Gebrauchsanweisung für die Alpen

Bene Benedikt – Gebrauchsanweisung für die Alpen

Als Bene Benedikt, Chefredakteur der Zeitschrift Alpin sein gerade erschienenes Buch „Gebrauchsanweisung für die Alpen“ im Alpinen Museum in München vorgestellt hat, konnte ich nicht dabei sein. Aber ich hatte mir das Buch schon am Vormittag gekauft und auf zwei langen Zugfahrten gelesen.

Ein Buch, dass vom Chefredakteur einer Bergsport-Zeitschrift geschrieben wurde und dass auch noch das Wort Gebrauchsanweisung im Titel trägt, dann muss das doch voll sein mit nützlichen Informationen: Zwiebelprinzip, Packlisten, wie biwakiere ich richtig, wo finde ich die schönste Kletterroute, die eindrucksvollste Wanderung und den spektakulärsten Klettersteig. Stimmt aber nicht.

Dieses Buch ist keine Tipps und Tricks Sammlung, es stellt auch nicht vorrangig besondere Berge, Routen, Wege oder Orte vor, ist also auch kein Reiseführer im klassischen Sinn.

Ich würde es als Reise-Lesebuch für die Alpen bezeichnen. „Der Einstieg“ führt uns in die Kindheit des Autors, zu seinem Hausberg, dem Hohen Straußberg in den Ammergauer Alpen. Damit wissen wir auch, das Buch wird von der persönlichen Sichtweise des Autors geprägt sein, mal mehr, mal etwas weniger.

In den folgenden zwanzig Kapiteln geht es um Sport und Tourismus in den Alpen. Das Verhältnis der Menschen zur Natur. Über Bergführer, Senner und Hüttenwirte. Und um die Hütten selbst, uralte und ganz moderne. Dabei kommen Anekdoten und besondere Geschichten, wie die vom „Schutzhaus Schöne Aussicht“ im Südtiroler Schnalstal nicht zu kurz. Natürlich auch die alten und immer aktuellen Fragen der Aufstehzeit, der Hüttenschnarcher und des Bergsteigeressens und welches wohl die beste Strategie für eine erholsame Nacht sein könnte.

Über alte, einsame Wege in den Bergen sinniert der Autor, aber auch über die Lust, über die Passstraßen Südtirols zu fahren. Mit ökologisch schlechtem Gewissen, aber mit viel Spaß. Ebenso ist es mit dem Skifahren. Spaß machts ihm, aber es vergleicht auch die alten Zeiten mit den heutigen Event-Arenen, den glatten Ski-Autobahnen mit den Schneekanonen. Die man aber beim Fahren auch geschickt ausblenden kann.

Vom Leben der Menschen in den Alpen handeln die Geschichten. Vom Kaser auf der Alm und dem Olivebnbauern am Comer See ebenso wie von den Studenten, die der Nähe zu den Bergen wegen gerne nach Innsbruck gehen. Von Bewahrern und Eventmanagern. Von Bergsteigerdörfern und dem Bergbau vergangener Zeiten.

Oft sind es Gegensätze, die Bene Benedikt in seinem Buch beschreibt: Die einfachen Hütten und die Erwartungen mancher Gäste. Die Freude am Skisport, aber auch die Auswüchse. Kunst und Kommerz, die oft Hand in Hand gehen. Die Einsamkeit der Berge und die künstlichen Erlebniswelten, die oft auch ihre Berechtigung haben. Die Stilisierung der aktuellen Bergsteigergeneration zu Helden im Fels, die sich aber auch viel stärker vermarkten müssen als früher.

Ich bin auf Orte gestoßen, die ich selbst kenne, wie Galtür, wo er dem großen Lawinenunglück nahe war und eindringlich berichtet. Ich habe den Ort und das Musuem dort Jahre später besucht. An anderer Stelle hat mich das Buch daran erinnert, dass ich „Arte Sella“ im Val di Sella einmal sehen möchte. Und dass ich das umstrittene „Horizon Field“ mit den Eisenskulpturen von Antony Gormley verpasst habe.

Im Kapitel „Gastlichkeit: Von Kerzen und Kanonen“ möchte man jedes Hotel und Gasthaus rot anstreichen, um es sich für einen Besuch zu merken. Bis man feststellt, dass das Budget meist wohl kaum reichen wird.

Feuilleton: Vom Geist der Berge“ widmet sich in der zweiten Hälfte dem Messner Mountain Museum Projekt. Das hätte ich erst später lesen sollen, jetzt bin ich möglicherweise voreingenommen.

In „Helden: Mut und Marketing“ weicht die Erzählung etwas einer Auflistung der wichtigen und bekannten Bergsteiger von früher und heute.

Und ganz am Schluss geht es um Abstürze am Fels und der Pistenbar, um Gipfelsammler und die Halbe-Stunden-Regel. Die kennt Ihr nicht? Ich werde sie nicht verraten.

Gebrauchsanweisung für die Alpen“ von Bene Benedikt ist ein leicht zu lesendes Buch für alle, die die Alpen mögen. Nirgends wird es zu tiefgehend. Langatmig oder langweilig ist es sowieso nie. Aber beim Lesen erinnert man sich an längst vergessenes, irgendwann einmal gehörtes oder an kleine Geschichten, die man selber so oder so ähnlich erlebt hat. Und ganz nebenbei lernt man dann doch eine Menge Neues über die Alpen.

Ein schönes Buch aus der „Gebrauchsanweisung“-Reihe des Piper Verlages. Aus dieser Reihe habe ich auch schon die „Gebrauchsanweisung für den Gardasee“, die ich Euch ebenso empfehlen kann.

Gebrauchsanweisung für die Alpen

Bene Benedikt
Piper Verlag
224 Seiten
Taschenbuch
19 x 11,8 x 2,6 cm
Piper Taschenbuch
ISBN: 978-3-4922-7647-4
14,99 Euro

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