Über den Passo Guil nach Limone am Gardasee

Wanderung: Prè im Ledrotal – Leano – Malga Vil – Passo Guil – Cima Mughera – Limone am Gardasee

Die Überschreitung des Passo Guil: Die Wanderung führt vom Ledrotal hinauf zum Pass und dann hinab nach Limone sul Garda. Einige hundert Höhenmeter geht es bergauf, dann noch einmal 1100 Höhenmeter bergab. Dazwischen erwarten mich Wälder, ein kleines Dorf, viele Serpentinen, ein fantastischer Aublick auf den Gardasee und die entspannteste „Berghütte“ überhaupt.

Oben auf der Cima Mughera - Grandioser Blick über den Gardasee auf den Monte BaldoOben auf der Cima Mughera - Grandioser Blick über den Gardasee auf den Monte Baldo

Oben auf der Cima Mughera – Grandioser Blick über den Gardasee auf den Monte Baldo

Die Wanderung startet in Prè im Ledrotal. Kurz nach dem etwa fünf Kilometer langen Tunnel, der Riva del Garda mit dem Ledrotal verbindet, zweigt die Straße nach Prè links ab. Obwohl es so nah an den Touristenzentren von Gardasee und Ledrosee liegt, ist Prè ein ruhiges, völlig untouristisches Dorf geblieben. Nur die Wandertafeln zeigen an, dass hier auch mal Nichteinheimische vorbei kommen.

Ein Blick zurück auf den Startort, Prè im Ledrotal

Ein Blick zurück auf den Startort, Prè im Ledrotal

Von der Kirche aus geht es ein paar Meter zurück, dann rechts in die kleine Gasse und über die Brücke. Hier beginnt der Wanderweg Nr. 421, der mich in einer Stunde nach Leano, dann in einer weiteren Stunde zum Passo Guil führen soll. Direkt am Beginn des Weges steht ein alter Kalkbrennofen, die gibt es hier im Ledrotal recht häufig. Eine große Tafel erläutert auf italienisch und deutsch, wie die Öfen genutzt wurden.

Auf der Straße hinauf nach Leano

Auf der Straße hinauf nach Leano

Dann wandere ich los, zunächst auf dem breiten Fahrweg durch den Wald. Ich passiere einzelne Häuser, habe anfangs einen schönen Blick zurück auf Prè, später auf Biacesa, das schon tief unterhalb des Weges liegt, da der Weg für einen Fahrweg recht steil ist. Fast pausenlos sind die Motorräder zu hören, die die Serpentinenstraße im Ledrotal durchfahren.

Leano, das kleine Dorf im Hochtal zwischen Ledrotal und Gardasee

Leano, das kleine Dorf im Hochtal zwischen Ledrotal und Gardasee

Tatsächlich, nach ziemlich genau einer Stunde Fußweg tauchen die ersten Häuser von Leano auf. Das Dorf liegt in einem Hochtal auf knapp 900 Metern Höhe, rundherum umgeben von Bergen. Die etwa 25 Häuser des Dorfes sind auf einer großen Almwiese verstreut. Vor vielen Jahren wurde das Dorf aufgegeben, dann aber wiederentdeckt, mittlerweile werden die Häuser als Ferienhäuser genutzt. Mitten auf der Wiese steht die kleine Kapelle von Leano.

Wieder geht es in den Wald hinein. Der Weg zieht sich erneut in Serpentinen hoch, der Wald sieht hier jedoch schon deutlich wilder aus als im ersten Abschnitt. Plötzlich raschelt es wenige Meter vor mir und ein Reh springt durch den Wald den Hang hinauf. Ich bleibe stehen, das Reh bleibt stehen. Minutenlang beobachten wir uns aus sicherer Distanz. Es wartet noch, bis ich ein paar Fotos gemacht habe, dann verschwindet es mit weiten Sprüngen tief im Wald.

Das Felsentor zur Malga Vil

Das Felsentor zur Malga Vil

Weiter geht es hinauf. Nach eine Linkskurve führt der Weg zwischen Felswänden hindurch. Einige Löcher sind in diesen Wänden, man kann sie sicher leicht erklettern. Nehmt Eure Stirnlampe mit, wenn Ihr die Höhlen erkunden wollt! Die schmalste Stelle zwischen den Felswänden ist gerade so breit, dass sie von einem Weidegatter verschlossen werden kann. Das Gatter ist offen, ich kann also bequem weiterwandern.

Direkt hinter dem Gatter ist links eine Höhle, die man direkt vom Weg aus erreicht. Nicht besonders groß, nicht besonders aufregend, ein paar alte Fässer liegen darin.

Der große Felsabbruch ist gut zu sehen

Der große Felsabbruch ist gut zu sehen

Auf der rechtes Seite des Weges ist aber ein riesiges Felsdach, vom dem vor wohl nicht allzu langer Zeit ein beachtlicher Felsen abgebrochen ist. Da möchte man nicht in der Nähe gewesen sein, als der runtergekracht ist.

An der Malga Vil, kurz vor dem Passo Guil

An der Malga Vil, kurz vor dem Passo Guil

Ich befinde mich bereits auf den Almwiesen der Malga Vil, kurz darauf passiere ich die zur Zeit leerstehenden Almhütte. Dann folgt noch ein letzter Aufstieg. Kurz geht es wieder in den Wald und dann habe ich auch den höchsten Punkt der Wanderung erreicht, den 1209 Meter hohen Passo Guil. Von hier aus kann man in verschiedene Richtungen weiterwandern.

Der Passo Guil, mit 1209 Metern der höchste Punkt der Wanderung

Der Passo Guil, mit 1209 Metern der höchste Punkt der Wanderung

Soll ich meinem Buch folgen und den direkten Weg nach Limone nehmen? Der Weg 117 führt schmal und steil bergab, sehr interessant. Das Hinweisschild „Bike Extreme“ spricht auch dafür, dass es ein interessanter Weg ist.

Aber ich habe mich richtig entschieden und sage Euch hiermit: Nehmt nicht den Weg 117, sondern wandert auf dem Weg 101 weiter! Folgt den Schildern zur Cima Mughera mit dem Punto Ristoro in 300 Metern! Beziehungsweise der „Oasi Panoramica“ in 200 Metern, so ganz einig war man sich da nicht.

Das Ristoro Mughera, der kleine Kiosk mitten am Berg

Das Ristoro Mughera, der kleine Kiosk mitten am Berg

Irgendwie scheint mir der Weg dann doch etwas länger als 200 oder 300 Meter zu sein, aber dann bin ich am Ristoro Mughera angelangt. Mitten im Wald taucht plötzlich diese Holzhütte auf, in der man warme Panini und Dosengetränke bekommt.

Damit geht es dann ab zu dem Holztischen oder noch besser in einen der Liegestühle und man geniesst seine Mahlzeit mit einem großartigen Blick auf den Monte Baldo gegenüber und auf den Gardasee, der etwa einen Kilometer weiter unten glitzert. Sofortige Entspannung ist garantiert. Das sieht auch der Chef des Hauses so, der es sich in der Hängematte bequem gemacht hat.

Ristoro Mughera - Instant Entspannung im Liegestuhl

Ristoro Mughera – Instant Entspannung im Liegestuhl

Ich könnte den ganzen Tag hier im Liegestuhl sitzen bleiben und die Landschaft betrachten. Aber da ist ja noch der kleine Aufstieg zur Cima Mughera. Und der lange Abstieg. Zunächst geht es noch die paar Meter hinauf. Nicht ganz leicht, denn der schmale Weg ist steil und geröllig. Dafür ist der Ausblick vom Gipfel noch mal besser als vorher aus dem Liegestuhl.

Super Ausblick von der Cima Mughera auf den Gardasee mit Malcesine und Limone gleich unterhalb

Super Ausblick von der Cima Mughera auf den Gardasee mit Malcesine und Limone gleich unterhalb

Vorsichtig geht es über den Geröllweg wieder runter und dann weiter auf den Weg in Richtung Limone. Der schmale Weg zieht sich in vielen kurzen Serpentinen durch den lichten Wald. Der Blick in das Valle del Signol ist klasse. An den Hängen gegenüber sieht man die Zickzacklinie eines noch steileren Weges. Weiter unten wird der Wald dann dichter, der Weg hat nicht mehr ganz so viele Serpentinen, dafür wird er teilweise etwas steiler. Und irgendwo da unten muss dann auch Limone sul Garda liegen.

In steilen Serpentinen bergab nach Limone

In steilen Serpentinen bergab nach Limone

Im unteren Abschnitt fehlt der vor der Sonne schützende Wald. Der Weg wird nochmal steiler und ist jetzt grob gepflastert. Nicht angenehm zu gehen. Dafür führt er bald an einem Bach entlang, der für Abwechslung sorgt.

Wie schon zu Beginn der Wanderung gibt es auch hier einen alten Kalkofen, wieder mit erklärenden Schautafeln, auch auf Deutsch. Kurz darauf quert der Weg ein Bachbett, dann geht es weiter in angenehmerem Gefälle Richtung Limone. Der Bach fließt nun links vom Weg, an mehreren Stellen kann man direkt in den Bach gehen, der sehr breit und flach durch das Tal fließt. Mehrere Mauerstufen sorgen für kleine Wasserfälle. Die Picknickbänke zeigen an, dass der Ort nicht mehr weit entfernt sein kann.

Die Bar Milanesa liegt direkt am Ortseingang von Limone sul Garda. Hier kann man es sich noch einmal bequem machen. Ich will aber gleich runter zum Hafen. Und schnell merke ich, wie weitläufig Limone oberhalb der Gardesana-Straße ist. Es zieht sich ganz schön, bis ich die Straße quere und in der Altstadt bin. Limone ist zwar extrem touristisch, die schmalen Gassen der Altstadt sind aber trotzdem sehr sehenswert.

Limone sul Garda - trotz Massentourismus ein sehr schöner Ort

Limone sul Garda – trotz Massentourismus ein sehr schöner Ort

Und so sollten viel mehr Wanderungen ausklingen: An Bord eines 110 Jahre alten Schaufelraddampfers. Die letzte Etappe der Wanderung sitze ich auf dem Sonnendeck der 1903 gebauten „Giuseppe Zanardelli“ und sehe auf den Monte Baldo und die Burg von Malcesine.

Dauer und Schwierigkeit:
Von Prè nach Leano etwa eineinviertel Stunden, dann erneut etwa 1:15 h bis zum Passo Guil. Von dort sind es knapp zehn Minuten zum Ristoro Mughera. In fünf Minuten ist man auf der Cima Mughera. Für den Abstieg bis zum Ortsanfang von Limone habe ich zweieinhalb gemütliche Stunden benötigt, bis zum Hafen sind es noch einmal 20 Minuten. Insgesamt fünfeinhalb Stunden. Etwas schwierig, rutschig und leicht ausgesetzt ist eigentlich nur der direkte Aufstieg zur Cima Mughera, den man allerdings auch komplett auslassen kann. Der Blick ist den Aufstieg aber wert! Der Abstieg ist lang. Im unteren Teil führt er über gepflasterte Wege, was stark auf die Knie geht, Stöcke sind sehr empfehlenswert.

Höhenangaben:
Prè: 501 Meter
Leano: 888 Meter
Malga Vil: 1130 Meter
Passo Guil: 1208 Meter
Cima Mughera: 1161 Meter
Limone sul Garda: 66 Meter

Essen und Trinken:
Belegte, warme Panini und Getränke gibt es am Kiosk Ristoro Mughera, kurz hinter dem Passo Guil. Dann erst wieder in Limone. Wann das Ristoro geöffnet ist, ist nicht so ganz klar. Bei unserem zweiten Besucb dort Ende Mai 2018 waf es geschlossen. Vielleicht war nocb nicht Saison, vielleicht ist es ganz zu oder nur am Wochenende geöffnet? Ich konnte es nicht herausfinden.

Wo muss ich besonders aufpassen?
Schwierig ist eigentlich nur der kurze direkte Auf- und Abstieg zur Spitze der Cima Mughera. Hier ist es vor allem der geröllige Weg, der das Gehen erschwert. Eventuell kann es im unteren Teil nach starken Regenfällen oder der Schneeschmelze schwieriger werden, wenn die Bäche viel Wasser führen, bei meiner Tour im Mai war es dort völlig problemlos.

Per Raddampfer zurück nach Malcesine - ein schöner Abschluss einer Wanderung

Per Raddampfer zurück nach Malcesine – ein schöner Abschluss einer Wanderung

Wie komme ich hin?
Von Riva aus gibt es eine Busverbindung nach Prè, die Busse fahren aber sehr selten. Die Anfahrt mit dem Auto empfiehlt sich nur, wenn man hingebracht wird, da man zu Fuß kaum wieder zum Ausgangspunkt der Wanderung kommt. Mit dem Auto: Von Riva del Garda aus durch den Tunnel ins Ledrotal, kurz hinter Biacesa zweigt die Straße nach Prè ab. Dort bis zur Kirche fahren.

Buchtipps und Wanderkarte:
Hinweis: Die beiden unten aufgelisteten Bücher sind inhaltlich gleich. Sie unterscheiden sich vor allem im Format. „Gardasee“ ist die kompakte Variante für den Rucksack.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Bericht, grandiose Fotos.
    Ich glaube ich hätte mich für den schwierigeren Weg entschieden, ich bin eher für das Abendteuer haha 🙂
    Aber wirklich herrlich

  2. Hallo Mel,

    vielen Dank! Da musste das Abenteuer zurückstehen. Ich hatte schon von der Hütte gehört, da musste ich sie mir einfach ansehen. Und es lohnt sich wirklich!

    Viele Grüße,
    Uli

  3. Eine wirklich schöne Wanderung und Bericht! Ich hatte nur einen Tag zum Wander zur Verfügung und bei dieser Tour fand ich alles, Aufstieg, Abstieg, Wiesen, Wald, Berge, tolle Blicke und zum Abschluss mit dem Schiff gemütlich zurück. Es war ein gelungener Tag. Danke.

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