Schneeschuhwanderung auf das Wertacher Hörnle

Schneeschuhwanderung: Obergschwendt bei Unterjoch – Buchelalpe – Kessel – Wertacher Hörnle und zurück

Eine schöne Schneeschuhtour im Allgäu, nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht, mit einer unglaublich tollen Aussicht, das ist die Tour von Unterjoch auf das Wertacher Hörnle. Dazu lockt die Buchelalpe mit regionalen Spezialitäten. Die gemütliche Alm mit Aussicht passieren wir im Auf- und Abstieg.

Panoramablick am Wertacher Hörnle

Panoramablick am Wertacher Hörnle

Zusammen mit einigen anderen Outdoor-Bloggern habe ich ein Wochenende im Allgäu verbracht. Mit dabei waren Alex, der Luftschubser, Outdoormädchen Corinna und Nicolas, Fräulein Draussen Kathrin, Schwarzfuchs Markus und Nadine von Kulturnatur. Von Bad Hindelang, unserem Wohnort für das Wochenende, ist es nicht weit bis Unterjoch. Zumindest der Luftlinie nach. Aber zuerst müssen wir gefühlt hundert Serpentinen auf der Jochstraße hinauffahren. Durch Oberjoch, einem der Alpinski-Hotspots des Allgäus, kommen wir schnell in Richtung Unterjoch.

Kurz vor Unterjoch parken wir auf dem großen, aber schon recht vollen Parkplatz. Für faire 2,50 Euro parken wir dort den ganzen Tag lang. Die ersten fünfzig Meter legen wir noch zu Fuß zurück, dann schnallen wir unsere Schneeschuhe an. Vor, neben und hinter uns stehen andere Gruppen von Schneeschuhgehern und Skitourengehern und legen ihre Sportgeräte an.

Am Beginn der Schneeschuhtour bei Unterjoch

Am Beginn der Schneeschuhtour bei Unterjoch

Und dann geht es los. Die ersten paar Meter gehen wir fast eben, dann biegen wir aber nach rechts ab und gehen steil den Berg hinauf. Keinem Weg folgend, keine Serpentinen gehend, fast gerade bergauf. Oh je, wie steil ist das denn? Wir sind noch ziemlich dick eingepackt, mit Jacke, Fleece, Merinoshirt und Thermounterwäsche, schließlich haben wir Februar, es ist tiefer Winter. Aber nach gerade einmal 500 Metern verschwinden die ersten Jacken im Rucksack.

Der erste Blick auf die Buchelalpe

Der erste Blick auf die Buchelalpe

So richtig gefällt mir der Schnee auch noch nicht, öfter mal sieht man braune Grasbüschel durch die dünne Schneedecke stechen, an manchen Stellen ist sogar recht viel Erde zu sehen. Es ist steil, warm, schwitzig, meine Kondition fühlt sich ziemlich unterirdisch an. Aber da taucht schon das Dach der Buchelalpe auf. Wir haben, zumindest teilweise schwer atmend, das erste Drittel des Weges und knapp ein Drittel der Höhenmeter geschafft.

Darauf gönnen wir uns einen Almdudler. Die Buchelalpe ist ein langgezogener Stall mit einer Essensausgabe im hinteren Drittel. Ganz hinten kommt noch eine Gaststube. Einfach, aber sehr urig. Schon der Weg zur Essensausgabe ist interessant.

Die Buchelalpe nach etwa einem Drittel der Tour

Die Buchelalpe nach etwa einem Drittel der Tour

Da inzwischen die Sonne scheint, setzen wir uns natürlich vor die Alm und genießen die Aussicht. Und plötzlich klappt’s dann auch wieder. Die Stimmung ist wieder da, die Sonne scheint, wir sind schon deutlich luftiger gekleidet. Was so ein Getränk und ein paar Minuten Pause doch ausmachen.

Der weitere Weg ist nun auch nicht weniger steil als vorher, aber es läuft jetzt einfach besser. Etwas oberhalb der Alpe wird der Schnee dann auch tiefer und schöner. Wir gehen erst über eine weite, immer tiefer verschneite Almwiese, dann hinein in den Wald. Fast ein Hohlweg ist das hier, der im großen Bogen durch den Wald führt. Ab und zu müssen wir zur Seite gehen, weil Skifahrer von oben kommen.

Der Weg durch den verschneiten Winterwald

Der Weg durch den verschneiten Winterwald

Mittlerweile hat auch jeder Schnee in den Nacken bekommen, weil irgendwo wieder eine Ladung Pulverschnee von den Zweigen der Kiefern rutscht. Sehr erfrischend. Der Wald ist wunderbar verschneit, jetzt ist es ein richtig schöner Wintertag.

Ein sonniges Wegstück im Wald

Ein sonniges Wegstück im Wald

Mitten im Wald kommt ein Flachstück, das etwas offener ist. Aber auf der nächsten großen Lichtung wird es dann wieder steil. Wir gehen scharf rechts, die weite Almfläche gerade hinauf. Der Schnee ist hier oben großartig, die Sonne scheint, wir laufen inzwischen im T-Shrt den Berg hoch. Markus und Nico, deutlich die fittesten unserer Gruppe, gehen weit voraus. Wir anderen machen immer mehr Minipausen, alle paar Meter mal ein wenig verschaufen.

Bergblick im Aufstieg

Bergblick im Aufstieg

Es lohnt sich aber auch, immer mal wieder innezuhalten. Denn inzwischen ist es hier schon fast unnatürlich schön. Strahlend weißer Schnee, darüber ein fast wolkenloser, sattblauer Himmel, von dem die Wintersonne scheint. Rechts von uns und weiter oben steht der verschneite Wald und sonst rundherum nur die Spuren der Schneeschuhgeher und Skifahrer im Schnee.

Im Aufstieg zum Kessel

Im Aufstieg zum Kessel

Ich orientiere mich an einem kleinen Busch, eigentlich eher ein Büschel, das nehme ich als Zwischenziel. Dort müsste der höchste Punkt sein, an dem wir wieder nach links abbiegen. Von wegen, oberhalb wird der Hang zwar etwas flacher, aber ich bin noch nicht oben. Aber dann ist es doch geschafft. Jetzt gehen wir nach links und weiter bis zum höchsten Punkt. Oben sehe ich auf dem höchsten Punkt etwas stehen, das könnte das Gipfelkreuz sein.

Auf dem Weg zum Kessel

Auf dem Weg zum Kessel

Es hieß, dass wir zum Wertacher Hörnle über einen Grat müssen. Das ist aber eher ein breiter Bergrücken als ein Grat. Die Auflösung kommt schnell. Wir sind noch nicht am Wertacher Hörnle angelangt, das hier ist erst der Kessel, ein ungewöhnlicher Name für einen Gipfel. Was für ein Ausblick! Wir stehen oben, drehen uns und haben einen fantastischen Rundblick, um uns herum ist alles verschneit. Aber das, was ich für das Gipfelkreuz gehalten hatte, ist dann doch nur ein Wegweiser.

Ich hatte kein Gipfelkreuz gesehen, nur ein Wegweiser steht auf dem Kessel

Ich hatte kein Gipfelkreuz gesehen, nur ein Wegweiser steht auf dem Kessel

Und nun sehen wir auch den Gipfelgrat direkt vor uns. Fast auf derselben Höhe führt er nach Norden zum Hauptgipfel, der nur elf Meter höher liegt als der Kessel. Leicht zu gehen, bis auf ein kurzes Stück, vielleicht zwanzig Meter, auf denen es kurz steil bergauf und ebenso steil wieder hinunter geht. Hier umgehen wir gerade eine eindrucksvolle Wechte. Und nur wenige Meter weiter stehen wir auf dem Gipfel des Wertacher Hörnles in 1695 Metern Höhe, direkt am großen Gipfelkreuz.

Über den Gipfelgrat zum Gipfel. Zu Beginn ist der Grat noch sehr breit

Über den Gipfelgrat zum Gipfel. Zu Beginn ist der Grat noch sehr breit

Außer uns ist nur noch eine Wanderin da, die gleich in das Wesen des Bloggertums eingeführt wird. Sie ist ganz überrascht, dass wir uns, obwohl wir uns zum Teil bisher nur virtuell kannten, eine gemeinsame Wochenendtour machen. Als sie wieder abgestiegen ist, haben wir den Gipfel ganz für uns alleine. Kaum zu glauben, wenn ich an die vielen Wanderer, Schneeschuhgeher und Tourengeher denke, die wir unten und auf dem Weg getroffen haben. Aber das letzte Stück vom Kessel bis zum Gipfel sind viele nicht gegangen, obwohl es weder weit noch schwer war.

Kurz vor dem Gipfel: Eine Wechte, die wir links umgehen

Kurz vor dem Gipfel: Eine Wechte, die wir links umgehen

So stehen wir oben auf dem Wertacher Hörnle und sind völlig begeistert von der Aussicht. Sehr leicht ist im Westen der Grünten mit seiner riesigen Funkantenne zu erkennen, nicht weit davon die vielen Gipfel der Nagelfluhkette. Nach Süden schauen wir in die Alpen hinein, nach Osten ins Tannheimer Tal. Und nach Norden haben wir einen weiten Blick ins Allgäuer Flachland.

Auf dem Gipfel: Brotzeit, Schnaps, Fotos und Panorama

Auf dem Gipfel: Brotzeit, Schnaps, Fotos und Panorama

Für diesen Rundumblick wurde hier oben das Wort „Pornorama“ erfunden. Wir machen Fotos ohne Ende, teilen unsere Brotzeit und es gibt sogar einen Zoigl-Gipfelschnaps. Der kommt natürlich aus der Oberpfalz, schmeckt aber auch im Allgäu ganz hervorragend.

Panoramablick ins Tannheimer Tal

Panoramablick ins Tannheimer Tal

Nach gefühlt zwei Stunden, tatsächlich einer dreiviertel Stunde, machen wir uns an den Abstieg. Zunächst wieder über den Grat zurück zum Kessel und den breiten Rücken hinunter. Statt aber nun nach rechts abzubiegen, gehen wir weiter geradeaus.

Schneeschuhballett

Schneeschuhballett

Alex bricht ein Verbindungsstift aus dem Schneeschuh. Damit ist ein Weitergehen nun unmöglich, alle Versuche einer provisorischen Reparatur schlagen fehl. Markus bietet schnell seine Schneeschuhe an und kurz drauf sehen wir ihn durch den Schnee springen und bei jedem Schritt bis zum Oberschenkel einsinken. Wann wird der eigentlich mal müde?

Schon wieder im Abstieg vom Wertacher Hörnle und Kessel

Schon wieder im Abstieg vom Wertacher Hörnle und Kessel

Das nächste Waldstück ist tief verschneit und wir rennen, springen und fallen durch den Schnee. Zwischendurch sehen wir Unterjoch tief unten im Tal liegen.

Ein Blick auf Unterjoch

Ein Blick auf Unterjoch

Abstieg durch den Wald

Abstieg durch den Wald

Wir kreuzen unseren Aufstiegsweg und gehen direkt durch den Wald einen steilen Weg weiter hinunter. Damit haben wir genau das Stück erwischt, auf dem besonders weng Schnee liegt. Auf diesem Stück wäre es wohl besser gewesen, wieder den Aufstiegsweg zu nehmen. Aber egal, so weit ist es nicht.

Kurz darauf sind wir wieder unten bei der Buchelalpe. Und diesmal bleiben wir länger, ein Halbe und ein Stück Kuchen oder eine Suppe passen nach so einer Tour immer.

Belohnung zum Abschluss der Tour: Kuchen, Suppe, Weißbier und Almdudler

Belohnung zum Abschluss der Tour: Kuchen, Suppe, Weißbier und Almdudler

Bald werden auch die Liegestühle frei, so dass wir langsam dem Sonnenuntergang entgegendämmern, während wir die Aussicht auf die umliegenden Berge genießen. Kurz bevor die Sonne hinter dem nächsten Berg verschwindet, als es schon empfindlich kühler geworden ist, machen wir uns auf den Rückweg. Wieder sehr steil geht es den Hang hinunter in Richtung Parkplatz.

Abstieg im Abendlicht

Abstieg im Abendlicht

Am Anfang war ich gar nicht so überzeugt von der Tour, aber oberhalb der Buchelalpe ist es eine wirklich grandiose Tour geworden. Das Wetter, der Schnee, die Wegführung und die Aussicht und natürlich unsere Wandergruppe haben ideal gepasst. Die Wanderung auf das Wertacher Hörnle ist sehr empfehlenswerte Schneeschuhtour. Ein wenig Kondition schadet nicht, aber technisch ist sie wirklich einfach zu gehen.

Dauer und Schwierigkeit:
Insgesamt waren wir fast sechseinhalb Stunden auf der Tour, allerings mit langen Pausen. Eine gute dreiviertel Stunde sind wir von Unterjoch zur Buchelalpe aufgestiegen. Gut eineinhalb Stunden sind es von dort zum Kessel. Von dort aus sind es nur noch gute zehn Minuten bis zum Gipfelkreuz des Wertacher Hörnles. Eineinviertel Stunde vom Gipfel bis zur Buchelalpe und dann noch einmal zwanzig Minuten bis zum Parkplatz. Schwierig ist der Weg nicht, aber teilweise schon recht steil.

Höhenangaben:
Parkplatz bei Obergschwendt: ca. 1050 Meter
Buchelalpe: 1290 Meter
Kessel: 1684 Meter
Gipfel Wertacher Hörnle: 1695 Meter

Essen und Trinken:
Auf der Buchelalpe gibt es almtypisches Essen, Kuchen und natürlich genug zu trinken. Sonst erst wieder am Ende der Tour im Gasthaus am Buchel.

Urig: Die Essensausgabe auf der Buchelalpe

Urig: Die Essensausgabe auf der Buchelalpe

Wo muss ich besonders aufpassen:
Wie immer bei Wintertouren muss man besonders die aktuellen Wetter- und Schneeverhältnisse im Auge haben und den Lawinenlagebericht beachten. Ansonsten ist höchstens der Gratweg zum Gipfel technisch leicht anspruchsvoller und vom Gipfel kann man nur runterfallen, wenn’s ganz blöd läuft. Wer dieses Risiko ausschließen möchte, geht nur bis zum Kessel und hat eine genauso tolle Tour gemacht.

Der Blick zum Gipfelgrat des Wertacher Hörnles

Der Blick zum Gipfelgrat des Wertacher Hörnles

Wie komme ich hin?
Mit dem Auto: Von München aus fährt man über die A95 und die A7 bis Oy-Mittelberg, dann weiter über die B309 und B310 an Wertach und Unterjoch vorbei. Kurz hinter Unterjoch ist rechts der Parkplatz Untergeschwendt. Wir sind von Bad Hindelang über die Jochstraße durch Oberjoch bis kurz vor Unterjoch gefahren.

Mit dem Schlitten von der Buchelalpe abzufahren, wäre uns auch ganz recht

Mit dem Schlitten von der Buchelalpe abzufahren, wäre uns auch ganz recht

Links:
Einen weiteren Bericht über unsere Tour auf das Wertacher Hörnle hat Alex auf Luftschubser.de geschrieben. Mit vielen Fotos und den genauen Strecken- und Höhenangaben.

Buchtipps und Wanderkarte:

Gleich weiterlesen:

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Uli,

    guter Bericht zur Tour.
    Super Tag mit Dir auf der Tour.
    Nicht, dass es Dich was angeht, aber noch eine Tour mit Dir und den anderen Bloggern, könnte ich mir sehr gut vorstellen. 😉

    Freu mich auf das „Nächste Mal“!

    cheers
    Alex

  2. Hi Alex,

    „Nicht, dass es Dich was angeht“ … ich erinnere mich! Das werden wir beim Treffen ausdiskutieren 😉
    Und auch, wo es dann hingeht. Das nächste Mal dann wieder ohne Schneeschuhe!

    Viele Grüße,
    Uli

  3. Hi Uli,
    welch schöner, letzter Backflash auf den Winter. Jederzeit gerne wieder – freu mich auf in Kürze.
    Cheerio,
    Nadine

  4. Hallo Nadine,
    ja, langsam wird’s jetzt mal Zeit für den Frühling. Naja, ein Winter-BEitrag kommt vielleicht noch. Oder zwei?
    Aber dann wird für sie Sonnensaison geplant!
    Bis bald!
    Uli

  5. Pingback: Auf Schneeschuhen zum Wertacher Hörnle - Pornorama pur im Allgäu - OutdoorMädchen

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