Von Wildbad Kreuth auf den Risserkogel

Wanderung: Wildbad Kreuth – Schwaigeralm – Scheuereralm – Ableitenalm – Risserkogel – Grubereck – Kreuth – Wildbad Kreuth

Diese Wanderung mit gut 1000 Höhenmetern führt uns von Wildbad Kreuth auf den 1826 Meter hohen Risserkogel. Die Wanderung ist technisch nicht besonders schwer, aber lang, so dass es schon etwas Kondition braucht. Der Höhepunkt der Tour ist der Gratweg, der vom Grubereck schmal und felsig zum Risserkogel-Gipfel führt, ohne besonders ausgesetzt zu sein. Im Aufstieg und vor allem am Gipfel erwartet uns eine fantastische Rundumsicht, die weit über die Tegernseer Berge hinausgeht. Die einzige Frage, die am Schluss bleibt: War die Rundtour die richtige Entscheidung oder hätten wir auf dem Aufstiegsweg zurückgehen sollen?

Der Risserkogel, links daneben der Blankenstein. Gut zu erkennen ist der Gratweg zum Risserkogel-Gipfel

Der Risserkogel, links daneben der Blankenstein. Gut zu erkennen ist der Gratweg zum Risserkogel-Gipfel

Von Alm zu Alm: Schwaigeralm, Scheuereralm und Ableitenalm

Vom Wanderparkplatz Wildbad Kreuth oder der nahen Bushaltestelle wandern wir zunächst auf dem breiten Fahrweg zur nahe gelegenen Schwaigeralm. Für eine Einkehr ist es nun, nach 15 Minuten Wanderung, natürlich noch viel zu früh. Wir haben immer noch 1000 Höhenmeter vor uns, also bleibt die Schwaigeralm erstmal links liegen.

Nach 15 Minuten haben wir die Schwaigeralm erreicht. Zu früh für eine Einkehr

Nach 15 Minuten haben wir die Schwaigeralm erreicht. Zu früh für eine Einkehr

Nach der Schwaigeralm trennen sich Wander- und Fahrweg, wir wandern nun auf dem schönen und deutlich schmaleren Wanderweg, der dem Lauf des Sagenbachs folgt. Der Weg kreuzt den Fahrweg und führt weiter in den Wald hinein. Höhe gewinnen wir noch nicht wirklich. Das ändert sich aber schlagartig wenige Meter, nachdem wir einen kleinen Wasserfall passiert haben.

Denn nun zweigt der Weg zum Risserkogel steil hinauf nach links ab. Die nächsten zwei Stunden und 800 Höhenmeter werden wir nun in vielen, sehr, sehr vielen Serpentinen stetig bergauf wandern. Dabei ist der Weg alles andere als langweilig. Im unteren Teil wandern wir durch den Bergwald, der uns nur manchmal kurze Blicke auf die Blauberge ermöglicht.

An der Scheuereralm

An der Scheuereralm

Auf dem Gebiet der Scheuereralm, die wir nach weniger als einer Stunde Gehzeit erreichen, wird das Gelände offener. Wir wandern über Almwiesen, treffen auf die ersten neugierigen Rinder und sehen nun auch die gesamte Blauberg-Kette vor uns.

Über den Baumwipfeln zeigen sich Buchstein und Leonhardstein

Über den Baumwipfeln zeigen sich Buchstein und Leonhardstein

Hinter uns ragen das Bergduo Roß- und Buchstein – die mit der Tegernseer Hütte in der Mitte –, sowie die Felsspitze des Leonhardsteins über die Baumwipfel hinaus.

Oberhalb der Scheuereralm

Oberhalb der Scheuereralm

Wieder geht es in den Wald, den wir erst kurz vor der Ableitenalm wieder verlassen. Nach etwa zwei Stunden Gehzeit haben wir die höchstgelegene Alm dieser Wanderung erreicht. Von hier aus haben wir schon einen richtig tollen Bergblick. Wie auch die Scheuereralm ist die Ableitenalm unbewirtschaftet, als Pausenplatz für die mitgebrachte Brotzeit bietet sie sich aber durchaus an.

Schöner Bergblick von der Ableitenalm

Schöner Bergblick von der Ableitenalm

Noch eineinviertel Stunden bis zum Gipfel verspricht der Wegweiser oberhalb der Alm. Naja, ein paar Minuten mehr werden es diesmal schon werden.

Steil führt der Weg über die Almwiesen auf den Verbindungsweg zwischen Grubereck und Risserkogel-Grat zu. Ich bin froh, dass es bewölkt ist, trotzdem scheint sie Junisonne schon kräftig auf den Weg.

Eine kleine Felsstuife, fotogen, aber leicht zu überwinden

Eine kleine Felsstuife, fotogen, aber leicht zu überwinden

Mitten auf der Almwiese will eine kleine Felsstufe überwunden werden. Sehr schön anzusehen, aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf den Gratweg zum Risserkogel-Gipfel.

Toller Blick auf den Guffert und die Blauberge im Aufstieg

Toller Blick auf den Guffert und die Blauberge im Aufstieg

Am Verbindungsweg angelangt, soll es noch eine Stunde bis zum Gipfel sein. Upps, schon ist etwas Zeit verloren. Der Weg führt laut Wegweiser über den „Alpenlehrpfad“, der hier aus mehreren Holztafeln mit kurzen Erklärungen zum Berg, Wald und Wild, Klima und Geologie besteht. Aber viel großartiger ist hier die Umgebung!

Am Abzweig oben auf dem Sattel

Am Abzweig oben auf dem Sattel

Auf dem Gratweg zum Risserkogel

Denn jetzt wandern wir schon auf einem breiten Bergrücken, der langsam in den Gratweg übergeht. Und ab jetzt ist der Ausblick wirklich sensationell. Der Blick geht über die bekannten Blauberge und weit in die Tiroler Alpen hinein, dann hinüber in die Berge des Isartals und des Karwendels.

Vor uns ragt der mächtige Klotz des Risserkogel auf, daneben der Felskamm des Blankensteins. Und weiter links sehen wir die Wege, die vom Wallberg über den Setzberg herführen. Dahinter dann die weiteren Berge des Mangfallgebirges mit dem markanten Wendelstein als Fixpunkt.

Sehr gut ist der felsige Grat zu erkennen, der sich durch den Bergwald und die Latschenfelder als gezackte Linie bis zum Gipfel zieht. Ziemlich schmal und ausgesetzt sieht er von hier aus aus. Aber, eine gute Nachricht: So ist es gar nicht. Wenn man wenige Minuten später erstmal auf dem Gratweg ist, wirkt er ganz anders.

Dabei gibt es ein paar wenige Stellen, an denen es tatsächlich steil bergab geht, besonders zu Beginn des Weges. Aber auch hier geben die griffigen Felsen genug Halt für Füße, Hände und Augen, um den Weg gut begehbar zu machen.

Auf nahezu der gesamten Länge des Gratwegs wachsen links und rechts Latschenkiefern, die den Weg optisch begrenzen, so dass er keine besonderen Anforderungen an die Schwindelfreiheit stellt.

Aber nun ist der Weg wirklich felsig. Fast auf der gesamten Strecke gehen wir über Fels, mit einigen Felsstufen, an denen man auch schon mal die Hände zu Hilfe nimmt. Gegenverkehr ist kein Problem, der Weg ist breit genug, notfalls wartet einer kurz.

In manchen Beschreibungen könnt Ihr lesen, dass schwierie Stellen am Gratweg mit Seilsicherungen versehen sind. Wir haben an einigen Stellen die Befestigungen für Seile gesehen, allerdings gab es keine Seilsicherungen. Der Gratweg ist aber auch ohne diese Hilfen gut zu gehen.

Immer wieder haben wir großartige Blicke zum Wallberg und Setzberg, zwischen denen der Tegernsee zu sehen ist. Hinunter auf den nahen Felskamm des Blankensteins und den noch tiefer liegenden, kleinen Röthensteiner See.

Wenige Meter unterhalb des Gipfel passieren wir den letzten Abzweig, hinunter zum Blankensteinsattel.

Risserkogel, 1826 Meter

Dann taucht auch schon das Gipfelkreuz zwischen den Latschen auf und wir stehen oben auf dem felsigen Gipfel des Risserkogel und genießen den Rundum-Berglick. Geschafft, was für ein Aufstieg! Der Gratweg zum Gipfel ist wirklich ein Highlight der Wanderungen rund um den Tegernsee.

Am Gipfelkreuz des Risserkogel. Im Hintergrund liegt der Tegernsee

Am Gipfelkreuz des Risserkogel. Im Hintergrund liegt der Tegernsee

Direkt vor und unterhalb des Gipfels ist genug Platz, dass alle Wanderer ihren Rastplatz finden. Jetzt ist Gipfelbrotzeit mit Bergblick angesagt.

Wir versuchen, die einzelnen Berggipfel zu bestimmen und der Wanderkollege zaubert sogar zwei Gipfelhalbe aus dem Rucksack, die er die tausend Höhenmeter heraufgeschleppt hat!

Abstieg über das Grubereck nach Kreuth

Nach einer ausgiebigen Pause am Gipfel gehen wir über den Gratweg zurück zum Sattel, steigen aber dort nicht wieder links zum Aufstiegsweg ab, sondern gehen geradeaus weiter in Richtung Grubereck.

Eine schmale Stelle des Gratwegs, hier im Abstieg

Eine schmale Stelle des Gratwegs, hier im Abstieg

Hier haben wir es irgendwie geschafft, vom Weg abzukommen und sind auf einer aussichtsreichen, aber weglosen Wiese leicht oberhalb und südwestlich des Gruberecks gelandet. Warum auch immer. Also zurück zum Weg und zum Grubereck.

Noch einmal ein Blick nach Süden

Noch einmal ein Blick nach Süden

Am Gams-Beobachtungspunkt

Der Weg führt über ein paar Felsstufen steil hinunter, wieder in den Wald und weiter zu Gams-Beobachtungspunkt. Leicht erkennbar an der würfelförmigen Holzhütte und dem Fernrohr neben der Hütte. Mit diesem soll man die Gämsen beobachten können, ohne sie zu stören und ihnen zu nahe zu kommen. Eine Tafel bietet viele Informationen zu Gämsen, eine Bank daneben dient als letzter Ruheplatz zwischen Gratweg und dem weiteren Abstieg.

Am Gams-Beobachtungspunkt

Am Gams-Beobachtungspunkt

Hier vom Gams-Beobachtungspunkt haben wir noch ein letztes Mal einen schönen Blick auf den Blankenstein, den Risserkogel und den darunter liegenden Röthensteiner See. Nur die Gams, die hat sich nicht gezeigt.

Am Gams-Beobachtungspunkt: Blick auf Blankenstein, Risserkogel und den Röthensteiner See

Am Gams-Beobachtungspunkt: Blick auf Blankenstein, Risserkogel und den Röthensteiner See

Steiler Abstieg nach Kreuth

Direkt neben dem Gams-Beobachtungspunkt zweigt der Weg hinunter nach Kreuth ab. Er führt sehr steil, über viele Wurzeln, bergab. Ein richtiger Weg ist nur teilweise zu erkennen. Orientierung bieten runde weiß-rote Tafeln an den Bäumen. Jetzt, bei trockenem Boden, ist der Weg mit Vorsicht gut zu gehen, bei Nässe ist er sicherlich ziemlich heikel. Eien ganz Zeit geht es so fast weglos bergab, dann geht es doch in einen erkennbaren Weg über, der nun auch wesentlich flacher verläuft. Kurz darauf treffen wir auch zum ersten Mal auf eine Forststraße.

Sehr steiler und fast wegloser Abstieg durch den Wald

Sehr steiler und fast wegloser Abstieg durch den Wald

Der Wanderweg kreuzt die Schotterstraße mehrfach, so dass wir immer entscheiden können, den schönen, schmalen Pfad zu nehmen, der weiter teils steinig und wurzelig bleibt, oder lieber knieschonender auf der Straße bergab zu gehen. Erst weit unten, als wir den Bach erreichen, teilen sich Straße und Weg endgültig. Die Fortstraße führt nach Kreuth und endet am nördlichen Ortsende. Wir folgen dem Wegweiser nach „Kreuth-Riedlern“, über den wir bald die ersten Häuser erreichen.

Wer mit dem Bus gekommen ist, geht geradeaus nach Kreuth hinein und zur Haltestelle. Wer in Wildbad Kreutz geparkt hat, geht an der nächsten Straßenkreuzung nach links und wandert dann auf dem Weg durch die Wiesen zurück nach Wildbad Kreuth. An der letzten Kreuzung steht dann nur noch die Entscheidung an, nach links zur nahen Schwaigeralm oder direkt nach rechts zum Parkplatz zu gehen.

Auf dem Weg nach Wildbad Kreuth

Auf dem Weg nach Wildbad Kreuth

Kreuth ist übrigens, nach Ramsau im Berchtesgadener Land, sowie Schleching und Sachrang im Chiemgau, seit dem Jahr 2018 das vierte Bergsteigerdorf in Deutschland.

Auf dem letzten Stück der Wanderung treffen wir auf diesen ungewöhnlichen Wanderwegweiser.

Auf dem letzten Stück der Wanderung treffen wir auf diesen ungewöhnlichen Wanderwegweiser.

Nun bleibt nur die Frage: Macht man die Wanderung als Rundtour oder sollte man auf dem Aufstiegsweg auch wieder absteigen? Mir persönlich hat der Hinweg, über die Ableiten- und Scheuereralm, besser gefallen. Beim nächsten Mal würde ich ihn auch als Abstiegsweg nehmen. Wegen des schöneren Weges, auf dem man dann kurz vor Schluss sogar noch ohne Umweg an der Schwaigeralm als Einkehr vorbeikommt.

Insgesamt ist die Rundtour von Wildbad Kreuth auf den Risserkogel eine wirklich großartige Wanderung mit toller Aussicht im oberen Teil. 1000 Höhenmeter und teils steile Auf- und Abstiege setzen schon etwas Kondition voraus. Im oberen Teil und auf dem Gratweg zwischen den Latschen hilft es, wenn man einen Tag wählt, der nicht zu sonnig ist.

Dauer und Schwierigkeit:
Der Aufstieg vom Wanderparkplatz Wildbad Kreuth zum Gipfel ist mit drei Stunden 45 Minuten angegeben. Das passt auch ganz gut. Dreieinhalb Stunden sind für den Abstieg nach Kreuth angegeben, dass passt auch ganz gut. Und für die Autofahrer dann noch einmal 40 Minuten nach Wildbad Kreuth. Wer mit dem Bus gekommen ist, spart sich den letzten Teil und steigt in Kreuth ein. Insgesamt haben wir also eine reine Gehzeit von etwa sieben bis siebeneinhalb Stunden, ggf. plus 40 Minuten. Die Wanderung ist durchgehend als mittelschwer (rot) gekennzeichnet, was auch gut passt. Nur wenige, kurze Stücke sind ausgesetzt, auch der Gratweg ist, bei trockenen Verhältnissen, nicht schwer zu gehen. Hier muss man auch mal mit der Hand an den Fels. Der Aufstiegsweg ist lange relativ steil, aber gut zu gehen, der Abstieg vom Gams-Beobachtungspunkt ist im oberen Teil sehr steil und verlangt auch im trockenen Zustand Konzentration.

Höhenangaben:
Wanderparkplatz Wildbad Kreuth: 800 Meter
Schaigeralm: 825 Meter
Scheuereralm: 1045 Meter
Ableitenalm: 1450 Meter
Risserkogel: 1826 Meter

Essen und Trinken:
Der Nachteil dieser Wanderung: Das Restaurant Schwaigeralm, die einzige Einkehr auf dieser Wanderung kommt schon nach einer Viertelstunde Gehzeit. Da sind wir noch nicht eingekehrt. Wer die Tour andersherum macht oder auf dem Aufstiegsweg absteigt, kommt aber kurz vor dem Ende der Wanderung direkt an der Schwaigeralm vorbei. Im Ort Kreuth oder auf dem Rückweg am Tegernsee gibt’s natürlich weitere Restaurants.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Auch wenn der Gratweg nicht besonders schwierig ist und wirkt, ist er halt doch ein Gratweg und verlangt Trittsicherheit und Aufmerksamkeit. Auch im Abstieg am Grubereck warten recht hohe Felsstufen. Der Abstieg durch den Wald nach dem Gamsbeobachtungspunkt ist sehr steil. Besonders bei Nässe ist hier, wie auch am Grat, große Vorsicht geboten. Am Gipfel gilt wie üblich Vorsicht, es geht halt nach allen Seiten recht steil bergab.

Wandern mit Hund:
Ist der Risserkogel ein Berg für Hunde? Ich bin mir nicht sicher und bin froh, dass mein Hund daheim geblieben ist. Aber wir haben mehrere Hunde getroffen. Bedenkt, dass die Tour doch sehr lang ist und man auf dem Gratweg und am Gipfel mit Hunden aufpassen muss. Im oberen Teil ist die Wanderung sehr sonnig und es gibt keine Trinkmöglichkeit. Also genug Wasser mitnehmen. Rund um Scheuereralm und Ableitenalm könnt Ihr auf Weidevieh treffen.

Wie komme ich hin?
Mit Bus und Bahn: Von München aus mit der BRB (Ex-BOB) in etwa einer Stunde bis Tegernsee fahren. Von dort mit dem Bus 9550/9556 bis Wildbad Kreuth. Auf dem Rückweg gibt es mehrere HAltestellen im Ort Kreuth. Manche Bussen enden/beginnen in Kreuth und fahren die Haltestelle Wildbad Kreuth nicht an.
Mit dem Auto: Von München ausauf der A8 bis zur Ausfahrt Holzkirchen. Auf der B318 bis Gmund, dann westlich (über Bad Wiessee) oder östlich (über Tegernsee) am Tegernsee vorbei. Weiter auf der B307 Richtung Achensee über Kreuth bis zum Wanderparkplatz Wildbad Kreuth fahren. Parkgebühr pro Tag 5 Euro (2021).

Links:
Restaurant Schwaigeralm
Die Website gams-erleben.de der Bayerischen Staatsforsten mit dem Aussichtspunkt Wallberg
Die Tegernseer Stimme zum neuen Beobachtungspunkt und zur Situation der Gams in Bayern
Das Bergsteigerdorf Kreuth bei bergsteigerdoerfer.org und bei tegernsee.com

Buchtipps und Wanderkarte:

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