Sentiero del Ventrar am Monte Baldo

Wanderung: Bergstation Monte-Baldo-Seilbahn – Sentiero del Ventrar – Bar Prai – Bergstation Monte-Baldo-Seilbahn

Eine abwechselungsreiche Wanderung, die auf ihren unterschiedlichen Teilstücken jeweils völlig andere Facetten des Monte Baldo zeigt. Atemberaubende Tiefblicke, schmale Pfade direkt am Abgrund, gemütliche Wege durch bunte Blumenwiesen und zum Abschluß ein steiler Aufstieg erwarten uns auf dieser relativ langen Wanderung in den oberen Regionen des Monte Baldo.

Der Sentiero del Ventrar am Monte Baldo, ein spektakulärer Wanderweg

Der Sentiero del Ventrar am Monte Baldo, ein spektakulärer Wanderweg

Hinauf und hinab geht es mit der Funivia Monte Baldo, der Seilbahn, die uns direkt vom Ort Malcesine auf 1760 Meter Höhe zur Bergstation Baita dei Forti bringt.

Diesmal wandere ich nicht über die Colma di Malcesine, den langen, nahezu ebenen grasigen Bergrücken, denn den steilen Abstieg möchte ich diesmal vermeiden. Da auch die Wegweiser zum Sentiero del Ventrar auf die Zufahrtsstraße zeigen, nehme ich diese.

Das Gebäude der Finanzpolizei nahe der ehemaligen Grenze zu Österreich

Das Gebäude der Finanzpolizei nahe der ehemaligen Grenze zu Österreich

Schon nach wenigen Minuten komme ich an einem Gebäude vorbei, das in den Jahren 1910 bis 1911 für die Finanzpolizei gebaut wurde. Von hier aus konnte man damals die nahe Grenze zu Österreich und deren Schmugglerrouten überwachen.

Nach dem ersten Weltkrieg lag die Grenze zu Österreich weit entfernt am Brenner und das nun überflüssige Gebäude verfiel, bevor es seit 1983 wieder hergerichtet wurde und seitdem von der Bergsteigervereinigung Malcesine genutzt wird.

Die Alm Malga Zocchi di Sopra, links die Colma di Malcesine

Die Alm Malga Zocchi di Sopra, links die Colma di Malcesine

Immer leicht bergab führt der Weg nun an der Alm (eher ein Bauernhof) Malga Zocchi di Sopra vorbei. Links ragt die Colma die Malcesine auf und versperrt die Sicht auf den Lago, geradeaus blicke ich hinauf zum Monte Altissimo di Nago und in das Hochtal Altopiano Brentonico.

Der Gipfel des  Monte Altissimo di Nago ist in den Wolken verschwunden

Der Gipfel des Monte Altissimo di Nago ist in den Wolken verschwunden

Gut zu erkennen: Der steile Abstiegsweg von der Colma di Malcesine

Gut zu erkennen: Der steile Abstiegsweg von der Colma di Malcesine

Nach einer halben Stunde sehr gemütlichen Wanderns gelange ich an den Punkt, an dem der steile Weg von der Colma auf meinen Weg trifft. Hier zweigt auch der Sentiero del Ventrar ab.

Zuvor warnt eine Tafel noch vor gefährlichen Stellen, weist auf Seilsicherungen hin, schließt jede Haftung und rät nur erfahrenen Wanderern zu einer Begehung des Sentiero.

Ein ungewöhnlicher Wegweiser zum Einstieg in den Sentiero del Ventrar

Ein ungewöhnlicher Wegweiser zum Einstieg in den Sentiero del Ventrar

Oder, um die Hinweistafel zu zitieren: „Aus technischer Sicht ist dies keine schwierige Wanderung, aber trotzdem nur erfahrenen Wanderern geraten, da der Weg auf ganzer Strecke schwindelerregende Felswände überquert, die sich mehrere hundert Meter tief in das wilde Tal de l’Acqua stürzen.“ Das klingt großartig, dürfte allerdings auch einige Wanderer abschrecken.

Auf den ersten Metern des Sentiero del Ventrar

Auf den ersten Metern des Sentiero del Ventrar

Der Weg führt nun schmal, immer am Hang entlang durch eine wilde grüne Schlucht. Links der Fels, rechts geht es mal mehr, mal weniger steil bergab. Nachdem ich einen Felseinschnitt durchquert habe, zweigt rechts ein kurzer Stichweg ab.

Ein schmaler Durchgand zwixchen den Felsen

Ein schmaler Durchgand zwixchen den Felsen

Dieser endet nach wenigen Metern auf einem kleinen Plateau, von dem aus ich einen direkten Blick auf das Nordufer des Gardasees mit dem Monte Brione und Riva de Garda habe. Trotz Dunst ist es ein atemberaubender Anblick.

Der Blick auf den nördlichen Gardasee mit Riva del Garda

Der Blick auf den nördlichen Gardasee mit Riva del Garda

Nun folgt der spektakulärste Teil des Weges. Es geht etwas bergab, teils über Felsen, die nach den Regenfällen vom Vortag noch etwas glitschig sind. Aus schmal eingeschnittenen Tälern steigt der Nebel hoch. Mit einigen Ketten- und Seilsicherungen zieht sich der Wanderpfad an der Felswand entlang. Ein fantastischer Weg.

Die Felsen oberhalb sind von Nebelschwaden umgeben

Die Felsen oberhalb sind von Nebelschwaden umgeben

Aus dem Tal ziehen immer neue Wolken hinauf

Aus dem Tal ziehen immer neue Wolken hinauf

Über kleine Felsstufen, wildes Wurzelgeflecht oder auch einfach einen schmalen Pfad an der Abbruchkante führt der Weg durch eine wilde, grüne Landschaft.

Scharf an der Abbruchkante entllang führt der Sentiero hier

Scharf an der Abbruchkante entllang führt der Sentiero hier

Ein wolkenverhangener Felskamm

Ein wolkenverhangener Felskamm

Lamngsam wird der Weg wieder etwas breiter und das Gelände etwas einfacher. Jetzt fällt der Blick auf spektakulär aufragende Felsen, dazu gibt’s öfter den Tiefblick auf den Gardasee.

Gardaseeblick

Gardaseeblick

An einer karstigen Felsgruppe kann man gut auf die Felsen steigen. Wie weit, hängt vom persönlichen Mut ab. Den letzten Felsen habe ich dann mal ausgelassen.

Auf den letzten Felsblock mit dem besten Tiefblick bin ich dann nicht mehr gestiegen

Auf den letzten Felsblock mit dem besten Tiefblick bin ich dann nicht mehr gestiegen

Wenn man diese Felswand sieht, ist der Sentiwero del Ventrar bald vorbei

Wenn man diese Felswand sieht, ist der Sentiwero del Ventrar bald vorbei

Und schon kommen die ersten Wiesenflächen in Sicht. Nur noch ein paar Minuten, dann stehe ich an einer Wandertafel. Hier ist der Sentiero del Ventrar zu Ende. Nach links zeigt ein Wegweiser Richtung Bergstation: „16 Finivia 1.00“. Nach rechts geht es in 40 Minutren nach Prai, diesen Weg nehme ich.

Am Ende des Sentiero del Ventrar kann man nach links zur Seilbahn abkürzen

Am Ende des Sentiero del Ventrar kann man nach links zur Seilbahn abkürzen

Es folgt der landschaftlich reizvollste Abschnitt der Wanderung, denn nun geht es in weiten Serpentinen leicht bergab durch blühende Bergwiesen, die eine riesige Vielfalt an Bergblumen aufweisen. Hummeln und Schmetterlinge fliegen von Blüte zu Blüte, auf denen manchmal grünschillernde Käfer sitzen. Es ist ein völliger Kontrast zum wilden Bergpfad zuvor.

Auf den Blumenwiesen des Monte Baldo

Auf den Blumenwiesen des Monte Baldo

Kurz vor den ersten Häusern wird der Weg zu einem etwas unangenehm zu gehenden Betonplattenweg, der an den Höusern von La Prada vorbeiführt. Direkt vor dem „Ristoro Prai Bar“ zeigt der Wegweiser an, dass der Weg 11 in 1.15 hinauf zur Bergstation führt. In 1.30 könnte ich zur Mittelstation San Michele absteigen, aber es zieht mich halt doch wieder hoch.

Auf dem Betonplattenweg

Auf dem Betonplattenweg

Das erhoffte Lemonsoda in der Bar Prai fällt aus. Ich bin unter der Woche unterwegs, da ist die Bar geschlossen. Eigentlich sieht sie sogar etwas verlassen aus, aber am Wochenende ist sie wohl doch geöffnet.

Ristoro Bar Prai - MeEin Lemonsoda fällt aus, das Ristoro ist geschlossen

Ristoro Bar Prai – MeEin Lemonsoda fällt aus, das Ristoro ist geschlossen

Der Weg ist nun eigentlich kein Weg mehr. Erst steil bergauf, dann an einer Steinhütte nach rechts abknickend, führt der Weg nun direkt durch die Wiesen. Als Orientierung dienen die schmale platt getrampelte Spur durch das hohe Gras und Markierungen an den Zaunpfählen.

Auf dem Wiesenweg oberhalb der Bar Prai

Auf dem Wiesenweg oberhalb der Bar Prai

Der „Belvedere“ ist eigentlich ein Aussichtspunkt, der wohl eine tolle Aussicht hinunter nach Malcesine und auf den Gardasee bietet. Doch inzwischen hat es so zugezogen, dass ich nur noch weiße Wolken sehe und mich nur an ein Foto auf dem Schild halten kann.

Belvedere, ganz ohne Bellavista

Belvedere, ganz ohne Bellavista

Vom Belvedere führt nun ein felsiger Weg steil bergauf durch den Wald. Kaum ist der Wald vorbei, wird der Weg zu einem gepflasterten Weg, der unter der Seilbahn hindurch zum alten Albergo am Berg führt.

Das letzte Wegstück ist gepflastert

Das letzte Wegstück ist gepflastert

Das ehemalige Hotel nahe der Monte Baldo Bergstation steht zum Verkauf

Das ehemalige Hotel nahe der Monte Baldo Bergstation steht zum Verkauf

Und nun, zum Abschluß der Wanderung, wenige Meter vor der Bergstation, gibt es dann doch noch das Lemonsoda in der Locanda Baita Forti. Und einen Teller Spaghetti. Und ein Glas Vino Rosso. Vivere, vivere, was braucht’s mehr nach dieser Wanderung?

Die Baita dei Forti, direkt neben der Bergstation der Funivia Monte Baldo

Die Baita dei Forti, direkt neben der Bergstation der Funivia Monte Baldo

Bergab geht es dann wieder ganz bequem mit der Seilbahn. Schließlich bin ich ja nicht nach links abgebogen, kurz vor der Bar Prai.

Kurz vor dem Ende der Wanderung unterquert man die Monte Baldo Seilbahn

Kurz vor dem Ende der Wanderung unterquert man die Monte Baldo Seilbahn

Die Wanderung über den Sentiero del Ventrar ist eine wirklich beeindruckende Tour. Nicht besonders schwer, aber mit faszinierenden oder, je nach Naturell, erschreckenden Tiefblicken. Als ich dort war, haben sicher die schnell bergauf ziehenden Wolken noch zu der mystischen Stimmung beigetragen. Der weitere Weg über den Monte Baldo zurück zur Bergstation bietet völlig andere Eindrücke. Auch schön, aber der Teil kann für mich nicht ganz mit dem Sentiero del Ventrar mithalten.

Dauer und Schwierigkeit:
Insgesamt war ich auf dem Rundweg etwas über fünf Stunden unterwegs, inklusive aller Pausen. Der Weg ist überwiegend gut zu gehen, im abschließenden Aufstieg recht steil. Im Bereich des Sentiero del Ventrar, auf dem ich etwa eine Stunde unterwegs war, wandert man auf kurzen Abschnitten direkt an der Abbruchkante entlang, so dass dort auch Absturzgefahr besteht, wenn es blöd läuft. Die gefährdeten Bereiche sind mit Ketten oder Seilen gesichert. Ansonsten ist der Weg bei normalen Bedingungen gut zu gehen. Im Bereich des Sentiero del Ventrar und beim Aufstieg durch den Wald ist der Weg oft steinig, felsig oder wurzelig.

Höhenangaben:
Bergstation Funivia Monte Baldo (Tratto Spino): 1760 Meter
Beginn und Ende Sentiero del Ventar: 1560 Meter
Bar Prai: 1300 Meter

Essen und Trinken:
Die Bar Prai war bei meinem Besuch nicht geöffnet. Die Baita dei Forti direkt neben der Bergstation bietet italienische Küche, in der Bergstation selbst gibt es auch ein Restaurant.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Im Bereich des Sentiero del Ventrar besteht Absturzgefahr an einigen Stellen, die aber überwiegend mit Ketten und Stahlseilen gesichert sind. Dennoch sollte man eine gewisse Trittsicherheit und Schwindelfreiheit haben.

Wie komme ich hin?
Vom Ortszentrum in Malcesine bzw. der Gardesana Orientale den Wegweisern zur Funivia Monte Baldo folgen. In der Talstation befindet sich ein Parkhaus. Mit dem Bus kann man bis Malcesine fahren und in etwa fünf Minuten Fußweg die Talstation erreichen.

Links:
Seilbahn Funivia Monte Baldo Malcesine
Locanda Baita dei Forti

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