Wanderung vom Seegatterl zum Straubinger Haus und auf das Fellhorn

Wanderung: Reit im Winkl Seegatterl – Nattersbergalm – Hemmersuppenalm – Eggenalm/Straubinger Haus – Fellhorn – Hindenburghütte – Seegatterl

Der Aufstieg in Bayern, der Genuss in Tirol, so ist das bei dieser Wanderung vom Seegatterl bei Reit im Winkl hinauf auf das Fellhorn. Der Großteil des Weges liegt in Bayern, das Straubinger Haus und der Gipfel des Fellhorns liegen aber schon knapp jenseits der Grenze. Obwohl das Fellhorn mit 1765 nicht besonders hoch ist, bietet es ein hervorragendes Gipfelpanorama. Und beim Abstieg wartet dann schon die Hindenburghütte. Wer keine tausend Höhenmeter aufsteigen mag, kann sich auch den unteren Teil der Wanderung durch einen Pendelbus zur Hütte sparen.

Am Gipfelkreuz des Fellhorn, mit Blick auf den Watzmann und die Loferer Steinberge

Am Gipfelkreuz des Fellhorn, mit Blick auf den Watzmann und die Loferer Steinberge

Ein kurzer Hinweis vorweg: Bei Oberstdorf im Allgäu gibt es ebenfalls einen Berg, der Fellhorn heißt. Hier geht es um das Fellhorn im Chiemgau, auf das wir von Reit im Winkl gewandert sind.

Natürlich hatten Mikki und ich den Ehrgeiz, das Fellhorn „by fair means“ zu besteigen. Ohne auf die roten Pendelbusse mit den beeindruckend großen Reifen zurückzugreifen. Wer diese Busse vom Ortszentrum in Reit im Winkl hinauf zur Hindenburghütte nimmt, spart sich ziemlich genau die Hälfte der tausend Höhenmeter dieser Wanderung.

Wandermöglichkeiten gibt es hier genügend, heute wollen wir auf das Fellhorn

Wandermöglichkeiten gibt es hier genügend, heute wollen wir auf das Fellhorn

Wir fahren aber zum großen Parkplatz Seegatterl, den Parkplatz der Seilbahn hinauf zur Winklmoosalm und zum Skigebiet Steinplatte. Für einen normalen Wandertag im Spätsommer oder Herbst ist er deutlich überdimensioniert, Parkplatzsorgen haben wir also keine. Tipp: Auf dem Parkplatz nach ganz nach rechts hinten durchfahren, weg von der Seilbahnstation, denn dort beginnt der Wanderweg.

Aufstieg durch den Herbstwald

Aufstieg durch den Herbstwald

Zunächst geht es entspannt auf einem breiten Weg durch den Wald und schon nach etwa 20 Minuten erreichen wir die Nattersbergalm. Jetzt schon einzukehren, wäre etwas verfrüht, so passieren wir die Alm nur auf dem schmaler Pfad an der Weide entlang, der uns wieder in den Wald führt.

Die Nattersbergalm, noch ist es zu früh für eine Einkehr

Die Nattersbergalm, noch ist es zu früh für eine Einkehr

Teils auf der Forststraße, teils über schmale Wege führt der Weg nun in knapp einer Stunde durch den Herbstwald hinauf zur Hemmersuppenalm.

Ein Marterl am Wegesrand: Hier verunglückte Herr Joseph Speckbacher am 18.12.1903 im Alter von 25 Jahren

Ein Marterl am Wegesrand: Hier verunglückte Herr Joseph Speckbacher am 18.12.1903 im Alter von 25 Jahren

Die weite Almfläche der Hemmersuppenalm passieren wir an der östlichen Seite. Auf unserer Winterwanderung über die Hemmersuppenalm sind wir hier auf dem Premium-Winterwanderweg von der Hindenburghütte aus gewandert.

Auf der Hemmersuppenalm

Auf der Hemmersuppenalm

In Richtung Südwesten gehen wir an einigen Almhütten und Almweiden mit Kühen vorbei. Nach rechts zweigt der Weg zur Anna-Kapelle und weiter zur Hindenburghütte ab. Wir gehen weiter geradeaus und halten uns am linken Rand der Wiese, auf der sich der Weg fast verliert. Weiter oberhalb am Hang wird er wieder gut sichtbar.

Etwas oberhalb der Hemmersuppenalm zewigt sich der Chiemsee

Etwas oberhalb der Hemmersuppenalm zewigt sich der Chiemsee

Schmal führt er bergan durch den Wald und wieder auf Almflächen, nun schon auf Tiroler Seite. Irgendwo im Wald verlief die Grenze zwischen Bayern und Tirol, Deutschland und Österreich, die wir unbemerkt passiert haben.

Im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol

Im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol

Wir wandern durch ein sehr lichtes Waldstück mit großen, von Felsblöcken durchsetzten Wiesen. Der Weg wird nun steiniger, verzweigt sich manchmal, bleibt aber gut zu gehen. Wir erreichen nun das Gebiet der Eggenalm. Dann sehen wir die Kapelle des Straubinger Hauses, zum Haus selbst sind es wieder ein paar Meter bergab.

Am Straubinger Haus auf der Eggenalm

Am Straubinger Haus auf der Eggenalm

Knapp drei Stunden nach unserem Start am Seegatterl sind wir nun am Straubinger Haus angekommen. Ich gönne mir auf der sonnendurchflutete Terrasse eine Suppe, Mikki bekommt einen Knochen. So sitzen wir dort und geniessen den Blick auf den Unterberg und das Kaisergebirge, bevor wir zum Fellhorn-Gipfel aufbrechen.

Auf dem Aufstiegsweg zum Fellhorn-Gipfel

Auf dem Aufstiegsweg zum Fellhorn-Gipfel

Die Entscheidung, vor dem Gipfelaufstieg einzukehren, sollte sich als sehr gut erweisen, denn auf dem Rückweg waren Hütte und Terrasse deutlich voller. Über einen mittelschweren Weg geht es nun in etwa 40 Minuten teils moderat, teils steiler hinauf zum Gipfel.

Wald gibt es nun nicht mehr, der Weg führt schattenlos durch Wiesen und über Schuttrinnen mit teils größeren Felsstufen. Obwohl es schon Mitte Oktober ist, ist der Weg in der Sonne erstaunlich schweißtreibend. Gut, dass wir nicht im Hochsommer hochgehen.

Blick vom Fellhorn auf den Unterberg bei Kössen

Blick vom Fellhorn auf den Unterberg bei Kössen

Aber der Weg lohnt sich. Mit seinen 1765 Metern Höhe ist das Fellhorn wahrlich kein Bergriese, die Aussicht ist aber grandios. Direkt gegenüber sehen wir auf die Steinplatte, deren Name sich hier sofort erschließt. Eine breite schiefe Ebene, die auf senkrecht abfallenden Steinwänden ruht. Dahinter sind Watzmann, der große Hundstod und der Untersberg zu sehen.

Der Blick hinüber zur Steinplatte. Im Hintergrund die Berchtesgadener Alpen mit dem Watzmann

Der Blick hinüber zur Steinplatte. Im Hintergrund die Berchtesgadener Alpen mit dem Watzmann

Über die Loferer Steinberge, Großglockner und Großvenediger schwenkt der Blick dann über die Zillertaler Alpen hinüber zum Wilden und Zahmen Kaiser und wieder zum Unterberg bei Kössen. Der Rundumblick wird von den Chiemgauer Bergen vervollständigt: Wendelstein, Kampenwand, Hochgern und Hochfelln.

Auf eine rPlatte sind die markantesten Gipfel verzeichnet, die man vom Fellhorn aus sieht

Auf eine rPlatte sind die markantesten Gipfel verzeichnet, die man vom Fellhorn aus sieht

Alleine ist man hier oben nicht, aber der weite Gipfelbereich bietet genug Platz für viele Wanderer. Eigentlich könnten wir hier noch ein paar Stunden im Gras liegen, aber der Rückweg wird lang und die Dämmerung kommt mittlerweile schnell. Also kehren wir um und gehen auf dem Aufstiegsweg zurück zum Straubinger Haus und von dort aus direkt wieder in Richtung Hemmersuppenalm.

Kurz nachdem wir wieder die Grenze passiert haben, wechseln wir aber den Weg und gehen auf direktem Weg zur Hindenburghütte, am Sulzner Kaser vorbei. Ich nehme Mikki kurz an die Leine, denn zu Beginn des Weges gibt es im Boden einige karstige Felsen mit tief ausgewaschenen Felslöchern.

Karstige Spalten am Weg, aber Mikki lässt sich nicht beeindrucken

Karstige Spalten am Weg, aber Mikki lässt sich nicht beeindrucken

Ob dieser Weg eine gute Wahl war? Es geht über schmale Pfade hinunter durch den Wald, an vielen Stellen ist der Weg sehr matschig und glitschig. Unser Aufstiegsweg, der uns wieder zur Hemmersuppenalm und von dort zur Anna-Kapelle und zur Hindenburghütte geführt hätte, wäre etwas weiter, aber dennoch vermutlich schneller gewesen.

Vom Sulzner Kaser aus ist mir der Weg wieder bekannt. Es ist der Weg, den wir auch auf der Winterwanderung gegangen sind. Nur jetzt in anderer Richtung und auf Asphalt statt im Schnee.

Kurz vor der Hindenburghütte

Kurz vor der Hindenburghütte

Bevor wir die Hindenburghütte sehen könne, hören wir bereits die Blaskapelle, die im Biergarten spielt. Nur noch wenige Meter und wir lassen uns dort ebenfalls auf eine Brotzeit nieder. Die Kapelle bekommt von den Gästen einige Schnapsrunden spendiert, spielt aber ihre bayerischen und böhmischen Stücke weiter sicher, ohne dass sich schiefe Töne einschleichen.

Von der Hindenburghütte geht es wieder ins Tal

Von der Hindenburghütte geht es wieder ins Tal

Wir machen uns an den Abstieg. Knappe anderthalb Stunden auf der asphaltierten Verbindungsstraße zwischen Hindenburghütte und Seegatterl durch den Wald.

Um es kurz zu machen: Aussicht gibt es keine, aufregende Dinge am Wegesrand auch nicht. Der Weg ist ein echter Hatscher durch den Stangerlwald. Jetzt wünsche ich mir, wir hätten doch den Bus hinauf zur Hütte genommen. Aber dann wäre die Wanderung auch nur halb so lang gewesen und der Aufstieg war doch wirklich schön.

Als wir wieder unten am Parkplatz angekommen sind, bin ich doch ganz froh, dass wir nicht abgekürzt und die tausend Höhenmeter auf uns genommen haben. Ein gelungener Bergtag hinauf auf einen hervorragenden Aussichtsberg mit gleich zwei empfehlenswerten Hütten und einer Alm liegt hinter uns.

Dauer und Schwierigkeit:
Vom Seegatterl bis zum Straubinger Haus haben wir, inklusive kurzer Pausen, knappe drei Stunden gebraucht. Vierzig Minuten zum Fellhorn-Gipfel und dreissig Minuten zurück zum Straubinger Haus. Ein Stunde zwanzig zur Hindenburghütte und wieder einszwanzig zurück zum Parkplatz. Insgesamt also drei Stunden vierzig Minuten im Aufstieg und etwas über drei Stunden Minuten im Abstieg.

Blick auf das benachbarte Kaisergebirge

Blick auf das benachbarte Kaisergebirge

Wie fast alle anderen Wege in der Gegend ist auch unser Weg kompett als roter Weg eingestuft, also mittelschwerer. Die meisten Wegstücke sind sehr gut und leicht zu gehen. Oberhalb der Hemmersuppenalm wird es etwas felsiger. Einzig unangenehmer zu gehen war im Abstieg der matschige Weg 152 zwischen Straubinger Haus und Sulzner Kaser. Da hätte sich vermutlich der Umweg über die Anna-Kapelle angeboten.

Alternative: Von Reit im Winkl, direkt bei der Touristeninformation und vom Parkplatz Blindau fahren Shuttlebusse hinauf zur Hindenburghütte. Wer diese nimmt, spart sich ziemlich genau die Hälfte der Höhenmeter und viel Zeit. Informiert Euch am besten vorab bei der Hindenburghütte oder der Tourist Info, ob die Busse fahren.

Höhenangaben:
Seegatterl: 765 Meter
Nattersbergalm: 936 Meter
Hindenburghütte: 1260 Meter
Straubinger Haus: 1551 Meter
Gipfel Fellhorn 1765 Meter

Essen und Trinken:
Das Straubinger Haus und die Hindenburghütte bieten komplette bergtypische Küche. Auch die Nattersbergalm ist bewirtschaftet, dort sind wir aber nicht eingekehrt.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Der Gipfelbereich des Fellhorns fällt zu zwei Seiten stil ab. Davon abgesehen sollte es bei normaler Vorsicht und passenden Verhältnissen keine größeren Schwierigkeiten geben. Im Sommer beim Gipfelaufstieg auf die Hitze achten.

Wandern mit Hund:
Im Bereich der Nattersbergalm, auf der Hemmersuppenalm und auch hinauf zum Fellhorm muss man mit Weidevieh rechnen. Obwohl es auf den Hütten und im Bereich der Nattersbergalm Wasser gibt, genug zu trinken für den Hund mitnehmen.

Wie komme ich hin?
Mit dem Auto: Von München aus über die A8 bis zur Ausfahrt Bernau, weiter auf der B305 über Grassau, Marquartstein und Unterwössen nach Reit im Winkl. Dort weiter auf der B305 bis zum Parkplatz Seegatterl.
Mit Bahn und Bus ist es ebenfalls möglich, von München nach Reit im Winkl zu kommen. Entweder über Traunstein und Ruhpolding oder über Prien. Dann muss man aber gut planen, denn es wird für eine Tageswanderung zeitlich schon knapp, wenn man die gesamte Strecke vom Seegatterl aus wandern will.

Zum Abschluss des Wandertages der Sonnenuntregang am Chiemsee

Zum Abschluss des Wandertages der Sonnenuntregang am Chiemsee

Links:
Die Homepages der Hütten auf dem Weg: Nattersbergalm, Straubinger Haus und Hindenburghütte
Informationen bei reitimwinkl.de

Buchtipps und Wanderkarte:

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