Wanderung, leicht, 400Hm: Peißenberg – Stollenweg – Hoher Peißenberg / Bayerischer Rigi – Hohenpeißenberg
Warum bin ich an diesem Berg viele Jahre lang vorbeigefahren? Der Hohe Peißenberg beitet trotz seiner geringen Gesamthöhe von gerade einmal knapp 1000 Metern schöne Wanderwege, ein gutes Restaurant mit einem – wenn das Wetter passt – wirklich grandiosen Blick auf die bayerische Alpenkette, ein Observatorium des Deutschen Wetterdienstes und natürlich auch eine Wallfahrtskirche. Dazu noch Bergbaugeschichte und für mich meinen ersten Jakobsweg-Stempel.
Mit 988 Metern Gipfelhöhe ist der Hohe Peißenberg wahrlich kein Riese unter den bayerischen Bergen. Aber er liegt der Alpenkette vorgelagert und ist die höchste Erhebung der Gegend. Damit bietet er ein Panorama von den Berchtesgadener Alpen bis ins Allgäu. Zumindest wenn es nicht so diesig ist wie bei meinem Besuch.
Diese Wanderung ist eine kleine Überschreitung, es geht von Peißenberg über den Hohen Peißenberg nach Hohenpeißenberg. In dieser Gegend muss man immer auf die Namen achten!
In nur einer Stunde fährt man mit der Regionalbahn vom Münchner Hauptbahnhof nach Peißenberg, mit einem Umstieg in Weilheim. Wie praktisch! Mit dem Auto geht es natürlich auch, da kann man sogar direkt bis zum Restaurant und zur Wallfahrtskirche fahren, wenn man nicht wandern mag oder kann.
Auf dem Stollenweg
Los geht es direkt am Bahnhof Peißenberg. Sofort zeigt sich die Tradition des Ortes als Bergwerksstadt, denn nun geht es links auf die Bergwerkstraße. Noch einmal nach links in die Sulzer Straße und über die Gleise bis zur evangelischen Friedenskirche.
Hier zweigt die Sulzer Straße nach links ab und wir folgen ihr weiter. Links zweigt die Straße „Tiefstollen“ ab. Hier befindet sich ein Wanderparkplatz und etwas weiter befindet sich das Bergbaumuseum Peißenberg.
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Wir bleiben aber auf der Sulzer Straße und gelangen in einer weiten Kurve und deutlich ansteigend, nach „Bad Sulz“. Jetzt wandern wir auf dem Themenwanderweg „Stollenweg“ (Markierung: Blaues Quadrat mit der Nummer 76), der verschiedene Stationen des Bergbaus in Peißenberg verbindet.
Seit dem 16. Jahrhundert wurde in Peißenberg Pechkohle abgebaut, im industriellen Maßstab im 19. und 20. Jahrhundert. 1971 wurde das Bergwerk geschlossen. Neben dem Stollenweg und den Stolleneingängen erinnert das Bergbaumuseum an die Bergbaugeschichte des Ortes.
Immer wieder stehen am Weg Erklärtafeln, so auch zu Bad Sulz. Früher gab es hier eine Heilquelle, aus der eisen- und schwefelhaltige Wasser floss, das über eine Rohrleitung Ins Badehaus geleitet wurde.
- Wir erreichen Bad Sulz
- Am Beginn des Wanderwegs durch den Wald
- Leberblümchen
Bad Sulz hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20 Jahrhunderts einen guten Ruf, so dass Kurgäste aus dem In- und Ausland hier Heilung suchten. Um 1935 versiegte die Heilquelle aber, vermutlich infolge des Bergbaus.
Nun wandern wir in den Wald, weiter auf dem Stollenweg. Leicht ansteigend führt der breite Weg an einem Bach entlang.
An einer Rechtskurve führt führt ein deutlich schmalerer Weg weiter geradeaus. Diese Abzweigung ist nicht beschildert, aber wir nehmen jetzt den schmalen Weg geradeaus. Jetzt im Frühjahr wächst links und rechts des Weges viel Bärlauch. Ein wenig riecht er auch schon.
Nach wenigen Metern erreichen wir einen ersten Stollen und eine Hütte. Der Stolleneingang ist verschlossen und so kann der Sulzer Stollen nicht besichtigt werden. Ein paar Fotos sind durch das Gitter aber möglich.
Neben dem Eingang kann man an einem Tisch mit Bänken eine Pause einlegen. Eine Infotafel neben der Hütte bietet Informationen zum Sulzer Stollen und zur Sulzer Querstörung, einer geologischen Störung.
- Die Hütte beim Sulzer Stollen
- Ein Foto in den Sulzer Stollen hinein
- Informationen zum Bergbaumuseum
Bedingt durch diese gelogische Besonderheit sind die Bergleute in dem 1852 angeschlagenen Stollen nicht auf Kohle gestoßen.
Der Weg geht nun ein Stück bergauf, wird dabei durchaus schmal und stufig. Schon nach kurzer Zeit treffen wir auf den Abzweig zum Mittelstollen.
An einer Wiese entlang geht es schmal zum gemauerten Eingangsportal des Tunnels, das ein Stück größer ist als das am Sulzer Stollen.
Reste von Schienen einer Grubenbahn sind noch vor dem Eingang zu erkennen. Auch am Mittelstollen ist es nicht möglich, den Tunnel zu betreten.
- Infotafel zum Mittelstollen
- Eine weitere Tafel am Eingang zum Mittelstollen
- Reste der Schienen, die in den Stollen führen
Zurück zum Abzweig führt der Weg um die Wiese, dann, entlang einer recht tiefen Schlucht, wieder durch den Wald. Auch hier wächst wieder viel Bärlauch.
Hinter einem Wegkreuz geht der Weg nun deutlich steiler bergauf. Erst über Stufen aus Eisenprofilen, dann über viele Wurzeln. Nach einer Kurve trifft auf einen breiten Weg, der nach rechts bergab führt.
- Wandern am Waldrand mit viel Bärlauch
- Am Wegkreuz
- Bergauf über Stufen und Wurzeln
Wir queren den breiten Weg und steigen am Hang über einen schmalen Pfad über Wurzeln ein paar Meter hoch. Wer das nicht mag, nimmt den breiten Weg nach links bergauf.
Auf dem Hohen Peißenberg
Wir sind jetzt am Weiler „Galler“ angelangt und gehen auf der Straße nach Westen. Zum ersten Mal gibt es nun Alpenblick, zumindets etwas, denn der Tag ist sehr diesig. An der Abzweigung geht es nach rechts bergauf und nach kurzem Weg wechseln wir auf den Fußweg nach „Oberschwaig / Wieser / Hoer Peißenberg“.
An einer Pferdekoppel entlang, dann über die Wiesen wandern wir bergauf, nun immer mit dem Fernsehturm im Blick. Bei Oberschwaig wechseln wir wieder auf die Straße und wandern nun, an einem steinernen Feldkreuz vorbei, in Richtung Fernsehturm. Jetzt immer mit Blick auf die Alpenkette.
- Von der Straße führt dieser Weg rechts ab nach Oberschwaig
- Über die Wiesen nach Oberschwaig, den Fernsehturm immer im Blick
- Der Alpenblick von Oberschwaig aus
Die letzte Kurve der Straße können wir über die Wiese abkürzen. Der Pfad führt uns auf die Hauptstraße hinauf zur Wallfahrtskirche und dem Restaurant „Bayerischer Rigi“ mit seiner Aussichtsterrasse. Den Fernsehturm lassen wir rechts liegen.
- Auf der Straße zum Gipfel
- Den Fernsehturm lassen wir rechts liegen
- Wir passieren die Stele am unteren Parkplatz
Am großen Parkplatz steht eine kunstvoll geschnitzte große, hölzene Stele. Die letzten Meter geht es nun wieder etwas steiler bergauf.
Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt
Auf dem Gipfel des Hohen Peißenbergs, auf fast 1000 Metern Höhe, steht die Wallfahrtskirche „Maria Himmelfahrt“, die eine der Stationen des Münchner Jakobswegs ist. Von München aus führt er über Andechs und Wessobrunn nach Hohenpeißenberg und weiter in das Allgäu über Kempten nach Lindau oder Bregenz.
Das große Kirchengebäude beherbergt gleich zwei miteinander verbundene Kirchen. Die ältere ist die 1514 erbaute Gnadenkapelle. Anders als der Name es erwarten lässt ist es eine prächtige, mit großen Fresken und viel Gold verzierte Kirche, wie sie 1748 im Stil des bayerischen Rokoko gestaltet wurde. Im Jahr 2012 wurde dir Gnadenkapelle nach Renovierung wiedereröffnet.
- Alpenblick: Panoramakarte und der echte Ausblick an diesem Tag
- Ein hölzerer Pilger vor der Wallfahrtskirche
- In der Kirche
Die Wallfahrtskirche, 1619 als Rennaisancebau errichtet, wurde 1717 um Barockelemente erweitert und ab 2013 renoviert.
Der Deutsche Wetterdient auf dem Hohenpeißenberg
Hinter der Kirche, etwas tiefer liegend, befindet sich das Gelände des Observatoriums Hohenpeißenberg. Es ist das älteste Bergobservatorium der Welt. Seit 1781 werden hier meteorologische Daten erfasst, seit 1990 ist es eine Globalstation des weltweiten Klimaüberwachungsprogramms.
Das Observatorium ist nicht öffentlich zugänglich, außer für angemeldete Gruppen und an Tagen der offenen Tür. Von dem erhöhten Standort an der Wallfahrtskirche kann man aber schon zehlreiche Meßinstrumente sehen. Besonders markant ist auch die weiße Kugel des Wetterradards auf dem Turm.
Restaurant Bayerischer Rigi
Nur wenige Meter neben der Wallfahrtskirche steht das Restaurant „Bayerischer Rigi“. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel mit guter Küche. Was es so besonders macht ist die Lage der großen Terrasse, die nach Süden zu den Alpen ausgerichtet ist. Von hier hat man auch die gesamte bayerische Alpenkette im Blick, mit der Zugspitze fast direkt gegenüber.
Der Name lehnt sich an das Bergmassiv Rigi in der Zentralschweiz an, das zwischen Vierwaldstättersee, Zugersee und Lauerzersee liegt. Durch den Rundum-Panoramablick und eine Heilquelle ist die Rigi schon seit dem 18. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel und touristisch bedeutend.
Abstieg nach Hohenpeißenberg
Zwischen Restaurant und Wallfahrtskirche beginnt der Abstiegsweg nach Hohenpeißenberg. Der Weg führt ziemlich steil in einigen Serpentinen zwischen alten Bäumen bergab. Ein schöner Weg, der im Sommer sicher noch schöner ist als mit winterkahlen Bäumen.
Da Hohenpeißenberg höher liegt als Peißenberg ist der Abstieg nicht nur von der Strecke, sondern auch nach Höhenmetern deutlich kürzer als der Aufstieg.
- Beginn des Abstiegswegs
- Blick zurück auf den Bayerischen Rigi
- Auf dem Weg nach Hohenpeißenberg
Nachdem wir den Wald verlassen haben, geht es weiter über eine Wiese bergab, wir queren eine Straße und folgen vom Aussichtspunkt „Bergblick“ mit Baum und Wegkreuz dem Pfad nach schräg rechts. Am Ortsrand angekommen geht es weiter bergab durch eine kleine Parkanlage.
Auf der Rigistraße gehen wir zur Hauptstraße. Dort nach rechts und dann an der Kirche links in die Bahnhofstraße. Dieser folgen wir noch eine ganze Zeit bis zum Bahnhof Hohenpeißenberg, von wo es mit dem Zug zurück nach Weilheim und dann weiter nach München geht.
Die Wanderung auf den Hohenpeißenberg ist schon einigermaßen lang, aber leicht und abwechslungsreich. Genau die richtige Tour für einen Frühlingstag, wenn auf den hohen Bergen noch zu viel Schnee für eine Wanderung liegt.
Dauer und Schwierigkeit:
Für den Hinweg kann man etwa zweieinhalb bis drei Stunden rechnen. Der Abstieg lässt sich in 45-60 Minuten machen. Plant einen Puffer ein, weil die Bahn ja nur stündlich fährt. Wäre blöd, die um ein paar Minuten zu verpassen. Die Wanderung ist leicht bis maximal mittelschwer. Bei trockenen Bedingungen eher leicht.
Höhenangaben:
Bahnhof Peißenberg: 600 Meter
Hoher Peißenberg / Mariä Himmelfahrt: 988 Meter
Bahnhof Hohenpeißenberg: 715 Meter
Buchtipps und Wanderkarte:
100 Bergtouren für Langschläfer Bayerische Voralpen
Kompass Wanderführer Pfaffenwinkel, Fünfseenland, Starnberger See, Ammersee
Kompass Wanderkarte 179 Pfaffenwinkel, Schongau, Weilheim
Essen und Trinken:
In den Orten und auf dem Berg im Restaurant „Bayerischer Rigi“, direkt auf dem Gipfelbereich des Hohen Peißenberg, neben der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Von der großen Terrasse aus hat man einen großartigen Blick auf die bayerischen Alpen.
Wo muss ich besonders aufpassen:
Es gibt kaum Stellen, die problematisch wären. Normale Vorsicht auf erdigen, steinigen und wurzeligen Wegen ist ausreichend. Generell sollte man immer aufpassen, wenn man auf Weidevieh trifft.
Wandern mit Hund:
Die Wanderung kann man auch gut mit dem Hund machen. Im Bereich von Galler / Oberschwaig muss man mit Weidetieren rechnen.
Wie komme ich hin?
Mit der Bahn: Von Müchen Hbf fährt man mit der RB6/RB60 in Richtung Garmisch-Partenkirchen bis Weilheim. Dort weiter mit dem RB67 Richtung Schongau bis Peißenberg BAhnhof (nicht Peißenberg Nord!). Manchmal fahren Busse. Die Fahrt dauert genau eine Stunde. Auf dem Rückweg steigt man im Bahnhof Hohenpeißenberg ein, dem nächsten Halt hinter Peißenberg.
Mit dem Auto: Von München aus auf der Garmischer Autobahn A95 bis Sindelsdorf fahren. Von dort über Huglfing nach Peißenberg fahren. Alternativ: Die A95 an der Ausfahrt Seeshaupt verlassen und über Seeshaupt und Weilheim nach Peißenberg fahren. Dort am Parkplatz Tiefstollen an der Sulzer Straße parken.
Startpunkt der Wanderung:
Peißenberg Bahnhof
Google Maps: 47.797537,11.059939
Openstreetmap: 47.797537,11.059939
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Links:
Homepage des Restaurant Cafè Bayerischer Rigi
Informationen zur Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt auf hohenpeissenberg.de, foerderverein-wallfahrtskirche.de und als PDF beim Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
Das Observatorium Hohenpeißenberg des Deutschen Wetterdienstes DWD.
Webcams des DWD auf dem Hohenpeißenberg und dem Schneefernerhaus auf der Zugspitze
GPX-Track:
Maximale Höhe: 1016 m
Minimale Höhe: 587 m
Gesamtanstieg: 523 m
Gesamtabstieg: -416 m












































