Der Tüttensee im Chiemgau – kleiner See mit großem Geheimnis

Kleine Wanderung und ein Weißbier am See

Ein kleiner Moorsee, von Wald umgeben, mit einem Seebad und einer Gastwirtschaft mit Terrasse direkt am Wasser. Viel mehr braucht’s nicht für einen lauen Sommerabend. Oder auch für einen Frühlingstag, wenn es schon wärmer wird. Wenn in den Bergen noch zu viel Schnee liegt, es für eine kleine Runde um den See und ein Stück Kuchen oder eine Halbe Weißbier mit Seeblick schon warm genug ist.

Der kleine Tüttensee im Cheimgau ist ganz von Wald umgeben

Der kleine Tüttensee im Cheimgau ist ganz von Wald umgeben

Gleich im Südosten vom ungleich größeren Chiemsee liegt der nur etwa 11 Hektar große Tüttensee nördlich der A8. Von der Ausfahrt „Bergen“ fahren wir über Einharting in Richtung Grabenstätt über kleine Straßen. Schnell ist der Tüttensee ausgeschildert und über eine schmale Straße gelangen wir schnell zum Pakplatz am Waldrand.

Fast direkt neben dem Parkplatz liegt auch schon das Strandbad, wenige Meter weiter die Gaststätte mit der Seeterrasse. Der Tüttensee hat eine gute Wasserqualität und ist einer der wärmsten Seen des Chiemgaus, was ihn zu einem beliebten Badesee macht.

Zu Beginn der achtziger Jahre war der See durch zu starken Nährstoffeintrag aus der umgebenden Landwirtschaft schwer geschädigt. Durch den Bach als Zulauf wurde er überdüngt. Dank einer Pflanzenkläranlage, die in Zusammenarbeit von BUND Naturschutz und den lokalen Behörden angelegt wurde, ist die Wasserqualität des Tüttensees inzwischen wieder gut.

Bevor wir die Wanderung um den See antreten, stärken wir uns erst einmal in der Seewirtschaft mit Kaffee und Kuchen. Immerhin wartet noch eine etwa anderthalb Kilometer Wanderstrecke ohne Höhenmeter auf uns, da wollen wir vorbereitet sein.

Der breite und flache Weg führt nah am Ufer entlang. Schnell erreichen wir die Uferschutzzone des Sees, die das gesamte Ostufer umfasst.

Die Karte der Wege am Tüttensee - eine recht übersichtliche Gegend

Die Karte der Wege am Tüttensee – eine recht übersichtliche Gegend

Was man dem kleinen See, der da so friedlich im Wald liegt, gar nicht zutraut: Er birgt ein Geheimnis und ist Zankapfel der Anhänger verschiedener Theorien. Umstritten ist die Entstehung des Sees: Vermutlich ist der Tüttensee ein Toteissee, ein etwa 12000 Jahre altes Relikt der letzten Eiszeit, die die gesamte bayerische Voralpenlandschaft modelliert hat.

Die Anhänger einer anderen Theorie vermuten aber, dass der Tüttensee erst vor etwa 2500 Jahren infolge eines Meteoriteneinschlags entstanden ist. Der sogenannte Chiemgau-Impakt soll sich über ein großes Gebiet im Chiemgau erstreckt haben. Ob es den Einschlag aber überhaupt gegeben hat, konnte bisher nicht bewiesen werden.

Zu beiden Entstehungsgeschichten lassen sich im Weg einige Artikel und ganze Websites finden. Das Bayerische Landesamt für Umwelt geht davon aus, dass der Tüttensee ein Toteisloch ist. Uns soll es für heute egal sein, wir setzen unsere kleine Wanderung fort. Im Osten führt der Weg etwas vom Ufer fort, wir überqueren den Zufluß und kehren wieder zum See zurück.

Am Nordufer sehen wir einige Bäume, die typische Biberspuren aufweisen. Der streng geschütze Nager hat hier schon einige Bäume sauber umgelegt. Den Biber selbst sehen wir natürlich nicht, er ist erst in der Dämmerung und in der Nacht aktiv.

Nicht vom Biber angenagt ist ein kräftiger Baum, der direkt am Ufer steht. An ihm hängt ein Sprungseil, mit dem man weite Sprünge in den See machen kann. Ein solches Seil hatten wir auch schon beim Hackensee gesehen. Mitte März ist es uns noch zu kühl für einen beherzten Sprung in den See, wir setzen unsere kleine Wanderung lieber auf dem Trockenen fort.

Wir überqueren den Abfluß im Nordwesten des Sees und sind kurz darauf auch schon wieder am Parkplatz angelangt. Nicht viel mehr als eine halbe Stunde haben wir bei eher gemächlichem Tempo benötigt. Die Tüttensee-Runde ist also eher ein Spaziergang als eine Wanderung. Aber ein schöner Spaziergang.

Als eigenständiges Tagesziel wird man den Tüttensee von München aus sicher nicht ansteuern, aber die Nähe zum Chiemsee lädt dazu ein, den Besuch beider Seen zu kombinieren.

Dauer und Schwierigkeit:
Der Weg um den Tüttensee herum ist ein leichter, ebener Spaziergang, der kaum länger als eine halbe Stunde dauert.

Essen und Trinken:
Die Gaststätte am Seebad bietet sich für eine Pause an. Auf der Terrasse sitzt man sehr schön und die Kuchen sind auch eine echte Empfehlung.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Die Runde um den See ist völlig problemlos zu gehen. Aufgefallen ist uns aber das mehrsprachige Warnschild vor dem abfallenden Ufer des Sees. Eine ausführliche Erklärung zu den beim Schwinnem in Kiesweihern findet Ihr beim geschätzten Bloggerkollegen Zwetschgenmann.

Das vielsprachige Warnschild am Tüttensee

Das vielsprachige Warnschild am Tüttensee

Wandern mit Hund:
Hunde sollen auf dem gesamten Weg angeleint werden. Da der Weg direkt um den See führt, ist Trinken für Hunde kein Problem.

Wenn man Durst hat, ist der Tüttensee ein großer Trinknapf

Wenn man Durst hat, ist der Tüttensee ein großer Trinknapf

Wie komme ich hin?
Mit Bus und Bahn: Von München aus kommt man mit der Bahn gut nach Traunstein. Von dort aus kann man mit dem Bus nach Marwang fahren und weiter zu Fuß zum See gehen. Das muss man aber schon gut planen, da der Bus nicht häufig fährt. Insgesamt ist es eher keine gute Option.
Mit dem Auto: Von München aus über die A8 bis zur Ausfahrt Bergen. Dann unter der Autobahn hindurch in Richtung Vachendorf und dann Einharting. Ab dort ist der Tüttensee ausgeschildert. Direkt am See befindet sich der kostenlose Parkplatz im Wald. Weiter Parkplätze sind direkt am Waldrand.

Links:
Homepage von Seebad und Restaurant/Lounge Tüttensee
Der Zwetschgenmann zu den Gefahren beim Schwimmen an Kiesweihern
Der Tüttensee bei chiemsee-chiemgau.info
Natur vor der Haustür, der Tüttensee bei Bund Naturschutz
Der Wikipedia-Eintrag zum Tüttensee

Buchtipp und Wanderkarte:

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Besten Dank für diese Erwähnung und Verlinkung.
    Zwar ist der Bodenuntergrund im Tüttensee etwas anders als in den Weihern im Kiesland, aber die Gefahr des Ertrinkens besteht eben bei dem steil abfallenden Uferprofil auch dort, wenn man nicht schwimmen kann.

    Und das nächste Mal, wenn wir im Chiemgau sind, umrunden wir ihn zu Fuß, schwimmend geht das nicht, ein Teil ist wie an einigen Seen und Weihern aus Naturschutzgründen gesperrt. Und das ist richtig so, es gibt genug nutzbare Wasserflächen in der Region.
    Liebe Grüße
    Lutz

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