Das alpine Notsignal – SOS am Berg

Sicherheit am Berg – Das alpine Notsignal


Dein Handy hast Du normalerweise dabei, wenn Du in die Berge gehst. Aber hast Du im Notfall auch Empfang? In den Alpen, selbst im Tal in der Nähe von Ortschaften, kannst Du im Funkloch landen. Leere Akkus oder bei einem Sturz zerstörte oder verlorene Handys können ebenfalls einen Notruf per Mobiltelefon verhindern, wenn Du einmal in Bergnot geraten bist. Daher ist es gut, das alpine Notsignal bzw. den alpinen Notruf zu kennen. Nicht zuletzt, um antworten und helfen zu können, wenn Du einen Notruf hörst.

Bei Notfällen in den Alpen ist das alpine Notsignal wichtig

Bei Notfällen in den Alpen ist das alpine Notsignal wichtig

Alpines Notsignal & Signalpfeifen

Bei Notsituationen im Gebirge wird international das Alpine Notsignal verwendet. Notsituationen können beispielsweise ein Absturz, eine Verletzung oder ein plötzlicher medizinischer Notfall sein, die dringende Hilfe benötigen.

Eine Blockade im unwegsamen und/oder absturzgefährdeten Gelände, wenn man sich nicht mehr vor- und zurück traut. Oder auch der Einbruch der Nacht, wenn man keine Möglichkeit für ein Biwak hat.

Dabei kannst Du selbst betroffen sein, eine Person in Deiner Gruppe oder auch fremde Personen, auf die Du triffst.

Kurz: Situationen, in denen jemand nicht mehr sicher ins Tal oder zu einer Berghütte kommen kann und in denen Gesundheit oder das Leben schon gefährdert sind oder die sich zu gefährlichen Situationen entwickeln können.

Üblicherweise wirst Du in solchen Situationen heutzutage einen Notruf per Handy absetzen. Wenn Du aber keinen Netzempfang hast, der Akku leer ist oder das Handy gar zerstört oder verloren ist, kannst Du das Alpine Notsignal nutzen.

Was ist das alpine Notsignal?

Das alpine Notsignal ist ein international Notrufsignal, um in Bergregionen auf eine Notlage aufmerksam zu machen. Es kommt insbesondere zum Einsatz, wenn kein Handyempfang möglich ist oder Akkus leer sind.

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Wie lautet der Rhythmus für das Notsignal?

Man gibt 6-mal pro Minute ein Signal, also etwa alle 10 Sekunden. Danach folgt eine Minute Pause. Diesen Zyklus wiederholt man, auch wenn man schon eine Antwort bekommen hat, um die Retter zum eigenen Standort zu lotsen.

Wie antworten die Retter?

Die Bestätigung durch Retter oder andere Wanderer erfolgt 3-mal pro Minute (alle 20 Sekunden ein Signal), gefolgt von einer einminütigen Pause.

Womit kann ich das alpine Notsignal geben?

Es gibt viele Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen, zum Beispiel:

  • Lautzeichen wie Rufen und Signalpfeifen
  • Lichtzeichen mit der Stirnlampe
  • Winken mit auffälligen Gegenständen
  • Aufsteigenlassen von Ballons

Warum ist eine Signalpfeife im Gebirge sinnvoll?

Eine Signalpfeife erzeugt einen gellenden Ton, der Wind und Wetter besser durchdringt als die menschliche Stimme. Zudem ist das Pfeifen physisch deutlich weniger anstrengend als Rufen, was bei Erschöpfung oder Verletzungen entscheidend sein kann.

Lautzeichen wie Rufen und Signalpfeifen

Natürlich kannst Du einfach um Hilfe rufen. Der Nachteil hierbei ist, dass lautes Rufen sehr anstrengend ist. Man kann meist nicht besonders lange Rufen, bevor man heiser wird und die Stimme versagt.

Besser ist es, eine Signalpfeife zu nutzen. Sie sind günstig, klein, leicht und sehr laut.

Und schau mal an Deinen Rucksack. An vielen Modellen ist am Verschluss des Brustgurts eine Pfeife integriert. Diese ist aber meistens kleiner und nicht so laut wie eine zusätzliche Pfeife. Aber viel besser als nichts!

Auch bei manchen Stirnlampen ist eine Signalpfeife eingebaut. Meine Petzl Actik Core hat eine Pfeife in die Schnalle zur Weitenverstellung des Stirnbandes integriert.

Lichtzeichen mit der Stirnlampe

Besonders im Dunklen können Lichtzeichen sehr effektiv sein. Sie zeigen nicht nur an, dass ein Notfall vorliegt, sondern zeigen auch an, wo sich die in Not geratenen Personen befinden.

Voraussetzung ist natürlich, dass es eine Sichtverbindung ins Tal, zu einer Hütte oder zum Hubschrauber gibt. Leistungsstarke Stirnlampen oder Taschenlampen sind hierfür gut geeignet. Eine Stirnlampe sollte man auf Wanderungen eh immer dabeihaben.

Winken

Im Hellen könnt Ihr auch durch Winken auf Euch aufmerksam machen. Am Besten, wenn Ihr einen auffälligen Gegenstand schwenkt, etwa ein gelbes oder oranges Tuch. Das kann ein T-Shirt oder eine Jacke sein, ein Handtuch oder auch ein Packsack. Hauptsache auffällig, damit andere auf Eure Notsituation hingewiesen werden.

Aufsteigenlassen von Ballons

Diese Möglichkeit habe ich der Vollständigkeit halber aufgenommen: Es gibt Systeme, zum Beispiel den AirMarker*, mit denen man einen Ballon mit Helium aufblasen und an einer sehr langen Leine aufsteigen lassen kann. Da diese Systeme recht teuer sind, werden sie eher für spezielle Anwendungsfälle genutzt werden.

Wenn Ihr einen Alpinen Notruf seht oder hört

Wenn Ihr einmal einen alpinen Notruf sehen oder hören solltet, benachrichtigt die Bergwacht bzw. Bergrettung und bestätigt dann den Notruf. Eure Antwort erfolgt ebenfalls durch Wink-, Laut- oder Lichtzeichen, drei Mal pro Minute, alle 20 Sekunden einmal. Auch diese Antwort sollte nach einer Minute Wartezeit wiederholt werden.

Handy-Notruf

Wenn man ein funktionsfähiges Handy und Empfang hat, ist der alpine Notruf die erste Wahl bei Notfällen. Wer keinen Empfang hat, kann versuchen, das Handy aus- und wieder einzuschalten, ohne die PIN einzugeben. Die europaweite Notfallnummer 112 kann in diesem Fall auch über andere Provider als den eigenen angerufen werden. Vorausgesetzt, es gibt überhaupt Netzempfang.

Wenn Ihr einen Notruf wählt, solltet Ihr diese Fragen beantworten können: Was ist passiert? Wo seid Ihr bzw. wo hat der Notfall stattgefunden? Wie viele Personen sind geschädigt und müssen versorgt oder geborgen werden? Wann ist der Unfall passiert? Und wer bist Du?

Notruf-Telefonnummern

  • 112 Europäische Notrufnummer
  • 140 Bergrettung Österreich
  • 144 Bergrettung Schweiz
  • 118 Bergrettung Italien/Südtirol

Die W-Angaben

  • Was ist passiert?
  • Wo ist es passiert?
  • Wie viele Personen sind verletzt/geschädigt?
  • Wer bist Du?
  • Warte auf Rückfragen

Berg Notfall-App SOS-EU-ALP

Seit 2019 gibt es für Bayern, Tirol und Südtirol die Notfall App „SOS-EU-ALP“ für Android Smartphones und iPhones. Der große Vorteil der App ist, dass im Notfall sofort nicht nur die eigene Telefonummer, sondern auf die GPS-Koordinaten automatisch an die Rettungs-Leitstelle übermittelt werden können.

Die App kann nicht nur bei Bergunfällen genutzt werden, sondern auch beispielsweise für Unfälle im Straßenverkehr oder bei Brandfällen.

Wichtig: Der Mißbrauch von Notrufen stellt in eine Deutschland eine Straftat dar und kann erhebliche Strafen nach sich ziehen. Eigentlich sollte es sich aber von selbst verstehen, dass man nicht aus Spaß Notsignale gibt.

Links:
Internationale Telefonnummern der Bergrettung auf der Seite des Deutschen Alpenvereins
Informationen zur Berg Notfall App SOS-EU-ALP beim Alpenverein

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich will ja nicht sagen, aber… bedeutet “sechsmal in der Minute” nicht vielmehr “alle 12 Sekunden”? Sonst ist man ja nach 50 Sekunden fertig, und nicht nach 60.

    Und genauso ist “dreimal in der Minute” eigentlich “alle 30 Sekunden”, oder?

  2. Das gilt ja nur, wenn man versehentlich schon in der Sekunde 1 ein Signal gibt und nicht bis zur 10. Sekunde wartet 😉

    Ich hab gleich nochmal beim Alpenverein nachgesehen und dabei eine PDF-Broschüre gefunden, in der es auch so steht. Die ist sowieso sehr schon, die empfehle ich gleich mal allgemein. Gedruckt habe ich sie noch nicht bekommen.

    Aber vermutlich kommt es auch nicht auf mathematische Exaktheit an, sondern darauf, dass man es sich leicht merken kann und das Signal gut erkennt.

  3. Hm, okay. Ich meine, fürs Notsignal ist es ja auch wurscht, weil 10 oder 12 Sekunden… geschenkt. Nur fürs Antwortsignal macht’s einen Unterschied. Aber du scheinst Recht zu haben – Google findet 134-mal “20 Sekunden” und nur 15-mal “30 Sekunden” mit “Alpines Notsignal”.

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