Die Steinmännchen von Laufskálavarða auf Island

Laufskálavarða: Ein Bauernhof, ein Vulkan und Glück für die Reise

Schon bevor wir nach Island geflogen sind, haben wir es in unseren Reiseinformationen gelesen: Baut keine Steinmännchen, wenn Ihr in Island seid! Es gibt auch gute Gründe, warum die Isländer nicht wollen, dass man als Tourist Steinmännchen errichtet. Aber einen Platz haben wir auf unserer Reise doch noch gefunden, wo die kleinen Steintürme ihr Refugium auf Island gefunden haben: Laufskálavarða.

Der Lavahügel Laufskálavarða im Mýrdalssandur

Der Lavahügel Laufskálavarða im Mýrdalssandur

Auf unserer Fahrt von Vík í Mýrdal in den Skaftafell Nationalpark haben wir zum ersten Mal einen Eindruck von der menschenleeren Weite der isländischen Landschaft bekommen. Island ist generell dünn besiedelt, aber östlich von Vík wird es richtig leer. Die Ringstraße durchquert nun den Mýrdalssandur und den Skeiðarársandur. Dazwischen liegt als einziger Ort Kirkjubæjarklaustur, an dem man den bekannten Kirkjugólf besuchen kann, den Boden aus sechseckigen Basaltsteinen.

Ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Vík í Mýrdal und Kirkjubæjarklaustur liegt an der Ringstraße ein Parkplatz, unmittelbar nach der Abzweigung der Straße 209 nach Hrifunes. Wir haben eher zufällig auf diesem Parkplatz angehalten, um uns die weite, flache Landschaft des Sanders genauer anzusehen. Und sind dabei genau am Laufskálavarða gelandet.

Im Mýrdalssandur

Im Mýrdalssandur

Warum die Isländer keine Steinmännchen mögen

Man liest immer wieder, dass man in Island keine Steinmännchen bauen soll. Die Isländer gehen davon aus, dass alles in der Landschaft seinen Platz hat, weshalb man möglichst wenig verändern soll. Und auch nachfolgende Besucher sollen dasselbe Naturerlebnis haben wie man selbst.

Besonders in früheren Zeiten wurden größere Steinhaufen als Wegmarken genutzt. Im Gebiet östlich des Mývatn haben wir einige dieser großen Steintürme gesehen. Und nicht zuletzt bilden sich auf den Steinen auch farbenprächtige Flechten und Moose, die durch das Umschichten der Steine Schaden nehmen könnten. Bei dem rauhen Klima Islands kann man schnell Pflanzen zerstören, die Jahrzehnte zum Wachsen benötigt haben.

Außerdem vermehren sich Steinmännchen offenbar rege. Kaum sind irgendwo zwei von ihnen beisammen, schon gründen sie eine Familie und bald stehen immer mehr von ihnen in der Landschaft.

Aus all diesen Gründen zerstören die Isländer auch häufig Steinmännchen, wenn sie sie sehen. Aber es gibt es eine Ausnahme, zu der natürlich auch eine Geschichte gehört.

Das Parkplatzschild von Laufskálavarða

Das Parkplatzschild von Laufskálavarða

Der Bauernhof Laufskógar

Der Zeitraum von 870 bis etwa 930 gilt als die Zeit der Landnahme, in der Siedler aus Norwegen die bis dahin unbewohnte Insel Island besiedelten. Am östlichen Rand des Mýrdalssandur errichteten Siedler das Gut Laufskógar, das eine beachtliche Größe gehabt haben muss. Seine Größe wurde mit „24 Türen“ beschrieben, was immer genau diese Angabe heißen mag.

Was die Siedler nicht wissen konnten: Unterhalb der Eiskappe des nördlich von Laufskógar gelegenen Gletschers Mýrdalsjökull liegt der Vulkan Katla. Die Katla ist auch heute noch einer der aktivsten Vulkane Islands. Im Jahr 894 brach sie zum ersten Mal seit Beginn der Landnahme aus und zerstörte das Gut Laufskógar.

Die Tradition der Steinmännchen von Laufskálavarða

Seitdem befindet sich an der Stelle des ehemaligen Gutshofs der Lavahügel Laufskálavarda, auf dem einige bizarr geformte Lavafelsen stehen. Hier hat sich im Laufe der Zeit eine Tradition entwickelt. Jeder Reisende, der zum ersten Mal an der Stelle vorbeikommt, soll ein Steinmännchen erreichten, um Glück für die weitere Reise zu erhalten.

So kam es, dass Laufskálavarða einer der ganz wenigen Orte auf Island ist, an denen man Steinmännchen bauen darf. Das staatliche Straßenbauamt unterstützt die Tradition und sorgt dafür, dass ausreichend Steine vorhanden sind. So sagt es zumindest die Tafel am Parkplatz. Allerdings habe ich auch schon gelesen, dass keine neuen Steine mehr angeliefert werden.

Hunderte Steinmänner, darunter zwei kleine von uns, zeugen davon, dass diese Tradition auch heute noch fortbesteht. Und zumindest für unsere Reise kann ich sagen, dass es wohl geholfen hat!

Hier findet Ihr Laufskálavarða auf Google Maps.

Links:
Wie das Gebiet der Steinmännchen in Laufskálavarða nach einem heftigen Regen aussieht, könnt Ihr bei reisewut.com sehen
Viele Fotos findet Ihr auch auf jpcity.de
Englischsprachiger Artikel auf guidetoiceland.is
Icelandreview.com über Steinmännchen auf Island

Buchtipps und Wanderkarte:

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