Die Stein-Pyramiden an der Isar bei Lenggries

Die ehemaligen Isarpyramiden in den Isarauen zwischen Bad Tölz und Lenggries

Mittlerweile sind es nur noch die Fotos und eine alte Wanderkarte, die an das vielleicht größte und bekannteste Land-Art Kunstwerk an der Isar erinnern: Die Isar-Pyramiden, die am linken Isarufer zwischen Lenggries und Bad Tölz standen. Immer wieder haben die Hochwasser der Isar die Stein-Pyramiden zerstört, immer wieder wurden sie aufgebaut.

Die Isarpyramiden vor dem Panorama vom Brauneck bis zur Benediktenwand

Die Isarpyramiden vor dem Panorama vom Brauneck bis zur Benediktenwand

Die erste Version meines Artikels über die Isar-Pyramiden stammt von 2009. Jetzt, zehn Jahre später, habe ich den Platz noch einmal besucht. Ich hatte schon gehört, dass es die Pyramiden nicht mehr gibt, aber ich wollte es natürlich noch einmal selbst sehen. So habe ich einen Wandertag am Brauneck dazu genutzt, noch einmal am Isarufer vorbeizuschauen.

Karl-Heinz Fett war der Künstler, ein Rentner aus Bad Tölz, der die Pyramiden am Isarufer Jahr für Jahr errichtet hat. Nicht einzelne Steinmanndln wie man sie häufig an der Isar und anderen Gebirgsflüssen findet. Zu Dutzenden standen mächtige Steintürme und Steinwände auf der Kiesbank. Manche hoch, andere kleiner, aber filigran mit Türmchen als Spitze verziert, die aus drei oder vier aufeinander gestapelten Flusskieseln bestanden.

Bis zu zwei Meter fünfzig waren die größten Steinpyramiden hoch. Wobei es ja streng genommen Kegel und keine Pyramiden waren, weil sie eine kreisförmige Grundfläche hatten. Aber jeder kannte sie unter dem Namen „Isar-Pyramiden“.

Fragile Mauern waren um kleine Pyramiden gezogen, ein Brett, ebenfalls von Steinmauern umgeben, diente als Bank. Auch am Eingang, direkt nachdem man durch die Büsche auf die Kiesbank gelangte, stand eine einfache Brettbank, dazu ein selbstgebautes Hinweisschild und eine Blechdose als Spendenbüchse.

Bis das nächste Hochwasser sie wieder eingeebnet hat und aus den Kunstwerken wieder normale Steine wurden. Die meisten strahlend weiße Kalksteine, die „die Reißende“, was ein Ursprung des Namens Isar sein kann, über viele Jahre und viele Fluten aus dem Karwendel heruntertragen hat. Ein paar schwarze, ein paar rote Steine waren dabei, manche schön marmorierte, aber die Mehrzahl blieb immer weißer Kalkstein.

Die Pyramiden waren tolles Fotomotiv. Und jeder, der sich selbst an kleinen Varianten der Steinhaufen versucht hat, erkannte schnell, wie viel Arbeit darin gesteckt haben muss, die großen Kunstwerke zu schaffen.

Seit Ende der neunziger Jahre standen die Pyramiden an der Isar. Meine Fotos stammen aus dem November 2008 und dem April 2009.

In der Region waren die Kunstwerke von Karl-Heinz Fett sehr bekannt, es gab Zeitungartikel und sogar eine Anfrage an das Wasserwirtschaftsamt Weilheim, ob diese Pyramiden eine Gefahr für die Natur darstellen könnten. Haben sie nicht, zum Glück. Auf der Allgäu-Humor Website kann man es nochmal nachlesen.

Irgendwann, so habe ich gelesen, fiel es dem Künstler dann aus Altersgründen immer schwerer, die Steintürme wieder aufzubauen. So sind die Pyramiden mit der Zeit verfallen und mittlerweile hat sich sie die Isar sie wieder komplett zurückgeholt.

Zwischen Bibermühle und Steinbach, welch passender Name, kann man durch die weitläufigen Isarauen spazieren und Radeln. Ein schöner Ausflug, der die Wanderer und Radler auf jeden Fall auch an das Isarufer führt. Dort kann man die Füße und seine mitgebrachten Getränke kühlen, denn als Gebirgsfluss ist die Isar nicht nur wild, sondern auch richtig kalt.

Dort geht's lang: Der Wegweiser zu Klein-Kairo an der Isar

Dort geht’s lang: Der Wegweiser zu Klein-Kairo an der Isar

Als die Pyramiden noch standen, haben ein kleines Schild mit der Aufschrift „Klein Kairo“ und ein langer Pfeil aus Steinen den Weg zum Eingang gewiesen.

In meiner Kompass-Wanderkarte, die mittlerweile auch schon ein paar Jahre alt ist, sind die Steinpyramiden noch eingezeichnet. Das finde ich bemerkenswert, denn bei jedem Hochwasser konnten sie zerstört werden und niemand wusste, wie lange sie noch bestehen werden. In aktuellen Wanderkarten sind sie nicht mehr eingezeichnet.

Nun habe ich den Platz nach einigen Jahren noch einmal besucht. Fast nichts mehr deutet auf die besonderen Kunstwerke hin, die hier standen. Aber die Vergänglichkeit der Kunst ist ja auch Bestandteil von Land-Art. Ein paar wenige im Kreis angeordnete Steine habe ich noch gefunden, die möglicherweise die Grundflächen einzelner Pyramiden waren. Schade, dass sie weg sind, aber eine schöne Erinnerung ist es dennoch und ich hoffe, dass ich die Pyramiden nicht ganz in Vergessenheit geraten.

Dauer und Schwierigkeit:
Wer nahe an der Isar parkt, erreicht die Kiesbank, auf der die Pyramiden standen, in weniger als zehn Minuten. Eine längere Wanderung wird es schon, wenn man von Lenggries aus am Isarufer oder durch die Isarauen wandert. Von Bad Tölz aus geht es deutlich schneller. Schwierigkeiten sollten auf dieser Wanderung, die flach am Isarufer entlangführt, nicht auftreten.

Höhenangaben:
Bad Tölz: Etwa 660 Meter
Lenggries: Etwa 680 Meter

Essen und Trinken:
In den Orten, an der Isar selbst gibt es nichts. Aber am schönsten ist es natürlich, sein Picknick an die Isar mitzubringen.

Wo muss ich besonders aufpassen?
Bei Hochwasser der Isar sollte man vorsichtig sein.

Ist der Weg für Kinderwagen geeignet?
Die Wege durch die Isarauen sind gute Kieswege und teilweise unbefestigt Wege, für normale Kinderwagen gut geeignet.

Wie komme ich hin?
Mit dem Zug: Nach Bad Tölz und Lenggries gelangt man direkt vom München Hauptbahnhof mit der Bayerischen Oberlandbahn. Wer nach Bad Tölz fährt, muss allerdings ein Stück mit dem Bus fahren oder weit durch die Stadt laufen.
Mit dem Auto: Von München aus über die B13/B472 nach Bad Tölz. Dort nicht auf der B13 Richtung Lenggries fahren, sondern die nächste Abfahrt auf die Staatsstraße St2072 nehmen. Direkt hinter Bibermühle gibt es einen kleinen Parkplatz. Dann zur Isar und wieder nördlich in Richtung Bad Tölz laufen.

Links:
Artikel über Karl Heinz Fett
Ein Foto des Künstlers
Wasserwirtschaftsamt Weilheim (ohne die Anfrage, aber mit vielen Informationen zu Wasser und Kinderseiten)

Wanderkarte:

Gleich weiterlesen:

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Uli,

    ein schöner Bericht zur den Isar-Pyramieden. Den ein oder anderen Hinweis hätte ich noch. Mit der BOB kann man bis Obergies fahren, dann zu Fuß Richtung Arzbach, zuerst unter der Bundesstraße durch, dann über die Isarbrücke drüber und rechts Richtung Bad Tölz bis man zur Abzweigung nach „Klein-Karo“ kommt. Das erste Bild zeigt im Hintergrund nicht das Karwendel, sondern von links nach rechts das Brauneck, Schrödelstein, Kirchstein, Latschenkopf (nicht sichtbar), die Achselköpfe und die Benediktenwand, übrigens eine schöne Überschreitung 😉

    Am 25. April war ich auch in der Gegend. ich habe die Scharnitz-Almen besucht, wo der „Brandner-Kasper“ gedreht wurde. Eine Reihe von Steinböcken und Gämsen waren im Schnee unterwegs.

    Gruß,
    Christian

  2. Hallo Christian,

    vielen Dank für die Hinweise! Das „Karwendel“ habe ich gleich mal aus der Bildunterschrift gestrichen. Wie bin ich denn darauf gekommen?
    Zum Brandner Kasper habe ich gleich eine Seite bei den Bayerischen Staatsforsten gefunden.

    Viele Grüße,
    Uli

  3. Pingback: Tagestour ins Karwendel | Gute Reise

  4. Servus,
    wir sind da mal geradelt und haben sie zufällig entdeckt. So wie auf den Fotos hier sah es nicht aus und das Schild war da auch nicht. Erst später fand ich die Info im Netz und war erstaunt das man darüber berichtet.
    Gestern war ich wieder an der Stelle, aber es sind nur paar Reste im Gebüsch zu sehen. Die Isar hat ganze Arbeit geleistet, leider.
    Da dieser Herr nicht mehr tätig ist, wird es sie auch nicht mehr geben.
    Bin froh das ich sie noch gesehen und auch fotografiert habe.
    Lieben Gruss
    Sigrid

  5. Hallo Sigrid,
    danke für Deine Nachricht! Ich war schon länger nicht mehr dort, aber ich habe zwischenzeitlich auch immer wieder gehört, dass die Pyramiden nicht mehr wie früher dort stehen bzw. nicht mehr aufgebaut werden. Schade, aber das ist bei dieser Art Kunst natürlich immer möglich.
    Viele Grüße
    Uli

Schreibe einen Kommentar