Wanderung zu dem Gumpen von Purcaraccia

Wandern auf Korsika: Cascades de Purcaraccia

Korsika ist für seine vielen Badegumpen berühmt und die allerschönsten sollen bei den Cascades de Purcaraccia zu finden sein. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Es ist wahr, die Gumpen und Wasserfälle des Purcaraccia sind wunderschön und der Weg dorthin ist eine tolle Wanderung über große Felsen, die auch mal kleine Kraxeleinlage erfordern. Wnderbaren Blicke auf die umliegenden Berge und in das glasklare Wasser der Gumpen sind garantiert. Ihr solltet auf jeden Fall Badesachen und Picknick mitnehmen.

Smaragdgrünes Wasser: Die Gumpen der Cascades de Purcaraccia

Smaragdgrünes Wasser: Die Gumpen der Cascades de Purcaraccia

Schon die Anfahrt vom Ort Solenzara an der Südostküste Korsikas in die Berge zum Bocca di Larone ist ein Erlebnis für alle Mitfahrer. Während der Fahrer durch die vielen Kurven und Serpentinen auf der meist angenehm breiten Straße kurbelt, können sich die Beifahrer kaum sattsehen an den bizarren Felsbergen, den Schluchten und Felsen entlang der Strecke.

Für die Fahrt über die 17 Kilometer lange Strecke schenke ich Euch noch einen Ohrwurm, den wir vor uns hingesummt haben. Textlich leicht angepasst, die Melodie findet Ihr bestimmt schnell:

La Purcaraccia, la Purcaraccia,
Ya no puede caminar,
porque no tiene,
porque le falta Marihuana que fumar.
La Purcaraccia, la Purcaraccia …

Helle Felsberge am Beginn der Wandertour

Helle Felsberge am Beginn der Wandertour

Der Bocca di Larone ist eine Kuppe auf 608 Metern Höhe mit einem Parkplatz. Hier ist der Ausgangspunkt der Wanderung zu den Cascades de Purcaraccia. Direkt auf der Bocca di Larone befindet sich ein Parkplatz, weitere Möglichkeiten gibt es entlang der Straße, die wir nun etwa 300 Meter bergab gehen, bis zur nächsten Spitzkehre.

Der Beginn des Wanderweges in der Kurve

Der Beginn des Wanderweges in der Kurve

Hier führt der Weg zu den Cascades in den Wald hinein. Zuerst geht es auf gleicher Höhe unter einem dichten Blätterdach auf sandigem Boden durch den Wald, der ab und zu Ausblicke auf die Berge auf der anderen Talseite zulässt.

Zunächst führt der Weg durch einen Wald

Zunächst führt der Weg durch einen Wald

Doch schon bald verändert sich der Weg deutlich. Jetzt gibt es weniger Wald, wir wandern nun überwiegend in der Sonne. Vor allem ändert sich aber der Untergrund. Der Weg führt nun über Felsen. Erst laufen wir über nebeneinander gelegte, behauene Felsen, als ob wir über eine Mauer am Hang wandern.

Jetzt wird der Weg schon felsiger und aussichtsreicher

Jetzt wird der Weg schon felsiger und aussichtsreicher

Dann wird der Weg immer natürlicher und felsiger. Ab und zu nehmen wir auch mal die Hand zu Hilfe. Oft sind es dicke Äste von Bäumen, die als Haltegriffe dienen. Die Äste sind wie blankgeschliffen von abertausenden von Händen, die hier schon vor uns zugegriffen haben.

Der Felsweg zu den Kaskaden des Purcaraccia

Der Felsweg zu den Kaskaden des Purcaraccia

An manchen Stellen geht es hangseitig steil bergab, der Pfad selbst bleibt aber immer gut zu gehen. Eine Stelle, auf der es etwa 10 oder 20 Meter über schräge Felsplatten geht, lässt sich unterhalb umgehen. Insgesamt führt der Weg etwas bergab zu den Gumpen. An einer Stelle sehen und hören wir den Purcaraccia-Bach noch ein ganzes Stück unterhalb des Weges.

Wasserfall an der ersten Purcaraccia-Gumpe

Wasserfall an der ersten Purcaraccia-Gumpe

Nach etwa 40 Minuten erreichen wir die erste Gumpe. Hund Mikki freut sich, wir halten unsere Füße ins Wasser und sind begeistert von der Umgebung. Das Tal ist hier nur wenige Meter breit, zwischen teils riesigen Felsen fällt der Purcaraccia-Bach als kleiner Wasserfall in ein großes, smaragdgrün leuchtendes Becken, das groß genug ist, um darin zu schwimmen. Von manchen Felsen kann man sogar ins Becken springen.

Purcaraccia Hundeglück

Purcaraccia Hundeglück

Einige dicke Felsen teilen das Becken. Über die Felsen ganz am Beginn des Beckens wechseln wir nun von der rechten auf die linke Talseite. Unter einem großen Felsdach führt der Weg nun bergauf, wir gehen oberhalb des Wasserfalls weiter begauf.

Über die großen Felsen führt der Weg weiter zu den nächsten Gumpen

Über die großen Felsen führt der Weg weiter zu den nächsten Gumpen

Der folgende Weg zu den nächsten Becken und weiter bergauf zu den Becken oberhalb des großes Wasserfalls ist nicht leicht zu beschreiben. Ich habe im Web auch einen Artikel gesehen, in dem sich der Autor beklagt, dass der Weg im Rother Wanderführer nicht eindeutig beschrieben ist. Es ist aber auch nicht leicht.

Das große Felsdach, unter dem der Weg entlangführt

Das große Felsdach, unter dem der Weg entlangführt

Wegmarkierungen oder gar Wegweiser gibt es auf der gesamten Strecke nicht, dafür aber, besonders im oberen Bereich, etliche Abzweigungen. Orientieren kann man sich an anderen Wanderern, an Trittspuren (je mehr, desto besser), und an den von vielen Händen blank geschliffenen dicken “Griffästen”.

Ein Blick von oben in die leuchtend grünen Gumpen

Ein Blick von oben in die leuchtend grünen Gumpen

Grundsätzlich würde ich sagen, dass man im Zweifel über den weiteren Weg eher nach rechts gehen sollte. Hier merkt man nach wenigen Metern, dass man entweder am Bach ist oder der Weg nicht weiterführt. So kann man sich nicht zu weit versteigen. Denn der Weg führt immer bergauf, aber man muss sehen, nicht zu weit nach oben zu laufen. An einigen Stellen wird man die Hände zu Hilfe nehmen.

Rutschen beim Canyoning durch die Schlucht

Rutschen beim Canyoning durch die Schlucht

An der zweiten Gumpe, schon deutlich oberhalb der ersten, konnten wir einer Canyoning-Gruppe zusehen, wie sie über eine vom Wasser geformte Rutsche in das tiefer gelegene Becken gerutzscht und geflogen sind. Wow, das kostet Überwindung! Und es sieht schmerzhaft für den Rücken aus, aber offensichtlich hatten alle viel Spaß, als sie erstmal unten waren.

EIn Blick über mehrere Becken des Purcaraccia

EIn Blick über mehrere Becken des Purcaraccia

Auf der anderen Seite ist eine wirklich riesige glatte Felswand, in Jahrtausenden durch das Wasser geschliffen. Rechts ist der schmale Wasserfall, links hängen zwei Seile herunter und unten steht schon die nächste Canyoning-Gruppe. Und da kommt auch schon, sehr vorsichtig, ein Mann im Neoprenanzug über die Kante und seilt sich ab.

Das sieht nicht spektakulär aus wie das Rutschen, kostet aber sicher extreme Überwindung. Zumal ich auch nicht sehen kann, dass er irgendwie gesichert ist, als er sich am Seil herunterklettert. Aber es geht alles gut.

Die breite Felswand oben am Purcaraccia-Bach ist wohl etwa 20 Meter hoch

Die breite Felswand oben am Purcaraccia-Bach ist wohl etwa 20 Meter hoch

Am oberen Ende des Wasserfalls sind noch einmal mehrere große Badebecken und große, glattgeschliffene Felsen, die als Sonnenbank genutzt werden. Sicher mehr als 50 Leute sonnen sich hier, baden und geniessen die unglaublich schöne Umgebung. Am Ende des Beckens fällt der Wasserfall in die tiefer gelegene Gumpe.

Die oberen Badebecken des Purcaraccia

Die oberen Badebecken des Purcaraccia

Man kann den Weg wohl als Rundweg gehen, wir nehmen aber unseren Hinweg auch als Rückweg, mit dem Wendepunkt an den oberen Becken der Cascades de Purcaraccia.

Die Felsen sind ideal zum Sonnenbaden, Abkühlung gibt's im Badebecken

Die Felsen sind ideal zum Sonnenbaden, Abkühlung gibt’s im Badebecken

Der Rückweg ist zunächst noch eindeutig, am unteren Becken haben wir uns dann aber etwas verstiegen, als wir nicht rechzeitig die Talseite gewechselt haben. Eine Steilstufe bergab und wieder hinauf haben wir dann aber die Querung doch wieder gefunden.

Ab da ist der Weg dann wieder gut zu sehen. Die Felsplatten wieder unterhalb umgangen, danach ist der Weg dann wieder völig klar zu gehen.

Der Talschluss kurz hinter dem oberen Purcaraccia-Wasserfall

Der Talschluss kurz hinter dem oberen Purcaraccia-Wasserfall

Der Ausflug zu den Badegumpen der Cascades de Purcaraccia ist ein echtes Erlebnis. Eine unglaublich beeindruckende Natur mit schroffen Bergen, riesigen, glattgeschliffenen Felsen und Felswänden, dem mal kristallklaren, mal leuchtend grünen Wasser des Bachs. Eine echte Traumtour, die Wandern und Baden verbindet!

Übrigens: Wer zu faul zum Wandern ist oder sich den Weg nicht zutraut: Entlang der Straße gibt es noch ein paar weitere Badestellen: Direkt unterhalb vom “U Gaglioli” und “U Rosumarino” Richtung Solenzara sowie “U Ponte Grossu” Richtung Bocca Larone.

Wellenspiel in einer der Gumpen

Wellenspiel in einer der Gumpen

Dauer und Schwierigkeit:
Wir waren insgesamt sechs Stunden unterwegs. Aber wie man sich denken kann, waren auch viele und lange Pausen dabei. Etwa 45 Minuten kann man für die Strecke von der Straße bis zur ersten Gumpe einplanen, im Hin- wie im Rückweg. Die weiteren Wegstücke sind jeweils nur etwa 10 bis maximal 15 Minuten lang. Von den sechs Stunden war somit höchstens die Hälfte Gehzeit.

Der Weg ist am Anfang sehr leicht, dann felsiger und auf ganz kurzen Stücken leicht ausgesetzt. Im Verlauf des Weges muss man auch immer wieder die Hände zu Hilfe nehmen, um über größere Stufen rauf- oder runterzukommen. Andererseits haben wir auch einige Personen getroffen, die nicht so aussahen, als wenn sie passionierte Wanderer wären. Auch ältere und deutlich übergewichtige Mitwanderer und Badefreunde haben die Strecke offensichtlich gut geschafft. Die Wegfindung ist teilweise nicht ganz einfach. Im Rother Wanderführer wird der Weg als roter Weg mit leichter Kraxelei beschrieben.

Höhenangaben:
Solenzara: Knapp über 0 Meter
Bocca di Larone: 608 Meter
Höhenunterschied insgesamt: ca. 200 Meter

Essen und Trinken:
Auf dem Weg nicht. Solenzara ist ein Touristenort mit einigen Raustrants, Bars und auch Supermärkten. Auf dem Weg ist noch die Snackbar “U Gaglioli”, die aber nur sehr einfaches Essen, Eis am Stiel und Getränke bietet.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Grundsätzlich kann man sich im Bereich der Gumpen versteigen und dann in problematisches Gebiet kommen. Ein paar Stellen sind leicht ausgesetzt. Der Weg führt oft am Hang entlang, es besteht also teilweise Absturzgefahr, wenn es blöd läuft. Schuhwerk mit griffigen Sohlen ist auf jeden Fall empfehlenswert. Bei Regen oder Gewittergefahr würde ich die Wanderung nicht unternehmen. Wer von Felsen in die Gumpen springen möchte, sollte sich vorher die Einsprungstelle genau ansehen, wie immer bei Sprüngen in natürliche Gewässer! Das klingt jetzt alles gefährlich, aber wie schon oben geschrieben: Die Gumpen ziehen nicht nur richtige Wanderer an, sondern auch viele Ausflügler, die vor allem Baden wollen.

Der Hund ist entspannt

Der Hund ist entspannt

Wandern mit Hund:
Wir waren mit Mikki unterwegs, dem die Strecke richtig Spaß gemacht hat. Über einige höhere Felsstufen mussten wir ihn heben. Mehrere größere Hunde, die wir auf dem Weg ebenfalls gesehen hatten, konnten diese problemlos überklettern oder überspringen. Die Gumpen sind auch für Hunde ideal zum Trinken und Baden.

Die Bocca di Larone auf 608 Metern Höhe

Die Bocca di Larone auf 608 Metern Höhe

Wie komme ich hin?
Nur mit dem Auto. Auf der “T 10”, der Küstenstraße im Osten von Korsika bis Solenzara (Sari-Solenzara) fahren. Am nördlichen Ortsende, direkt an der Brücke, führt die Straße “D 268” ins Inselinnere. Der Straße bis zum Bocca di Larone folgen. Dort ist ein größerer Parkplatz. Weitere Parkmöglichkeiten entlang der Straße. Ob diese legal sind, weiß ich nicht, sie werden aber fleissig genutzt.

Entspannung an den mittleren Becken

Entspannung an den mittleren Becken

Links:
Weitere Fotos und Informationen auf deutsch findet Ihr auf diesen Seiten:
Korsika.fr
Paradisu.de
Schoenebergtouren.de
Badestellen in der Solenzara bei Paradisu.de

Buchtipps und Wanderkarte:

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Traumhafte Bilder von einer wirklich tollen Insel – und mit dem Wetter hast du ja scheinbar auch noch echtes Glück gehabt!

    Liebe Grüße!
    Sandra

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