Island-Rundreise: Unsere Campingplätze

Auf der Ringstraße durch Island: Die Campingplätze

Da sitze ich an der Bucht in Höfn an einem Holztisch und schaue abwechselnd auf das Meer und die Cafetièra, die vor sich hinblubbert. Es riecht nach Kaffee und Seetang und ich streiche Marmelade auf eines dieser süssen isländischen Brötchen, die wir im Bónus und Krónan Supermarkt im Fünferpack gekauft haben. Campingplatzleben in Island. So kann es gerne jeden Tag sein.

Am Campingplatz Skjól im Golden Circle

Am Campingplatz Skjól im Golden Circle

Auf unserer Rundtour durch Island auf der Ringstraße haben wir elf Nächte in unserem feuerroten Schlafmobil, einem kleinen Campervan, verbracht. Wir hatten großes Glück, dass wir fast durchgehend gutes Wetter hatten. Nur ein Abend war, wie der gesamte Tag, wirklich komplett verregnet. So war es ein wirklich entspanntes Campingplatzleben.

Wild Campen auf Island?

Ein Nebeneffekt des Touristenbooms auf Island ist, dass die Regeln für das Camping strenger werden mussten. So ist das Campen mit Wohnmobilen oder Campervans iaußerhalb von Campingplätzen in Südisland nicht mehr erlaubt, was auch kontrolliert wird. Auch in anderen Regionen rund um die Ringstraße sollte man mit Fahrzeugen nicht wild übernachten. Campingplätze gibt es in Island wirklich genügend. Die Website inspiredbyiceland listet aktuell 213 Plätze auf, die über die gesamte Insel verteilt sind.

Lohnt sich die Campingcard?

Mit der Urlaubsbuchung haben wir die Campiungcard gebucht, mit der man auf etwa 40 Campingplätzen in ganz Island übernachten kann. Damals hat die Campingcard 149 Euro gekostet, 2019 kostet sie 159 Euro. Damit kann man bis zu 28 mal auf einem Campingplatz übernachten. Dabei gilt die Campingcard jeweils für einen Wohnwagen, ein Wohnmobil oder eine sonstige Wohneinheit gültig. Egal, wie viele Personen übernachten, pro Nacht zahlt man mit der Campingcard nur noch etwa 80 Cent extra.

Das macht die Kalkulation sehr leicht, denn auf nicht Campingcard-Plätzen zahlt man pro Person und die Preise variieren. Mein Sohn, damals 15 Jahre alt, galt dabei mal als Kind und mal als Erwachsener, einmal musste er auch nichts zahlen. Die Preise variiern natürlich auch pro Platz.

Das macht es auch schwer, im voraus zu kalkulieren, ob und wieviel Geld man mit der Campingcard spart. Ich vermute, dass wir ohne Campingcard insgesamt etwas mehr bezahlt hätten. Letztendlich muss man sich ausrechnen, ob man mit oder ohne Campingcard günstiger übernachtet. Für eine Familie wird sich die Campingcard wohl schneller lohnen als für uns, die wir nur zu Zweit unterwegs waren. Natürlich wird es günstiger, je mehr Übernachtungen man auf teilnehmenden Campingplätzen hat.

Aufgelockerte Wagenplatzierung in Stokkseyri

Aufgelockerte Wagenplatzierung in Stokkseyri

Ein Nachteil ist, dass nicht in allen Regionen Campingplätze zu finden sind, die mit der Campingcard kooperieren. Besonders im Südosten und direkt am Mývatn gibt es keine Plätze, die man nutzen könnte.

Alle aktuellen Informationen zur Campingcard findet Ihr unter campingkarte.is

Im folgenden stelle ich Euch kurz die Campingplätze vor, die wir mit und ohne Campingcard genutzt haben und beschreibe, wie sie uns gefallen haben.

Der Versuch, einen Platz zu reservieren

Von zu Hause aus habe ich die ersten beiden geplanten Campingplätze per Mail angeschrieben und uns angekündigt. Meine Sorge war, dass wir abgewiesen werden könnten, wenn der Platz überfüllt ist. Dazu muss man sagen, dass meine wenigen Camping-Erfahrungen aus den Niederlanden und Deutschland stammen, wo sowas schon mal vorkommen kann.

Als wir dann auf dem ersten Campingplatz ankam, war mir klar, warum ich nie eine Antwort auf meine Mails bekommen habe. Der Campingplatz war einfach eine große Wiese mit einem Holzhaus für Toilette und Dusche und einem zweiten Haus, das als Miniküche diente. Obwohl wir Mitte bis Ende August auf Island waren, war die Mehrzahl der Plätze nicht mal zu einem Drittel belegt, Platzprobleme hatten wir also nie.

Irgendwann kam ein Auto, eine Frau stieg aus und kassierte unsere 111 Kronen, etwa 80 Cent, die wir als CampingCard-Inhaber für die Übernachtung zahlen mussten.

Stokkseyri

Unser erster Campingplatz im Süden Islands. Leider nicht unmittelbar am Meer gelegen, wie ich dachte. Eine große Wiese und die erwähnten kleinen Holzhäuser. In der Küche war ein Tauschtisch, auf den man vor der Abreise angefangene Marmeladengläser, Gaskartuschen oder ähnliches für andere Gäste ablegen konnte. Eine gute Sache. Ansonsten ein ganz unspektakulärer, einfach ausgestatteter Campingplatz ohne Restauration.
Campingcard: Stokkseyri / south.is

Schlicht aber zweckmässig: Der Campingplatz Stokkseyri

Schlicht aber zweckmässig: Der Campingplatz Stokkseyri

Skjól

Dieser Campinplatz mitten im Golden Circle hat eine Besonderheit: Man kann die Ausbrüche des Strokkur beobachten. Er ist schon weit weg, aber trotzdem sind die Wasserfontäne und die Dampfwolke gut zu erkennen. Wie toll! Der Platz ist riesig und war nur wenig belegt. Und das, obwohl er genau zwischen Geysir/Strokkur und dem Gullfoss liegt!

Der Blick in Richtung Geysir. In der Bildmitte ist klein die Wasserfahne des Ausbruchs zu sehen

Der Blick in Richtung Geysir. In der Bildmitte ist klein die Wasserfahne des Ausbruchs zu sehen

Der Campingplatz hat ein Restaurant, in dem man zu islandtypischen Preisen Hamburger und Pizza bekommt. Für Kinder steht ein Spielplatz bereit. Statt auf einen Platz in einer der winzigen Duschkabinen zu warten, sind wir am Morgen lieber in das Freibad Gamla Laugin ganz in der Nähe gefahren.
skjolcamping.com / Campingcard: Skjól

Vík í Mýrdal

Ebenfalls ein sehr großer Campingplatz, der auch gut besucht war. Vík í Mýrdal ist ein kleiner Ort, der nahe an mehreren Attraktionen liegt, die wohl bei jedem Ringstraßen-Tourist auf der Liste stehen: Der Skógafoss sowie Dyrhólaey und Reynisfjara sind nah, aber auch das Flugzeugwrack ist noch ganz in der Nähe.

Wer mit dem Zelt kommt, schläft auf einer etwas höher gelegenen Wiese, die Camper bleiben unten. Das Gebäude mit Aufenthaltsraum mit Bewirtung und Selbstversorgerecke sowie Duschen war sehr voll. Nebenan waren allerdings schon neue Gebäude im Bau. Sehr sinnvoll, denn Vík í Mýrdal ist ein Campingplatz, den wohl fast jeder Ringstraßen-Fahrer ansteuert.

Der Campingplatz Vík í Mýrdal und die berühmte Kirche

Der Campingplatz Vík í Mýrdal und die berühmte Kirche

Direkt gegenüber vom Campingplatz liegen die Fabrik und der Werksverkauf des Outdoor-Bekleidungsherstellers Icewear. Im großen Outdoorladen findet Ihr auch alles, was man an Outdoor- oder Campinausrüstung in Island gebrauchen kann. Allerdings auch zu isländischen Preisen.

Im Jahr 2017 konnten wir den Campingplatz Vík í Mýrdal noch mit Campingcard nutzen, aktuell wohl nicht mehr.
vikcamping.is

Skaftafell Nationalpark

Ein großer Campingplatz, von dem aus man direkt zum Svartifoss wandern kann. Der Platz ist gut ausgestattet. Es gibt viele Duschen, die gegen eine kleine Gebühr genutzt werden können. Es gibt ein Restaurant und kleinere Essensstände. Das Skaftafell-Nationalpark Infozentrum und Anbieter von Gletschertouren sind direkt am Campingplatz-Eingang. Sehr empfehlenswert.

Dieser Campingplatz ist auch der östlichste in Südisland, den wir mit der Campingcard nutzen konnten. Aktuell ist Skaftafell nicht mehr auf der Website der Campingcard zu finden.
vatnajokulsthjodgardur.is / nat.is/skaftafell-camping

Höfn

Ein großer Campingplatz, der aus mehreren Wiesen auf verschiedenen Ebenen besteht. In der Mitte ein Gebäude mit Empfang, der auch als Kiosk dient, in dem es auch etwas Oudoorzubehör gibt. Hier kann man auch einen Platz direkt an der Bucht bekommen. Wie schön, direkt am Meer schlafen! Auch praktisch: Der Campingplatz liegt direkt im Ort, so dass man Höfn zu Fuß erkunden kann.
campercontact.com / south.is

Abendessen mit Blick auf die Bucht: Der Campingplatz in Höfn

Abendessen mit Blick auf die Bucht: Der Campingplatz in Höfn

Stöðvarfjörður

Der kleinste Campingplatz auf unserer Reise hatte den schwierigsten Namen: Stöðvarfjörður, puh. Neben ein paar Stellplätzen für Camper und einer Zeltwiese gibt es nur eine Toilette und zwei Freiluft-Waschbecken. Dafür einen Blick auf den Fjord und einen Mini-Supermarkt mit Mini-Kneipe im Ort.

Der morgendliche Ausblick in Stöðvarfjörður

Der morgendliche Ausblick in Stöðvarfjörður

Wer früh genug anreist, kann bis 18 Uhr noch das Schwimmbad im Ort nutzen, das nur drei Gehminuten vom Campingplatz entfernt ist. Eigentlich ist alles andere im Ort auch nur drei Minuten entfernt, Stöðvarfjörður ist wirklich ein kleiner Ort.
Campingcard: Stöðvarfjörður / east.is

Heiðarbær

Dieser Campingplatz ist mein Geheimtipp! Nicht nur, weil es hier einen großen Aufenfthaltsraum mit gemütlichen alten Sofas gibt. Nicht wegen der wirklich guten Burger, die man hier bekommt oder wegen des Minigolfplatzes. Sondern weil zum Campingplatz ein Pool gehört, den man kostenlos nutzen kann! Per Geothermie ist das Wasser angenehm warm aufgeheizt. Nach dem Abendessen bis abends um zehn im Pool abhängen, das ist schon Luxus-Camping. Eine große Empfehlung!
Campingcard: Heiðarbær / heidarbaer.is

Hlíð am Mývatn

Camping Mývatn ist wieder einer der großen Campingplätze. Er liegt nicht unmittelbar am See, sondern ein paar hundert Meter im Land. Was wegen der Mücken und Fliegen am Mývatn wohl auch ganz gut ist. Besonders in Erinnerung blieb mir an diesem Campingplatz das Wasser.

Ein einsames Zelt im Nebelwetter am Mývatn

Ein einsames Zelt im Nebelwetter am Mývatn

Am Mývatn ist das Wasser sehr schwefelhaltig, was sich auch auf die Körperhygiene auswirkt. Stellt Euch einfach vor, dass Ihr Euch die Zähne putzt und gleichzeitig ein mehrere Tage altes hartgekochtes Ei esst. So in etwa ist das Gefühl beim Zähneputzen am Mývatn.
myvatnaccommodation.is /

Hvammstangi

Ein Campingplatz, an den ich nicht viele Erinnerungen habe. Er liegt etwas außerhalb des Ortes auf einer Wiese. Einen Aufenthaltsraum gibt es und im Ort ist ein Seehund-Museum. Vor dem Museum sind große Gestelle, an denen getrockneter Fisch hängt. Ein, nun ja, interessanter Anblick.
Campingcard: Hvammstangi / nat.is

Fischtrocknung im Hafen von Hvammstangi

Fischtrocknung im Hafen von Hvammstangi

Snorrastadir (Eldborg)

Eigentlich wollten wir auf Snæfellsnes den Campingplatz Eldborg nutzen, der 2017 noch ein Campincard-Platz war. Was wir übersehen hatten: Der Platz, der zu einem Hotel gehört, schließt schon Mitte August, so dass wir wenige Tage zu spät waren. So mussten wir auf den Campingplatz Snorrastadir ausweichen und konnten unsere Campingcard nicht nutzen. Der Platz in Snorrastadir hat gute Duschen und eine sehr große Halle, die als Aufenthaltsraum dient. Um den Platz zu zahlen, geht man zum hundert Meter entfernten Wohnhaus und zahlt buchstäblich an der Haustür.

Vanlife. Aufgeräumt wird später.

Vanlife. Aufgeräumt wird später.

snorrastadir.is / west.is

Grindavík

Grindavík, ganz im Süden der Halbinsel Reykjanes, war der bestbesuchte Campingplatz, den wir auf unserer Reise erlebt hatten. Nicht komplett voll, aber sicher zu 80%, als wir dort waren. Entsprechend voll war es im Aufenthaltsraum. Positiv: Der Campingplatz ist sehr neu und hat sehr gute Sanitäranalgen. Tipp: Die kostenlosen Duschen sind abends deutlich weniger frequentiert als morgens. Da der Platz am Ortsrand von Grindavík liegt, gibt es auch ein paar Restaurants in Fußwegentfernung.

Auch der Campingplatz Grindavík ist aktuell nicht mehr auf der Liste der Campingcard-Plätze verzeichnet.
visitgrindavik.is / www.camping.info

Das verdiente Feierabend-leicht-bier!

Das verdiente Feierabend-leicht-bier!

Allgemeine Informationen zum Campen in Island:
guidetoiceland.is
Viele Informationen zum Zelten in Island findet Ihr auf kommwirmachendaseinfach.de
Übersicht über die Campingplätze in Island bei inspiredbyiceland.com
campingkarte.is

Buchtipps und Wanderkarte:

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