Winterwanderung von Sachrang zum Spitzsteinhaus

Winterwanderung: Sachrang – Mitterleiten – Spitzsteinhaus und zurück

Es ist wieder einmal Zeit, die erste Winterwanderung der Saison steht an, gleichzeitig die letzte Wanderung des Jahres. Eine nicht allzu lange Tour in den Bayerischen Hausbergen. Von Sachrang soll es den Spitzstein hinauf gehen, mindestens einmal hinauf auf das Spitzsteinhaus, vielleicht auch auf den Gipfel. Je nach Wetter, Lust und Kondition. Es hat frisch geschneit, Lawinenwarnungen gibt es für den Chiemgau nicht, der Anstieg ist südseitig. Sollte sich die Sonne doch noch einmal zeigen, werde ich sie sehen.

Die Wanderung zum Spitzsteinhaus beginnt direkt an der Kirche in Sachrang

Die Wanderung zum Spitzsteinhaus beginnt direkt an der Kirche in Sachrang

Schnell geht es nach Sachrang, direkt an der Kirche finde ich einen Parkplatz. Und hier führt auch der Wanderweg Nr. 6 hinauf zum Spitzstein. Über die Straße geht es schnell bergauf, ich werfe einen letzten Blick auf Sachrang, dann stehe ich nach zehn Minuten an einer Abzweigung. Beide Wege führen in eindreiviertel Stunden zum Spitzsteinhaus. Aber der Weg nach rechts ist im Winter nicht begehbar, habe ich gelesen. So gehe ich weiter geradeaus nach Mitterleiten.

Derr Blick auf das Kaisergebirge, den Zahmen Kaiser. Nochmal werde ich ihn heute nicht sehen können

Derr Blick auf das Kaisergebirge, den Zahmen Kaiser. Nochmal werde ich ihn heute nicht sehen können

Kurz vor dem Dorf habe ich einen freien Blick auf den Zahmen Kaiser. Und obwohl das Spitzsteinhaus mit seinem Kaiserblick wirbt, sollte dieser wolkenverhangene Blick der einzige sein, den ich auf den „Koasa“ hatte. Dafür wurde der Schnee aus den schweren, grauen Wolken zu dicht. Damit war auch die Entscheidung sehr schnell gefallen, dass es diesmal eine Wanderung ohne Gipfel wird.

Die grauen Wolken sorgen auch dafür, dass die Welt um mich herum fast nur noch aus Grautönen besteht. Dieses Wetter frisst die Farben, nicht nur auf den Fotos sondern auch in Wirklichkeit. Ich wandere durch eine monochrome Welt, das hat auch was. Die Fotos in diesem Artikel sind übrigens alle Farbfotos, auch wenn es nicht immer so aussieht.

Der Abzweig am Ortsende von Mitterleiten

Der Abzweig am Ortsende von Mitterleiten

In Mitterleiten zweigt an den letzten Häusern ein schmaler Weg nach links ab, der gleich in einer Rechtskurve wieder bergab führt, bis ein kleiner Bach den Weg kreuzt. Danach führt der Weg wieder bergauf, nach wenigen Metern zweigt rechts der Wanderweg zum Spitzstein ab.

Von Mitterleiten aus führt der Weg erst einmal ein paar Meter bergab

Von Mitterleiten aus führt der Weg erst einmal ein paar Meter bergab

Zum Glück bin ich nicht der erste Wanderer an diesem Tag, denn ein Weg oder Pfad ist nicht erkennbar. Nur die Fußspuren im Schnee zeigen an, dass der Weg nun am Zaun entlang bergauf führt, also direkt oberhalb des anderen Weges. Viele Leute sind noch nicht hochgewandert. Zwischendurch sehe ich auch ein paar Schneeschuhspuren.

Recht steil geht es über eine Wiese hinauf. Hinter mir höre ich die Kinder rufen, die auf einem Hügel bei Mitterleiten rodeln. Ich sehe zurück. Ein Bild wie gemalt, mit Hügellandschaft, den Bauernhäusern am Hang, den rodelnden Kindern.

Dann führt der Weg in den Wald. Hier zieht er noch einmal etwas an, in ein paar Serpentinen geht es auf dem schmalen Pfad bergauf, direkt auf der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. 40 Minuten oberhalb von Mitterleiten tritt der Weg aus dem Wald. Ich stehe am unteren Rand einer großen Almwiese, die komplett schneebedeckt ist.

Wegweiser zum Spitzsteinhaus am unteren Ende der Almwiese

Wegweiser zum Spitzsteinhaus am unteren Ende der Almwiese

Bunte Holzstelen informieren über das Quellgebiet der Prien, das sich hier befindet. Ein Wegweiser zeigt hinauf zum Spitzsteinhaus. Ob es einen Weg anzeigt oder nur die grobe Richtung? Das ist nun nicht zu erkennen. Also gehe ich am rechten Rand der Almwiese, direkt am Waldrand, bergauf. Geradeaus geht es weglos hinauf, ich passiere ein kleines Eisenkreuz und frage mich, wie weit es wohl noch ist.

Die Alm, von der aus ich zur Gogl-Alm gequert bin

Die Alm, von der aus ich zur Gogl-Alm gequert bin

Eine knappe halbe Stunde später, so lang kam es mir gar nicht vor, stehe ich vor einem Haus, das am oberen Rand der Almwiese steht. Allerdings ist es eine verschlossene Alm. Ich muss nun nach links hinüberqueren zu den anderen Almen und von dort aus weiter aufwärts zum Spitzsteinhaus.

Schilderwald an der Google-Alm. Nein, Gogl-Alm heißt sie natürlich

Schilderwald an der Google-Alm. Nein, Gogl-Alm heißt sie natürlich

Dann stehe ich an der Google-Alm. Heißt die wirklich so? Nein, ein zweiter Blick klärt die Sache auf: Es ist die Gogl-Alm, die gleich noch eine andere Überraschung bereithält. Nebenan, weit oben am Berg, ragt eine Säule aus dem Schnee, an der man Parktickets ziehen kann. Bei den Schneemengen, die gerade hier oben liegen, ist das ein ziemlich absurder Anblick. So absurd, dass ich sogar vergesse, sie zu fotografieren. Im Sommer kann man aber von Erl aus bis hier oben mit dem Auto fahren.

Auf dem Weg zum Spitzsteinhaus

Auf dem Weg zum Spitzsteinhaus

Der Weg führt nun wieder direkt nach oben, wieder in den Wald hinein. Zwanzig Minuten später stehe ich vor dem Spitzsteinhaus. Die Sicht liegt mittlerweile im Bereich von hundert Metern, das Schneetreiben wird immer stärker. Endgültig ist klar: Der Gipfel ist für heute gestrichen, den hebe ich mir für den Sommer auf.

Nur noch wenige Meter zum Spitzsteinhaus

Nur noch wenige Meter zum Spitzsteinhaus

Bei Kaffee und Wienerschnitzel kommt die Wärme zurück, Handschuhe und Mütze trocknen am Hüttenofen. So kann man es aushalten. Außer mir sind noch ein paar Wanderer und Skitourengeher oben, wirklich voll wird es bei dem Wetter wohl nicht mehr.

Die Almwiese mit der Goglalm

Die Almwiese mit der Goglalm

Der Rückweg ist gleich dem Hinweg. Der Weg hinunter zur „Google“-Alm ist super, durch den weichen Neuschnee läuft es sich extrem angenehm. Auch der weglose nächste Abschnitt über die tief verschneiten Almwiesen ist angenehm. Ich muss nur sehen, dass ich mich grob nach links orientiere, damit ich wieder auf den Weg am Waldrand treffe. Ein paar Meter neben mir zieht ein Skifahrer seine Spuren durch den Tiefschnee und ist bald verschwunden.

Ein Zeichen im Schnee

Ein Zeichen im Schnee

Auf dem schmalen Waldsteig ist es nun nicht mehr so angenehm zu laufen. Bei jedem Schritt kann ich nach wenigen Zentimetern unter dem Schnee auf einen Stein treten oder aber knietief in ein Schneeloch treten. Entsprechend langsam geht es nun bergab.

Sehen aus wie Riesenpilze: Schneebedeckte Bäumchen im Wald

Sehen aus wie Riesenpilze: Schneebedeckte Bäumchen im Wald

Ab und zu fallen Schneefahnen von den Bäumen, eine bekomme ich auch ab. Neuschnee im Nacken, sehr erfrischend. Als ich aus dem Wald trete, sehe ich die Dächer von Mitterleiten nur ganz schwach, der Schneefall hat noch einmal zugenommen.

Oh, eine Baumlawine, sehr erfrischend, wenn der Schnee in den Nacken fällt

Oh, eine Baumlawine, sehr erfrischend, wenn der Schnee in den Nacken fällt

Dann geht es aber doch schnell wieder nach Mitterleiten, von dort aus nur noch über die, inzwischen völlig zugeschneite Straße zurück nach Sachrang.

Da hinten, direkt vor mir, liegt Mitterleiten.

Da hinten, direkt vor mir, liegt Mitterleiten.

Ein Wegweiser zeigt den Abzweig des Wanderweges von der Straße an. Aber diesmal bleibe ich auf der Straße, zu sehen ist vom Weg nämlich auch nichts mehr.

Den Abzweig nach Sachrang nehme ich jetzt nicht mehr, ich bleibe auf der Straße

Den Abzweig nach Sachrang nehme ich jetzt nicht mehr, ich bleibe auf der Straße

Das war mal eine Wanderung, bei der der Weg nicht immer eindeutig war. Aber mit Karte, dem Folgen von Spuren und ein wenig Überlegen und Ausprobieren war es dann doch gut zu gehen. Gut durchgepustet und zufrieden grabe ich mein Auto wieder aus dem Schnee aus und mache mich auf den Heimweg.

Dauer und Schwierigkeit:
Von Sachrang aus sind es etwa 20 Minuten bis Mitterleiten. Von dort aus etwa anderthalb Stunden bis zum Spitzsteinhaus. Für den Abstieg habe ich insgesamt etwa anderthalb Stunden gebraucht. Der Weg ist teilweise relativ steil, war aber grundsätzlich nicht schwer zu gehen. Insgesamt sind es etwas mehr als 500 Höhenmeter. Bei Winterwanderungen hängt die Schwierigkeit natürlich stark von den aktuellen Gegebenheiten ab.

Höhenangaben:
Sachrang: 738 Meter
Mitterleiten: 850 Meter
Stoana-Alm: 1055 Meter
Gogl-Alm: 1143 Meter
Spitzsteinhaus: 1252 Meter
Altkaser-Alm: 1279 Meter
(Gipfel Spitzstein: 1596 Meter)

Wegweiser zum Spitzsteinhaus. Von hier aus sind es nur noch fünf Minuten

Wegweiser zum Spitzsteinhaus. Von hier aus sind es nur noch fünf Minuten

Essen und Trinken:
Das Spitzsteinhaus, eine Alpenvereinshütte, ist fast ganzjährig geöffnet und hat keinen Ruhetag. Nur wenige Meter höher liegt die Altkaser-Alm, die Montags Ruhetag hat. Die Stoanaalm ist auch ausgeschildert. Die Gogl-Alm hat Winterpause, im Sommer ist sie auch bewirtschaftet.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Der Weg war nicht besonders schwer, aber nicht immer leicht zu finden. Wegweiser und Markierungen an Bäumen sind vorhanden, aber eher selten. In die Dunkelheit sollte man aber auf keinen Fall kommen.

Wie komme ich hin?
Mit der Bahn: Mit der Bahn ist Sachrang von München aus morgens oder vormittags kaum sinnvoll zu erreichen. Sonntags gar nicht. Samstags gibt es eine Verbindung von 6.55 Uhr, mit der man um 9.15 Uhr in Sachrang ist. Nur muss man dann schon wieder um 14.40 Uhr in Sachrang in den Bus. Unter der Woche gibt es wohl auch keine sinnvolle Verbindung.
Mit dem Auto: Von München aus auf der A8 bis zur Ausfahrt Frasdorf. Von dort nach Aschau und dann in Richtung Sachrang/Kufstein. In Sachrang kann man an der Kirche parken. Direkt an der Bundesstraße gibt es größere Parkplätze.

Links:
Spitzsteinhaus
Gogl-Alm
Stoana-Alm
Altkaseralm

Buchtipps und Wanderkarte:

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