Sonnenuntergänge am Nebelhorn

Ein letztes Winterwochenende auf dem Edmund-Probst-Haus

Eine Alpenvereinshütte direkt neben der Seilbahnstation, umgeben von Skipisten. Keine zwanzig Meter entfernt scheppern aus den Lautsprechern der Pistenbar die Hits der siebziger und achtziger, die ich schon damals nicht mochte. Doch dann entschwebt die letzte Seilbahn ins Tal und wer jetzt noch auf dem Edmund-Probst-Haus ist, kann mit etwas Glück einen genialen Sonnenuntergang bewundern.

Der Sonnenuntergang über den Oberstdorfer Bergen, vom Edmund-Probst-Haus am Nebelhorn aus gesehen

Der Sonnenuntergang über den Oberstdorfer Bergen, vom Edmund-Probst-Haus am Nebelhorn aus gesehen

Jetzt ist es ruhig hier an der Berghütte, die Geschäftigkeit und der Lärm des Skibetriebs sind weg. Die Terrasse der Seilbahn-Station Höfatsblick ist genauso leer wie die Hüttenterrasse, die nun im Schatten liegt. Eine Woche vor Ostern ist es vielleicht das letze Skiwochenende der Saison, denn die Sonne brennt auch hier oben schon stark und jeden Tag schmilzt die Schneedecke etwas weiter ab.

Oberstdorf im Tal liegt schon lange im Schatten der Berge. Wir stehen oben am Berg auf der verglasten Terrasse der Station Höfatsblick in der Abendsonne und geniessen den Panoramablick auf die Allgäuer Berge.

Vom Nebelhorn-Gipfel aus soll man über 400 andere Gipfel sehen können. Hier auf 1932 Metern Höhe, etwa 300 Höhenmeter unterhalb des Gipfels, sind es aber sicher auch über hundert andere Bergspitzen. Nur der Blick nach Osten ist durch den Zeiger verstellt. Im Norden sehen wir direkt in Richtung Nebelhorn. Nach Süden und Westen haben wir freien Blick auf die Allgäuer Alpen.

Nach Süden sehen wir die mächtige dunkle Nordwand der Höfats, ein starker Kontrast zu den anderen Bergen, auf denen noch Schnee liegt, auch wenn die Schneedecke schon einige Löcher zeigt.

Die nächsten Berge sind die lange Flanke von Hüttenkopf, Seeköpfel und Schattenberg, die man auf einem Gratweg überschreiten kann. Wir sind zuvor, wie bei der Winterwanderung auf den Zeigersattel, nur auf dem Winterwanderweg bis zum Gatter mit dem Windsack gegangen.

Der Schnee am Hüttenkopf, Seeköpfel und Schattenberg, blaurosa gefärbt im Abendlicht

Der Schnee am Hüttenkopf, Seeköpfel und Schattenberg, blaurosa gefärbt im Abendlicht

Geradeaus sehen wir über Oberstdorf hinweg auf die Berge des Kleinwalsertals. Mit seiner ungewöhnlichen Form, wie ein schräg gestellter Tafelberg, ist der über 2200 Meter Hohe Ifen besonders markant und leicht zu erkennen.

Und hinter Gaißfuß, Gaißalphorn und Rubihorn geht dann die Sonne unter. Dieses Schauspiel bekommt nur zu sehen, wer sich die Übernachtung auf dem Edmund-Probst-Haus gönnt.

Das Edmund-Probst-Haus in der Abendsonne

Das Edmund-Probst-Haus in der Abendsonne

Es gibt noch ein paar weitere Dinge, die das Edmund-Probst-Haus zu einem lohnenden Hüttenziel machen. Der einfache „Zustieg“ per Seilbahn ist nur einer davon. Im Sommer würde ich vermutlich den steilen Aufstieg zu Fuß ausprobieren, immerhin 1100 Höhenmeter vom Talort Oberstdorf. Jetzt im Winter dienen die Wege und Pfade hinauf aber als Skipiste, da sollte man auf jeden Fall die Seilbahn nehmen.

Das entspannt-freundliche Hüttenteam bewahrt auch im dicksten Skitrubel, wenn die Gaststube voll und die Terrasse dicht gepackt sind, Übersicht und die gute Laune.

Sehr erwähnenswert sind auch die leckeren Gerichte, darunter Fleischgerichte von Allgäuer Kühen, mehrere fleischlose Gerichte, ein mächtiger Kaiserschmarrn oder die nachmittägliche Kuchenauswahl. Wir haben einiges davon probiert und können alles empfehlen. Mein Nicht-besonders-Geheimtipp: Der Allgäuer Hüttenburger!

Wander-, Ski- und Schneeschuhtourenmöglichkeiten in der Nähe bietet das Edmund-Probst-Haus natürlich auch eine Menge. Und im Sommer lockt noch der Hindelanger Klettersteig. Da er sehr beliebt ist lohnt es sich sicher auch, als einer der ersten am Einstieg zu sein, bevor die anderen Wanderer per Gondel aus dem Tal hinaufkommen.

Nur so ganz ruhig, wie man es auf einer Berghütte am Abend vermutet, wird es dann doch zunächst nicht, zumindest während der Skisaison. Denn als es richtig dunkel geworden ist, fahren rund um die Hütte die Pistenraupen und präparieren die Pisten und Winterwanderwege für den nächsten Tag.

Sehr beeindruckend ist, wie sich direkt vor dem Hüttenfenster eine hell erleuchtete und gelb blinkende Pistenraupe in das Sicherungsdrahtseil einklinkt und dann direkt vor der Hütte über die Kante der schwarzen Piste abknickt und aus dem Sichtfeld verschwindet.

Es gibt als einige gute Gründe, auch als Nicht-Skifahrer ein Winterwochenende auf dem Edmund-Probst-Haus zu verbringen. Und im Sommer sollte ich sowieso noch einmal dorthin. Zu Fuß statt per Seilbahn. Oder doch per Seilbahn, dann aber mit der großen Fotoausrüstung statt nur mit Kompaktkamera und Smartphone?

Höhenangaben:
Talstation Nebelhornbahn: 828 Meter
Station Seealpe: 1280 Meter
Station Höfatsblick / Edmund-Probst-Haus: 1932 Meter
Gipfel Nebelhorn: 2224 Meter

Links:
Weitere Fotos vom Nebelhorn findet Ihr im Flickr-Album
das-hoechste.de – Website der Nebelhornbahn
Winterwanderung zum Zeigersattel
Panoramakarte mit Informationen, welche Wege geöffnet sind.
Homepage Edmund-Probst-Haus
Nebelhorn bei oberstdorf.de

Wanderkarte:

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Björn,
    bei dieser Tour hatte ich nur meine Kompaktkamera, eine Canon SX 280 und mein Smartphone, ein Samsung A5, dabei. Da ich mit so tollen Sonnenuntergängen nicht gerechnet hatte, habe ich die große Canon zu Hause gelassen.
    Wie man es macht, immer isses falsch … 😉
    Viele Grüße
    Uli

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