Drei Tage auf dem Altmühltal-Panoramaweg

Kletterwald, Kanufahren und Fossilien suchen im Altmühltal

Ich sitze auf einem Felsen hoch über dem Altmühltal, esse meine Brotzeit, trinke meine Apfelschorle und bin zufrieden. Am Tag zuvor bin ich im Altmühltal angekommen, jetzt denke ich daran, was ich schon alles erlebt habe und was wohl noch kommen wird. Und ich geniesse das Panorama hier am Rand der Gungoldinger Heide. Drei Tage werde ich im Naturpark Altmühltal verbringen, jetzt ist etwa Halbzeit.

Drei Tage im Altmühltal. Natürlich fahre ich auch ein Stück mit dem Kanu auf der Altmühl

Drei Tage im Altmühltal. Natürlich fahre ich auch ein Stück mit dem Kanu auf der Altmühl

Einige Meter hinter mir sitzt eine Familie in einem übergroßen Holz-Liegestuhl und schaut wie ich auch, über das weite Tal. Auf dem Nachbarfelsen, etwa zwanzig Meter entfernt, sitzen zwei Mädchen und machen Hausaufgaben. Ein schöner Platz zum Lernen.

Ich sitze oberhalb des kleinen Ortes Pfalzpaint. Ein Dorf wie auf der Modelleisenbahn. Von oben sieht man gut, dass die Straße wohl mal durch das Dorf verlief, jetzt aber an ihm vorbeigeführt wird. Aber viel ist nicht los auf der Staatsstraße, nur zwei Traktoren knattern Richtung Gungolding.

Unter mir fließt die Altmühl, direkt daneben verläuft der Altmühltal-Radweg, auf dem ich jetzt eine Gruppe Radfahrer sehe. Radfahren werde ich an diesem Wochenende nicht, obwohl das Altmühltal als Radwandergebiet sehr beliebt ist. Der Radweg führt fast immer flach an der Altmühl entlang, ideal zum Genussradeln und für Familien.

Mein Blick vom Felsen auf das Altmühltal und Pfalzpaint

Mein Blick vom Felsen auf das Altmühltal und Pfalzpaint

Mindestens genauso bekannt ist die Altmühl aber zum Bootswandern. Mit dem Kanu kann man über mehrere Tages-Etappen fast die gesamte Altmühl befahren. Auf dem Weg durch das Tal, kann man an vielen Orten die Anlegestellen, die Bootsanhänger und Bootshäuser sehen.

Mit dem Kanu auf der Altmühl

Auch ich bin am Morgen ein Stück auf der Altmühl gepaddelt. Nur sehr kurz, etwa eine Stunde lang, von Hagenacker zur Hammermühle. Die Altmühl gilt als der langsamste Fluß Bayerns, so konnte ich mich im Boot ganz auf die Umgebung konzentrieren, Fotografieren und die Natur um mich herum geniessen. Und wenn ich nicht gepaddelt habe und mich nur treiben ließ, war es sofort ganz ruhig und ich konnte nur noch das Gluckern des Wassers, den Wind im Ufergras oder den Ruf eines Vogels hören. Es ist ein wunderbares Naturerlebnis!

Mein Kanu, mit dem ich von Hagenacker zur Hammermühle fahre

Mein Kanu, mit dem ich von Hagenacker zur Hammermühle fahre

Was habe ich sonst noch erlebt, zwischen Fraitagvormittag und jetzt, Samstag, am frühen Nachmittag? Angekommen bin ich nach gut anderhalb Stunden Zugfahrt von München in Pappenheim. Ein netten kleiner, leicht verschlafener Ort mit einer schönen Innenstadt, die von der Burg Pappenheim überragt wird. Die bekannte Weidenkirche von Pappenheim habe ich nur im Vorüberfahren gesehen, auch die Burg habe ich nicht besucht.

Kurz vor dem Ausstieg an der Hammermühle

Kurz vor dem Ausstieg an der Hammermühle

Wie so oft, wenn man eine ganze Landschaft in ein paar Tagen kennenlernen möchte, bleibt zu wenig Zeit für längere Besuche einzelner Stationen. Aber das kann man erste Eindrücke sammeln, sich vieles merken und später intensiver nachholen.

Im Waldklettergarten Pappenheim

Gleich nach der Ankunft haben wir zunächst den Waldklettergarten Pappenheim besucht und ich habe mich an zwei der Routen versucht. Die Routen 1 und 2 gelten als leicht. Ich fand sie, im Vergleich zu den Einstiegsrouten in anderen Kletterwäldern, schon relativ anspruchsvoll. Tolle Elemente sind dabei, vor allem im „Mittelalter“-Parcour mit Wagenrädern, einer Fassrolle und herabhängenden Stangen mit Speerspitzen als Hindernissen.

Im Waldklettergarten Pappenheim. Die Räder des Mittelalter-Parcours

Im Waldklettergarten Pappenheim. Die Räder des Mittelalter-Parcours

Durch das Saferoller-System, bei dem man im gesamten Parcour fest mit dem Sicherungsseil verbunden ist, ist ein Ausklinken unmöglich. Daher können auch Kinder die Routen sicher gehen. Für sportliche Kletterwald-Fans ist der Waldklettergarten Pappenheim auf jeden Fall eine echte Empfehlung!

Im Waldklettergarten Pappenheim

Im Waldklettergarten Pappenheim

Besuch bei Archaeopteryx und Co. – Das Museum Solnhofen

Neben dem Wandern auf dem Altmühltal-Panoramaweg bin ich immer wieder auf die Steinbrüche, Fossilien und den Jurakalk gestoßen. Das ist ein ganz zentrales Thema im Altmühltal. Der Solnhofener Plattenkalk ist bekannt als Baustoff, aber auch für die darin eingeschlosseneen Fossilien.

Diese habe ich mir zunächst im Museum Solnhofen, einem der wichtigsten Fossilien-Museen überhaupt, angesehen. Das Museum ist vor kurzem neu renoviert worden. Durch ein Farbsystem erkennt man gleich, welchen Teil der Ausstellung man gerade besucht: Das offene Meer, das küstennahe Meer, Lagunen, Archipelinseln oder die Welt des Urvogels Archaeopteryx und anderer Dinosaurier.

Ein Urfisch im Museum Solnhofen

Ein Urfisch im Museum Solnhofen

Vor 150 Millionen Jahren war, wo heute Europa liegt, das Urmeer Thetys. Und das Gebiet des heutigen Altmühltals war eine Atoll-Landchaft, die voll von Meerestieren war. Das Wasser muss sehr salzhaltig, still und wohl auch sauerstoffarm gewesen sein, denn die Tiere sind zu unglaublich beeindruckenden Fossilien versteinert. Bei manchen Fossilien kann man sogar Weichteile, den Mageninhalt oder Kriechspuren als Teil der Versteinerung sehen. Feine Strukturen wie Schuppen, Hautflügel oder Federn sind zu erkennen. Auch wenn ich mir als Laie nicht alle wissenschaftlichen Erläuterungen merken konnte, ist ein Besuch im Solnhofener Museum sehr beeindruckend.

Von dem als „Urvogel“ bekannten Archaeopteryx wurden übrigens bisher nur zwölf Exemplare gefunden, alle in den Steinbrüchen im Altmühltal. Weltweite Bekanntheit hat der Archaeopteryx erlangt, weil sein erster Fund im Jahr 1861 als wichtige Bestätigung der Evolutionstheorie von Charles Darwin gilt, die er zwei Jahre zuvor aufgestellt hat. Der Archaeopteryx stellt den Übergang von den Sauriern zu den Vögeln dar, da er Merkmale beider Arten besitzt. Großartig, was man in einem Museum in einem kleinen Ort im Altmühltal für wissenschaftliche Sensationen findet!

Ein zweites Museum im Altmühltal, in dem man Fossilien bewundern kann, ist das Jura-Museum auf der Willibaldsburg über Eichstätt.

Auf der Suche anch dem Archaeopteryx – im Besuchersteinbruch

Nur zwölf Archaeopteryxe bisher? Das kann nicht so bleiben, da muss ich doch gleich in den Steinbruch und das 13. Exemplar freilegen. Oben hatte ich ja schon geschrieben, dass das Altmühltal von Steinbrüchen geprägt ist. Das stimmt nur so halb, denn die Steinbrüche befinden sich nicht im Tal, wie etwa Kiesgruben, sondern sie sind oben auf den Bergen, die das Altmühltal umgeben. Die hellen Steinbrüche und die mit den Jahren immer dunkler werdenden Abraumhalden daneben sind an vielen Stellen des Altmühltals und der Nebentäler anzutreffen.

Die gewerblich genutzten Steinbrüche darf man natürlich aus Sicherheitsgründen nicht betreten, aber es gibt einige Besuchersteinbrüche, in denen man selbst nach Fossilien suchen kann. So habe auch ich im Steinbruch gesessen, mit Hammer und Meißel Steinplatten geteilt, was erstaunlich leicht geht, und die geöffneten Platten auf Versteierungen abgesucht.

Im Fossiliensteinbruch. Mein Werkzeug und ein Teil meiner Ausbeute

Im Fossiliensteinbruch. Mein Werkzeug und ein Teil meiner Ausbeute

Auf einen echten Archaeopteryx-Fund habe ich nicht wirklich gehofft, aber ich hatte schon ein wenig Hoffnung, einen kleinen versteinerten Ammoniten zu finden. Den habe ich leider nicht gefunden, aber kleine Seesternchen und Seespinnen und versteinerten Fisch-Kot, der genauso aussieht wie das, was Wattwürmer an der Nordsee hinterlassen. Man muss nehmen, was man kriegt.

Dazu, das findet man wirklich im Überfluss, wunderschön verzweigte Strukturen, die aussehen wie versteinerte Algen. Aber es ist nur eisen- und manganhaltiges Wasser, dass hier zu pflanzenartigen Gebilden auf den Steinplatten erstarrt ist.

Da habe ich schon eine ganze Menge an meinen ersten anderthalb Tagen im Altmühltal erlebt, als ich dort oben zufrieden auf meinem Felsen sitze und meine Apfelschorle trinke. Und ich habe noch gar nichts vom Altmühltal-Panoramaweg erzählt. Und nichts von den Orten und dem Essen. Das folgt dann in den weiteren Teilen, zusammen mit Römern, einem weltweit einzigartigen Becher, einer Menge Burgen und noch weiteren Dinos. Zunächst aber wandere ich von Pappenheim nach Solnhofen und weiter nach Mörnsheim.

Wie kommt man hin?
Grob gesehen liegt das Altmühltal etwa auf halber Strecke zwischen München und Nürnberg. OK, näher an Nürnberg, etwas nördlich von Ingolstadt. Es zieht sich von Gunzenhausen im Westen über Heidenheim, Treuchtlingen, Pappenheim, Solnhofen, Eichstätt, Kinding, Beilngries bis nach Kelheim im Osten.

Von München aus ist das Altmühltal sowohl mit dem Zug als auch mit dem Auto schnell zu erreichen. Je nach Zielort kann man mit etwa eineinhalb bis zwei Stunden Fahrzeit rechnen, sowohl mit dem Zug Richtung Treuchtlingen oder Richtung Nürnberg, als auch mit dem Auto, wo manm üblicherweise über die A9 bis Kinding fährt und von dort ins Altmühltal abbiegt.

Links:
Naturpark Altmühltal
Waldklettergarten Pappenheim
Museum Solnhofen
Jura-Museum Eichstätt

Buch und Wanderkarte:

Das Wochenende im Altmühltal habe ich im Rahmen des #ttwandern auf Einladung der Top Trails of Germany und des Naturparks Altmühltal verbracht.

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde die Idee mit dem Kanu durchs Altmühltal zu fahren wirklich wunderschön. Ironischerweise wohn ich echt nur wenige Kilometer entfernt. Kann mir mal irgendjemand sagen, warum ich es nicht einfach mal mache????? Naja vielleicht klappt es ja nächstes Jahr, es scheint ja wirklich ganz toll zu sein!

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