Lamawandern in den Ammergauer Alpen

Lamawanderung: Durch das Ammertal bei Bad Kohlgrub

Von Lamawandern und Lamatrekking habe ich seit einigen Jahren immer wieder mal gehört. Jetzt hatte ich die Möglichkeit, es einmal selbst auszuprobieren. Die eigentlich geplante längere Wanderung durch das Moor in Bad Kohlgrub ist es leider nicht geworden. Die ist buchstäblich ins Wasser gefallen, da es an den Tagen zuvor zu heftig geregnet hat. Aber auf unserer gut einstündigen Wanderung durch die Wiesen bei Bad Kohlgrub sind das Lama „Nanu“ und ich echte Kumpel geworden.

Wer kann diesem Lama-Blick widerstehen?

Wer kann diesem Lama-Blick widerstehen?

Zunächst steht einmal das gegenseitige Kennenlernen auf dem Programm. Die Lamas kennen das Spiel: Eine Gruppe aufgeregter Menschen steht am Zaun, ruft „Ooohh, sind die süüüß“ und macht Fotos. Die Lamas bleiben locker, lassen sich nichts anmerken und grasen betont unauffällig weiter. Dann kommt Bauer Franz und alle gehen in den Stall. Also Franz und die Lamas, die Menschen am Zaun erstmal nicht. Dadurch wissen die Lamas, dass sie jetzt ihr Zaumzeug umgelegt bekommen und es bald losgeht zur Wanderung mit den Menschen.

Zunächst bekommen wir einige Lama-Infos, denn die meisten Menschen wissen von Lamas genau drei Dinge: Sie sind Kamele, sie kommen aus Südamerika und man muss aufpassen, dass sie einen nicht anspucken. Und damit hat man schon den ersten Fehler gemacht, erklärt uns der Franz. Denn die gut erzogenen Lamas spucken Menschen nicht an. Aber die ersten beiden Punkte stimmen schon.

Die Lamas auf ihrer Weide

Die Lamas auf ihrer Weide

Dann erfahren wir noch, dass beim Franz auf dem Hof nur Hengste leben. In der Junggesellengruppe sind sie sehr friedliche und gutmütige Tiere, wenn jedoch eine Stute dazukommen würde, würden sich die Hengste wilde Rangkämpfe liefern, was durchaus gefährlich für die Tiere werden könnte. Also müssen die Jungs unter sich bleiben.

Lamas können etwa 25 bis 30 Jahre alt werden, die Tiere dieser Herde leben seit zehn Jahren auf dem Hof und sind auch nur wenig älter. Reiten kann man auf Lamas nicht, aber sie können als Lasttiere eingesetzt werden. Lamas sind auch bergtaugliche Tiere, die manchmal auch zur Versorgung von Berghütten eingesetzt werden. Auf der Wanderung, die wir vorhaben, werden sie jedoch einfach spazieren gehen und müssen keine Lasten tragen.

Noch etwas zögerlich schaut dieses Lama aus dem Stall …

Noch etwas zögerlich schaut dieses Lama aus dem Stall …

Damit wir uns gegenseitig etwas kennenlernen, sucht sich jeder ein Tier aus, das dann aus dem Stall geführt wird. Dann heißt es erstmal Lama striegeln, um ein wenig Nähe herzustellen und gegenseitig die Scheu abzulegen. Die Lamas ertragen alles mit stoischer Ruhe.

Sehr interessant fand ich, wie unterschiedlich die Tiere sind. Obwohl sie alle Hengste und gleich alt sind, sind sie doch deutlich unterschiedlich groß. Manche haben kurzes, glattes Fell, andere eine wild gewellte Mähne, von weiß über verschiedene Brauntöne bis zu schwarzgefleckt sind alle Fellfarben vorhanden.

Alles gut, lass uns loslaufen

Alles gut, lass uns loslaufen

Und auch charakterlich sind sie sehr unterschiedlich. Die einen stehen eher zurückhaltend im Stall, andere recken neugierig den Hals, um nichts zu verpassen oder versuchen, sich vorzudrängeln.

Nach einiger Zeit sind alle Lamas verteilt und gestriegelt, dann geht die Wanderung los. Jedes Lama wird von einem Menschen am Strick geführt. Wichtiger Tipp: Beim Laufen nicht das Lama ansehen, sondern stur in die Richtung blicken, in die man geht. Wenn man in eine Richtung geht und in die andere schaut, ist das Tier verwirrt und bleibt einfach stehen. Naja, ein wenig rüberschauen darf man schon. Ab und zu mal den Hals tätscheln und gut zureden, dann freut sich das Lama. Und der Lamaführer freut sich, dass das alles so gut klappt.

Ein Lama im Ammergau? Passt hervorragend

Ein Lama im Ammergau? Passt hervorragend

Mein Lama, „Nanu“, vielleicht auch „Nanou“, ist etwas ängstlich und möchte auf gar keinen Fall das letzte Tier in der Reihe sein, also überholen wir ein paar andere Teilnehmer. Zwei der anderen Lamas wollen unbedingt zusammen laufen. Sobald diese kleinen Fragen geklärt sind, kehrt Ruhe ein und die Gruppe bleibt in einer Reihe. Nur manchmal testen einige der Tiere, ob sie einfach stehenbleiben und etwas Gras oder Blätter fressen können.

Es hat wirklich gut funktioniert, die Lamas haben sich weder durch Motorräder, noch durch Traktoren oder einen Hubschrauber aus der Ruhe bringen lassen. Wie eine kleine Karawane sind wir durch die Wiesen gewandert, angeführt natürlich von der jüngsten Teilnehmerin unserer Gruppe, die mit ihren neun Jahren sichtlich stolz ihr Lama und die ganze Karawane geführt hat.

So eine Wanderung mit Lama ist eine ganz entspannte Sache. Das Tempo ist gemächlich, so dass man auch genügend Zeit hat, sich die Umgebung anzusehen. In unserem Fall das Ammertal, ein weites, sanft geschwungenes Tal, flankiert von den Bergen der Ammergauer Alpen. Dadurch, dass man ein Tier führt, konzentiert man sich ganz auf den Moment, für anderes ist erstmal kein Platz mehr. Zumindest, wenn man Lamawander-Anfänger ist. Echte Erholung also.

Unsere Gruppe wandert durch das Ammertal - Foto: Aljona Timakova

Unsere Gruppe wandert durch das Ammertal – Foto: Aljona Timakova

Nach der Wiesenrunde führt uns der Weg am Sportplatz vorbei in den Ort, auch auf den Straßen im Ort bleiben die Lamas ganz locker und gehen fast von selbst zurück in Richtung Bauernhof, ihrer Weide entgegen. Nach etwa einer Stunde haben wir unsere kleine Wanderung beendet. Üblicherweise dauert die Schnupperwanderung zwei Stunden, aber wegen des regendurchnässten Bodens haben wir ja auf die Runde durch das Moor verzichtet.

Wie war es? Sehr schön. Lamawandern ist eine ganz andere Art des Wanderns, langsam, aber stetig, immer mit dem Tier an der Leine. Immer wieder mal habe ich davon gelesen, aber wahrscheinlich wäre es doch nicht dazu gekommen, dass ich es mal ausprobiert hätte. Jetzt hatte ich die Gelegenheit auf einer Gruppenreise, die von der Zugspitz-Region ausgerichtet wurde.

Wo kann man Lamawandern?

Mittlerweile gibt es einige Bauernhöfe im bayerischen Alpenraum, die Lamawanderungen und Lamatrekking anbieten. Wir waren in Bad Kohlgrub in den Ammergauer Alpen, bei Franz Ebert. Eine Lamawanderstunde kostet dort ab 30 Euro, wobei dieser Preis auch gilt, wenn mehrere Personen teilnehmen. Auf der Homepage http://www.lamatrekking-langkaspar.de findet Ihr weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten.

Buchtipps und Wanderkarten:

Diese Lamawanderung habe ich im Rahmen einer Reise der Zugspitz Region und Kunz PR gemacht, zu der ich eingeladen war.

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wow! Was für eine schöne Beschreibung… Ich habe Lust gleich in die Ammergauer Alpen aufzubrechen und ebenfalls eine Lamawanderung zu machen… Darüber nachgedacht habe ich ebenfalls schon häufig, aber fand es immer etwas absurd in Bayern eine Lamawanderung zu machen. Aber wie Du ja anfänglich schreibst könnte man auch glauben, dass es einfach eine Lamawanderung mit Bayern ist…;-))

  2. Das Eingangsfoto des Berichtes – einfach goldig. 😀
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es einfach Freude macht, die Tiere kennenzulernen und mit ihnen wandern zu gehen. Würde mich auch einmal interessieren. Danke für den tollen Bericht. Hat Spaß gemacht ihn zu lesen.
    Viele Grüße
    Conny

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