Ein Sonnenaufgang in den Pushpagiri Hills

Am Mandalpatti view point – in den Bergen von Karnataka in Südindien

Wir stehen auf einer Bergkuppe, deren Namen wir nicht kennen, und blicken nach Osten. Es ist sehr früh am Morgen, und obwohl die Sonne noch nicht richtig aufgegangen ist, ist die Temperatur schon recht angenehm. Hinter dem schwarzen Berg gegenüber leuchtet der Himmel schon hell. In den nächsten Minuten wird sich die Sonne zeigen, viereinhalb Stunden, bevor sie zu Hause aufgeht. Denn wir stehen im Süden von Indien, in den Pushpagiri Hills nahe der Stadt Coorg.

Sonnenaufgang in den Pushpagiri Hills in Südindien

Sonnenaufgang in den Pushpagiri Hills in Südindien

Manchmal bietet sich eine dieser „Once-in-a-lifetime“-Gelegenheiten. Indien stand eigentlich nicht auf der Liste unserer Reiseziele. Aber wenn man einmal zu einer echten indischen Hochzeit eingeladen wird, ist das eine Gelegenheit, die man ergreifen sollte. Ohne diese Hochzeit ständen wir jetzt nicht hier.

So aber haben wir Bengaluru/Bangalore, die Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka, kennengelernt. Nein, kennengelernt kann man eigentlich nicht sagen. Es war nicht mehr als ein erster Eindruck, den wir von Indien und dieser Magastadt mit mehr als elf Millionen Einwohnern bekommen haben. Ein hineinschnuppern, sich-treiben-lassen, entdecken, ausprobieren, staunen. Und nach einem langen Wochenende in Bangalore haben wir eine Rundreise durch den Süden des Bundesstaates angeschlossen.

Im Südwesten von Karnataka liegt die Stadt Madikeri, so lautet ihr lokaler Name. Außerhalb der Region ist sie unter dem Namen Coorg bekannt. Coorg ist für seine Kaffeeplantagen bekannt, eine davon haben wir besucht. Die Plantage liegt in den Bergen rund um Coorg, einem sattgünen Dschungelgebiet.

Auf der Kaffeeplantage. Dieses hier ist aber der Bütenstand einer Bananenstaude. Wer hätte es erkannt?

Auf der Kaffeeplantage. Dieses hier ist aber der Bütenstand einer Bananenstaude. Wer hätte es erkannt?

Der Rajaseat Park in Coorg

Einer der beliebstesten Ort in Coorg/Madikeri ist der Rajaseat Park, ehemals ein Privatpark der Rajas, der früheren Herrscher. Heute steht der Park gegen einen Eintritt von fünf Rupien, etwa acht Cent, allen Besuchern offen. Ein großer, sandfarbener Kubus, Der Raja Seat, ist der Mittelpunkt des Parks. Er steht inmitten der von Rasenflächen, Sträuchern und Blumenbeeten, in denen auch mal ein Dino steht. Vor allem ist der Rajaseat Park aber ein großartiger Aussichtspunkt auf die Umgebung.

Ein Dino mitten im Park. Rajaseat Park, Coorg / Madikeri

Ein Dino mitten im Park. Rajaseat Park, Coorg / Madikeri

Eine Treppe führt hinunter zur großen Aussichtsplattform, von der aus man das Tal mit dem ausgedehnten Regenwald und und die Bergketten der Umgebung überblickt. Wenn Ihr mal nach Madikeri kommen solltet, besucht auf jeden Fall den Rajaseat Park.

In den Pushpagiri Hills

Der Höhepunkt unseres Aufenthalts in Madikeri war aber die Fahrt in die Pushpagiri Hills am folgenden Morgen. Von Coorg/Madikeri, das auf etwa 1100 Metern Höhe liegt, fahren wir in die Pushpagiri Hills, deren höchster Punkt auf 1712 Meter Höhe ebenfalls Pushpagiri heißt.

Früh um vier Uhr werden wir vom Fahrer mit seinem Geländewagen abgeholt. Eine Stunde lang fahren wir nun in die Pushpagiri Hills, um den Sonnenaufgang zu erleben. Zunächst durch die schwach erleuchteten Straßen von Madikeri, wo die ersten Menschen schon auf dem Weg zur Arbeit sind.

Als wir die letzten Häuser hinter uns gelassen haben, führt die Straße in vielen Kurven und immer schlechter werdend durch den stockdunklen Regenwald. Nachdem wir die Baumgrenze passiert haben, wird es heller. Der Fahrer blickt immer wieder prüfend in Richtung Osten, wo es zunehmend heller wird. Kommen wir noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang oder sind wir doch ein paar Minuten zu spät?

Hier oben sind nur noch erdige Hügel in allen möglichen Braun-, Ocker und Rottönen und Felsgestein unterschiedlicher Größe und vereinzelte dürre Sträucher. Die Straße ist jetzt nur noch eine Schlaglochpiste, die teilweise scharf am Abhang entlangführt. Das Auto springt mehr durch und über die Schlaglöcher, als das es fährt, es fühlt sich an wie Bullenreiten direkt am Abgrund.

Als der Geländewagen hält, sortieren wir unsere Knochen und der Fahrer macht eine Handbewegung zu einem Pfad zwischen den Steinen: „Here, Trekking“. Das „Trekking“ besteht dann in einem fünfminütigen Aufstieg zum höchsten Punkt.

Wir stehen nun auf einem der Berge auf einem breiten Gipfelplateau und blicken dem Sonnenaufgang entgegen. Außer uns ist nur der Fahrer hier, er macht etwas abseits Yoga-Übungen. Trotz seines Alters von sicher etwa 60 Jahren ist er hochgelaufen. Für ein paar Minuten kommt eine Gruppe junger Inder zum Gipfel, macht ein paar Fotos und gehen weiter zum nächsten Aussichtspunkt.

Jetzt stehen wir hier oben ganz alleine. Es ist windstill, schon recht warm und aus den Wälder unter uns hören wir die ersten Vögel und ab und zu auf Schreie, die wohl von Affen kommen.

Weil ich vor der Reise nicht wusste, dass wir einen Sonnenaufgang auf dem Berg erleben werden, habe ich auch kein Stativ dabei. Also drehe ich den ISO-Wert der Kamera in Höhen, die nur grobkörnige Fotos erlauben. Aber was solls, die Fotos können eh nicht mit dem Live-Erlebnis mithalten. Falls ich noch einmal herkomme, habe ich aber den Weitwinkel und das Stativ dabei.

Und dann erleben wir tatsächlich, wie die Sonne hinter dem markanten, fast eckigen Berggipfel, erscheint. Sofort ist die ganze Umgebung in weiches, goldoranges Licht getaucht. Ein Anblick, den die Fotos können nur unzureichend wiedergeben können.

Ein paar Minuten stehen wir noch hier, dann winkt der Fahrer zumm Aufbruch. wir fahren zum Mandalpatti View Point, der ein paar hundert Meter unterhalb liegt.

Hier befindet sich ein kleines Besucherzentrum und einige Infortafeln zu dem Gebiet. Wir befinden uns jetzt im Pushpagiri Wildlife Sanctury, einem etwas über 100 Quadratkilometer großen Gebiet, das seit 1994 als Schutzgebiet ausgewiesen ist. Gegen ein geringes Eintrittsgeld kann man auch den Hügel hinter dem Zentrum erklimmen, auf dem eine kleine Aussichtsplattform steht.

Mittlerweile sind die Morgennebel aus dem Urwald aufgestiegen, so dass wir auf dem Hügel mitten in einer Wolke stehen. Für ein paar Minuten verhüllt die Wolke unseren Standort, was für eine interessante Lichtstimmung sorgt.

Eine echte Wanderung war es nicht, die wir hier unternommen haben, aber die Pushpagiri Hills und die Umgebung von Madikeri wären sicher eine richtige Trekkingtour wert. Wir aber haben nur ein paar Tage hier in Südindien, so dass wir nun wieder in die Stadt fahren und unsere Reise fortsetzen.

Weitere Fotos unserer Reise durch den Süden des Bundesstaates Karnataka findet Ihr bei Flickr im Album Indien. Und wenn Ihr wissen wollt, wie man sich in Indien an einen echten Sari oder eine Kurta schneidern lässt, dann schaut bei made-in-minga.de vorbei: Ein Sari aus Indien

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