Outdoor by ISPO – eine neue Outdoormesse in München

Von Nachhaltigkeit, Hitze und Fahrkartenautomaten

Mit Vorfreude und auch etwas Skepsis setze ich mich in die S-Bahn Richtung Messe. Nach zwanzig Jahren in Friedrichshafen ist die „Outdoor“, die größte europäische Outdoor-Messe, nach München umgezogen. Für mich bedeutet es, dass ich nur ein paar S-Bahn-Stationen Anreise habe. Sogar hinradeln könnte ich. Aber ich stelle mir auch die Frage: Passt das? Zwei Messen zu ähnlichen Themen am selben Standort, kann das funktionieren? Schließlich findet hier schon jährlich die weltgrößte Sportfachmesse ISPO statt.

Auf der ersten Outdoor by ISPO in München

Auf der ersten Outdoor by ISPO in München

So fahre ich am ersten Messetag mit gemischten Gefühlen auf die Outdoor, die nun unter dem etwas sperrigeren Titel „Outdoor by ISPO“ firmiert.

Es ist Sonntagvormittag und die Temperaturen erreichen schon am Vormittag die 35 Grad Marke. Ist das noch normales Sommerwetter oder schon Klimawandel? Den Badegästen am Heimstettener See ist es gleich, die Liegewiese dort ist bereits gut gefüllt, wie ich aus der S-Bahn sehe.

Kurzer Einschub zum Münchner ÖPNV

Weniger schön als am Badeweiher ist es, in Feldkirchen auf den Bus zur Messe zu warten. Der Bahnhof wird gerade umgebaut. In sengender Hitze stehe ich auf dem Bahnhofsvorplatz, wo eine Chinesin mit zwei kleinen Kindern verzweifelt versucht, eine Fahrkarte zum Marienplatz zu kaufen. Der einzige Automat am Bahnhof steht so, dass das Display im Sonnenlicht nahezu unlesbar ist. Der Bahnhofskiosk ist geschlossen. Gedruckte Informationen gibt es keine, auf Englisch erst recht nicht.

Das Smartphone findet kein Netz, WLAN gibt es hier im Münchner Outback natürlich nicht. Willkommen in der reichsten Metropolregion Deutschlands.

Darf man kleine Kinder auf der Einzelfahrkarte mitnehmen? Ich weiß es nicht. Wir schaffen es dann doch noch, ihr eine Karte zu kaufen. Unter anderem auch, weil ein osteuropäischer Tourist sein T-Shirt auszieht, um damit das Display des Fahrkartenautomaten zu beschatten. Immerhin hat die Dame nun eine lustige Geschichte aus diesem wunderlichen europäischen Land, die sie zu Hause erzählen kann. Mein Bus kommt dann aber pünktlich und fährt mich klimatisiert zur Messe. Immerhin. Ende des Einschubs.

Zurück zur Outdoor

Auf der Outdoor in Friedrichshafen war ich nur einmal, das ist auch schon wieder sieben Jahre her. Der zeitliche Aufwand, dorthin zu fahren, war mir doch etwas zu hoch. Obwohl mir die Messe gefallen hatte, auch ich die Stimmung dort sehr gut fand und die Lage am Bodensee, mit den Alpen im Hintergrund, natürlich einfach grandios ist.

Jetzt also München. Was finde ich auf der Outdoor, was ich nicht schon ein halbes Jahr zuvor auf der ISPO hatte? Wie unterscheiden sich die Messen und welche Akzente will die neue Outdoor setzen? Das will ich auf meinem Messerundgang herausfinden und deshalb geht es mir diesmal nicht um die neuen Produkte, die ausgestellt werden, sondern um den Gesamteindruck der Messe.

Der erste Unterschied fällt schon vor der Anreise auf: Im Gegensatz zur ISPO nutzt die Outdoor nur die Hälfte der Hallen. Nur der östliche Teil des Messegeländes ist belegt, dazu viel Freifläche, unter anderem für die Zeltstadt, in der man übernachten kann.

Fokussierung auf Outdoorsport

Die Fokussierung auf den Outdoorbereich, von Wandern und Alpinsport über SUP bis zum Campen, gefäält mir gut. Die Messe ist mit neun Hallen immer noch groß, aber nicht erschlagend groß wie die Winter-ISPO. Dazu sind die Hallen sehr locker eingrichtet. Breite Mittelgänge vermitteln ein weitläufiges Gefühl, die Enge der ISPO fehlt mir nicht.

Eine Schuh-Teststrecke in einem der breiten Mittelgänge

Eine Schuh-Teststrecke in einem der breiten Mittelgänge

Im Vegleich zur ISPO sind weniger Besucher da. Insgesamt natürlich, aber auch spürbar in den Hallen. Auf der Outdoor sind laut Messegesellschaft über eintausend Aussteller vertreten, die ihre Produkte über 20.000 Besuchern präsentieren. Das sind Zahlen, die mit denen der letzten Outdoor-Messen in Friedrichshafen vergleichbar sind. Mir gefällt es, ich laufe lieber durch mehr weitläufige Hallen mit viel Platz als durch wenige, die dicht gestopft sind.

#challengeaccepted: Der Fokus auf Nachhaltigkeit

Wie will sich die Outdoor by ISPO von anderen Messen unterscheiden? Hier hat man sich für den klaren Fokus auf Nachhaltigkeit entschieden. Das Thema zieht sich durch den gesamten Auftritt und fällt beim Rundgang immer wieder auf.

Nachhaltigkeit ist in der Outdoorbranche schon seit einigen Jahren eines der großen Themen. Immer mehr Firmen setzen auf nachwachsende oder recyclete Rohstoffe, auf die Verringerung und Vermeidung von PFC. Einige nehmen soziale Verantwortung in den (überwiegend ostasiatischen) Produktionsländern als auch in den Abnehmerländern wahr oder unterstützen NGOs, die sich im Umweltschutz engagieren.

Schon am Messeeingang wird man vom Plastik-Müllmonster begrüßt

Schon am Messeeingang wird man vom Plastik-Müllmonster begrüßt

Die „Outdoor by ISPO“ hat sich als Ziel gesetzt, eine klimaneutrale Messe zu werden. Unter dem Hashtag #challengeaccepted will man Maßnahmen ergreifen, um das Ziel zu erreichen. Hierzu werden auch Standbauer, Caterer, Service Partner und Agenturne einbezogen. Inwieweit das funktioniert und ob die Outdoor messbar umweltfreundlicher wird als vergleichbar große Messen, wird sich zeigen.

Einige Ansätze waren auf jeden Fall auf der Messe zu sehen. So waren viele Trennwände aus unlackierten, wiederverwendbaren Grobspanplatten. Elemente, die schon auf der Bauma verwendet wurden, wurden erneut verwendet. Besonders auffällig: In der Zelthalle wurden sichtbar gebrauchte Europaletten als begrünte Raumteiler genutzt.

Begrünte Europaletten als Raumteiler

Begrünte Europaletten als Raumteiler

Auch viele Messestände waren leicht und aus Holz gebaut, der blickdichte Burgenbau einiger Hersteller, die mir auf der ISPO negativ aufgefallen war, fand hier nicht statt. Nur in den A-Hallen, die hauptsächlich von den großen Herstellen genutzt wurden, haben viele ihren ISPO-Stand übernommen. Ist ja auch OK, wenn ein Stand tatsächlich wiederverwendet wird. Sonst war helle Kiefer gefühlt der meistverwendete Werkstoff, was auch eine angenehme Atmosphäre schafft.

Die European Outdoor Conservation Association EOCA war mit sehr großen Ständen vertreten, auf denen man sich informieren oder Produkte kaufen konnte, deren Erlös der EOCA zugute kommt. In unmittelbarer Nähe es gab einen eigenen, zentral gelegenen, Bereich für Vorträge zur Nachhaltigkeit.

Gesundes Essen - auch eine Form der Nachhaltigkeit

Gesundes Essen – auch eine Form der Nachhaltigkeit

Nicht zuletzt standen in den Hallen Wasserhähne, an denen man seine Trinkflasche auffüllen konnte. Nachhaltig und günstig, denn Flaschenwasser ist auf der Messe üblicherweise recht teuer. Bei Klean Kanteen bekam man sogar einen kostenlosen Kaffee, wenn man seinen eigenen Becher mitgebracht hat.

Die Foodtrucks in einer Halle gehörten dann aber nicht zu jungen, hippen Startups, sondern entpuppten sich auf den zweiten Blick als Stände eines der bekannten Münchner Groß-Caterer (der, der nach einem Insekt benannt ist). Warum man dort weiter auf Einweggeschirr gesetzt hat, auch wenn es biolgisch abbaubar sein soll, verstehe ich nicht. Da hätte es sicher die Möglichkeit gegeben, Mehrweggeschirr zu nutzen.

In der Outdoor Bloggerlounge

In der Outdoor Bloggerlounge

Für Blogger war in der Zelthalle zwischen den Zelten und einem Rad-Testparcours eine Bloggerbase eingerichtet. Trotz der Biker auf der Strecke direkt nebenan war es angenehm ruhig, zum Arbeiten oder für Gespräche. Leider habe ich den Nachhaltigkeits-Bloggerwalk verpasst, mehr darüber könnt ihr bei HappyHiker lesen. In den Folgetagen gab es weitere Walks, darüber wird es sicher auch noch Artikel geben.

Mein Fazit zur ersten Outdoor by ISPO

Die Outdoor in Friedrichshafen hatte einen hervorragenden Ruf als Lagerfeuer der Outdoorbranche. Diesen Ruf muss sich die Messe München, einer der ganz großen Player in der deutschen Messelandschaft, erst noch erarbeiten.

Aber ich glaube, dass man da auf einem guten Weg ist. Die Outdoor ist unterscheidbar anders aufgestellt als die ISPO. Der Ansatz, die Messe möglichst nachhaltig und als Ziel klimaneutral durchzuführen, gefällt mir sehr gut. Die Zahlen müssen zeigen, wie gut das schon funktioniert. Und man wird beobachten, welche weiteren Schritte es geben wird.

Die ruhigere, offenere und weitläufigere Atmosphäre in den Hallen im Vergleich zur ISPO hat mir sehr gut gefallen. Der Sommertermin mit den Möglichkeiten, auch die Freigelände zu nutzen und dort zelten zu können, spricht ebenfalls für die Outdoor.

Auch ein Vorteil einer Messe im Sommer: Ein Biergarten unter Bäumen

Auch ein Vorteil einer Messe im Sommer: Ein Biergarten unter Bäumen

Abzuwarten bleibt, wie viele Aussteller bereit sind, beide Messen zu besuchen. Werden sie mittelfristig doch bei der größeren ISPO bleiben? Oder werden Outdoor-Aussteller vielleicht anstelle der ISPO bewusst zur Outdoor gehen und das alte Lagerfeuergefühl wieder beleben?

Mir persönlich hat die erste Oudoor in München gut gefallen. Müsste ich mich zwischen ISPO und Outdoor unterscheiden, wäre mir die Outdoor lieber. Daher bin ich sehr gespannt, wie sie sich in den nächsten Jahren entwickelt.

Weitere Eindrücke von der Outdoor findet Ihr bei Hurra-draussen.de, Happyhiker und Bergtouren im Allgäu. Und da geht es dann auch wieder um die Produkte, die auf der Outdoor by ISPO vorgestellt wurden.

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