Winterwanderung auf die Hochries

Winterwanderung: Spatenau – Doaglalm – Gipfel Hochries – Hochrieshütte

Im Winter auf die Hochries. Eine schöne Wanderung im Samerberggebiet, die im oberen Teil viel Sonne und einen großartigen Blick auf das Kaisergebirge und viele weitere Alpengipfel bietet. Und Schnee, von dem wir in diesem Winter bislang viel zu wenig hatten. Dazu die Hochrieshütte, die nicht allzu überlaufen ist, weil im Winter der Lift nicht fährt.

Großartiges Alpenpanorama mit dem Kaisergebirge an der Hochrieshütte

Großartiges Alpenpanorama mit dem Kaisergebirge an der Hochrieshütte

Los geht’s am Wanderparkplatz Spatenau am Samerberg. In ein paar weiten Serpentinen zieht sich die betonierte Forststraße den Weg zur Doaglalm hinauf. Eigentlich soll er auch als Rodelbahn dienen, aber im Dezember 2013 fällt das mangels Schnee aus.

Statt der Forststraße nehmen wir den steinigen Waldweg

Statt der Forststraße nehmen wir den steinigen Waldweg

Nur einige vereiste Flecken weist die Straße auf. Und weil Forstwege langweilig sind, bin ich froh, dass direkt vom Parkplatz auch ein steiniger Weg bergauf führt. Er kreuzt die Straße einmal, dann geht es weiter bergauf.

Erst als der Weg an einer Weide zum zweiten Mal auf die Straße trifft, müssen wir diesen Weg nehmen. Aber nur wenige Minuten lang. Dann stehen wir vor einem großen Weidegatter.

Die Forststraße zur Doaglalm dient eigentlich auch als Rodelbahn. Nicht so im Dezember 2013

Die Forststraße zur Doaglalm dient eigentlich auch als Rodelbahn. Nicht so im Dezember 2013

Hier auf der Weide liegt sogar Schnee, auf dem Weg ist er teilweise schon zu Eis flachgetreten. Rechts wäre man in drei Minuten an der Doaglalm, wie das Schild anzeigt, doch wir wollen auf den Berg, auf die Hochries und zur Hochrieshütte, direkt am Gipfel.

Die Doaglalm

Die Doaglalm

Also wandern wir über die verschneite Wiese, einmal um eine Bergflanke herum. Dann zieht sich der Weg in einigen Schwüngen den Berg hinauf bis zum Gebiet der Lambrecht- und Wimmeralm. Dieser Teil des Aufstiegs ist ziemlich matschig, erst im oberen Teil gibt es eine geschlossene Schneedecke.

Endlich in der Sonne wandern: An der Wimmeralm

Endlich in der Sonne wandern: An der Wimmeralm

Bisher sind wir die Strecke durch den Wald und durch einen Taleinschnitt gelaufen, immer im Schatten. Jetzt kommt die Sonne durch. Aber ab hier wird der Weg auch deutlich steiler, jetzt geht es in vielen Serpentinen an der Bergflanke steil bergauf. Gleichzeitig liegt hier auch deutlich mehr Schnee, an einigen Stellen wird es auch schon unangenehm glatt.

Schöner Blick ins Inntal von den Seitenalmen aus

Schöner Blick ins Inntal von den Seitenalmen aus

Bei den Seitenalmen machen wir eine Pause. Wir machen Brotzeit, lassen uns von der Sonne bescheinen und geniessen den Ausblick auf die Berge. Und beschließen, wieder abzusteigen, da uns der Weg ohne Grödel und Stöcke doch zu glatt wird.

Sechs Tage später. Das hat mir ja keine Ruhe gelassen. Wie blöd, ohne Grödel im Rucksack auf eine Winterwanderung zu gehen. Also stehe ich wieder in der Spatenau auf dem Parkplatz, diesmal allerdings alleine. Und gehe dann denselben Weg wieder hoch. Im unteren Bereich, auf der Forststraße gibt es nun fast gar keine Schnee- und Eisflächen mehr. Dafür ist der Weg bis zur Wimmeralm noch weicher als eine knappe Woche zuvor. Und das Ende Dezember, das hier soll doch ein Schneeloch sein!

Im oberen Teil des Aufstiegs zur Hochries habe ich endlich eine geschlossene Schneedecke

Im oberen Teil des Aufstiegs zur Hochries habe ich endlich eine geschlossene Schneedecke

Ab de Wimmeralm ist der Aufstieg aber noch genauso wie beim ersten Versuch. Mit meinen Grödeln geht es sich aber bedeutend schneller und sicherer. Nach einer Stunde und 45 Minuten mache ich meine erste etwas größere Pause, diesmal an der oberen Seitenalm. Noch 45 Minuten sind angegeben bis zur Hochries.

Auf zur Hochries - im strahlenden Winter-Sonnenschein

Auf zur Hochries – im strahlenden Winter-Sonnenschein

Und auf dem weiteren Weg bin ich wieder froh, meine Grödel zu haben. Bis auf ganz wenige Flecken an der Alm selbst und im oberen Bereich liegt Schnee. Auf dem steilen Weg komme ich mit den Grödeln an den Füssen aber gut voran. Jetzt ist der Weg auch richtig schön, sehr sonnig, so dass ich durch eine helle Winterlandschaft wandere.

An einer Felswand sind gleich vier Gedenkkreuze und Gedenktafeln für abgesürzte Wanderer angebracht. Allerdings ist keiner von ihnen hier umgekommen. Trotzdem verursacht es immer ein ungutes Gefühl. So eine Tafel möchte man nicht für sich selbst haben.

Das Inntal im Nebel, der Bergblick ist schon auf dem Kamm fast grenzenlos

Das Inntal im Nebel, der Bergblick ist schon auf dem Kamm fast grenzenlos

Noch ein kurzes Stück geht es weiter bergauf, noch ganz kurz steil bergauf durch den Wald, dann komme ich am Kamm an. Ab hier ist der Weg zum Hochrieshaus viel flacher. Gemütlich geht es bergan, durch lichten Wald. Jetzt habe ich auch einen Blick nach Süden, auf die Alpengipfel. Noch ist er durch die Tannen etwas verstellt, aber man bekommt einen Vorgeschmack auf das, was einen am Gipfel erwartet.

Die Hochrieshütte, direkt neben dem Gipfelkreuz

Die Hochrieshütte, direkt neben dem Gipfelkreuz

Direkt neben dem Gipfelkreuz steht auch die Hochrieshütte, eine Alpenvereinshütte. Obwohl recht viel los ist, herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre. Im Haus lässt man sich das gute Essen schmecken, diskutiert beim Rotwein über Skitouren oder die nächsten Abfahrten und Wanderungen.

Auf der Sonnenterrasse der Hochrieshütte

Auf der Sonnenterrasse der Hochrieshütte

Draussen, auf der relativ windgeschützten Terrasse, ist Sonnenbaden angesagt. Dick eingepackt halten alle das sonnenbebrillte Gesicht in Richtung Sonne. Was für ein Tag!

Der Blick von der Hochries auf den Chiemsee

Der Blick von der Hochries auf den Chiemsee

Und dazu kommt die Aussicht! Im Osten sieht man auf die Schmalseite der Kampenwand-Gipfelfelsen, davor liegt im Tal der Chiemsee. Und direkt vor uns liegt das Kaisergebirge, fast zum Greifen nah. Dahinter die ganzen Gipfel der Tiroler Alpen. Ein tolles Panorama, das den Aufstieg auf jeden Fall lohnt. Tief unten, unter leichtem Nebel, liegen Kufstein und das Inntal.

Der Blick vom Hochries-Gipfel auf das Kaisergebirge und weiter nach Süden

Der Blick vom Hochries-Gipfel auf das Kaisergebirge und weiter nach Süden

Der Abstiegsweg ist gleich dem Aufstiegsweg. Dank der Grödel sind auch hier die steilen, schneebedeckten Passagen kein Problem. Andere nutzen die Schlittertechnik, ganz Verwegene laufen die Direttissima durch den tiefen Schnee bergab.

Zum Wohl. Auf der Sonnenterrasse des Hochrieshauses

Zum Wohl. Auf der Sonnenterrasse des Hochrieshauses

Eine Überraschung gibt es noch, die Sonne scheint auf dem nachmittäglichen Abstiegsweg genau auf leicht schneebedeckte Wiese unterhalb der Wimmeralm. Das beschert dem Wanderer noch etwas länger eine Wanderung genau in den Sonnenschein hinein, was man ja im Winter doppelt geniesst. Allerdings ist der Wiesenweg nun noch deutlich matschiger als am Vormittag.

Wiesenaufstieg und geschmolzener Schnee =  extra batziger Weg

Wiesenaufstieg und geschmolzener Schnee = extra batziger Weg

Der untere Wegabschnitt über die Forststraße durch den Wald ab dem Abzweig zur Doaglalm und die Abkürzungspfade geht nun deutlich schneller als angegeben, aber das ist ja auch ganz gut so.

Ein Hinweis noch für Wanderer mit Hund: Auf dem Hochrieshaus waren Hunde auch in der Gaststube, auf der Doaglalm dürfen sie nicht in Haus. Im Sommer ist das ja kein Problem, da bleibt man gerne im Garten. Jetzt im Winter hat es unseren Aufenthalt dort bei der ersten Tour doch deutlich abgekürzt.

Dauer und Schwierigkeit:
In einer guten halben Stunde kann man vom Parkplatz aus die Doaglalm erreichen. Von dort aus etwa 1:15 bis zu den Seitenalmen, und eine weitere gute halbe Stunde bis zum Hochrieshaus und zum Gipfel. Also knappe zweieinhalb Stunden bis zum Gipfel und damit etwas weniger als auf den Schildern angegeben. Bergab ging es dann in etwas weniger als zwei Stunden.

Höhenangaben:
Parkplatz Spatenau: 750 Meter
Doaglalm: 980 Meter
Seitenalmen: 1333 und 1350 Meter
Hochrieshütte: 1569 Meter
Hochries Gipfel: 1569 Meter

Essen und Trinken:
Auf der Doaglalm und der Hochrieshütte gibt es alm- bzw. hüttentypisches Essen.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Das wird stark von der jeweiligen Schneesituation abhängen. Bei unseren Touren gab es kaum große Gefahrenstellen, aber an den Steilstücken muss man auf jeden Fall vorsichtig sein, hier gehen die Hänge seitlich auch steiler bergab. Insgesamt ist die Wanderung aber technisch nicht zu schwierig. Grödel und Stöcke sind bei Schnee aufgrund der Steilheit auf jeden Fall sinnvoll.

Ist der Weg für Kinderwagen geeignet?
Bis zur Doaglalm kann man mit dem Kinderwagen die Forststraße nutzen. Hier ist dann allerdings Schluß für Kinderwagenfahrer. Der Weg auf die Hochries ist nur zu Fuß machbar.

Wie komme ich hin?
Mit dem Auto: Von München aus kommend fährt man auf der Autobahn bis zur Ausfahrt Achenmühle. Dann links Richtung Törwang, in Achenmühle rechts Richtung Törwand und Grainbach. In Grainbach auf der Hauptstraße bleiben, nicht zur Hochriesbahn abbiegen. Hinter Grainbach in einer scharfen Rechtskurve nach links abbiegen, “Spatenau” ist ausgeschildert. Der Wanderparkplatz liegt im Wald direkt an der Straße. Pro Tag kostet er 2 Euro (2013).
Mit dem Zug: Man kann mit dem Zug nach Rosenheim fahren und von dort mit dem RVO-Bus nach Grainbach. Allerdings ist es von dort bis zum Parkplatz noch ein strammer Fußmarsch über die Landstraße. Die öffentliche Anfahrt erscheint mir hier nicht so interessant. Möglicherweise ist ein anderer Aufstiegsweg besser per Bus erreichbar.

Links:
Hochrieshütte
Doaglalm
Hochriesbahn (im Winter nicht in Betrieb)

Weitere Berichte zu Winterwanderungen auf die Hochries findet Ihr auch bei Martin und Ray.

Buchtipps und Wanderkarten:

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  4. Herrlich….muss leider zugeben das ich beim besten Willen kein großer Fan des Winters bin und somit auch heilfroh das es bisher so mild ist. Nach dem letzten Winter finde ich dies auch nur als gerechtfertigten Ausgleich ;)!

    Werde die Temperaturen somit auch noch weiterhin nutzen um mich soviel wie möglich zu Wandern.

    In diesem Sinne…beste Grüße,
    Stef

  5. Wirklich tolle Tipps. Du schreibst sehr begeistert.Ich persönlich bin kein Schneemensch aber für Wandertipps immer offen. Danke!

    Viele liebe Grüße
    Julia

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