Brúarfoss – der Schöne, der sich versteckt

Island, Golden Circle: Auf der Suche nach dem Brúarfoss Wasserfall

Schon bevor wir überhaupt nach Island geflogen sind, hatten wir Zweifel, ob wir den Brúarfoss finden werden. So versteckt soll der vielleicht schönste Wasserfall der ganzen Insel sein, dass manche Besucher nach längerem Umherirren unverrichteter Dinge umkehren. Jetzt streifen wir auf schmalen Wgen durchs Unterholz, kommen an unbewohnten Häusern vorbei und treffen auf einen schönen Fluß. Der Wasserfall ist aber nicht zu sehen.

Trotz seiner geringen Größe giilt der Brúarfoss vielen als schönster Wasserfall Islands

Trotz seiner geringen Größe giilt der Brúarfoss vielen als schönster Wasserfall Islands

Dabei ist der Weg eigentlich klar. Von der Straße 35 biegen wir auf die Straße Nummer „355 Reykjavegur“ ab und an der T-Kreuzung nach links auf die 37. Nicht nach Norden zum Geysir! Schon geht es nach knapp drei Kilometern rechts in die Ferienhaussiedlung Tjaldsvæði STÍS. Jetzt muss es zu Fuß weitergehen, über die kleine Holzbrücke, dann werden wir den Brúarfoss schon finden.

Der Plan ist klasse, hat aber einen oder zwei Fehler. Die Ferienhaussiedlung ist leicht zu finden. Aber dort findet man weder einen Parkplatz zum Brúarfoss noch irgendeine Ausschilderung. Im Gegenteil: Man darf dort eigentlich gar nicht reinfahren.

Wir parken auf einem kleinen Parkplatz unmittelbar vor dem „Keine Einfahrt“-Schild. Ob es dort für uns erlaubt ist, ist uns unklar. Ein Schild auf isländisch können wir nicht lesen, es ist uns auch nicht klar, ob es überhaupt für den Parkplatz gilt. Aber da noch Platz für mindestens zehn weitere Autos ist, befinden wir es für in Ordnung, es von dort aus zu versuchen.

Es folgt der Indiana-Jones-mässige Ausflug durch das Unterholz. Zunächst noch entlang eines breiten Schotterwegs, der die Zufahrt zu vereinzelten Häusern außerhab der Siedlung ist. Dann gehen wir auf schmalen, gewundenen Pfaden entlang eines kleineren Bachs, der kurz darauf in den größeren Brúará-Fluss mündet. Bis wir auf eine kleine Brücke treffen, die in Google Maps als „Bruarfoss Waterfall Access Bridge“ bezeichnet ist.

Welch hochtrabender Name für das kleine Brücklein. Weiter geht es ein paar Minuten lang auf einem gut ausgetretenem Pfad durch das Gebüsch. Und plötzlich stehen wir vor der großen Brücke, von der aus wir einen wunderbaren Blick über den Fluss und direkt auf den Brúarfoss haben.

Und sofort sehen wir, warum der Brúarfoss häufig als schönster Wasserfall Islands bezeichnet wird: Der kleine Fluss Brúará verbreitert sich direkt vor dem Wasserfall, um dann hufeisenförmig in unzähligen kleinen Bächen einige Meter tiefer zu fallen. Und im Ausfluss des Wasserfalls fließt das Wasser in einem Azurblau, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe, unter der Brücke hindurch.

Der Brúarfoss und die Brücke über den FlussDer Brúarfoss und die Brücke über den Fluss

Der Brúarfoss und die Brücke über den Fluss

Das ist wirklich so beeindruckend, dass es völlig egal ist, dass der Brúarfoss weder durch seine Fallhöhe, noch durch seine Wassermenge beeindruckt. Es sind die Hufeisenform und das unglaublich leuchtend blaue Wasser.

Sowohl links als auch rechts der Brücke kann man an das Ufer gehen und dem Wasserfall näher kommen. Und dann gibt es noch direkt hinter der Brücke einen Felsen, der sich ideal als Fotostandpunkt eignet. Ein Fest für jeden Fotofreund!

Ob der Brúarfoss wirklich der schönste Wasserfall von ganz Island ist? Einer der besonders schönen ist er auf jeden Fall, obwohl mich der Seljalandsfoss mehr begeistert hat. Vermutlich macht auch der schwierige Zugang einen Teil des Mythos aus. Aber verpassen sollte man den Brúarfoss auf keinen Fall. Hach, dieses Blau, dieses unglaubliche Blau …

Der etwas beschwerliche Zugang hat den Vorteil, dass es dort eher nicht voll wird. Für Busgruppen ist der Fußweg einfach zu weit, manche werden möglicherweise auch von den Berichten langer und erfolgloser Suchen abgeschreckt.

Auf dem Rückweg vom Wasserfall zur Zufahrtsstraße der Ferienhaussiedlung, auf der wir dann noch ein ganzes Stück laufen müssen, kommen wir dann noch an einem Mini-Parkplatz vorbei, an dem ein selbstgemachtes Schild hängt, dass man dort nicht parken soll, wenn man zum Brúarfoss will.

Der Brúarfoss bleibt also bis auf Weiteres nicht gerade ein Geheimtipp, dennoch aber nicht ganz leicht zu erreichen, was vielleicht auch ganz gut ist.

Wo man parken sollte, welchen Weg man nehmen sollte? Bei unserem Besuch bleibt es etwas unklar. Den Weg durch den Ferienpark sollte man vermeiden und vor allem nicht dort parken. An der Brücke der Straße „37 Laugarvatnsvegur“ über den Brúará-Fluss liegt ein recht großer Schotterparkplatz. Von diesem aus soll ein etwa dreieinhalb Kilometer langer Weg entlang des Flusses zum Wasserfall bestehen oder im Bau sein.

Und wie war es mit den Menschenmassen? Wir haben keine getroffen. Am Wasserfall und auf dem Weg dorthin sind wir insgesamt etwa zehn Menschen begegnet. Auch die Straßen im Golden Circle waren ziemlich wenig befahren, auch an verschiedenen „Einbreið Brú“ mussten wir nicht auf entgegenkommende Autos warten.

Weitere Berichte über die Suche nach dem richtigen Weg und viele wunderbare Fotos findet Ihr unter anderem auf reisewut.com, schieflicht.de oder travelography.de.

Update 2018: Den Parkplatz an der Brücke über die Brúará hatten wir 2017 schon gesehen, nun gibt es auch erste Berichte, dass der 3,1 Kilomter lange Weg entlang des Flusses ausgeschildert und begehbar ist. Bei reisewut.com findet Ihr einen Artikel mit vielen Fotos. Zum Zeitpunkt der Begehung, offenbar sehr früh im Jahr, war der Weg extrem schlammig.
25.07.2018: Offenbar ist der Brúarfoss nun komplett gesperrt worden, wie ein Artikel im icelandmag.is (auf Englisch) schreibt. Auch der oben verlinkte Artikel bei reisewut.com ist schon aktualisert worden. Falls Ihr den Brúarfoss also besuchen wollt, informiert Euch am besten vorher, ob und auf welchem Weg er aktuell erreichbar ist.

Koordinaten in Google Maps:
Die Bruarfoss Waterfall Access Bridge
Der Brúarfoss
Die große Brücke am Wasserfall
Parkplatz an der Laugavatnsvegur-Brücke (Straße 37)

Buchtipps und Wanderkarte:

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