Steinernes Meer: Vom Königssee zum Kärlingerhaus am Funtensee

Hüttenwanderung Steinernes Meer, Tag 1: Wanderung von St. Bartholomä am Königssee über die Saugasse zum Kärlingerhaus am Funtensee

Im Nationalpark Berchtesgaden, oberhalb des Königssees und in Sichtweite zum Watzmann, liegt das Steinerne Meer. Auf dieser Mehrtageswanderung sind wir durch eine steinerne Mondlandschaft, aber auch durch sattgrüne Wälder und entlang des gewaltigen Watzmanns gegangen. Über breite Wanderwege, schmale Pfade und über große Felsbrocken führte unsere Strecke. Zwischendurch wurde auch mal geklettert und wir haben viele hundert Höhenmeter überwunden.

Das Kärlingerhaus am Funtensee, im Hintergrund das markante Schottmalhorn

Das Kärlingerhaus am Funtensee, im Hintergrund das markante Schottmalhorn

Diese Wanderung ist auch der Gegenbeweis für den Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung“. Ich kann Euch sagen: Die Kombination aus Dauerregen und Nebel ist Mistwetter. Auch wenn man trocken und recht warm aus seinen Regensachen schaut, ist und bleibt es Mistwetter. Sommer-Mistwetter übrigens im Juli 2011.

Aber sogar bei Regen und Nebel ist das Steinerne Meer eine ungeheuer faszinierende Gegend. Ich glaube, zumindest in den nördlichen Alpen gibt es wohl keine vergleichbare Landschaft. Auf der ersten Etappe haben wir das Steinerne Meer allerdings noch gar nicht gesehen, hier ging es hauptsächlich durch den Wald.

Ein kurzer Hinweis vorweg: Wie bei der letztjährigen Hüttentour auf dem Berliner Höhenweg ist auch diese Tour nicht leicht. Vor allem die Etappe am letzten Tag schätze ich auch als nicht kindgerecht ein. Deshalb stehen hier auch wieder die Fotos im Vordergrund. Der Weg vom Königssee zum Kärlingerhaus ist aber für größere, konditionsstärkere Kinder möglich, wenn man dort übernachtet.

Die dreitägige Wandertour in das und durch das Steinerne Meer mit insgesamt vier Etappen beginnt ganz gemütlich. Wir wollen vom Königssee zum Kärlingerhaus am Funtensee. In Schönau an der nördlichen Spitze des Königssees finden wir uns mitten in einem bayerischen Touristen-Freizeitpark wieder. Souvenierstände in denen Trachtenhüte und Janker, Schinken, Holzwaren und Salzlampen verkauft werden, liegen links und rechts des Weges zum Bootsanleger. Ein Großteil dieser Souveniers dürfte in japanischen und amerikanischen Wohnzimmer-Vitrinen landen. Wer mag, kann sich mit Bratwürsten für die kommende Bootsfahrt stärken. Aber da müssen wir jetzt durch, denn das ist der Weg zum Königssee und dem Bootsanleger.

St. Bartholomä am Königssee

St. Bartholomä am Königssee

Dann fahren wir mit einem der flachen Elektroboote von Schönau nach St. Bartholomä. Etwa auf der Hälfte der Strecke gibt es das berühmte und wirklich sehr beeindruckende Trompetenecho. Der Bootsführer gibt einige launige Informationen über den Königssee, das kleine Elektroboot fährt gemütlich zur berühmten Anlegestelle St. Bartholomä mit der noch berühmteren Kapelle. Dorthin führt keine Straße, aber zu Fuß kann man dorthin kommen und natürlich auch von dort weg.

Das machen wir nun, in Richtung Süden geht es am Ufer entlang. Nach wenigen Schritten ist der touristische Trubel vorbei und die Wanderung beginnt wirklich.

Über ein ausgetrocknetes Bachbett geht es an einem kleinen Strand entlang, dann führt der Weg 412 über einen Bach und in den Wald. Jetzt geht es recht steil bergauf. Über einen Betonweg gewinnen wir schnell Höhe und sind nach wenigen Minuten deutlich oberhalb des Sees. Der letzte Ausblick auf den grünen Königssee, ein beeindruckender Wasserfall und schon geht es, jetzt fast eben, am Bach entlang in den Wald hinein.

Die Schrainbachalm

Die Schrainbachalm

Nach einer guten Stunde und den ersten 250 Höhenmetern sind wir an der verfallenen Schrainbachalm angekommen, einer kleinen alten Hütte. Auf der Bank vor der Hütte kann man gut rasten.

Wir gehen allerdings noch ein Stück weiter. Erst über den Bach und in den wilden Wald hinein, in dem umgestürzte Bäume und moosbewachsene Felsbrocken für eine mystische Urwald-Stimmung sorgen. Bis hierhin war die Wanderung trotz des steilen Anstiegs am Beginn eher gemütlich.

Auf einer Lichtung, mit einer Steilwand im Rücken, rasten wir auf ein paar Felsbrocken, die die richtige Sitzhöhe haben. Denn jetzt, nach etwa zwei Stunden Wanderung, kommt der berühmte und gefürchtete Abschnitt des Weges, die Saugasse. Technisch ist sie auch sehr leicht, der Weg ist breit genug und gut zu gehen.

Die Saugasse, von oben gesehen

Die Saugasse, von oben gesehen

Aber die Saugasse ist ein Wegabschnitt, der sich in über 30 Serpentinen steil bergauf zieht. Laut Wikipedia sind es 600 Meter, auf denen man 300 Höhenmeter bergauf macht. Entsprechend ist dieser Serpentinenweg konditionell sehr anstrengend. Die Serpentinen in der Saugasse ziehen sieht immer enger, da links und rechts riesige Felswände immer näher zusammenrücken, je höher man gelangt.

Oben angekommen wird der Weg schmaler und man geht über das Gebiet der Oberlahneralm. Dieses Gelände ist üppig bewachsen und sicher sehr schön, wenn es nicht gerade wie aus Kübeln schüttet.

Dann schließt sich die kleine Saugasse an. Wieder geht es bergauf, allerdings nicht mehr so steil wie in der großen Saugasse. Da einem diese aber noch in den Beinen steckt, zieht einem die kleine Saugasse doppelt Kondition aus den Beinen. Aber nun geht es auf einem bequemen, leicht bergab führenden, Weg weiter bis zum Kärlingerhaus.

Dieses zeigt sich allerdings erst, als es nur noch etwa 100 Meter entfernt ist. Als wir um eine Ecke biegen, sehen wir es plötzlich. Begleitet von den Anfeuerungspfiffen einiger Murmeltiere, die auf den umliegenden Wiesen stehen, geht es dem ersten Hüttenabend und der ersten Übernachtung im mächtigen Kärlingerhaus am Funtensee zu.

Die Zimmer im Kärlingerhaus sind recht spartanisch, wir finden nicht mal einen Kleiderhaken. Aber irgendwie bekommt man alles unter. Das Essen passt sich an, es macht satt, aber Sterne können wir nicht vergeben. Man merkt, dass es eine Schutzhütte im ursprünglichen Sinn ist, ohne Verbindung über eine Forststraße oder Materialseilbahn. Auszeichnungen gibt es auch nicht für die große schwäbische Gruppe, die gleich nach dem Essen ihre Liederfibel hervorkramt und laut und inbrünstig, aber auch leicht schräg, deutsche Volkslieder zum Besten gibt. Aber Kondition haben sie. So viel, dass wir beschließen, auch den Gastraum im neueren Seitentrakt zu besuchen, bevor es in die Zimmer geht.

Der Funtensee ist auch vielen Nicht-Bergfreunden gut bekannt. In seinen Wetterberichten hat Jörg Kachelmann ihn früher öfter mal erwähnt, weil es sich hier um einen extremen Ort in Deutschland handelt. Der Funtensee gilt als der kälteste Ort Deutschlands. Da er in einer Senke liegt, die komplett von Bergen umgeben ist, kann sich im Winter die kalte Luft hier sammeln und nirgendwohin abfließen, sodass man irgendwann extrem niedrige Temperaturen messen kann. Etwa -45 Grad Celsius machen den Funtensee zum kältesten Ort Deutschlands. Der See ist schön gelegen, aber recht klein, nur das Kärlingerhaus direkt oberhalb des Sees sorgt wohl dafür, dass er nennenswert Besucher bekommt. Daher gehen wir am zweiten Tag auch direkt am Ufer vorbei, weiter durch das Steinerne Meer zum Riemannhaus.

Höhenangaben:
Schönau am Königssee: 630 Meter
St. Bartholomä: 618 Meter
Schrainbachalm: 866 Meter
Kärlingerhaus: 1638 Meter
Funtensee: 1601 Meter

Links:
Bayerische Seenschifffahrt – Königssee
St. Bartholomä
Kärlingerhaus
Nationalpark Berchtesgaden
Funtensee

Google Maps Karte:

Buchtipps und Wanderkarte:

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Uli,

    toller Bericht, freue mich auf die nächsten Tage.
    Finde es toll, dass du die Saugasse nicht so schlecht darstellst wie es manch andere tun. Ich mag diesen Abschnitt sehr; schneller Untergrund und eine konstante, wenn auch steile, Steigung.

    Die Sache mit der schwäbischen Gruppe ist natürlich nicht so toll. Ich hätte ihre Liederbücher im Funtensee versenkt ;-).

    Viele Grüße

    Steve

  2. Hallo Steve,

    ich hatte auch aufgrund der Beschreibungen wirklich Sorge, was mich in der Saugasse erwartet, aber es ist ein sehr guter Weg. Er zieht sich, ist steil und kostet Kraft, aber nichts, wovor man sich fürchten müsste. Liederbücher in den Funtensee, dass wir da nicht drauf gekommen sind! 😉
    Ich will sehen, dass ich bis zum Wochenende den zweiten Teil fertig habe.

    Viele Grüße,
    Uli

  3. Danke für den tollen Bericht.
    Ich habe diese Tour auch mal vor diese Tour zu gehen.
    Sehr schöne Bilder.
    Viele Grüße
    Thomas

  4. Hi,

    der Bericht ist gut gemacht.
    Was man halt bedenken muss, man geht in die Berge –
    da muss man einfach mit allem rechnen.

    2010 bei der Almer Wallfahrt im August (von Maria Alm via
    Riemannhaus – Kärlinger Haus nach St. Bartholomä – an einem Tag)
    hat es sogar geschneit !

    2011 im August wieder bei der Almer Wallfahrt war die Saugasse ein kompletter Bach – die Wände ein riesiger Wasserfall – und dazu hat es noch geblitzt und gedonnert

    So ist es halt bei uns in den Bergen

    Gruß

    Hubert

    P.S. Früh aufstehen – am Königssee tummeln sich im August massenhaft Touristen (bei uns auch genannt „Pr…“)

  5. Hallo Hubert,

    ja, wir wussten, welches Wetter uns in etwa erwarten würde und waren entsprechend ausgerüstet. Aber man hofft ja immer, dass es doch besser wird. Bei uns dann erst am dritten Tag.

    Schnee hätte ich da nicht gebraucht, aber es war sehr eindrucksvoll dort oben.

    Vielen Dank für den Hinweis zur Almer Wallfahrt. Das ist eine beeindruckende Strecke für einen Tag und sicher eine besondere Erfahrung.

    Das „Pr…“ steht für Prachtkerle, oder? 😉

    Viele Grüße,
    Uli

  6. Danke für den guten und auch sprachlich angenehmen Bericht. Mein Beileid fürs Wetter; ich habs besser getrofen. Doch nach der Saugasse war ich trotzdem naß vom Schweiß. War aber ok. Der Urwald vorher war auffällig schön. Ansonsten gibt der Bericht sehr gut die Tour wieder. Ich finde, dass sie ausgesprochen vielschichtig und erfreulich ist. Bei St. Bartholomä kann man sehr schön Fisch aus dem Königsee essen und geräuchert mitnehmen. Der Chef fischt selber. *lasse!*

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