Das LAVA Centre in Hvolsvöllur

Island: Das LAVA Volcano & Earthquake Centre

Auf dem Weg vom Urriðafoss zum Seljalandsfoss liegt etwa auf halber Strecke der kleine Ort Hvolsvöllur. Die Ringstraße führt am südlichen Ortsrand entlang, so dass man von Hvolsvöllur selbst nicht viel mehr als eine Tankstelle und einige Gewerbebetriebe sieht, jeweils mit großzügig dimensionierten Parkplatzen. Eines der ersten Gebäude sticht aber architektonisch heraus. Das Mitte 2017 eröffnete, fast komplett holzverkleidete LAVA Centre. Hier kann man sich in einer modernen Ausstellung über die Entstehung Islands, seine vulkanischen Ursprünge und aktuelle Vulkanausbrüche und Erdbeben informieren.

Im LAVAcentre. Die Ausbrüche der Hekla 1980 und 1981. Wer erinnert sich noch?

Im LAVAcentre. Die Ausbrüche der Hekla 1980 und 1981. Wer erinnert sich noch?

Als ich bei der Vorbereitung unseres Island-Trips auf Informationen darüber gestoßen bin, dass nur wenige Wochen vor unserer Ankunft das LAVA Center eröffnet werden sollte, war klar: Da will ich hin. Zumal schon die Website lavacentre.is mit ihren dramatischen Bildern für einen gewissen Grusel- und Schütteleffekt sorgt. Oder schüttelt es doch die Site?

Bei unserem Besuch am frühen Nachmittag waren der Parkplatz vor dem Museum und auch das Museum selbst angenehm leer.

Das LAVAcentre in Hvolsvöllur

Das LAVAcentre in Hvolsvöllur

Das mag vielleicht an den nicht gerade geringen Eintrittspreisen liegen, auch wenn ich mich zu dem Zeitpunkt schon etwas an das isländische Preisniveau gewöhnt hatte. Wir haben für einen Erwachsenen und einen Jugendlichen etwa 35 Euro Eintritt gezahlt. Etwas günstiger pro Person wird es, wenn das Museum man als Familie mit Kindern besucht, die Familienkarte kostst nur wenig mehr als unser Eintritt.

Die Ausstellung lohnt selbst lohnt sich aber auf jeden Fall. Zunächst optisch: Der Eingang in die Ausstellung führt durch einen dunklen Gang, an dessen linker Seite leuchtend rote Lava entlangwabert. Natürlich keine echte Lava, aber der Effekt ist sehr beeindruckend und auch einfach schön anzuschauen.

Auf der Wand sind die Ausbrüche der isländischen Vulkane in einem Zeitstrahl eingezeichnet. Da merkt man erst einmal, wie weit die Insel von unserem täglichen Nachrichtenstrom entfernt ist. Es gab in den letzten Jahrzehnten so viele Vulkanausbrüche auf Island, von denen man hierzulande kaum erfährt, wenn man nicht speziell an Islandthemen interessiert ist.

Der Lavagang, stimmungsvoller Einstieg in die Ausstellung

Der Lavagang, stimmungsvoller Einstieg in die Ausstellung

Meist wird nur ausführlich darüber berichtet, wenn ein Ausbruch direkte Auswirkungen über Island hinaus hat, so wie der Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010, der den Flugverkehr über Europa tagelang durcheinander brachte.

Im nächsten Raum kann man sich die Entstehung Islands über Jahrmillionen auf einem Kugelausschnitt erdrehen. Spannend, die Entstehung der Insel quasi eigenhändig zu steuern.

Die verschiedenen Arten von Vulkanen werden in einem weiteren Raum erläutert und an 3D-Modellen gezeigt. Viele Informationen, die man sich kaum alle merken kann, aber es ist auf jeden Fall sehr interessant.

Ganz spektakulär ist wieder der Raum mit der isländischen Mantelplume. Das ist sozusagen der flüssige Magmakanal, auf dem Island sitzt und aus dem Meer ragt. Man ist also gedanklich im Erdinneren und schaut an der grellroten Magmasäule empor, bis man ganz oben die Umrisse Islands sieht.

Die Mantelplume mit Island on top. Eine beeindruckende Simulation

Die Mantelplume mit Island on top. Eine beeindruckende Simulation

Im ersten Moment dachte ich: Da stimmt doch was nicht, das ist doch falsch herum? Bis mir einfiel, dass ich ja diesmal von unten auf Island schaue und nicht von oben, wie auf einer Landkarte.

Ein weiterer Raum wird komplett von Videoleinwänden ausgefüllt, so dass das Bild größer als das menschliche Sichtfeld ist, was eine gewisse Anspannung und Unsicherheit erzeugt. Denn jederzeit kann es im Raum unheilvollend grollen und irgendwo auf der riesigen Leinwand bricht einer der großen isländischen Vulkane aus. Interessant ist, wie unterschiedlich sich die Ausbrüche der verschiedenen Vulkanarten vollziehen.

Einen Vulkanausbruch direkt erleben kann man im Raum mit den Videowänden

Einen Vulkanausbruch direkt erleben kann man im Raum mit den Videowänden

Im nächsten Gang kann man auf einem Rüttelboden einen Eindruck davon bekommen, wie sich ein Erdbeben anfühlt. Und es gilt, einen Tunnel zu durchqueren, in dem eine Vulkanaschewolke simuliert wird.

Neben den verschiedenen Räumen des Museums gibt es noch einen Kinoraum, in dem ein etwa zwanzigminütiger Film über Vulkanausbrüche gezeigt wird. Da der Film nahezu komplett (oder komplett, ich weiß es nicht mehr) auf Sprache verzichtet, kann man sich ganz den beeindruckenden Bildern hingeben.

Etwas schade war, dass die Informationen im Museum nur auf Isländisch und Englisch verfügbar sind. Gerade bei dem geologischen Informationen sind doch schon einige Fachbegriffe dabei, die man nicht unbedingt schon kennt. Auf den Infotablets hätte man auch weitere Sprachen hinzufügen können. Aber vielleicht kommt das noch.

Direkt im Gebäude des LAVA Centre befinden sich noch ein großes Cafe und Restaurant sowie ein ebenfalls recht großer Souveniershop, in dem man typische isländische Wollerzeugnisse und natürlich auch diverse Mitbringsel und Andenken findet.

Insgesamt hat uns der Besuch im LAVA Centre wirklich gut gefallen. Besonders, da wir noch relativ am Beginn unserer Reise waren, hat uns der Besuch die Urspünge der Insel näher gebracht. Ich kann den Besuch trotz des recht hohen Preises empfehlen, wobei das Kombiticket für Museum und Kino ganz gut ist.

Interessantes Detail:
Im großen Foyer läuft auf einem Bildschirm der Straßenzustandsbericht von safetravel.is. Das haben wir an mehreren Orten gesehen. Es lohnt sich, die dazugehörige App auf dem Smartphone zu installieren, was man schon zu Hause machen kann. Wenige Wochen, nachdem wir dort waren, mussten Teilabschnitte der Ringstraße im Süden nach Überschwemmungen mehrere Tage lang komplett gesperrt werden. Auch über Starkregen, Sturm, Schnee oder andere Wetterereignisse informieren Website und App.

Wo finde ich das LAVA Centre?
Das LAVA Volcano & Earthquake Centre liegt im Süden von Island, direkt an der Ringstraße, am Ortsbeginn von Hvolsvöllur. Wenn Ihr vom Ort Selfoss oder vom Golden Circle in Richtung Seljalandsfoss oder Vík í Mýrdal fahrt, kommt Ihr direkt daran vorbei. Hier findet Ihr das LAVA Centre in Hvolsvöllur auf Google Maps.

Links:

Homepage des LAVA Centre lavacentre.is
Ein Artikel zum LAVA Centre auf island-ringstrasse.de
Der Aufbruch des Eyjafjallajökull
Nachrichten über Island auf Deutsch gibt es bei icelandreview.com/de

Buchtipps und Wanderkarte:

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