Von Gfäll zum Waldschmidthaus und auf den Rachel

Wanderung: Gfäll – Waldschmidthaus – Rachel – Rachelkapelle – (Rachelkapelle – Rachelsee) – Gfäll

Die leichte Wanderung führt auf den Großen Rachel, den höchsten Berg im Nationalpark Bayerischer Wald. Wir wandern hier in einer Berglandschaft, die wohl kaum jemanden unbeeindruckt lässt. Auf der weiten Ebene unterhalb des Gipfels hat vor etwa 25 Jahren der Borkerkäfer weite Teile des Fichtenwaldes zerstört. Noch heute stehen hunderte tote Fichtenstämme entlang des Weges auf dem kahlen Plateau. Ein ebenso unwirtlicher wie faszinierender Anblick. Und mitten drin steht das gemütliche Waldschmidthaus.

Das Waldschmidthaus, das 100 Meter unterhalb des Rachel-Gipfels steht

Das Waldschmidthaus, das 100 Meter unterhalb des Rachel-Gipfels steht

Die Tour auf den Rachel wird eine eher kurze Wanderung, die auch keine Schwierigkeiten beinhaltet. In einer bis eineinhalb Stunden wandern wir von Gfäll aus hinauf zum Waldschmidthaus. Der Gipfel ist noch einmal zwanzig Minuten und hundert Höhenmeter entfernt.

Auf dem Gipfel angekommen, kann man sich entscheiden, ob man auf dem Hinweg wieder absteigt oder die Rundwanderung über die Rachelkapelle und den Rachelsee macht, wodurch die Wanderung schon zur Tagestour wird.

Eine Wanderkarte aus Holz, das gibt es auch nicht überall!

Eine Wanderkarte aus Holz, das gibt es auch nicht überall!

Die Straße nach Gfäll ist im Sommer tagsüber gesperrt, nur die Igelbusse fahren Gfäll regelmäßig von Spiegelau aus an.

Das möchte ich gleich einmal lobend hervoheben: Das Bus- und Bahnnetz im Bayerischen Wald ist ganz hervorragend auf die Bedürfnisse der Wanderer zugeschnitten. Und wer in der Gegend übernachtet und damit eine Gästekarte hat, fährt sogar kostenlos!

Ein breiter Wanderweg führt durch den Wald auf den Rachel

Ein breiter Wanderweg führt durch den Wald auf den Rachel

Direkt vo der Haltestelle aus folgen wir dem „Rundweg Auerhahn“ bergauf. Der breite Weg führt stetig und sogar recht steil durch den Wald hinauf. Immer wieder sehen wir entlang des Weges umgestürzte Bäume, von Schwämmen bewachsene Baumleichen und viele Farne und Moose.

Durch den Wald wandern wir hinauf zum Rachel

Durch den Wald wandern wir hinauf zum Rachel

Wir kommen an eine felsige Stelle mit Bank, an der ein kleiner Bach unter dem Weg hindurch fließt. Auf einer Tafel wird an einen Ehrenvorstand der Waldvereinssektion Spiegelau erinnert. Was uns die Tafel auch verrät: Es ist noch eine dreiviertel Stunde bis zum Gipfel.

An der Gedenkstelle für Josef Schuster

An der Gedenkstelle für Josef Schuster

Den weiteren Weg wird Josef Schuster, an ihn wird auf der Tafel erinnert, wohl völlig anders erlebt haben als wir. Denn nur wenige Minuten, nachdem wir die Tafel passiert haben, erreichen wir nach einer Linkskurve den Bereich, der vom Borkenkäfer befallen war. Der Weg wird nun immer flacher, später komplett eben.

Abgestorbene Fichen auf dem Rachel, hier hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet

Abgestorbene Fichen auf dem Rachel, hier hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet

Bis zum Waldschmidthaus werden wir nun durch diese Landschaft wandern, die aus Gräsern, niederen Büschen, Farnen und toten Bäumen besteht. Hunderte, tausende von Fichtenstämmen ragen in den Himmel. Die Äste sind abgebrochen und hängen nur noch als kurze Aststücke am kahlen Stamm. Andere Bäumen sind umgestürzt, die Wurzeln ragen in die Luft.

Dieses Bild ist wirklich gespenstisch, vor allem, wenn noch ein Nebelschleier über der Landschaft liegt. Gleichzeitig entsteht auf den kahlgefressenen Flächen und den toten Baumstämmen neues Leben.

Anstelle der alten Fichtenmonokultur wächst hier ein Mischald heran, in dessen Wachstum und Artenvielfalt der Mensch nicht eingreift. Noch fällt es allerdings schwer, sich vorzustellen, dass der Rachel irgendwann wieder komplett bewaldet sein kann.

Auf dem Weg zum Waldschmidthaus

Auf dem Weg zum Waldschmidthaus

Das Waldschmidthaus

Wir erreichen das erste Ziel unserer Wanderung, das 1912 errichtete Waldschmidthaus, die höchstgelegene Schutzhütte des Nationalparks. Offiziell heißt es Rachelschutzhaus, aber auch auf Karten und Wegweisern findet man immer nur den Namen Waldschmidthaus. Früher konnte man hier auch übernachten, aufgrund von Mängeln im Brandschutz ist das aktuell nicht möglich. Von Mitte Mai bis Ende Oktober ist das Haus wieder bewirtschaftet.

Vor dem Waldschmidthaus leuchtet das flache Gebüsch orangerot

Vor dem Waldschmidthaus leuchtet das flache Gebüsch orangerot

Einst stand das Waldschmidthaus inmitten des Fichtenwaldes der den Rachel bedeckte. Als in den neunziger Jahren aber der Borkenkäfer in der Gegend war, hat er sehr erfolgreich dafür gesorgt, dass man von den Tischen vor dem Haus Fernsicht über den Bayerischen Wald hat.

Hier kann man bei gutem Wetter rasten, bei schlechtem Wetter sind die Plätze an der verglasten Veranda die schönsten. Oder man bleibt im Gastraum, wo sich auch die Speisen- und Getränkeausgabe befindet.

Am Waldschmidthaus auf 1360 Metern Höhe

Am Waldschmidthaus auf 1360 Metern Höhe

Beim kräftigen, auch vegetarischen, Essen und einen großen Stück Kuchen wärmen wir uns wieder auf, denn im Herbst kann der Wind schon richtig kalt über den Rachel stürmen.

Blick hinunter zum Rachelsee

Nur wenige Meter neben dem Waldschmidthaus befindet sich ein Aussichtspunkt, von dem aus wir auf den etwa 400 Meter tiefer gelegenen Rachelsee blicken, der komplett von Wald umgeben ist. Wir wollen nun weiter zum Gipfel aufsteigen.

Der Blick hinunter zum Rachelsee

Der Blick hinunter zum Rachelsee

Zum Rachel-Gipfel

Nur wenige Meter hinter dem Waldschmidthaus beginnt der etwa zwanzigminütige Aufstieg zum Gipfel. Über teils steile Felsstufen führt der Weg knapp einhundert Höhenmeter hinauf. Auch auf diesem Abschnitt hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet. Wieder säumen unzählige tote Fichtenstämme den Weg.

Auf dem Weg zum Gipfel des Rachel

Auf dem Weg zum Gipfel des Rachel

Der Gipfel des Rachel liegt etwas neben dem Weg. Über ein paar Felsblöcke gelangen wir zum Gipfelkreuz. Der Felsbereich zieht sich weiter aus dem Wald heraus.

Je weiter man auf den Blöcken hinaus geht, umso beeindruckender wird der Weitblick über den Nationalpark Bayerischer Wald und den Nationalpark Šumava auf tschechischer Seite. Der Rachel liegt nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt.

Das Gipfelkreuz auf dem 1453 Meter hohen Rachel

Das Gipfelkreuz auf dem 1453 Meter hohen Rachel

Als wir den Rachel besuchen, ist es ziemlich diesig und kalt, darum halten wir uns nicht so lange auf und kehren auf dem Aufstiegsweg wieder zurück zur Bushaltestelle Gfäll. Alternativ kann man auch dem Rundweg Auerhahn weiter folgen und so die komplette Auerhahn-Runde machen.

Gipfelblick vom Rachel

Gipfelblick vom Rachel

Variante: Abstieg über Rachelkapelle und Rachelsee

Ein steiler Abstieg über viele Felsstufen führt uns wieder in den Wald hinein, wo wir kurz darauf die Rachelkapelle erreichen. Die kleine Holzkapelle dient als Schützhütte. Wir haben einige Zeit dort in der Kapelle gesessen und das Ende eines Starkregens abgewartet.

An der Rachelkapelle, in der wir den Regen abgewartet haben

An der Rachelkapelle, in der wir den Regen abgewartet haben

Von der Hütte aus blickt man über die Rachelseewand hinunter auf den Rachelsee. Die erste Kapelle wurde hier im Jahr 1885 errichtet und stand dort bis nach dem 2. Weltkrieg. Dann brannte sie ab, ebenso wie ihr Nachfolgebau zu Beginn der siebziger Jahre.

Wieder wurde die Rachelkapelle neu aufgebaut. Wegen Baufälligkeit wurde aber auch dieser Bau ersetzt. Die aktuelle Rachelseekapelle wurde im Jahr 2000 eingeweiht.

Die Legende der Rachelkapelle

Nach der Legende ist ein bayerischer Forstbeamter auf seinem Pferd im dichten Nebel durch den Wald am Rachel geritten. Als das Pferd plötzlich scheute und sich nicht mehr zum Weitergehen antreiben ließ, sah der Beamte nach und stellte zu seinem Entsetzen fest, dass er unmittelbar an der Steilwand der Rachelseewand stand.

Hätte sein Pferd nicht gestoppt, wären beide in die Tiefe und damit in den Tod gestürzt. Aus Dankbarkeit soll er an dieser Stelle die Rachelkapelle errichtet haben.

Auf dem Weg zum Rachelsee haben wir bunte Waldwichtel getroffen

Auf dem Weg zum Rachelsee haben wir bunte Waldwichtel getroffen

Rachelsee

Von der Rachelkapelle aus führt der Weg hinunter zum Rachelsee. Der etwa 5,7 Hektar große und bis zu 13 Meter tiefe See liegt, komplett von Wald umgeben, in einer Senke. Touristisch ist er nicht erschlossen, nur der Wanderweg führt zum See.

Am Rachelsee

Am Rachelsee

Da er durch die umgebenen Hänge auch windgeschützt ist, ist es am Rachelsee sehr ruhig. Das Wasser des Sees erscheint braun und ist sehr sauer, so dass es nur wenige Fische oder andere Wassertiere gibt.

Am Rachelsee

Am Rachelsee

Gut eineinviertel Stunden lang führt dann der Weg vom Rachelsee durch den Wald zurück zur Haltestelle Gfäll. Ein echter Hatscher zum Abschluß der Wanderung. Nach etwa zwei Dritteln der Strecke steht am Steinkopf noch einmal ein Unterstand, von dort aus geht es dann bergab zur Haltestelle.

Dauer und Schwierigkeit:
Mit eindreiviertel Stunden Gehzeit ist das Waldschmidthaus angeschrieben. Das ist wirklich großzügig gerechnet, wir haben jeweils eine gute Stunde gebraucht, bei moderatem Wandertempo. Von dort zum Gipfel sind es etwa 15-20 Minuten bergauf. Eine halbe bis dreiviertel Stunde vom Gipfel zur Rachelkapelle. Von dort sind es 20 Minuten zum Rachelsee. Von dort etwa eineinviertel Stunden zurück nach Gfäll. Insgesamt sollte man etwa viereinhalb Stunden Gehzeit einrechnen.

Wer vom Gipfel auf dem Hinweg wieder absteigt, kann mit etwa einer Stunde Gehzeit bergab rechnen. Wer den gesamten Auerhahn-Rundweg wandert, läuft etwa zehn Kilometer weit. Der Weg von Gfäll zum Waldschmidthaus ist unproblematisch und breit. Der weitere Weg des hinab zum Rachelsee und zurück zum Ausgangspunkt wird auf der Karte am Ausgangspunkt als „beschwerlicher Steig“ bezeichnet. Der Aufstieg zum Gipfel ist felsig. Der Abstieg hinunter zum Rachelsee ist zunächst ebenfalls felsig und steil, später kann er matschig sein, aber auch nicht wirklich schwer. Zurück zum Ausgangspunkt geht es auf breiten Forstwegen.

Höhenangaben:
Parkplatz Gfäll: 950 Meter
Waldschmidthaus: 1360 Meter
Gipfel Großer Rachel: 1453 Meter
Rachelkapelle: 1212 Meter
Rachelsee: 1070 Meter

Essen und Trinken:
Die einzige Verpflegungsmöglichkeit auf dem Weg ist das Waldschmidthaus, das etwa von Mitte Mai bis Ende Oktober geöffnet ist, jeweils tagsüber. Hier bekommt Ihr gute, regionale Küche, Kuchen und natürlich Getränke. Eine Einkehr kann ich sehr empfehlen.
Update 2020: Aktuell ist das Waldschmidthaus leider geschlossen!

Wo muss ich besonders aufpassen:
Der Weg zum Waldschmitthaus ist sehr leicht zu gehen. Hinauf zum Gipfel und hinunter, wenn man zur Rachelkapelle absteigt, ist bei Nässe etwas unangenehm zu gehen. Am Gipfel, am Aussichtspunkt und an der Kapelle besteht grundsätzlich Absturzmöglichkeit. Hier muss man auf Kinder und Hunde aufpassen, Erwachsene sollten aber keinerlei Probleme haben.

Das Warnschild weist eindrücklich darauf hin, dass wir im naturbelassenen Wald wandern

Das Warnschild weist eindrücklich darauf hin, dass wir im naturbelassenen Wald wandern

Wandern mit Hund:
Im Nationalpark dürfen Hunde mitgenommen werden, sie dürfen aber nicht frei laufen. Hunde müssen daher angeleint werden, „sollten sie nicht zuverlässig bei Fuß gehen“. Das musst Du dann entscheiden, ob das für Deinen Hund gilt.
Auf dem Weg gibt es ein paar Trinkmöglichkeiten. Der Weg ist auch für Hunde grundsätzlich gut zu gehen. Am Aussichtspunkt zum Rachelsee, an der Kapelle und im Gipfelbereich besteht grundsätzlich Absturzgefahr, hier solltet Ihr den Hund auf jeden Fall anleinen.
Informationen zu Hunden im Nationalpark findet Ihr auf der Seite www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de

Wie komme ich hin?
Mit Bus und Bahn: Die Waldbahn fährt bis Spiegelau, dort kann man wenige MEter weiter in den Igelbus umsteigen, der zum Starpunkt Gfäll fährt. Mit der Gästekarte fährt man kostenlos. Die Busse fahren an der Nationalpark Infostelle Spiegelau ab.
Mit dem Auto: Bis Spiegelau fahren, von der Hauptstraße in die Konrad-Wilsdorf-Straße ebbiegen und dort am Supermarkt und der Bushaltestelle vorbei rechst auf den Parkplatz fahren. Unmittelbar vor dem Parkplatz ist die Haltestelle der Igelbusse.

Mit dem Igelbus fahren wir kostenlos zum Startpunkt unserer Wanderung

Mit dem Igelbus fahren wir kostenlos zum Startpunkt unserer Wanderung

Links:
Informationen zum Waldschmidthaus
Ein Beitrag vom BR über die neuen Pächter im Waldschmidthaus
Die Wanderung auf bayerischer-wald.de
Informationen zum Borkenkäfer im Nationalpark bei bund-naturschutz.de
Der Wald-Verein Spiegelau über die Rachelkapelle
Informationen zum Rachelsee
Informationen zum Umwelt-Ticket GUTI und zu den Igelbussen

Buchtipps und Wanderkarte:

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