien Stil besteigen. Das Filmteam hat dabei ziemlich viel Eisen in den Berg geschlagen und dort gelassen, so dass dieser Besteigungsversuch zu einem erheblichen Skandal geführt hat. Zwei Jahre später gelingt die Besteigung des Cerro Torre, der Film darüber ist in die Kinos gekommen.

Allerdings ist das Buch „High“ schon vor dem Aufkommen des Skandals erschienen. Man liest also von dem gescheiterten ersten Versuch, das mediale Echo und der Ärger in Bergsteigerkreisen entwickelten sich aber erst später und können daher in diesem Buch noch nicht berücksichtigt werden.

High: Genial unterwegs an Berg und Fels* bietet einen guten und interessanten Blick auf den ersten Teil der Karriere von David Lama. Der günstige Kauf vom Grabbeltisch hat sich da als wirklich angenehme Überraschung gezeigt. Kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss, aber trotzdem eine Empfehlung von mir.

Das abgebildete Buch zeigt eine neuere Ausgabe als die von mir gelesene, daher habe ich auch darauf verzichtet, mein Buch abzubilden.

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