Gullfoss, der goldene Wasserfall

Island, Golden Circle: Gullfoss

Wir fahren auf der Straße 35 vom Geysir zum Gullfoss. Zehn Kilometer und ebensoviele Minuten sind es nur mit dem Auto durch die weite, flache Landschaft hier im Norden des Golden Circle. Kurz hinter den letzten Häusern im Geysir-Bereich queren wir einen schönen Wildbach über eine “Einbreið Brú”, also eine einspurige Brücke. Das hätten wir zwische zwei der größten Touristenattraktionen Islands nicht vermutet! Ein Golfplatz liegt rechts der Straße, ein Pferdehof und unser Campingplatz für die Nacht sind links der Straße. Doch wir sehen weder Fluss noch Wasserfall.

Der Gullfoss, der größte Wasserfall im Golden Circle

Der Gullfoss, der größte Wasserfall im Golden Circle

Kurz bevor aus der Straße 35 die “F35” wird, sehen wir den Parkplatz, der uns noch größer erscheint als der am Geysir. Auch dieser Parkplatz ist gut gefüllt, auch mit mehreren Reisebussen. Ein schwarzer Bus mit riesigen Reifen ragt im wahrsten Sinne des Wortes aus der Menge der anderen Fahrzeuge. Der ist sicher für Ausflüge ins Hochland und Flussquerungen geeignet.

Wir sind also einigermaßen vorbereitet auf das, was uns erwartet: Menschenmengen. Es werden wohl vergleichbar viele Menschen sein wie zuvor bei Geysir und Strokkur, aber sie verteilen sich auf nur zwei Wege. Daher ist es gefühlt voller als bei den Geysiren, wo die Zuschauer in dem weiten Gebiet mehr Platz hatten.

Weite Golden-Circle-Landschaft auf dem Weg zum Gullfoss

Weite Golden-Circle-Landschaft auf dem Weg zum Gullfoss

Jetzt wird auch klar, warum wir weder den Wasserfall, noch den Fluss Hvítá zuvor gesehen haben. Beide liegen tiefer als die Ebene, über die die Straße führt. Bis zu 70 Meter tief und etwa zweieinhalb Kilomter lang ist die Schlucht, durch die der Hvítá fließt. Neben dem Haus des Besucherzentrums führt eine breite Treppe über die Felskante in die Schlucht hinab, dann folgt nach links ein schmaler Weg zum Wasserfall.

Links ist die Grashang, rechts führt der Weg an der zweiten Stufe des Gullfoss entlang. Sehr breit fällt der Fluss etwa 20 Meter tief in eine schmale Spalte. Wohin das Wasser fällt, ist nicht zu sehen. Zu sehr ist die Luft von Gischtschwaden erfüllt, in denen sich das Licht in einem großen Regenbogen bricht. Der Lärm ist fast ohrenbetäubend. Es ist sehr beeindruckend, langsam zum Wasserfall hinabzugehen und dabei den Wassermassen immer näher zu kommen.

Der Weg endet auf einem großen natürlichen Felsplateau, auf dem wir uns nun zusammen mit Dutzenden anderer Touristen befinden. Rechts sehen wir nun entlang der zweiten Stufe des Wasserfalls. Links liegt die erste Stufe des Gullfoss, die etwa elf Meter hoch ist. Der große, flache Felsblock ist also ideal im Fluss gelegen, so dass wir beide Stufen aus nächster Nähe beobachten können.

Das Felsplateau im Fluss, von dem aus man beide Stufen des Gullfoss beobachten kann

Das Felsplateau im Fluss, von dem aus man beide Stufen des Gullfoss beobachten kann

Schwierig ist es allerdings, das Objektiv frei von Wassertropfen zu halten. Die feinen Wassertröpfchen der Gischt von gleich zwei Wasserfällen sind überall. Gut, dass wir unsere wasserdichten Jacken anhaben.

Der Gullfoss ist einer der großen, wasserreichen Wasserfälle Islands. Obwohl er nach Faxi und Brúarfoss schon unser dritter Wasserfall an diesem Tag ist, ist er aufgrund seiner Größe und Wasserkraft besonders beeindruckend.

Der Name Gullfoss bedeutet übrigens Goldener Wasserfall und es gibt gleich drei Theorien, wie er zu dienem Namen kam: Vielleicht, weil die goldene Abendröte sich auf das Wasser legt, vielleicht sind es auch die Regenbogen, die durch die Gischt entstehen.

Aber es gibt noch eine dritte Theorie. Nach der wollte der Bauer Gýgur vom Hof Gýgjarhóll nicht, dass irgendjemand nach seinem Tod seinen Goldschatz erbte. So warf er die Truhe mitsamt dem Gold in die Fluten des Wasserfalls, der seitdem Gullfoss, Goldener Wasserfall, heißt.

Dass wir den Gullfoss heute besuchen können, ist der Bauerntochter Sigríður Tómasdóttir vom nahegelegenen Brattholt-Hof zu verdanken. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts plante eine englische Gesellschaft am Gullfoss ein Wasserkraftwerk zur Stromgewinnung zu errichten. Sigríður Tómasdóttir kämpfte jahrelang juristisch gegen den Bau des Kraftwerks und drohte sogar, sich in die Fluten zu stürzen.

Schließlich hatte sie so einen großen öffentlich Druck erzeugt, dass sich der isländische Staat zum eingreifen genötigt sah. Aufgrund einer zu spät gezahlten Pachtzahlung konnte der Staat den Pachtvertrag für das Land beenden und den Gullfoss erhalten. Ein Denkmal und der Sigríður-Weg erinnern jetzt an Sigríðurs Kampf um den Erhalt des Wasserfalls.

Nachdem wir die Treppe wieder hinaufgestiegen sind, gehen wir noch nach rechts, auf den zweiten Weg, der zum Wasserfall führt. Nun aber einige Meter oberhalb. Nach Westen sehen wir wieder auf die weite Ebene, die ganz am Horizont durch eine Bergkette begrenzt wird. Im Nordwesten befindet sich der Langjökull-Gletscher.

Solche Drones forbidden Schilder haben wir an vielen Touristenattraktionen gesehen

Solche Drones forbidden Schilder haben wir an vielen Touristenattraktionen gesehen

Und unter uns blicken wir nun, völlig ohne Spritzwasser und fast ganz alleine, auf den Fluss, den Gullfoss und das Felsplateau. Ein schöner Abschluss des Besuchs am Gullfoss.

Ganz zum Schluss schauen wir uns noch im Besucherzentrum am Parkplatz um. Hier gibt es viel isländische Wollwaren und Outdoorkleidung von 66°North zu kaufen, weitere Outdoorausrüstung und natürlich auch Souveniers aller Art.

Mit dem Besuch des Gullfoss endet dieser Tag im Golden Circle für uns. Wir haben den Faxi-Wasserfall gesehen, den Brúarfoss und den Gullfoss. zusammen mit Geysir und Strokkur war das ein ziemlich wasserreicher Tag. Jetzt geht es nur noch zurück zum Campingplatz Skjól.

Buchtipps und Wanderkarte:

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