Karl Gabl

Bergbuch: Karl Gabl – Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen

Karl Gabl wird 70 Jahre alt und zum runden Geburtstag erscheint seine Autobiographie. Der Name Karl Gabl ist mit unzähligen Expeditionen zu den höchsten Bergen der Welt verbunden. Dabei sind es nicht seine eigenen Besteigungen, die ihn bekannt gemacht haben, obwohl er auch Berge im Himalaya mit über 7000 Metern Höhe bestiegen hat. Berühmt geworden ist er durch Expeditionen, die er am Telefon von Innsbruck aus begleitet hat.

Karl Gabl: Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen - Foto: Stephanie Geiger

Karl Gabl: Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen – Foto: Stephanie Geiger

Das passiert auch nicht alle Tage, dass man ein Buch von einer bekannten Bergpersönlichkeit liest, die man selbst schon mal getroffen hat. Ich habe Karl Gabl vor einigen Jahren auf dem Münchner Alpintag kurz kennengelernt. Und nun habe ich das zweite Buch von ihm in der Hand. Das erste war das Buch Bergwetter*. Und jetzt also die Autobiografie mit dem schönen Titel Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen*.

Karl Gabl, der aus St. Anton am Arlberg stammt, hat über viele Jahre die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck geleitet und von dort aus Bergwetterberichte für den Alpenraum erstellt. Auch für den Bayerischen Rundfunk hat er samstags in der Früh im “Rucksackradio” den Bergwetterbericht für Wanderer und Bergsteiger erstellt und ist so auch in Süddeutschland bekannt geworden.

Seine Bekanntheit in Bergsteigerkreisen hat er aber durch seine mit großer Sicherheit zutreffenden Wetterprognosen für Besteigungen im Himalaya erworben. In seiner Autobiografie wird vielfach davon die Rede sein. Auch nach seiner Pensionierung ist er als Experte bei vielen Bergsteigern gefragt. Und selbstverständlich erstellt er weiterhin Wettervorhersagen für Expeditionen.

Karl Gabl in seinem Büro - Foto: Jochen Stark

Karl Gabl in seinem Büro – Foto: Jochen Stark

Ganz klassisch beginnt die Biographie mit der Kindheit und Jugend von Karl Gabl in St. Anton am Arlberg und im Jesuitengymnasium “Stella Matutina” in Feldkirch. Von der Schulzeit im Internat, Sport und Musik und den Besuchen daheim bei den Eltern berichtet er.

In den Alpen aufgewachsen, nehmen die heimischen Berge bald eine zentrale Rolle in Karl Gabls Leben ein. Mit Freunden unternimmt er Bergtouren in den Alpen, er wird Bergführer und Bergretter. Er erlebt Lawinenkatastrophen, die über Dörfer in den Tiroler Tälern und auch über sein eigenes Elternhaus hereinbrechen. Seine Cousine Gertrud kommt in einer Lawine, die bis ins Dorf läuft und dort Häuser zerstört, ums Leben.

Dieses Erlebnis hat sein Leben stark beeinflusst, schreibt er. Er will sein Wissen in den Dienst der alpinen Sicherheit stellen und gegen den “weißen Tod” kämpfen. Nach seinem Studium der Meteorologie erstellt er als Leiter des Innsbrucker Büros der ZAMG schon bald Wettervorhersagen, die sowohl der ansässigen Bevölkerung, vor allem auch den Bauern, als auch den Bergsportlern zur verlässlichen Informationsquelle werden. Als Sachverständiger bewertet er für Gerichte viele Bergunfälle.

Lawinenkatastrophe in St. Anton am Arlberg - Foto: Karl Gabl

Lawinenkatastrophe in St. Anton am Arlberg – Foto: Karl Gabl

Ausführlich beschreibt er auch die Lawinenkatastrophe von Galtür im Jahr 1999 sowie deren spätere Aufarbeitung. Diese Lawinenkatastrophe ist mir auch noch gut in Erinnerung. Gut zehn Jahre später habe ich nach einem Wochenende auf der Friedrichshafener Hütte das Alpinarium in Galtür besucht, in dem Lawinen einen wichtigen Teil der Ausstellung darstellen. Ein eindrückliches Erlebnis, ich kann Euch den Besuch des Museums sehr empfehlen.

Zur alpinen Ski-WM im heimischen St. Anton wird er ebenfalls die Wetterberichte liefern und kann dabei von seinen Ortskenntnissen als Einheimischer profitieren. Im Vorfeld der WM hat er mit anderen Bewohnern des Ortes erreicht, dass beim Neubau der Eisenbahntrasse eine für den Ort St. Anton vorteilhafte Trasse gewählt wurde.

Einen großen Teil des Buches nehmen aber Beschreibungen der Bergtouren von Karl Gabl ein. In den Alpen, am Kilimandscharo, in den Anden und natürlich in Asien, am Hindukusch und im Himalaya. Diese haben ihn in Höhen bis über 7000 Metern geführt. Die Besteigung eines 8000ers hat er abgebrochen, auch davon berichtet Karl Gabl in seinem Buch.

Karl Gabl am Kilimandscharo - Foto: Stephanie Geiger

Karl Gabl am Kilimandscharo – Foto: Stephanie Geiger

Die einzelnen Kapitel werden immer wieder durch kurze Beiträge von Gastautoren unterbrochen. Diese sind ausnahmslos bekannte Alpinisten wie Simone Moro, Gerlinde Kaltenbrunner, Ralf Dujmowits, Wolfgang Nairz, Thomas und Alexander Huber, Alix von Melle oder Tamara Lunger. Sie alle beschreiben ihre ganz persönlichen Erlebnisse mit Karl Gabl, die oft zunächst am Satellitentelefon begannen und dann zu langjährigen Freundschaften wurden.

“Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen” ist es ein immer gut zu lesendes Buch. Mit viel Humor geschrieben, aber auch mit vielen ernsten und nachdenklichen Stellen. Ein Buch von einem Mann, der in seinem Leben viel bewegt und viel erlebt hat. Seine Erfolge beschreibt er ausführlich, aber auf eine zurückhaltende, ruhige Art, so wie ich ihn auch damals auf dem Alpintag kennengelernt habe.

Eine Bergsteiger-Biographie der etwas anderen Art, da hier das Bergsteigen nur eines der großen Themen neben der Meteorologie, der Bergsicherheit und natürlich dem privaten Leben von Karl Gabl ist. Ich kann es Euch auf jeden Fall empfehlen, wenn Ihr bergsportbegeistert seid.

Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen: Die Berge, das Wetter, mein Leben

240 Seiten
Tyrolia-Verlag
ISBN: 978-3-702-23545-1
18,90
Bei amazon.de*: Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen

Buchtipps:

Vielen Dank an den Tyrolia-Verlag, von dem ich das Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe.
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