Karwendel-Durchquerung, Tag 2: Von der Lamsenjochhütte zum Karwendelhaus

Hüttenwanderung: Lamsenjochhütte – Westliche Lamsenjoch – Bins-Alm – Eng – Hohljoch – Falkenhütte – Kleiner Ahornboden – Karwendelhaus

Der zweite Tag unserer Tour beginnt für mich eher spät, gegen sechs Uhr. Zwei der Kollegen sind da schon über eine Stunde auf der Jagd nach Fotomotiven. Nach einem schnellen Frühstück wollen wir gegen sieben Uhr aufbrechen, denn der Wandertag wird lang werden. Statt der Falkenhütte als nächstem Tagesziel wollen wir gleich bis zum Karwendelhaus wandern. Doch unsere Anfragen nach einem etwas früheren Kaffee stoßen beim Wirt auf taube Ohren, nicht eine Minute vor sieben öffnet sich die Tür zu Speiseraum. Na gut, es wird auch so gehen, das Wetter ist auf jeden Fall gut. Kein Vergleich zu den Sturmwolken vom Vorabend.

Auf dem Adlerweg von der Lamsenjochhütte zum Karwendelhaus

Auf dem Adlerweg von der Lamsenjochhütte zum Karwendelhaus

Karwendel-Durchquerung von Pertisau nach Scharnitz

Diese Durchquerung des Karwendelgebirges von Pertisau nach Scharnitz verläuft nahezu ausschließlich auf breiten Wegen. Bei guten Wetter- und Wegverhältnissen bietet sie auch weniger erfahrenen Wanderern eine hervorragende Möglichkeit einer Mehrtagestour in einer beeindruckenden Bergwelt.

Die Wege sind überwiegend als mittelschwer (rote Markierung) eingestuft. Zu Beginn und am Ende der Wanderung ist es eher leicht (blau). Lediglich im Bereich des westlichen Lamsenjochs wird der Weg kurz schmaler und auf einem kurzen Stück leicht ausgesetzt, aber auch dieser Teil als mittelschwer (rot) ausgezeichnet.

Wir sind den Weg in drei Etappen gegangen, mit Übernachtungen auf der Lamsenjochhütte und dem Karwendelhaus. Dadurch wird die Mitteletappe ziemlich lang. Wer mag, kann eine weitere Übernachtung auf der Falkenhütte einplanen. In der Eng (Großer Ahornboden), die am zweiten Tag erreicht wird, besteht die Möglichkeit, die Tour bei Bedarf abzubrechen. Im Sommer fährt von dort der Bergsteigerbus nach Lenggries.

Insgesamt ist die Wanderung etwa 50 Kilometer lang, wobei gut 2000 Meter im Auf- und Abstieg zu überwinden sind.
Der Startort Pertisau und der Zielort Scharnitz sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Tag 1: Pertisau – Lamsenjochütte
Tag 2: Lamsenjochhütte – Karwendelhaus
Tag 3: Karwendelhaus – Scharnitz

Von der Lamsenjochhütte zur Binsalm und in die Eng

Etwas später als geplant starten wir also von der Lamsenjochhütte zum westlichen Lamsenjoch. Über den schmalen Weg gehen wir unterhalb der felsigen Lamsenspitze. Hier haben wir einen schönen Tiefblick ins Falzthurntal, in dem wir unseren Aufstiegsweg vom Vortag noch einmal sehen. Auch von hier aus sieht er noch wirklich steil aus.

Plötzlich sehen wir, direkt oberhalb des Weges und ganz nah, eine Gruppe Gämsen mit Jungtieren. Wir beobachten die Tiere, die viel näher sind als die am Vortag und machen einige Fotos. Plötzlich setzt sich die Gruppe in Bewegung und springt über den Weg auf das darunterliegende Geröllfeld. Unglaublich, diese Trittscherheit. Wir sind schwer beeindruckt.

Kurze Zeit später erreichen wir das westliche Lamsenjoch und gehen nun langsam auf dem breiten Weg berab in Richtung Engalmen. Das Panorama ist großartig und mit dem blauen Himmel und den leuchtenden Farben schon fast überwältigend kitschig. Und dann steht noch eine weitere Gams fast direkt vor uns mitten auf dem Weg, als wir um eine Ecke biegen. Als sie uns bemerkt, springt sie aber schnell nach oben.

An der Binsalm

An der Binsalm

Auf der Bins-Alm, an der wir kurz darauf ankommen, ist noch alles ruhig, nur zwei sehr frühe Wanderer sind schon aufgestiegen. Da der Weg bis zum Karwendelhaus noch lang ist, lassen wir die Bins-Alm und auch den Panoramaweg zur Drijaggenalm aus, der hier beginnt und ebenfalls zu den Engalmen führt. Wir bleiben auf dem breiten Fahrweg, was im Nachhinein schade ist. Ich bin ihn dann später gegangen, die Aussicht von der Drijaggenalm ist unglaublich schön.

Vom Weg aus werfen wir ein paar Blicke hinüber zum großen Ahornboden mit seinen über 2000 Ahornbäumen, die bis zu sechshundert Jahre alt sind. Näher werden wir den Bäumen heute nicht kommen, da wir das Engtal nur queren wollen.

Und obwohl dort noch relativ wenig los ist, sind wir doch schon etwas unruhig. Nach gerade einmal einem Tag relativer Einsamkeit, empfinden wir es wohl schon als zu voll und zu viel Trubel hier in der Eng. Also bleiben wir gar nicht lang, sparen uns sogar einen zweiten Morgenkaffee und stiegen schnell weiter auf zum Hohljoch.

Von der Eng auf die Falkenhütte

Der Weg von den Engalmen zur Falkenhütte ist beliebt, wir treffen einige Menschen mehr als auf dem Weg hinab zur Eng. Wir spüren allerdings schon die Sonne, die jetzt am späteren Vormittag ziemlich brennt. Oben am Hohljoch machen wir eine Pause, genießen das Panorama und stärken uns für die Querung durch den Schotter unterhalb der Lalidererwände. Auf die Querung folgt dann noch der finale Anstieg zur Falkenhütte.

Dort angekommen, müssen wir erst einmal wieder einen normalen Flüssigkeitspegel erlangen, unsere Trinkblasen im Rucksack sind inzwischen komplett leer. Hervorragend geeignet: Alkoholfreies Weißbier. Draußen unter dem Sonnenschirm sitzend essen wir unser Mittagessen, trinken unsere Weißbiere, es ist großartig. Aber als ich am Nebentisch riesenhafte Schnitzel sehe, werde ich doch etwas neidisch. Was soll’s, dann esse ich das eben am Abend auf dem Karwendelhaus.

Diese Liegestühle stellen die Willenskraft auf eine harte Probe!

Diese Liegestühle stellen die Willenskraft auf eine harte Probe!

Wenn man gut gesättigt im Alpenvereins-Liegestuhl in der Sonne liegt und auf die Falkenhütte und auf die Lalidererwände schaut, wäre es doch eine gute Idee gewesen, hier zu übernachten und den Rest des Tages hier abzuhängen. Doch unser Plan steht natürlich: Wir wandern zum Karwendelhaus.

Von der Falkenhütte über den kleinen Ahornboden zum Karwendelhaus

Zunächst führt der Weg hinab zur Ladizalm, die auch schon wieder so malerisch daliegt, als wäre sie nur für uns in die Landschaft gestellt worden. Kurz vor dem kleinen Ahornboden queren wir ein breites, völlig trockenes, nur aus Schotter bestehendes Bachbett. Zur Schneeschmelze müssen hier riesige Wassermengen fließen. Mitten im Bachbett steht ein eher schmaler Baum. Wie schafft es dieser einzelne Baum, den Wassermassen zu widerstehen?

Wir passieren den kleinen Ahornboden und das Hermann-von-Barth Denkmal. Viel Zeit nehmen wir uns nicht, denn inzwischen macht sich die Nachmittagshitze deutlich bemerkbar. Wir nehmen nun die letzte Steigung des Tages. Es ist ein schmaler Weg bergan, der eigentlich durch Wald führt, aber trotzdem größtenteils in der prallen Sonne liegt. Wir nutzen jeden kleinen Schattenfleck zum Durchschnaufen. Eigentlich wäre diese Steigung ziemlich harmlos, aber gegen Ende des Tages in der Hitze schlaucht sie unglaublich.

Die Belohnung kommt kurz darauf. Eine weite Almfläche, umgeben von rauhen Felsbergen. Links und rechts ragen sie auf, ziehen sich als lange Kette soweit wir sehen können. Wenn wir uns umsehen, haben wir noch einmal einen Blick auf die Lalidererwände. Grandios, egal in welche Richtung man blickt. Nur der Weg, ein Wegweiser und wir, mitten in dieser tollen Umgebung, die wir nun wieder richtig genießen können.

Nach gut zwanzig Minuten passieren wir ein Wegkreuz, vom Karwendelhaus ist noch nichts zu sehen. Es zeigt sich erst ganz zum Schluss der Wanderung, als wir um die letzte Ecke biegen. Zunächst sehen wir das relativ neu erbaute Nebengebäude, kurz dahinter das eigentliche Karwendelhaus.

Das Karwendelhaus ist ein massiver Natursteinbau mit Holzverkleidung im obersten Stock. Eine große Berghütte, über 100 Jahre alt, die mitten aus der Felswand zu wachsen scheint. Wie ein Zug, der gerade aus einem Tunnel fährt, denke ich mir.

Auf dem Weg stehen viele Mountainbikes, an die Felswand gelehnt. Das Karwendelhaus ist auch bei Mountainbikern ein beliebter Zielpubnkt für Touren. Warum, werden wir bei unserem Weiterweg ins Tal erkennen. Dieser Weg ist die ideale Mountainbikeroute!

Voll ist es hier, etwa zur Hälfte Wanderer und Radler. Was für eine Wohltat: Eine Dusche! Die hilft nicht nur gegen Schweiß und müffeligen Geruch, sondern macht auch sofort wieder fit. Und wir haben sogar ein Zimmer bekommen. Zwar nicht ganz für uns alleine, aber das ist wesentlich besser als die Aussicht, in einem der großen Lager unter dem Dach schlafen zu müssen.

Der Radlparkplatz vor dem Karwendelhaus

Der Radlparkplatz vor dem Karwendelhaus

Der Schock folgt für mich im Speiseraum: Es gibt kein Schnitzel! Und das in Österreich! Hungrig aufstehen musste ich dennoch nicht, die Karte auf dem Karwendelhaus ist reichhaltig und das Essen ist sehr gut, lecker und abwechslungsreich.

Den Rest des Abends verbringen wir im Gastraum, auf der Terrasse, die von der Abendsonne beschienen wird und fotografierend. So lässt es sich aushalten! Hier auf dem Karwendelhaus fühlen wir uns gleich wohl. Der Hüttenwirt und sein Team sind unglaublich freundlich und haben sichtlich Spaß, obwohl die Hütte wirklich voll ist und sie viel zu tun haben.

Nach dem Essen geht der Wirt zu jedem Tisch, sein Tablet mit dem aktuellen Wetterbericht in der Hand und bespricht mit den Gäste die Tourenpläne für den nächsten Tag, gibt Tipps und warnt vor möglichen Problemstellen. Das ist wirklich ein toller Rundumservice.

Die dritte Etappe der Wanderung wird uns dann vom Karwendelhaus nach Scharnitz bringen.

Höhenangaben:
Lamsenjochhütte: 1953 Meter
Westliches Lamsenjoch: 1940 Meter
Binsalm: 1500 Meter
Engalmen: 1225 Meter
Hohljoch:1794 Meter
Falkenhütte: 1848 Meter
Kleiner Ahornboden: ca. 1400 Meter
Karwendelhaus: 1771 Meter

Links:
Lamsenjochhütte
Binsalm
Falkenhütte
Karwendelhaus
Der Tiroler Adlerweg
Das Almdorf Eng
Homepage der Alpenwelt Karwendel

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schöne Tourenvorschläge, Wandern im Karwendel ist eht empfehlenswert – herzliche Grüsse aus der Region Hall-Wattens!

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