Wanderung vom Luegsteinsee zum Grafenloch

Wanderung: Oberaudorf im Inntal – Luegsteinsee – Grafenloch und zurück

Vom Luegsteinsee in Oberaudorf im Inntal ist es nur eine kurze Wanderung zum Grafenloch, einer Höhle, die spektakulär in einer senkrechten Felswand liegt. Der Weg ist überwiegend sehr leicht, nur auf den letzten zwanzig Metern muss man trittsicher und schwindelfrei sein. Als Belohnung gibt es dann einen großartigen Ausblick über das Inntal auf das Kaisergebirge.

Der Blick aus dem Grafenloch über das Inntal auf das Kaisergebirge

Der Blick aus dem Grafenloch über das Inntal auf das Kaisergebirge

Das Grafenloch oder die Luegsteinhöhle

Der offizielle Name der Höhle ist Luegsteinhöhle, bekannter ist sie aber unter dem Namen Grafenloch. Die natürliche Höhle wurde im Hochmittelalter durch eine Mauer zu einer Höhlenburg ausgebaut. Einige wenige Reste der Mauer sind noch zu sehen. Etwa vom 10. bis 13. Jahrhundert wurde die Höhlenburg wohl bewohnt, es könnte sich um eine Vorgängerburg der später errichteten Auer Burg handeln. Viel mehr ist aber über diese mittelalterliche Höhlenburg nicht bekannt.

Das Grafenloch ist eine der vier Höhlen der „Inntaler Unterwelten“. Die drei anderen Höhlen sind die Wendelsteinhöhle, die Tischoferhöhle am Beginn des Kaisertals bei Kufstein und die Hundalm Eishöhle bei Kirchbichl.

Die Sage um das Grafenloch

Viele gesicherte Informationen gibt es also nicht über das Grafenloch, dafür rankt sich aber eine Sage um die Höhle in der senkrechten Felswand. Der Sohn des Auer Grafen, getrieben durch die Gier nach Macht und Reichtum, ermordete seine Eltern, um schneller an sein Erbe zu kommen. Als ihm geweissagt wurde, dass er als Strafe für diese Untat bald durch einen Blitzschlag sterben würde, glaubte er nicht daran.

Als aber kurz darauf ein Blitz in den Turm seiner Burg einschlug, bekam er es doch mit der Angst zu tun und zog sich in die Höhlenburg zurück. Hier wähnte er sich vor weiterem Blitzschlag in Sicherheit. Doch bei einem plötzlich aufziehenden Gewitter schaffte er es nicht mehr rechtzeitig, über die Leiter in die Höhle zu klettern und wurde vom Blitz erschlagen. Angeblich soll man noch heute die schwarzen Reste dieses Blitzes an den Wänden der Höhle sehen können.

Die Wanderung zum Grafenloch

Der Audorfer Höhlenweg verbindet die Sehenswürdigkeiten des Ortes, wobei wir uns nur grob an die Streckenführung halten. Bis auf die Luegsteinhöhle liegen alle anderen Punkte jeweils nur wenige Gehminuten voneinander entfernt im Ortszentrum.

Wir starten am Parkplatz am Luegsteinsee. Den See können wir nun links oder rechts umrunden. Der Weg, der rechts am Nordufer am Berghang entlangführt, ist schöner. Vom linken Weg am Südufer hat man aber schon die Luegsteinwand im Blick. Die Höhle ist aber nicht zu erkennen.

Am Luegsteinsee

Am Luegsteinsee

Wir nehmen den Weg am Nordufer und kommen nach wenigen Minuten dort auf der großen Wiese mit dem kleinen Bachlauf an. Diesem Bach folgen wir nun in den Wald, bis wir nach einem ersten Anstieg eine Lichtung erreichen.

Hier führt der Weg nach rechts. Ein etwas ungewöhnlicher Wanderwegweiser zeigt es an. Er steht etwas hinter der Abzweigung entgegen der Laufrichtung und ist statt mit der Angabe des Ziels nur mit „Wanderweg“ beschriftet.

Ein eher ungewöhnlicher Wanderwegweiser. Warum steht da nicht Grafenloch oder Luegsteinhöhle?

Ein eher ungewöhnlicher Wanderwegweiser. Warum steht da nicht Grafenloch oder Luegsteinhöhle?

Jetzt führt der Weg in ein paar Serpentinen bergauf und schon eine Viertelstunde später sind wir an zwei Schildern angelangt. Das große Schild klärt über die Geschichte und die Sage des Grafenlochs auf. Das kleinere Schild weist darauf hin, dass wir nun auf einem absturzgefährdeten alpinen Steig weiterwandern.

Die Schilder kurz vor dem Beginn des alpinen Steigs

Die Schilder kurz vor dem Beginn des alpinen Steigs

Zunächst ist der Weg noch schmal, aber gut zu gehen. Doch nach einer Treppe beginnt der eigentliche Steig. Auf den letzten Metern ist der Weg nun sehr schmal und führt seilversichert direkt an der senkrechten Wand entlang.

Rechts geht es in die Tiefe. Schon nach etwa 20 Metern endet der Weg an der Leiter, über die man dann zum Grafenloch aufsteigt.

Das letzte Wegstück mit der Seilversicherung führt direkt zur Leiter ins Grafenloch

Das letzte Wegstück mit der Seilversicherung führt direkt zur Leiter ins Grafenloch

Auf vielen Fotos, sowohl auf den Infotafeln wie auch im Internet, sieht man noch die alte Holzleiter. Sie wurde mittlerweile durch eine stabile Metalleiter mit Handläufen ersetzt. Die Leiter ist etwa sechs Meter hoch und führt schräg direkt hinauf zum Grafenloch.

Die Leiter hoch zum Grafenloch. Vorsicht beim Abstieg, der Platz vor der Leiter ist recht klein

Die Leiter hoch zum Grafenloch. Vorsicht beim Abstieg, der Platz vor der Leiter ist recht klein

Das Grafenloch selbst ist eine Höhle, die schräg ansteigend knapp zwanzig Meter weit in den Berg führt. Da die Decke sehr hoch ist und sich die Höhle zum Ausgang hin immer weiter öffnet, erzeugt sie aber kein Höhlengefühl. Man fühlt sich eher, als wenn man auf einer Freilichtbühne steht.

Der Blick aus dem Grafenloch heraus

Der Blick aus dem Grafenloch heraus

Der Blick ins Grafenloch. Außer Felsen gibt es nichts zu sehen

Der Blick ins Grafenloch. Außer Felsen gibt es nichts zu sehen

Die Höhle ist nach Süden hin geöffnet, so dass wir einen hervorragenden Blick über das Inntal haben. Unter uns liegen die südlichen Ortsteile von Oberaudorf und im Hintergrund ragen die Bergmassive des Zahmen und des Wilden Kaisers auf. Hier oben haben wir einen echten Logenplatz über dem Inntal. Sogar eine Bank steht hier!

Vom Rand der Höhle aus sieht man das Kaisergebirge besonders gut

Vom Rand der Höhle aus sieht man das Kaisergebirge besonders gut

Direkt neben der Leiter sehen wir auch noch einige wenige Reste der Mauer. Die größten Mauerreste sind unterhalb der Höhle, so dass wir diese von hier aus nicht sehen können.

Neben der Leiter sind ein paar Mauerreste zu sehen

Neben der Leiter sind ein paar Mauerreste zu sehen

Zurück geht es auf dem Hinweg. Die Leiter hinunter, entlang der Seilversicherung wieder zurück und dann auf dem Wanderweg wieder hinunter zum See.

Am Ende der Seilversicherung zweigt noch ein schmaler, steiler Pfad ab, den wir auf dem Hinweg gar nicht bemerkt haben. Er ist nur wenige Meter lang und führt zur kleinen Höhle „Rossstall“ hinauf. Der Sage nach hat der Graf diese Höhle als Stall für seine Pferde genutzt. Sehr glaubwürdig erscheint mir das allerdings nicht, dafür ist die Höhle doch sehr klein und sehr felsig.

Dieser Blick ist nicht jedermanns Sache: Die Leiter scheint direkt in den Abgrund zu führen

Dieser Blick ist nicht jedermanns Sache: Die Leiter scheint direkt in den Abgrund zu führen

Nach weniger als einer halben Stunde Wanderung zurück verlassen wir den Wald und stehen wieder am Luegsteinsee. Im Sommer bietet es sich an, Badesachen mitzubringen, denn der See ist ein Naturbadesee mit Strandbad und großer Liegewiese. Eine Wasserrutsche gibt es, für Kinder einen kleinen, abgetrennten Bereich und einen Spielplatz.

Blick vom Südufer über den Luegsteinsee zur Luegsteinwand. Irgendwo oben ist das Grafenloch

Blick vom Südufer über den Luegsteinsee zur Luegsteinwand. Irgendwo oben ist das Grafenloch

Weitere Sehenswürdigkeiten in Oberaudorf

In Fußwegentfernung zum Luegsteinsee findet Ihr noch weitere Sehenswürdigkeiten in Oberaudorf. Auf dem Weg in den Ort liegt etwas erhöht direkt an einer Felswand das Gasthaus „Weber an der Wand“.

Im Jahr 1666 wurde es als einfache Eremitenklause gegründet, später diente es als erstes Schulhaus von Oberaudorf, bevor es dann Gasthaus wurde. Zur Zeit ist das Gasthaus allerdings geschlossen.

Das ehemalige Gasthaus Weber an der Wand

Das ehemalige Gasthaus Weber an der Wand

Mitten im Ort und nicht zu übersehen ist das alte Burgtor. Zwischen zwei Felsen eingeklemmt, diente die schmale Durchfahrt als Maut- und Zollsperre. Heute ist in dem Gebäude das Audorfer Museum untergebracht.

Das Burgtor in Oberaudorf, früher wurden hier Zölle erhoben, jetzt befindet sich hier das Ortsmuseum

Das Burgtor in Oberaudorf, früher wurden hier Zölle erhoben, jetzt befindet sich hier das Ortsmuseum

Kurz vor dem Burgtor, wenn man vom Luegsteinsee kommt, zweigt von der Hauptstraße die kleine Straße „Am Schloßberg“ ab. Auf dem Schloßberg kann man die Ruinen der Auer Burg besichtigen.

Am Fuß des Berges liegt die kleine Felsenhöhle „Ponorhöhle“, durch die ein kleiner Bach fließt. Wir haben uns mit einem Blick von Außen in die Höhle begnügt und sind nicht hineingeklettert.

Die Ponorhöhle im Burgberg

Die Ponorhöhle im Burgberg

Dauer und Schwierigkeit:
Die Wanderung vom Luegsteinsee zum Grafenloch ist eine eher kurze Wanderung. Pro Strecke kann man mit einer guten halben Stunde Wanderung rechnen. Auch wenn der Weg teilweise etwas steiler wird und über Wurzeln und Steine führt, schwierig ist er nicht. Nur auf den letzten zwanzig Metern, an der seilversicherten Stelle und über die Leiter, sind Aufmerksamkeit und Trittsicherheit gefragt. Wer große Probleme mit der Höhe hat, wird mit diesen letzten Teil möglicherwiese Probleme haben.

Höhenangaben:
Oberaudorf: 479 Meter
Luegsteinsee: 499 Meter
Luegsteinhöhle / Grafenloch: 640 Meter

Essen und Trinken:
Auf dem Weg nicht. Auch das Wirtshaus „Weber an der Wand“ ist aktuell geschlossen. Am Luegsteinsee gibt es einen Kiosk, in Oberaudorf mehrere Restaurants.

Wo muss ich besonders aufpassen?
Die Wanderung ist eher leicht und auch relativ kurz. Vorsicht ist auf den letzten Metern gefragt. Wie das Schild schon ankündigt: Auf dem kurzen, seilversicherten Abscnitt und von der Leiter herrscht Absturzgefahr. Grundsätzlich sind die Stellen bei trockenem Wetter nicht schwierig zu gehen, nur Abstürzen darf man halt nicht.

Die seilversicherte Stelle unmittelbar vor der Leiter zum Grafenloch

Die seilversicherte Stelle unmittelbar vor der Leiter zum Grafenloch

Wandern mit Hund:
Im Bereich ses Luegsteinsees müssen Hunde angeleint werden, sie sollen auch nicht im See baden. Trinken können Hunde im See und an mehreren Stellen im Bach. Auch im Aufstieg gibt es weitere Trinkmöglichkeiten. Den seilversicherten Weg und die Leiter halte ich für nicht geeignet für Hunde. Daher sollte man mit Hund zu Zweit wandern, damit jeweils einer vor dem Beginn der Seilversicherung mit dem Hund warten kann.

Wie komme ich hin?
Mit der Bahn: In gut einer Stunde fährt man mit dem Meridian von München in Richtung Kufstein bis Oberaudorf. Vom Bahnhof wandert man etwa 20 Minuten durch den Ort bis zum Luegsteinsee.
Mit dem Auto: Von München aus über die A8 und die A93 in Richtung Kufstein bis zur Ausfahrt Oberaudorf fahren. Dort nach links in Richtung Oberaudorf fahren und nach der Eisenbahnunterführung noch einmal nach links. Durch das Burgtor fahren und kurz danach nach rechts in die Seestraße abbiegen. Nach 100 Metern am kostenpflichtigen Wanderparkplatz (2019: 3 Euro) parken.

Links:
Das Grafenloch auf der burgenseite.de und bei alleburgen.de
Inntaler Unterwelten: Grafenloch
Informationen zum Weber an der Wand bei chiemsee-alpenland.de
Informationen zum Oberaudorfer Museum

Buchtipps und Wanderkarte:

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