Karwendel-Durchquerung, Tag 1: Von Pertisau auf die Lamsenjochhütte

Hüttenwanderung: Achensee – Pertisau – Gramai-Alm – Lamsenjochhütte

Seit Jahren schon hatte ich den Plan, das Karwendel zu durchqueren. Von Scharnitz oder Mittenwald über das Karwendelhaus, die Falkenhütte und die Lamsenjochhütte bis zum Achensee. In diesem Jahr sollte es dann soweit sein. Mit meinen Wanderkollegen ging es auf diese Tour, die man mit zwei oder drei Übernachtungen gut machen kann. Allerdings genau anders herum, als ich immer geplant hatte, wir sind in Pertisau am Achensee gestartet und von dort aus bis Scharnitz gewandert.

Das erste Tagesziel unserer Karwendeldurchquerung: Die Lamsenjochhütte

Das erste Tagesziel unserer Karwendeldurchquerung: Die Lamsenjochhütte

Im Vorfeld hatten wir überlegt, ob wir mit dem Dampfzug der weit über 100 Jahre alten Achenseebahn hinauf zum Achensee fahren wollen, haben uns dann aber doch für den preisgünstigeren Bus entschieden. So sitzen wir nun zusammen mit vielen Schulkindern im Linienbus und fahren die vielen Serpentinen hinauf zum Achensee und nach Pertisau.

Karwendel-Durchquerung von Pertisau nach Scharnitz

Diese Durchquerung des Karwendelgebirges von Pertisau nach Scharnitz verläuft nahezu ausschließlich auf breiten Wegen. Bei guten Wetter- und Wegverhältnissen bietet sie auch weniger erfahrenen Wanderern eine hervorragende Möglichkeit einer Mehrtagestour in einer beeindruckenden Bergwelt.

Die Wege sind überwiegend als mittelschwer (rote Markierung) eingestuft. Zu Beginn und am Ende der Wanderung ist es eher leicht (blau). Lediglich im Bereich des westlichen Lamsenjochs wird der Weg kurz schmaler und auf einem kurzen Stück leicht ausgesetzt, aber auch dieser Teil als mittelschwer (rot) ausgezeichnet.

Wir sind den Weg in drei Etappen gegangen, mit Übernachtungen auf der Lamsenjochhütte und dem Karwendelhaus. Dadurch wird die Mitteletappe ziemlich lang. Wer mag, kann eine weitere Übernachtung auf der Falkenhütte einplanen. In der Eng (Großer Ahornboden), die am zweiten Tag erreicht wird, besteht die Möglichkeit, die Tour bei Bedarf abzubrechen. Im Sommer fährt von dort der Bergsteigerbus nach Lenggries.

Insgesamt ist die Wanderung etwa 50 Kilometer lang, wobei gut 2000 Meter im Auf- und Abstieg zu überwinden sind.
Der Startort Pertisau und der Zielort Scharnitz sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Tag 1: Pertisau – Lamsenjochütte
Tag 2: Lamsenjochhütte – Karwendelhaus
Tag 3: Karwendelhaus – Scharnitz

Mit dem Nostalgiebus von Pertisau zur Gramaialm

In Pertisau hätten wir unsere Wanderung beginnen können. Mit einem langen Hatscher durch das Falzthurntal zur Gramai-Alm. Stattdessen haben wir uns gleich zu Beginn der Wandertour ein Extra gegönnt. Mit dem über 60 Jahre alten Schweizer Postbus fahren wir gemütlich durch das Falzthurntal hinauf zur Gramai-Alm. Wir sitzen locker im Bus verteilt, da wir die einzigen Fahrgäste sind. An jeder Steigung heult der Motor auf, als ob er es nicht schaffen würde. Aber dieser Bus ist durch die Schweizer Berge gefahren, da wird er die knapp 300 Höhenmeter zur Gramai-Alm locker schaffen.

Plötzlich hält der Fahrer an und zeigt uns rechts am Geröllhang eine Gruppe Gämsen. Wir sind begeistert: Noch keinen Meter gewandert, aber schon die erste Gams-Sichtung. Am nächsten Tag werden wir sie noch viel näher sehen.

Nach einer guten Viertelstunde erreichen wir die Gramai-Alm. Wir machen noch ein paar Fotos vom Bus, dann beginnen wir nun wirklich unsere Wanderung ins wilde Karwendel-Gebirge. Vom großen Parkplatz gehen wir am stattlichen Gebäude des Gasthofs entlang, zwischen den weiteren Almgebäuden hindurch und sind schon nach wenigen Metern mitten in der Natur.

Von der Gramaialm zur Lamsenjochhütte

Die kommenden zwei Tage werden wir ein Teilstück des Tiroler Adlerweges entlangwandern. Zunächst führt der Schotterweg noch fast eben zwischen Büschen und Bäumen durch das hintere Falzthurntal. Links und rechts sehen wir auf das Sonnjoch und den Rauhen Knöll, vor uns steht die mächtige Lamsenspitze. Eine beeindruckende Gegend, durch die wir hier wandern!

Je näher wir dem Talschluss kommen, umso stärker steigt der Weg an. Und umso karger wird die Umgebung. Durch immer mehr Schotter und Geröll geht es nun immer steiler bergan.

Die Büsche werden immer mehr von Grasflächen abgelöst, die sich mit den Geröllflächen abwechseln. Am Ende des Tals angekommen wird es nun richtig steil. In immer enger werdenden Serpentinen zieht sich der nun deutlich schmalere Weg steil in Richtung Lamsenjoch hoch.

Obwohl das Gelände viel weiter ist, erinnert mich dieser Aufstieg an die Saugasse, durch die wir vor einigen Jahren hinauf zum Kärlingerhaus gewandert sind. Allerdings hat es damals wie aus Kübeln geschüttet, jetzt wandern wir in der Sommerhitze.

Mitten im Aufstieg machen wir ein Pause. Brot, Wurst, Müsliriegel, ein kräftiger Schluck Apfelschorle. Doch vor allem genießen wir auch das Panorama. Den Blick zurück in das Falzthurntal, die sich abwechselnden Gras- und Geröllflächen, die weit unter uns liegende Gramai-Alm, die Bergkulisse links und rechts des Tals. Obwohl wir noch nicht lange gewandert sind, sind wir jetzt mitten drin im Karwendel.

Zwei Stunden, nachdem wir an der Gramai-Alm aufgebrochen sind, erreichen wir das östliche Lamsenjoch und sehen zum ersten Mal die Lamsenjochhütte, unser heutiges Tagesziel. Bis dorthin sind es jetzt nur noch zehn Minuten. Ohne große Höhenunterschiede, aber recht interessant führt der Weg zwischen Felsen hindurch.

Die Lamsenjochhütte ist über 100 Jahre alt, ein schlichtes, aber großes Berghaus, halb aus grobem Naturstein, halb mit Holzschindeln verkleidet. Die Zimmer im ersten Stock sind einfach, aber gemütlich, das Essen ist gut.

Wir haben noch viel Zeit an dem Abend und sitzen noch einige Zeit im Gastraum, planen die nächsten Tage und testen die Kameras. Ich habe wieder nur meine kleine Kompakte mitgenommen, die Kollegen haben teilweise viele Kilo schweres Kameraequipment mit beeindruckenden Objektivsammlungen auf den Berg genommen. Den Unterschied kann man hinterher in der Bildqualität sehen, das muss ich ja anerkennen. Ach, man könnte so viel in die Kameraausrüstung investieren.

Am Abend hat das Wetter hier oben ziemlich zugezogen. Der Wind wird stärker, die Wolken hüllen die Hütte und die Berge rund herum teils fast völlig ein, nur um im nächsten Moment wieder aufzureißen. Ein tolles Schauspiel. Es ist auch empfindlich kalt geworden, trotzdem zieht es uns immer wieder aus dem heimeligen Gastraum ins Freie zum Fotografieren.

Weiter geht es am zweiten Tag mit der Wanderung von der Lamsenjochhütte bis zum Karwendelhaus. Über das westliche Lamsenjoch, Binsalm und die Engalmen zur Falkenhütte und von dort über den kleinen Ahornboden bis zum Karwendelhaus.

Höhenangaben:
Pertisau am Achensee: 952 Meter
Graimai-Alm: 1263 Meter
Lamsenjochhütte: 1953 Meter

Links:
Alpengasthof Gramai-Alm
Homepage der Lamsenjochhütte
Der Tiroler Adlerweg

Buchtipps:

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ulrich,

    schöne Tour, der erste Teil hat mir schon mal gut gefallen. Die Lamsenjochhütte sieht urig aus. Macht Lust auf Bergwandern. Bin gespannt wie es weitergeht.

    Liebe Grüße
    Jürgen

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