Auf den Isidor-Klettersteig am Grünstein

Klettersteig: Isidor-Klettersteig am Grünstein in Schönau am Königsee

Der Isidor-Klettersteig am Grünstein ist ein recht neuer Klettersteig, der über etwa 400 Höhenmeter bis knapp unter den Gipfel des Grünsteins bei Schönau im Berchtesgadener Land führt. Er ist der erste “echte” Klettersteig, den ich gegangen bin, dafür war er genau richtig. Nicht zu leicht, ein paar schwierige Stellen, aber insgesamt auf für Klettersteig-Einsteiger gut zu gehen. Der Grünstein-Klettersteig hat noch zwei schwierigere Varianten, aber die hebe ich mir für später auf, wenn ich mehr Erfahrung habe.

Im oberen Teil des Grünstein-Klettersteigs

Im oberen Teil des Grünstein-Klettersteigs

Auf Einladung von Salewa und der Salewa Klettersteigschule Berchtesgaden in Berchtesgaden haben wir mit einer Gruppe aus Erwachsenen und Kindern im Alter von etwa 10 Jahren an einem Klettersteig-Tag teilgenommen. Nachdem wir den Übungsklettersteig am Hanauerstein gegangen sind, haben wir uns, zusammen mit zwei Bergführern der Salewa Klettersteigschule an den Isidor-Steig am Grünsteig aufgemacht.

Der Steig ist nach Isidor Grassl benannt, der bereits in den 50er Jahren seilversicherte Routen am Grünstein angelegt hatte. Der aktuelle Klettersteig mit zwei Varianten besteht seit 2009, eine dritte kam später hinzu. Betrieben wird er von einem eigens gegründeten Version, dem SC Klettersteig Grünstein. Unternehmen aus dem Berchtesgadener Land haben die Erstellung des Klettersteigs unterstützt, so dass man an einigen Stellen des Weg auf kleine Schilder trifft, die an die Sponsoren erinnern.

Der Aufsteig zum Grünstein-Klettersteig beginnt direkt neben der Bobbahn am Königssee und führt durch den Wald bergauf. Vom Parkplatz unten kann man mit etwa einer Stunde Gehzeit rechnen. An einer Infotafel beginnt der Klettersteig. Insgesamt drei Einstiege gibt es. Die Isidor-Route, die wir gehen werden, ist die leichteste, aber auch hier reicht die Schwierigkeitsbewertung immerhin bis zur Stufe “B/C”.

Korbi von der Klettersteigschule erklärt den Verlauf des Klettersteigs an der Tafel

Korbi von der Klettersteigschule erklärt den Verlauf des Klettersteigs an der Tafel

Das Klettersteigset ist angelegt, der Helm aufgesetzt. Die Bergführer prüfen noch einmal den Sitz von Klettergurt und Set, dann bekommen wir Informationen zum Steig und das Notseil wird vorbereitet, an dem wir im Notfall direkt vom Bergführer am “kurzen Seil” geführt werden können. Es wird allerdings nicht zum Einsatz kommen.

Ausrüstungscheck vor dem Einsteig

Ausrüstungscheck vor dem Einsteig

Zum Einstieg geht es gleich über viele Eisenklammern wie an einer Leiter nahezu senkrecht bergauf. Man kann und muss sich also schnell daran gewöhnen, einige Dutzend Meter über dem Waldboden in der Wand zu stehen.

Gleich zu Beginn geht es über Bügel steil nach oben

Gleich zu Beginn geht es über Bügel steil nach oben

Den Weg fand ich sehr abwechslungsreich. Einige Passagen sind mit vielen Eisentritten versehen, die allerdings teilweise recht weite auseinander liegen. Dennoch will man immer von Eisen zu Eisen steigen. Dass auch der Fels Tritte und Griffe bietet, muss man sich an solchen Stellen immer wieder ins Gedächtnis rufen. An anderen Stellen klettert man über den Fels selbst. Teils recht steil und etwas glatt, aber insgesamt ist es doch gut zu gehen. Die steilen Passagen wechseln sich ab mit leichteren, die über schmale grasige oder felsige Pfade bergauf führen. Andere Stellen sind Querungen ohne jede Steigung.

Erster Blick nach oben zur Hängebrücke

Erster Blick nach oben zur Hängebrücke

So gehen wir in einem sehr angenehmen Tempo den Klettersteig entlang. Im Gegensatz zum doch eher gleichförmigen Wandern besteht das Klettersteiggehen hier aus einem dauernden Wechsel zwischen Gehen oder Klettern und den Wartezeiten am Seil, bis der nächste Abschnitt begehbar ist. Auch wenn einzelne Kletterstellen anstrengend sind, sind es immer nur relativ kurze Abschnitte, dann folgt sofort wieder eine Pause. Eigentlich ist es eine sehr angenehme Art, auf einen Berg zu kommen.

Als große Gruppe mit einigen Klettersteig-Anfängern sind wir recht langsam. Doch der Isidor-Klettersteig bietet auch genug Stellen, an denen wir schnellere Kletterer überholen lassen können. Neben einigen normal gesicherten Jugendlichen auch ein älteres Paar, dass den Steig ohne jede Sicherung begeht. Ich kann es nicht fassen. Ohne Helm, ohne Klettersteigset turnen die zwei hundert Meter über dem Boden am Drahtseil entlang. Unglaublich leichtsinnig, auch wenn die beiden augenscheinlich richtig fit und schnell sind.

Über die Hängebrücke treffen die schwierigen Variante auf unsere. Unten der Königssee

Über die Hängebrücke treffen die schwierigen Variante auf unsere. Unten der Königssee

Nach einiger Zeit kommen wir an die Hängebrücke. Über diese treffen die zwei schweren Routen auf unsere leichtere. Der obere Teil des Klettersteigs ist dann für alle drei Varianten gleich. Warum haben wir es nur vergessen, auch einmal über die Hängebrücke zu gehen?

Eine Querung auf dem Grünstein-Klettersteig

Eine Querung auf dem Grünstein-Klettersteig

Etwas oberhalb der Hängebrücke haben wir dann auch den ersten Blick auf die beiden Wahrzeichen des Berchtesgadener Landes: Tief unten sehen wir einen Zipfel des Königssees. Links, in der Nähe des Anlegers Schönau, strahlend türkis, im hinteren Teil tiefgrün. Und südlich von uns sehen wir die zwei Gipfel des Watzmanns. Je höher wir nun steigen, umso mehr zeigt sich der gewaltige, noch stark schneebedeckte, Berg, Weiß strahlend steht er über dem dunklen Wald.

Riesig, in jeder Hinsicht: Der Watzmann

Riesig, in jeder Hinsicht: Der Watzmann

Besondere Stellen, für mich die Schlüsselstellen, des Isidor-Klettersteigs waren diese: Eine sehr ausgesetzte Umrundung eines großen Felsens nur auf Drahtklammern. Die zweite Stelle ist noch etwas unbequemer: Auf Eisenklammern geht es bergauf, allerdings hängt man gleichzeitig nach hinten im Seil. In dieser Position muss man die Karabiner umhängen, obwohl der natürliche Reflex ist, sich mit beiden Händen am Seil festzuhalten. Das geht aber nicht mehr, wenn man die Karabiner umhängen muss. Es kostet etwas Überwindung, tatsächlich eine Hand vom Seil zu nehmen.

Eigentlich ist es nur ein kleiner Schritt … aber besser nicht runtersehen

Eigentlich ist es nur ein kleiner Schritt … aber besser nicht runtersehen

Eine besondere Stelle ist noch eine kleine “Schlucht”, die zu überwinden ist. Eigentlich ist es nur ein größerer Schritt, den man vom Fels auf den Drahtbügel gegenüber machen muss, aber vorher sieht der Abgrund bedrohlich tief aus. An dieser Stelle ist auch eine kleine, wenige Meter lange Abzweigung eingebaut, ein kleiner “Fotografensteig”, die den Schritt über den Abgrund von dort aus ideal im Bild festhalten können.

Die letzten Meter am Fels entlang

Die letzten Meter am Fels entlang

Im oberen Teil wird der Weg dann deutlich leichter, entsprechend ist er in diesem Bereich auch nur noch mit der Schwierigkeit “A” ausgezeichnet. An einer Wand entlang geht es ein Stück über Fels und einen Trittpfad bis zum Rastplatz. Hier haben wir einen weiten Blick auf das Berchtesgadener Land. Unter uns liegt der große Parkplatz vor Schönau, weiter hinten sehen wir auf den Untersberg, nach Süden hin auf den Watzmann.

Von der Bank aus zeigen sich der Königssee und das ganze Tal

Von der Bank aus zeigen sich der Königssee und das ganze Tal

Jetzt fehlen noch einige Höhenmeter bis zum Grünstein-Gipfel. Der Weg ist weiter drahtversichert, aber der Draht ist nun am Boden montiert, den wir gehen einen Gratweg bergauf. Nicht wirklich wild, aber nach der Pause ist für mich erstmal die Luft raus. Ob es daran liegt, dass es die erste richtige Bergtour nach dem Winter ist oder ob der Klettersteig doch psychisch anstrengend war, ich weiß es nicht. Die letzten steilen Meter quäle ich mich bis zum Gipfel. So schenke ich auch dem Technik-Container des Galileo-Satelliten-Projekts keine besondere Aufmerksamkeit, an dem der Weg direkt vorbeiführt.

Das Gipfelkreuz des Grünstein

Das Gipfelkreuz des Grünstein

Am Gipfelkreuz angekommen, genießen wir alle den Panoramablick, der von hier oben noch einmal eindrucksvoller ist. Einfach großartig. Jetzt fühle ich mich auch wieder fit. Wir nehmen uns einige Minuten Zeit zum Fotografieren und um die Landschaft auf uns wirken zu lassen. Das ist alles sehr beeindruckend und wir alle begeistert, dass wir diesen Klettersteig gegangen sind.

Gute Fernsicht auf dem Grünstein-Gipfel

Gute Fernsicht auf dem Grünstein-Gipfel

Dann geht es weiter. Steil bergab durch den Wald geht es in einer Viertelstunde zur Grünsteinhütte, wo wir noch mal bei Schorle und einem hervorragenden Kaiserschmarrn den Weg durchgehen. Der Abstieg ins Tal führt dann durchgehend durch den Wald, über kleine Pfade, etwas breitere Wanderwege und am Schluss wieder über die Forststraße an der Bobbahn entlang zum Parkplatz.

An der Grünsteinhütte

An der Grünsteinhütte

Isidor-Klettersteig
Der Isidor-Variante des Grünstein-Klettersteigs ist die leichteste und mit dem Schwierigkeitsgrad A bis B/C ausgezeichnet. Der Weg verläuft überwiegend nach Süden, also sonnenseitig, ausgerichtet. Die Länge des Klettersteigs beträgt 670 Meter, die Höhendifferenz sind 400 Meter. Die Gehzeit ist mit 2-3 Stunden angegeben. Wir haben, mit einer kurzen Pause, ziemlich genau zwei Stunden vom Einstieg bis zum Gipfelkreuz gebaucht.

Für größere Kinder sollte der Klettersteig auch machbar sein, aber ich fand einige Tritte aber doch recht groß für Kinder und war froh, dass mein Sohn nicht mitgekommen ist. Allerdings ist es auch gut möglich, dass ich als Klettersteig-Anfänger einfach nicht alle möglichen Tritte und Griffe gefunden habe.

Panorama-Blick vom Grünstein

Panorama-Blick vom Grünstein

Höhenangaben:
Talort Schönau am Königssee: ca. 630 Meter
Einstieg Isidor-Klettersteig: ca. 900 Meter
Gipfel Grünstein (Ausstieg): 1306 Meter
Grünsteinhütte: 1220 Meter

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Links:
Homepage des SC Grünstein mit vielen Informationen zum Klettersteig, Fotogalerie und aktuellen Infos
Salewa Klettersteigschule Berchtesgaden
Homepage der Grünsteinhütte
Uptothetop.de Steve geht alle drei Varianten des Klettersteigs an einem Tag

Buchtipp und Wanderkarte:

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ha, die Tafel habe ich zumindest auch schon gesehen, auf dem Rückweg vom Watzmann letztes Jahr. Der Klettersteig steht ganz weit oben auf meiner Liste, mal sehen ob es dieses Jahr noch was wird. Viel Spaß beim weiteren Klettersteigen!

  2. Hallo Uli,

    toller Bericht und vielen Dank für den Link.
    Das letzte Stück unterhalb des Gipfels zieht sich bei mir auch immer und geht besonders in die Beine.

    Viele Grüße

    Steve

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