Ásbyrgi – in der Hufeisenschlucht

Islands Norden: Rote Wände, Ein achtbeiniges Pferd, ein See und Heimatgefühl

Das schnellste Pferd von allen jagt, angetrieben durch seinen Reiter, über die weißen Weiten der Arktis. Plötzlich stolpert Sleipnir, droht zu stürzen, kann sich nur durch einen Ausfallschritt halten. Einer seiner acht Hufe tritt in die Erde im Norden Islands. Es bleibt: Ásbyrgi, die Hufeisenschlucht, Hauptstadt des verborgenen Volkes. So muss es gewesen sein, jede andere Erklärung wären zu profan.

Der See Botnstjörn liegt direkt unterhalb der Felswände der Ásbyrgi-Schlucht

Der See Botnstjörn liegt direkt unterhalb der Felswände der Ásbyrgi-Schlucht

Zum Beispiel die, dass die Ásbyrgi-Schluchtr durch einen Gletscherabfluss entstanden ist. Dass an der Stelle, an der wir stehen, einmal der Fluss Jökulsá á Fjöllum durch diese Schlucht geflossen sei. Als riesiger, großartiger, wilder Wasserfall über die roten Wände geflossen wäre, um kurz darauf ins Nordmeer zu münden. Bis der Fluss seinen Lauf geändert hätte, um nun ein Stück weiter östlich über den Axarfjord ins Meer zu fließen.

Aber es war ja Sleipnir, Odins achtbeiniges Pferd, dass hier seinen Hufabdruck hinterlassen hat. Wenn man die Größe der Schlucht sieht und sich vorstellt, dass das nur ein Hufabdruck von Odins Pferd ist, möchte man den Beiden nicht begegnen. Es muss ein riesiges Pferd gewesen sein, deshalb gibt es hier auf Island auch nur diesen einen Hufabdruck.

In die Hufeisenschlucht

Seit genau einer Woche fahren wir durch Island. Nur der Zufall hat uns hergebracht. Wir wollten die schlechte Schotterstraße zum Dettifoss-Wasserfall nicht wieder zurück zur Ringstraße fahren und sind deshalb weiter in den Norden gefahren, als unser Plan vorsah. Nach Ásbyrgi. Wir hatten es schon bei unseren Vorbereitungen als mögliches Ziel gesehen, es erschien uns aber damals aber als zu weit abseits liegend. Jetzt sind wir doch da.

Es ist schon später Nachmittag, wir sind ungeplant hergekommen und müssen noch weit zu unserem Campingplatz fahren. Daher nehmen wir uns weniger Zeit für Ásbyrgi als wir eigentlich sollten.

Auf dem Weg zum Parkplatz in der Ásbyrgi-Schlucht

Auf dem Weg zum Parkplatz in der Ásbyrgi-Schlucht

Direkt an der Straße 85 liegt das Infocenter. Ein großer Parkplatz, daneben der Campingplatz. Wir hätten von hier aus wandern können, aber aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit sind wir weiter zum Parkplatz am Wald innerhalb der Schlucht gefahren. So verpassen wir den Aufstieg auf den etwa 25 Meter hohen Tafelfelsen Eyjan („Insel“, ein passender Name), von dem aus der Blick in die Schlucht wirklich toll sein soll. Wir sehen den Eyjan nur im Vorüberfahren.

Der Tafelberg Eyjan. Er ist nicht hoch, sieht aber dennoch beeindruckend aus

Der Tafelberg Eyjan. Er ist nicht hoch, sieht aber dennoch beeindruckend aus

Im Wald

Nun stehen wir hier im kleinen Wäldchen, das geschützt innerhalb der Felsschlucht Ásbyrgi liegt. Mitten im Fußabdruck von Odins Pferd. Und ich spüre, wie ich hier tiefer einatme. Und mir fällt plötzlich etwas auf: Wie wenig Bäume wir bisher gesehen haben. Um den Brúarfoss herum sind wir durch größeres Gestrüpp gewandert, der Svartifoss liegt in einem grünen Tal mit Bäumen und Sträuchern, aber das war es auch schon.

Es gibt sehr viel Grün auf Island, aber das ist meist Wiese oder Moos. Bäume, Wälder gar, sind hier oben, nah dem Polarkreis, sehr selten. Nachdem wir auch schon den isländischen Wind kennengelernt haben, ist es kein Wunder, dass es größere Pflanzen hier schwer haben. Auch dieser Wald ist weit von dem entfernt, wie wir uns einen Wald in Deutschland vorstellen. Hoch wachsen die Bäume hier nicht.

Ab in den Wald, der sich hier in der geschützten Schlucht entwickelt hat

Ab in den Wald, der sich hier in der geschützten Schlucht entwickelt hat

Aber hier in der windgeschützten Schlucht Ásbyrgi gibt es einen Mischwald aus Birken, Weiden und einigen anderen Baumarten und es ist ein gutes Gefühl, darin zu stehen. Nicht, dass ich Wald vermisst hätte in der letzten Woche. So viel gab es zu sehen, neue Eindrücke im Minutentakt. Trotzdem: Tief einatmen. Fühlt sich gut an. Geht das allen Besuchern so? Vielleicht stimmt es ja doch, dass wir Deutschen ein besonderes Verhältnis zum Wald haben.

Vom Parkplatz aus führen mehrere angelegte Kieswege als Rundweg durch den kleinen Wald zum See Botnstjörn. Dieser liegt direkt unterhalb der roten, senkrechten Felswand, die uns nun von drei Seiten umschließt. Wir sehen einen kleinen Wasserfall, der an einer Stelle aus der Wand herunterrinnt. Ein dünnes Rinnsal nur, kein Vergleich zu all den anderen Wasserfällen, die wir gesehen haben. Das ist der kleine Rest des Jökulsá á Fjöllum, des Flusses, dessen großen Wasserfall Dettifoss wir zuvor besucht hatten.

Botnstjörn

Auf dem Botnstjörn dümpeln einige Vögel, darunter Pfeifenten. Diese Entenart nistet hier am See. Auf isländisch heißen sie „Rauðhöfðaönd“, Rotkopfenten, nach dem rotbraunen Kopf der männlichen Tiere. Einzelne Felsen, teilweise mit Moos überzogen, liegen im Wasser. Als wenn sie ein Landschaftsgärtner genau dorthin drapiert hätte.

Am See Botnstjörn

Am See Botnstjörn

Auf Holzstegen und Holzplattformen kann man direkt an den See und Enten und die Felswand von einer leicht erhöhten Position aus beobachten. Wir fühlen uns fast wie in einem japanischen Garten, so stimmig erscheint alles. Grün, See, Felsen, Enten. Außer uns sind nur drei andere Besucher hier, denen es ganz ähnlich zu gehen scheint.

Wir gehen weiter nach rechts, einen kurzen Stichweg entlang, der ein Stück bergauf führt. Von hier oben haben wir noch einmal einen schönen Blick auf die Felswand und über den Wald nach Norden, bis zum Eyjan und noch weiter zu den Bergen im Nordosten. Der Weg ist ziemlich steinig, aber nur wenige Meter kurz und nicht schwer.

Vom etwas erhöhten Standpunkt aus haben wir einen guten Blick über die Ásbyrgi-Schlucht und den kleinen Wald bis zum Eyjan-Felsen

Vom etwas erhöhten Standpunkt aus haben wir einen guten Blick über die Ásbyrgi-Schlucht und den kleinen Wald bis zum Eyjan-Felsen

Ásbyrgi, die Elfenhauptstadt

Nicht nur durch seine Entstehungsgeschichte ist Ásbyrgi ein mystischer Ort. Es gilt auch als die Hauptstadt der Elfen Islands, des verborgenen Volkes. Wie überall in Island gilt es auch hier, respektvoll mit den Elfen und dem Glauben an sie umzugehen. Eine Tafel erläutert die Bedeutung des Ortes als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Elfenvolkes.

Blick hinunter auf den Botnstjörn

Blick hinunter auf den Botnstjörn

Ásbyrgi gilt als eines der touristischen Hauptziele in Nordisland, wir hatten wohl einfach Glück, dass wir es fast für uns alleine hatten. Es ist ein besonderer Ort, den zu besuchen wirklich lohnt. Wir hätten etwas mehr Zeit mitbringen sollen, um eine Wanderung zu machen oder zumindest den Eyjan zu besteigen. So war es nur ein kurzer Spaziergang.

Ein Blick zurück auf den Eyjan

Ein Blick zurück auf den Eyjan

Durch das Gebiet führen aber mehrere Wanderwege, über die Ihr im Infocenter an der Straße Informationen bekommt. Neben dem Infocenter liegt ein Campingplatz. Parkplätze gibt es direkt am Infocenter oder unmittelbar vor dem Wald innerhalb der Hufeisenschlucht.

Links:
Öffnungszeiten Ásbyrgi Visitor Centre
Informationen zum Campingplatz bei tjalda.is und nat.is
Wanderungen in der Asbyrgi-Schlucht auf Trekkingtrails.de und bei trekkingguide.de
Über Odins Pferd Sleipnir findet Ihr Informationen z.B. bei schwarzesbayern.info und norwik.de

Buchtipps und Wanderkarte:

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