127 Hours – Die Geschichte des Aron Ralston

Im Kino: „127 Hours“ von Danny Boyle

Der Outdoor-Film des Jahres wird sicher Danny Boyles 127 Hours* sein: Die wahre Geschichte des Aron Ralston, der im Blue John Canyon in Utah zum Klettern geht. Während er in der Felsspalte klettert, löst sich ein Felsbrocken und klemmt seine rechte Hand ein, ohne dass er sie wieder befreien könnte.

Das „Oops“, das man im Trailer sieht, ist übrigens nicht seine erste Reaktion auf den Unfall, wie ich zuerst dachte.

Die weitere Geschichte ist schnell erzählt. Aron hat niemandem mitgeteilt, wo er sich befindet, er hat kein Handy mit und es ist extrem unwahrscheinlich, dass er zufällig gefunden und befreit wird. Er wird mehr als fünf Tage, „127 Stunden“, die dem Film den Namen geben, eingeklemmt in der Felsspalte zubringen. Alle Versuche, die Hand mit einem Messer und seiner Kletterausrüstung zu befreien, schlagen fehl.

Dann macht er das eigentlich Undenkbare, um zu Überleben: Er amputiert sich mit einem stumpfen Messer den Unterarm: „Nichts auf der Welt ist stärker als der Wille zu überleben.“

Die erste Viertelstunde des Films ist wie ein Videoclip. Schnelle Schnitte, Split-Screens, hämmernde Musik, viel Adrenalin. Die Radfahrt durch die Wüste könnte auch aus einem Film der Banff Tour oder der EOFT stammen, ebenso die Szene in der er mit den beiden Mädchen, die er im Blue John Canyon trifft, durch die Felsspalte in den See springt.

Nach dieser Action-Viertelstunde ist Aron Ralston in der Felsspalte eingeklemmt. Fünf Tage lang. Für den Kinobesucher etwa 75 Minuten lang. Aber wer denkt, dass der Film jetzt bedeutend ruhiger oder gar langweilig wird, täuscht sich. Neben den Versuchen, sich zu befreien, nimmt sich Aron mit seiner Videokamera auf, seine Situation kommentierend. Dazu kommen immer wieder Traumsequenzen: Aron mit Freunden im Auto, auf Parties, im Stadion, mit den Eltern und der Schwester zu Hause. Kurz gesagt, es passiert eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass er alleine und nahezu Bewegungsunfähig in der absoluten Einsamkeit ausharren muss.

Das ist meiner Meinung nach auch die große Schwäche des Films: Es bleibt kaum Zeit, Gefühle wie Einsamkeit, Verzweiflung oder Angst darzustellen, die einem in dieser Situation sicher kommen müssen. Der Film hat nur wenige und sehr kurze ruhigere Momente. Dennoch finde ich den Film insgesamt wirklich gut und sehenswert.

Regisseur von 127 Hours* ist Danny Boyle, von dem die Filme Trainspotting* und Slumdog Millionaire* stammen. Der Hauptdarsteller des Films, der Aron Ralston spielt, ist James Franco.

127 Hours war für sechs Oscars nominiert, unter anderem für den besten Film. James Franco war für die beste männliche Hauptrolle nominiert. Einen Oscar gab es zwar nicht, aber sechs Nominierungen sind meiner Ansicht nach auch ungewöhlich für einen Film mit einem so besonderen Thema.

James Franco spielt wirklich extrem gut. Ich habe Kritiken gelesen habe, in denen bemängelt wurde, dass man mit ihm nicht so recht mitfühlen kann. Das liegt meiner Meinung nach an den zu wenigen, zu kurzen Ruhephasen des Films.

Aber die Kameraführung, die Filmtricks, ob die Splitscreens, die Traumszenen oder die Kameraperspektive aus der Trinkflasche oder Camelbak-Trinkschlauch, sind schon sehr gut. Dazu passt auch die Musik von A.R. Rahman. Insgesamt wirklich ein sehenswerter Film.

Aron Ralston klettert immer noch, mit einer Unterarmprothese. Dazu arbeitet er als Motivationstrainer und erzählt seine Geschichte auf Vortragsreisen, etwa durch amerikanische Schulen.

Film:
127 Hours
USA, GB 2010
94 Min.
Regie: Danny Boyle
Darsteller: James Franco, Kate Mara, Amber Tamblyn
Filmmusik: A.R. Rahman
FSK: ab 12 Jahre

Buch, Soundtrack, DVD und Blue-ray:

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